Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Martin Elsaesser – kein Genie, aber ein solider Modernist des Frankfurter Stadtbilds. Jetzt zeigt das DAM seine Hauptwerke der Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre

Modern bis heute



Begonnen hat er wie die meisten Kollegen aus seiner Generation: 1907 erbaute der 1884 geborene Martin Elsaesser die evangelische Kirche zu Baden-Baden-Lichtenthal in einer Mischung aus Romanik und Barock, seine evangelische Pfarrkirche von Stuttgart-Gaisberg entstand 1912 in den kirchlich modifizierten Formen des klassischen Jugendstil. Doch die Zukunft seiner Architektenzeit gehörte nicht dem Kirchenbau, die letzten Hüllen des schwelgerischen 19ten Jahrhunderts, das um die Problematik seines eigenen architektonischen Schaffens wusste und sie doch nicht zu lösen vermochte, streifte er ab, kurz nachdem die Baukunst überall endlich den Befreiungshieb aus dem Dschungel des Historismus in die Moderne geschlagen hatte. Während einer erstaunlich kurzen Zeit als Baudirektor in Frankfurt am Main zwischen 1925 und 1932 avancierte Elsaesser zu einer der wichtigsten Architektenpersönlichkeiten und griff bis heute prägend in das Bild der ständig sich verändernden Großstadt ein. Auch heute noch lohnt ein Blick auf sein Gesamtwerk.


Die Möglichkeit zu einer solchen Werkschau bietet nun die Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt. Im Erdgeschoss bietet das Kuratorenteam, zu dem auch sein Enkel Thomas Elsaesser gehört, einen Überblick vor allem über die Bauten der Frankfurter Jahre. Viel Flachware natürlich mit Texten, Fotos und originalen Zeichnungen wird hier präsentiert, aber auch eine Reihe von Architekturmodellen, die, wie schon anlässlich vergangener Ausstellungen im DAM, am Institut für Öffentliches Bauen und Entwerfen der Universität Stuttgart entstanden sind. Doch wird durch diese recht üppige Materialfülle umso anschaulicher, dass Martin Elsaesser zu den wichtigsten, wenn auch nicht unbedingt an vorderster Front der Entwicklung stehenden Baumeistern seiner Zeit gehörte. Neue Materialien, die sachliche Gliederung seiner Bauten, das wieder aus der architektonischen Substanz heraus entwickelte Ornament, die lichtreiche, luftige Gestaltung der Innenräume und überhaupt die Gesamtkonzeption eines Baus, die neben der Architektur auch seine Ausstattung einbezieht – das sind in etwa die Pole, zwischen denen sein Werk pendelt und die ihn mit den gleichaltrigen Meistern etwa des Bauhauses in Weimar und Dessau verbinden.

Darin blieb er sich, wie die meisten Architekten seiner Zeit, über die Zeitläufte hinweg weitgehend treu. Diese waren nicht immer günstig, und sie verleiteten ihn auch zu Schritten, die zumindest graue Flecken auf seiner Weste hinterließen. Auf neue Betätigungsfelder hoffend, reist er Ende 1932 nach Abschluss der Bauarbeiten der Villa des Zigarettenfabrikanten Philipp F. Reemtsma in Hamburg zu Benito Mussolini und hielt in Rom vor Studenten eine Rede, die dem Faschismus „tiefe Bedeutung“ und einen „besonderen Wert“ für die zeitgenössische Architektur beimaß. Doch in Italien blitzte er ebenso ab wie mit seinen Versuchen, sich den Nationalsozialisten anzudienen. Utopische Entwürfe etwa für eine gotisierende Brucknersymphoniehalle in Linz 1943/44 lassen nicht nur erkennen, dass da ein wenig germanisierender Größenwahn auch bei Elsaesser Einklang fand, sondern zeugen auch von einem tiefen Unzufriedensein über die Erkenntnis, von den Gegebenheiten ungewollter Geschichte überrollt worden zu sein.

Ins Blickfeld getreten ist Martin Elsaesser für eine größere Öffentlichkeit sowie – was in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen ist – für potente Geldgeber erst neuerdings wieder durch die Diskussion um sein vielleicht bedeutendstes Werk, die Frankfurter Großmarkthalle. Jahrzehntelang intensiv genutzt und nach Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut, stand der 50 Meter tiefe, bis zu 23 Meter hohe und 220 Meter lange Koloss am Main seit dem Umzug der Kaufleute 2004 ins Frischezentrum endgültig leer. Die Europäische Zentralbank, seit 2002 im Besitz des Baus, wird wohl nach einigen Verzögerungen erst 2014 den technisch und gestalterisch durch das Wiener Architektenbüro Coop Himmelb(l)au aufgerüsteten Bau beziehen können.

Allein seiner gigantischen Ausmaße wegen ist das Werk beeindruckend. Dennoch vermag es Elsaesser, die Baumassen so zu gliedern, dass Binnenraum und rahmende Elemente einander die Waage halten. Die in drei mal fünf Segmente eingeteilten, wellenförmig sich fortbewegenden Dacheinheiten enden an den beiden Schmalseiten in quaderförmigen Kopfbauten, die den Bau optisch einfassen und den zur Eintönigkeit neigenden Hauptfassaden zu Main und Stadt hin gleichsam im rechten Moment einen sinnvollen Abschluss geben. Wenn diese in den vergangenen Jahren provisorisch genutzte, zuletzt leerstehende Halle nun eine Modernisierung erfährt, so ist freilich dieser Akt gerechtfertigt. Auch dass zeigt die Ausstellung: Der keilförmige Quader, den die Wiener Architekten quer über das Langschiff stemmen und der es mit dem vertikalen Akzent zweier rund 180 Meter hoher, ineinander verschachtelter Turmscheiben verbindet, ist vielleicht nicht unbedingt die logische, aber eine würdige Weiterführung von Baugedanken, die bei Martin Elsaesser bereits anklingen.

Die Ausstellung „Martin Elsaesser und das Neue Frankfurt“ ist bis zum 14. März zu sehen. Das Deutsche Architekturmuseum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog kostet im Museum 34 Euro, im Buchhandel 49,80 Euro.

Kontakt:

Deutsches Architekturmuseum

Schaumainkai 43

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 21 23 88 44

Telefax:+49 (069) 21 23 63 86



22.02.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bei:


Deutsches Architekturmuseum

Künstler:

Martin Elsaesser

Veranstaltung vom:


10.10.2009, Martin Elsaesser und das Neue Frankfurt










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce