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Mehr als 120 Aquarelle des Brücke-Künstlers Erich Heckel auf großer Ausstellungstournee durch Deutschland – derzeitige Station ist die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen

Der stille Expressionist



Es gibt Sammler, die behaupten, dass sich Erich Heckels wahres Talent erst nach dem Zweiten Weltkrieg richtig entfaltet hätte. Die Brücke-Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die 1920er und 1930er Jahre in Berlin und die damals entstandenen Stadtansichten und auch seine in der Formsprache weicher und in den Farben ausgewogener gewordenen Landschaften seien nur ein Suchen, Tasten und Ringen gewesen, um in den Jahren nach 1945, als sich Erich Heckel am Bodensee angesiedelt hatte, als Künstler ganz zu sich selbst zu kommen.


Wie immer man Heckels Früh- und Spätwerk in Beziehung setzen will, es ist eine Tatsache, dass die Brücke-Zeit das Œuvre dieses Malers überschattet und dass das spätere Werk kaum wahrgenommen wird. Die derzeitige Ausstellung „Erich Heckel. Der stille Expressionist“, die im Laufe des Jahres nach Schloss Gottorf und in die Kunsthalle Emden wandern wird, reiht sich in die wenigen Heckel-Ausstellungen ein, die den Bogen von den Anfängen bis in die letzen Schaffensjahre spannen. Zum ersten Mal werden diese 121 Aquarelle, die zwischen 1906 und 1967 entstanden und die Heckels Ehefrau Siddi Heckel 1970, dem Todesjahr des Künstlers, dem Brücke Museum Berlin übergab, komplett gezeigt. Und darin liegt ein ganz besonderer Reiz. Sie sind nicht mit dem posthumen Blick eines Kurators zusammengestellt. In ihrer Geschlossenheit sind sie so etwas wie ein mikrokosmischer Künstlernachlass, ein Dokument, ein tiefer Blick in 50 Jahre Schaffenszeit.

Es gibt in dieser Ausstellung nur ein einziges Aquarell, in dem Heckel der bizarren, verzerrten Bildsprache der Brücke-Künstler folgt, die sich auch in den zahlreichen Drucken niedergeschlagen hatte: „Beim Friseur“, entstanden 1913 in Berlin in einer Zeit, als auch Ernst Ludwig Kirchner seine expressiven Stadtansichten fertigte. Davor und danach ist Heckel – ganz dem Titel der Ausstellung entsprechend – ein stiller Expressionist, dem bei aller Gegenständlichkeit die geistige Durchdringung des Dargestellten wichtiger war als eine emotional aufgeladene Situationsschilderung. Selbst bei dem Aquarell „Mädchen mit Musikinstrument“ von 1912, auf dem seine spätere Frau Siddi dargestellt ist und das mit den betonten Linien und der überzogenen Perspektive dem Gestus des künstlerischen Aufbruchs folgt, zeichnet sich bereits ab, was für Heckels spätere Aquarelle zum Grundton seiner Bildwelten wird. Die expressionistische Emotionalität wird schmaler, ein Zug von Melancholie und Nachdenklichkeit zieht ein.

Diese Charakteristika zeigen sich auch in den zarten Badeszenen wie „Kinder am Ufer“ von 1920 und „Am Main“ von 1927, in denen Erich Heckel die Beziehung des schutzlosen Menschen in der Natur thematisiert, ebenso wie in den zahlreichen Landschaften, die mit symbolischen Überhöhungen und mitunter kubistischen Stilelementen die Innenwelt des Künstlers reflektieren. Und die Zirkus- und Clownsujets, mit denen er sich zeitlebens befasste und von dessen skeptischer Weltsicht sich Heckel wohl stark angezogen fühlte, durchweht ebenfalls ein Zug von Schwermut und stille Einkehr.

Erich Heckel selbst hat seine Aquarelle als „Bildnotizen“ bezeichnet, in denen er direkt und ungefiltert seine Eindrücke und Empfindungen umgesetzt hat. Zu allen hier gezeigten Arbeiten sind kurz darauf Gemälde entstanden. Vorstudien aber waren sie nicht. Bereits in seinen Aquarellen hatte Heckel seine Eindrücke nahezu manifest künstlerisch umgesetzt, die Situation unmittelbar erfasst und als Bild komponiert. Und im Gegensatz zu den Gemälden, die im Katalog den Aquarellen gegenübergestellt werden, besitzen sie eine Einfachheit, die zu einer malerischen Offenheit führt. Auch in den Arbeiten der Nachkriegszeit lässt diese künstlerische Transparenz Heckels Leitmotiv aus den frühen Jahren der Brücke-Zeit erkennen, dass Kunst unmittelbar und unverfälscht sein solle.

Obwohl Erich Heckel einer der Wegbereiter der Moderne in Deutschland war, ist es erstaunlich, dass sein Leben weitestgehend unbekannt blieb. Anlässlich der Ausstellung hat die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen, die neben den 121 Aquarellen auch Heckels Arbeiten für die Schwenninger Lovis-Presse aus der unmittelbaren Nachkriegszeit ausstellt, die erste Heckel-Biografie initiiert, in der Hans-Joachim Müller sowohl ein sensibles Persönlichkeitsbild als auch die Lebensstationen eines Künstlers darstellt, der den Zeitläufen des 20sten Jahrhunderts ausgesetzt war.

Die Ausstellung „Erich Heckel. Der stille Expressionist“ ist bis zum 25. April in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2 Euro. Weitere Ausstellungsstationen sind Schloss Gottorf in Schleswig, die Kunsthalle Emden und das Brücke Museum Berlin. Der Katalog mit 121 Farbtafeln und insgesamt 137 Abbildungen ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro. Die Heckel-Biografie von Hans-Joachim Müller hat der Verlag der Stadt Villingen-Schwenningen für 5 Euro publiziert.

Kontakt:

Städtische Galerie Villingen-Schwenningen

Friedrich-Ebert-Straße 35

DE-78054 Villingen-Schwenningen

Telefon:+49 (07720) 82 10 98

Telefax:+49 (07720) 82 10 97

E-Mail: galerie@villingen-schwenningen.de



26.02.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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