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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Champagnerlaune und lange Gesichter: Die Art Rotterdam ging am Wochenende mit gemischten Gefühlen zu Ende. Die auf Design spezialisierte Schwestermesse Object Rotterdam sucht noch nach einem klareren Profil

An der Schnittstelle von Kunst und Design



Dichter Nebel hing in den vergangenen Tagen über Rotterdam und ließ zeitweise die Erasmusbrücke, die über die Nieuwe Maas führt und das Zentrum der Stadt mit dem städtebaulichen Entwicklungsgebiet Kop van Zuid verbindet, im Nichts verschwinden. 12.000 Besucher, das sind rund 500 weniger als 2009, kamen zur elften Art Rotterdam in das lichtdurchflutete und elegante ehemalige Kreuzfahrtterminal der Holland-Amerika-Linie. Viele von ihnen besuchten auch die zweite Ausgabe der Parallelmesse Object Rotterdam, die von denselben Veranstaltern ausgerichtet wurde. 76 niederländische und internationale Galerien nahmen in diesem Jahr an der Art Rotterdam teil. Messedirektor Fons Hof findet diese Anzahl an Teilnehmern, die bequem im Cruise Terminal Platz finden, ideal: „Wir wollen nicht wachsen. Es ist besser, man bleibt bei der Anzahl von ungefähr 75 Galerien und das bei einem guten Niveau.“ Es gibt also keinen Anlass, den Veranstaltungsort zu wechseln, im Gegenteil: Die Messe kann damit punkten. Fons Hof: „Das Gebäude funktioniert wie eine Trademark. Viele ausländische Sammler kommen gerade deswegen.“


Ab 2013 dürfte übrigens eine weitere architektonische Landmarke für Publikumszustrom sorgen: Rem Koolhaas‘ Office for Metropolitan Architecture (OMA) errichtet gleich nebenan das demnächst größte Gebäude der Niederlande. „De Rotterdam“ ist eine Art „Vertical City“ aus drei ineinander verschachtelten jeweils 150 Meter hohen Hochhausscheiben. Das markante Gebäude wird rund 72.000 Quadratmeter Büroflächen bieten. Daneben 220 Apartments, 280 Hotelzimmer, eine Shopping-Mall und ein Fitness-Center. Das „Groundbreaking“ hat gerade begonnen – Zukunftsmusik.

Doch zurück in die Gegenwart. Die Geschäfte auf den Messen liefen trotz des großen Publikumszuspruchs eher durchwachsen. Während zum Beispiel die Kopenhagener Galerie Christina Wilson zwei größere Arbeiten von Sophie Calle für jeweils 30.000 Euro absetzen konnte, gingen andere Teilnehmer trotz vieler interessanter Gespräche und neuer Kontakte leer aus. Viele hoffen jetzt auf das Nachgeschäft. Messedirektor Fons Hof zog am letzten Messetag eine ehrliche Bilanz: „Manche Verkäufe liefen sehr gut, andere Galeristen waren enttäuscht. So ist es halt zur Zeit am Markt. Einige der neuen Teilnehmer machten ein gutes Geschäft, aber einige ausländische Galerien, die zum ersten Mal teilgenommen haben, hatten ihre Schwierigkeiten. Wenn man etwas im niedrigeren Preissektor anzubieten hat, dann funktioniert es hier auf der Art Rotterdam. 90 Prozent der angebotenen Kunstwerke liegen zwischen 1.000 und 7.000 Euro.“

Einen Gemeinschaftsstand bespielten die beiden Galeristen Sebastian Brandl aus Köln und Rupert Pfab aus Düsseldorf. Die notorische Feindschaft zwischen den beiden Kunst- und Karnevalshochburgen am Rhein scheint für die Galeristen keine Rolle zu spielen. Die beiden Rheinländer ergänzten sich perfekt. Rupert Pfab zeigte unter anderem kleinformatige Papierarbeiten des in den USA ausgebildeten Malers Ruprecht von Kaufmann zu Preisen zwischen 800 und 3.500 Euro, die als Studien für seine Gemälde dienen, Kojenkollege Sebastian Brandl Papierarbeiten und Möbelskulpturen des in Belgien lebenden Deutschen Franz Burkhardt. Burkhardt benutzt für seine Zeichnungen auf vergilbtem Papier Motive aus Erotikheften der 1950er und 1960er Jahre und präsentiert diese bei 1.150 Euro in alten Rahmen. Unübersehbare Eyecatcher am Stand waren die abstrakten, vielfarbigen Gemälde des 36jährigen Berliners Timo Behn. Dem gebürtigen Jenaer gelingt es immer wieder, alte Farben aus DDR-Beständen aufzuspüren, die er dann für seine Bilder mit geometrischen Motiven verwendet (Preise 2.300 bis 7.800 Euro).

Aus New York angereist war Florence Lynch. Sie gab sich mit der Messeteilnahme zufrieden und konnte ihre Geschäfte am Eröffnungstag und am letzten Messetag machen. Lynch hatte etwa Stickbilder von Christa Maiwald, Jahrgang 1971, mit Porträts bekannter Künstler wie Gerhard Richter, Cindy Sherman oder Roy Lichtenstein mitgebracht, die zwischen 1.300 und 1.500 Euro kosten. Besonders präzise und eindringliche Grafitzeichnungen des in Saltburn-by-the-Sea an der britischen Nordostküste lebenden Künstlers Richard Forster, Jahrgang 1970, präsentierte MOT International aus London. Forster findet seine Motive in britischen Trabantensiedlungen der 1960er und 1970er Jahre oder nostalgischen Schaufensterauslagen im Ostteil Berlins – dystopische Orte, die er abfotografiert und dann als Vorlagen verwendet. Der Preis dieser kleinformatigen Zeichnungen von rund 5.300 Euro rechtfertigt sich auch durch die langsame Produktion des Künstlers, der je nach Format zwischen drei Wochen und zwei Monaten an einem Blatt arbeitet.

Als „erstaunliches Talent“ bezeichnet Galerist Hans Gieles von VOUS ETES ICI aus Amsterdam den jungen deutschen Maler Christof Mascher, Jahrgang 1979, den er in einer Einzelpräsentation auf der Art Rotterdam vorstellte. Der an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig ausgebildete Schüler Walter Dahns malt surreal-verschachtelte Welten voller kleiner Geschichten, die an Märchenszenarien oder Fantasyschauplätze erinnern. Kleine Papierarbeiten wurden für 900 Euro angeboten, Gemälde kosteten zwischen 3.750 und 13.500 Euro.

Szenenwechsel: Im Las Palmas Gebäude direkt gegenüber vom Kreuzfahrtterminal fand die zweite Ausgabe der Object Rotterdam statt. 22 internationale Designgalerien präsentierten Möbel in limitierten Editionen, individuellen Schmuck, kleinere Kunstdinge, zeitgenössisches Porzellan und von Künstlern entworfene Designobjekte in Kleinstauflagen. Fons Hof hat die Object Rotterdam im vergangenen Jahr mit seinem damaligen Co-Direktor Michael Huyser aus der Taufe gehoben, der im April als neuer Direktor an das Zuiderzee Museum in Enkhuizen in der nordholländischen Region West-Friesland gewechselt ist. Noch sammeln die Organisatoren Erfahrungen und Feedback. Fons Hof: „Die Designmesse ist für uns ein neuer Markt, wo der Weg noch gefunden werden muss. Fest steht, dass viele Kunstsammler auch Designsammler sind. Wir wollen die Schnittstelle zwischen Kunst und Design besetzen und hier in Zukunft Cutting Edge Design präsentieren.“

Auch wenn die überschaubare Object Rotterdam noch ein wenig disparat daherkommt und um ihr Profil ringt, stechen einige eigenständige Designgalerien mit einem ungewöhnlichen Angebot heraus. So geht D&A Lab aus Brüssel den konsequenten Weg, namhafte bildende Künstler zur Produktion limitierter Designgegenstände zu ermutigen. „In einer Zeit, wo viele Designer Künstler geworden sind, gehen wir den umgekehrten Weg“, erläutert Inhaber Dirk Meylaerts. Er präsentierte als Hingucker am Stand den schneeweißen Schreibtisch „Panorama“ des belgischen Künstlers Hans Op de Beeck. Hinter der Schreibplatte türmt sich ein schneeweißes Fantasiegebirge auf, eine Art Sehnsuchtspanorama für Denker und Schreiber. Das auf sieben Exemplare limitierte, extravagante Stück kam auf 40.000 Euro. Weiterhin im Angebot bei D&A Lab war das perfekt verarbeitete Rennrad „Del Campo“ in 1970er Jahre-Optik und im Stil eines Ready Mades von Marcel Duchamp mit allerlei kleinen Anspielungen auf die Kunstgeschichte und die Geschichte des Rennsports. Es wurde von dem Künstler Amaral-Bastyn entworfen und für 6.000 Euro angeboten (Auflage 12 + 3 AP).

„Unsere Kunden sind überwiegend Kunstsammler, die mit unseren Stücken ihre Sammlung komplementär ergänzen wollen“, so Dirk Meylaerts. Für Kettenraucher hält Meylaerts noch ein ganz besonderes Stück vor: Den schwarzen Porzellanaschenbecher „Nen zwarten Assebak“ von Jan Fabre für 6.000 Euro (Auflage 30). Dabei kann über die feuerrote Zunge des Teufelskopfes die Asche diskret ins Innere entsorgt werden. Ebenfalls am Stand: Die einfach aussehende, aber höchst komplizierte Stehlampe „Shadow of Light“ des belgischen Malers Koen van den Broek. Der Clou der handbemalten Ministraßenlaterne: Die magische Lampe wirft ihren eigenen Schatten (Auflage: 15 mit Unikatcharakter, Preis auf Anfrage).

Die Galerie Vivid aus Rotterdam hat sich Artefakten an der Schnittstelle von Wohnen und Kunst von Künstlerstars wie Erik van Lieshout, Lily van der Stokker und Franz West verschrieben. „Wir zeigen am Stand eine Mischung von Gegenständen, die teils extra produziert wurden und teils schon vorhanden waren“, erklärt Aad Krol von Vivid. Erik van Lieshouts Holzlattenstuhl als Persiflage auf den Gerrit Rietveld-Klassiker „Rot-Blaue Stuhl“ gab es für 3.000 Euro. Ein bonbonbunter Teppich mit dem Titel „Miami“ von Lily van der Stokker kostete 8.650 Euro.

Hochwertige Spezialanfertigungen von limitierten Möbelobjekten präsentierte auch die Londoner Design-Galerie „The Apartment“. Die Spezialisten für hochempfindliche Oberflächen und ausgefallene Materialien produzieren mit Fachleuten nach Entwürfen von Top-Designern. Der Erfolg gibt ihnen Recht: Die von Brodie Neill erdachte gestreifte Holzbank „Remix“ befindet sich bereits in der Sammlung des MoMA (38.000 Euro; Auflage 20). Patrick Brillet von Apartment, Galerist und Hersteller in Personalunion, äußerte sich jedoch mit dem Ausstellerumfeld unzufrieden: „Vieles, was hier gezeigt wird, ist sehr kleinteilig. Die Messe sollte mehr Galerien einladen, die Möbel und größere Designobjekte präsentieren.“

Limitierte Designraritäten auch bei den Kollegen von Plusdesign aus Mailand. An ihrem Stand fand sich etwa der wuchtige „Cobogó Table“ des brasilianischen Bruderpaares Fernando und Humberto Campana. Als Material für die Tischplatte benutzten die angesagten Designer eine übliche Tonkeramik, wie sie in vielen modernistischen brasilianischen Gebäuden verwendet wurde (Große Version 19.000 Euro; Kleine Version 7.500 Euro; Auflage jeweils 21 Exemplare). Leider blieben niederländische Platzhirsche wie das Amsterdamer Designer-Kollektiv Droog Design, die im letzten Jahr noch prominent auf der Object Rotterdam vertreten waren, der diesjährigen Messe fern. Den mit 10.000 Euro dotierten Illy Prize 2010 erhielt die 1980 geborene niederländische Bildhauerin Lotte Geeven.

Neben der Messe lockten auch die Rotterdamer Museen mit interessanten Ausstellungen. So eröffnete das Museum Boijmans van Beuningen parallel zur Messe die Ausstellung „Divided Divided“ von Carsten Höller – eine visuell und intellektuell ansprechende Schau für alle Sinne und Altersgruppen. Überdimensionale Pilzskulpturen, lebende Kanarienvögel, ein rotierendes Hotelzimmer und ein Labyrinth mit beweglichen Wänden gehörten hier zu den Attraktionen. Die Schau ist noch bis zum 25. April zu sehen. Und im Witte de With war vier Tage lang ein Non-Stop-Filmprogramm im Rahmen des diesjährigen kuratorischen Leitmotivs „morality“ zu sehen. Ein mehrstündiger Busausflug in den „wilden“ Süden Rotterdams mit Atelierbesuchen, Führungen, Konzerten, einer Auktion und anschließender Party entführte interessierte Art Rotterdam-Besucher am letzten Abend an die Produktionsorte der Rotterdamer Kunstszene.

Nächster Termin für die Art Rotterdam und die Object Rotterdam ist der 3. bis 6. Februar 2011.

www.artrotterdam.nl
www.objectrotterdam.nl



11.02.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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