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Im Krieg verliert immer das Individuum: 15 internationale Künstler untersuchen jetzt in Münster das Schicksal des Einzelnen im Angesicht militärischer Konflikte

Abu-Ghuraib in der Einbauküche



Kriege, Bürgerkriege oder, wie manche Politiker und Kommentatoren es gerne beschönigend ausdrücken, sogenannte „bewaffnete Konflikte“ sind seit Jahrhunderten beliebte Motive der Kunst. Ob Francisco de Goyas berühmte Radierungsfolge „Los Desastres de la Guerra“, Pablo Picassos „Guernica“ oder die vor Brutalität nur so strotzenden apokalyptischen Modellbaulandschaften der britischen Schockartisten Jake & Dinos Chapman – an oftmals schwer zu ertragender Detailtreue mangelt es diesen Darstellungen jedenfalls nicht. Eine Präsentation in der Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst in Münster untersucht dieses beklemmende Menschheitsthema nun von einer ganz anderen Seite: „Krieg/Individuum“ heißt die Schau, die sich dem Thema eher mit subtileren Bildern nähert, als rein vordergründig auf Läuterung durch Schock und Sensation zu setzen.


Die beiden Gastkuratorinnen Susanne Düchting und Julia Wirxel haben 15 internationale Künstler eingeladen, die sich dem Thema teils als Betroffene, teils als distanzierte Beobachter nähern. Der aus Israel stammende Duisburger Künstler Gil Shachar etwa zeigt den lebensgroßen Abguss eines männlichen Oberkörpers. Die Hände sind auf dem Rücken gefesselt, und der Kopf ist unter einem Baumwollsack verborgen. Shachars eindringliche Arbeit weckt Assoziationen an Festnahme- und Verhörsituationen, wie sie dem Betrachter in Nachrichtensendungen nahezu allabendlich begegnen. Israel, Palästina, Irak, Afghanistan, Jemen, Pakistan oder Guantanamo: Die Schauplätze sind nahezu austauschbar. Die Akteure bleiben anonym, ob als uniformierte Armeeangehörige oder als entindividualisierte Gefangene. Shachar setzt auf die Aura körperlicher Präsenz. Auch mit seiner zweiten Installation: Wiederum ist ein männlicher Oberkörper mit einem Sack über dem Kopf zu sehen, allerdings in einem beklemmend engen Raum, in dem lediglich eine einzelne Glühbirne brennt. Permanent laufende Opernmusik soll an die umstrittenen Verhör- und Zermürbungsmethoden der israelischen Armee erinnern.

Eine gegenteilige, wesentlich abstrahierendere künstlerische Strategie wendet der Niederländer Helmut Smits an. Seine Videoarbeit „The End“ ähnelt dem endlosen Abspann eines Hollywoodfilms. Namentlich aufgelistet werden aber keine Kostümbildner, Beleuchter oder Produktionsfahrer sondern alle Gefallenen der sogenannten „Operation Enduring Freedom“ zwischen dem 11. September 2001 und dem 14. April 2009. Seitdem ist die Liste um einige Namen länger geworden. Eher dokumentarisch investigativ nähert sich der Deutsche Lukas Einsele dem Thema. Anhand von Patentschriften, Fotografien und anderen Archivmaterialien legt er die Verstrickung deutscher, französischer, israelischer und amerikanischer Ingenieure und Rüstungskonzerne in die Produktion verheerend wirkender und von der UNO geächteter Streubomben offen.

Mit sarkastischem Unterton kommen die kleinen Daumenkinos der Deutsch-Iranerin Parastou Forouhar daher. Sie zeigen in der Ästhetik harmloser Kinderbelustigungen wie Menschen gesteinigt oder gefoltert werden. Forouhar ist eine unmittelbar Betroffene. Vor zwölf Jahren wurden ihre oppositionell eingestellten Eltern im Iran ermordet. Als die in Offenbach lebende Forouhar im Dezember 2009 nach Teheran gereist war, um an einer Gedenkfeier für ihre Eltern teilzunehmen, wurde ihr der Pass abgenommen. Erst nach 16 Tagen durfte sie das Land wieder verlassen. Die junge Libanesin Randa Mirza hat bewaffneten Scharmützel im eigenen Land direkt miterlebt. Auf ihren Fotomontagen finden sich Touristen im Freizeitlook urplötzlich inmitten kriegsähnlicher Situationen wieder.

Auch die beiden amerikanischen Konzeptkünstlerinnen Jenny Holzer und Martha Rosler sind in der Schau vertreten. Holzer zeigt Großaufnahmen teilweise obszön beschrifteter Hautpartien aus ihrer 1994 entstandenen Serie „Lustmord“ und weckt damit Erinnerungen an die weiblichen Opfer der Jugoslawienkriege der 1990er Jahre. Von Rosler wiederum sind etliche Fotomontagen aus ihrer fortlaufenden, bereits 1967 begonnen Serie „Bringing the War Home“ zu sehen. In die Heile-Welt-Interieurs amerikanischer Wohnzeitschriften montiert Rosler Napalmbombenopfer, Feuersbrünste, bis an die Zähne bewaffnete High-Tech-Soldaten und vollkommen unbekümmert dreinblickende Hausfrauen: Abu-Ghuraib in der Einbauküche.

Die Schau „Krieg/Individuum“ verzichtet anders etwa als der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn auf die Darstellung von Blut, zerfetzten Gliedmaßen oder Leichenbergen. Diese Bilder sind Tag für Tag im Fernsehen und im Internet präsent. Stattdessen – und das ist das Verdienst der sorgfältig kuratierten Schau – zeigen die Kuratorinnen in ruhigen, aber nachdenklich stimmenden Bildern die unheimliche Potentialität des Martialischen.

Die Ausstellung „Krieg/Individuum“ ist bis zum 25. April zu sehen. Die Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster hat dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr, am Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Katalog erscheint Mitte März.

Kontakt:

Kunsthalle Münster

Hafenweg 28

DE-48155 Münster

Telefon:+49 (0251) 674 46 75

Telefax:+49 (0251) 674 46 85

E-Mail: kulturamt@stadt-muenster.de



26.02.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


20.02.2010, Krieg / Individuum










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