Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 26.10.2019 Kunstauktion 99 bei Winterberg|Kunst in Heidelberg

© Winterberg|Kunst

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Rummelplatz des Pop oder Horrorkabinett des Kunstbetriebs? Die Ausstellung „Pop Life“ in der Hamburger Kunsthalle präsentiert mit Hirst, Koons und Murakami die schamlosesten Selbstvermarkter der Gegenwartskunst. Doch die Schlüsselfigur der Mega-Schau ist die Pop-Ikone Andy Warhol

Andy Warhols ungezähmte Erben



Andy Warhol, Self-Portrait in Drag (Platinum Pageboy Wig), 1981

Andy Warhol, Self-Portrait in Drag (Platinum Pageboy Wig), 1981

Provokation oder brave Chronistenpflicht? Im Foyer der Hamburger Galerie der Gegenwart steht ein massiver Marmorsockel, darauf thront ein vergoldeter Glasbehälter mit einem in Formaldehydlösung eingelegten weißen Kalb. Wer sich auch nur oberflächlich mit zeitgenössischer Kunst auskennt, weiß natürlich sofort, von welchem Künstler diese Arbeit stammt: Dem mittlerweile in die Jahre gekommenen, einstigen Enfant terrible der Young British Art Damien Hirst. Hirst, dessen Kalb zudem noch vergoldete Hufe hat, gilt als eine der Galionsfiguren einer künstlerischen Haltung, die keinerlei Berührungsängste zu den Sphären des Marketing, des Merchandising und der kommerziellen Selbstinszenierung hat. Die von der Londoner Tate Modern übernommene, für Hamburg aber leicht modifizierte Megaschau „Pop Life“ untersucht genau diese Phänomene. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört die originalgetreue Rekonstruktion des legendären „Pop Shops“, den der New Yorker Graffiti-Künstler Keith Haring einst im Szene-Stadtteil SoHo betrieb. Doch auch in Hamburg darf gekauft werden.


Wie weit dürfen sich Künstler auf die Mechanismen der Warenwelt, der Werbung und des reinen Produktplacement einlassen? Wie behauptet sich die Kunst im Zeitalter allgegenwärtiger Gewinnmaximierung und Spekulation? Und, Damien Hirsts Anspielung auf das Goldene Kalb des Alten Testaments deutet es schon an: Welche Götzenbilder verlangt ein immer gierigeres, auf Sensationen und Skandale konditioniertes Publikum?

„Pop Life“ nähert sich diesem Fragekomplex eher kunsthistorisch als sinnlich. War die Ausstellung in London noch als gewaltiger Rummelplatz aufgebaut und ironisierte sich und ihre Exponate damit von vorneherein selbst, so kommt sie in Hamburg eher belehrend daher. Alle Werke sind fein säuberlich hintereinander aufgereiht. Zentrale Exponate, die aus Kostengründen in Hamburg nicht zu sehen sind wie Jeff Koons’ Edelstahlskulptur „Rabbit“, wurden durch weniger markante Arbeiten ersetzt. In der eigenen Sammlung reichlich vorhandene Warhol-Memorabilia dienen den Kuratoren offenbar als willkommene Lückenfüller. Ein Rahmenprogramm mit Künstlern wie Gavin Turk oder Tracey Emin und einem hochkarätig besetzten Symposium zum Thema „Good Business is the Best Art“ wie in London gibt es gleich gar nicht. „Pop Life“: ein großartiges Thema – auf Sparflamme inszeniert. Daran wird man sich in Zeiten knapper Kassen wohl gewöhnen müssen.

Dennoch hält „Pop Life“ für den Besucher viele Arbeiten bereit, die ihn, je nach Temperament und Seherfahrung, amüsieren oder erschaudern lassen. Wenn der Italiener Maurizio Cattelan ein auf dem Boden liegendes, ausgestopftes Pferd zeigt, in dessen Bauch ein improvisiertes Holzschild mit der Aufschrift „INRI“ steckt, dann kann man das entweder geschmacklos, blasphemisch oder genial finden. Milliardenschwere Großsammler wie Miuccia Prada, François Pinault oder Bernard Arnault jedenfalls horten derlei Arbeiten wie Großwildjäger ihre Trophäen.

Kunst oder Kommerz? Oder Kunst, die den Kommerz mit seinen eigenen Waffen schlägt? Andy Warhol, auch das zeigt die Schau, wusste die Angelegenheit noch ironisch in der Schwebe zu halten. Auch wenn er eine Set-Card bei einer berühmten Model-Agentur hatte, Werbung für japanische Videokassetten machte und deutsche Provinzfabrikanten samt Gattinnen gleich dutzendweise porträtierte. Auch Sarah Lucas und Tracey Emin gelang es 1993, mit ihrem Ladengeschäft „The Shop“ sich selbst gehörig auf die Schippe zu nehmen. Einige Andenken wie zerdrückte Bierdosen, T-Shirts und das Häufchen Asche, das letztendlich von allem übrig blieb, sind jetzt in Hamburg in Vitrinen ausgestellt. Bei Jeff Koons, der in der Ausstellung mit zahlreichen, teils pornografischen Exponaten vertreten ist, fragt man sich schon eher nach dem tieferen Sinn derlei strategischer Selbstentblößungen. Interessant zu wissen ist jedenfalls, dass Koons vor seiner Künstlerkarriere sechs Jahre lang als Broker an der New Yorker Warenterminbörse tätig war.

Abschreckendstes Beispiel einer Liaison Dangereuse zwischen Kunst und Kommerz aber sind die Arbeiten des Japaners Takashi Murakami. Murakamis Superflat-Ästhetik bedient sich gängiger Vorbilder aus Kitsch, Kommerz und Comic. Er arbeitet aber auch als Designer für die französische Marke Louis Vuitton. Seine Figuren, wie die Milch absondernde Manga-Barbie „Hiropon“ von 1997 gibt es wahlweise als millionenteures Original oder aber als billige Spielzeugversion. In Hamburg ausgestellt sind beide. In Murakamis Heimat Japan vermischen sich Kunst und Business bereits, als sei das die natürlichste Sache der Welt. Für westliche Betrachter aber ist das Teflonkunst: Der Blick perlt ab, und nichts bleibt hängen.

Die Ausstellung „Pop Life – Warhol, Haring, Koons, Hirst, …“ ist bis zum 9. Mai zu sehen. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog ist im DuMont Buchverlag erschienen und kostet in der Kunsthalle 26,95 Euro, im Buchhandel 29,95 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



15.02.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


12.02.2010, Pop Life - Warhol, Haring, Koons, Hirst, …

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


„Der Kampf lohnt sich“

Variabilder:

Keith Haring, Pop
 Shop
Keith Haring, Pop Shop

Variabilder:

Andy Warhol, Self-Portrait in Drag (Platinum Pageboy Wig), 1981
Andy Warhol, Self-Portrait in Drag (Platinum Pageboy Wig), 1981

Variabilder:

Eingangsbereich zur Ausstellung „Pop Life“ in der Galerie der
 Gegenwart
Eingangsbereich zur Ausstellung „Pop Life“ in der Galerie der Gegenwart







Keith Haring, Pop Shop

Keith Haring, Pop Shop

Eingangsbereich zur Ausstellung „Pop Life“ in der Galerie der Gegenwart

Eingangsbereich zur Ausstellung „Pop Life“ in der Galerie der Gegenwart




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce