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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Schwules und lesbisches Leben im Amerika Haus München – eine ehrliche Sicht auf das schwierige Dasein von Angehörigen einer Minderheit

Das etwas andere Leben



In dem Gästebuch, das im Foyer des Amerika Hauses München ausliegt, liest man einen merkwürdigen Eintrag: Die Menschen, welche von der an den Wänden des Erdgeschosses umlaufenden Fotoserie den Betrachter anblicken, entsprächen nicht dem antiken Ideal eines perfekt gebauten, dem gängigen Schönheitsbegriff entgegenkommenden Körpers. Die Autorin der Bilder sollte sich doch einmal in die nahegelegene Glyptothek begeben und dort die Jahrtausende alten Bildwerke ihrer bildhauernden Vorgänger studieren. Ein Kommentar, der – das muss man ihm lassen – zumindest erahnt, dass keiner der Protagonisten vor der Kamera steht, um den Betrachter mit seinem Anblick unmittelbar zu erfreuen. Leider kommt er darüber nicht hinaus. Die Sache, um die es der Fotografin Molly Landreth geht, nicht erkennend, ist dieser Kommentar zugleich symptomatisch für die Schwierigkeit, ein sensibles Thema an die Öffentlichkeit zu bringen. Vorurteile und Ressentiments gegen Schwule und Lesben bestehen nach wie vor.


Denn „Embodiment: A portrait of queer life in America“ bürstet in vielerlei Hinsicht gegen den Strich. Zunächst zum Thema an sich: Schwul-lesbische Lebenskultur gehört bis heute, da Homosexualität noch immer in mehr als einem Drittel der Länder der Erde unter Strafe steht, auch in den bürgerlichen Kreisen des sogenannten Westens zu den eher heiklen Angelegenheiten. Naserümpfend wie der Kommentar im Gästebuch werden viele jenen Menschen begegnen, die im Leben mit der gleichen Offenheit und Selbstbewusstsein ihr Anderssein leben, wie es die Bilder lediglich ausschnitthaft zeigen. Die Bilder selbst, aber auch die beigegebenen Sentenzen, teils von Molly Landreth verfasst, überwiegend aber von den Dargestellten abgegeben, erzählen von den Problemen, die sich damit verbinden: vom Sich-Bewusstwerden, von der Suche nach den Gestaltungswegen ihres Lebens, von ihrer Angst, das „Queer“-Sein mit gesellschaftlicher Ächtung zu bezahlen. Bezeichnenderweise sind es fast ausschließlich Leute aus einfachen Verhältnissen, die zu Bild und Wort kommen. Nicht herausragende Einzelschicksale werden dokumentiert, sondern Erfahrungen aus dem wirklichen Leben erzählt.

Gegen den Strich bürsten die Fotografien auch eine mitunter oft allzu verflachte, dem Mainstream verfallene Hochglanzschwulkultur. In der Tat, keiner der Menschen entspricht den gängigen Idealen von Schönheit und Erotik. Jedes der Bilder ist in seiner unangepassten Haltung mehr oder weniger provokant, ein jedes widerspricht der Erwartungshaltung, die Homosexualität vielfach entgegengebracht wird. Intimität und Erotik werden nicht versteckt, dabei jedoch von vornherein vollkommen unprätentiös und ehrlich erzählt, geschweige, dass irgendwo die allgemein gültigen Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden. Ein dickes Mädchen hängt vollkommen lethargisch im Fauteuil, die Androgynität einer Anderen bewegt sich entgegen mythologischen oder künstlerischen Schemata eher im Bereich des Poppermilieus. Zugleich aber – und hier irrt der Kommentator auch mit seiner ersten Aussage – sind die Szenen außerordentlich sorgsam inszeniert, fast klassisch komponiert, Figuren und Hintergründe, Landschaften oder Interieurs sowohl farblich als auch perspektivisch aufeinander abgestimmt, die Fotografien also von hohem ästhetischen Reiz.

Es ist nur zu wünschen, dass die 1978 geborene Amerikanerin Molly Landreth, die ihr Studium in Claremont, Glasgow und New York absolvierte und 2008 unter anderem am Artist in Residence-Programm teilnehmen durfte, ihren sensiblen Blick noch oft über gesellschaftliche Erscheinungen streifen lässt. „Embodiment“ ist ihre erste bedeutende Einzelausstellung, die freilich schon seit drei Jahren an verschiedenen Orten zu sehen war – bisher nur in den USA und Deutschland. Begleitet wird sie während ihrer Arbeit von der 1982 geborenen Videokünstlerin Amelia Tovey, die das Projekt in einer Art work in progress laufend dokumentiert und dazu eigene Beiträge liefert. Das Video in München erzählt – von der Linie Landreths etwas verschoben – weniger melancholisch, sondern hält kämpferische, lebenslustige Momente der Protagonisten fest. In dieser Kombination gelingt dem Duo von Molly Landreth und Amelia Tovey ein Gesellschaftsportrait von seltener Eindrücklichkeit und Ehrlichkeit, Selbstzurückhaltung und Ambition.

Die Ausstellung „Embodiment: A portrait of queer life in America. Photography by Molly Landreth; Video by Amelia Tovey“ ist bis zum 12. März zu sehen. Das Amerika Haus hat montags bis freitags von 12 bis 17, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:

Stiftung Bayerisches Amerikahaus gGmbH

Barer Straße 19a

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 55 25 370

Telefax:+49 (089) 55 25 37 37

E-Mail: info@amerikahaus.de



04.02.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


15.01.2010, Embodiment - A Portrait of Queer Life in America. Photography by Molly Landreth; Video by Amelia Tovey

Bei:


Amerikahaus München

Künstler:

Molly Landreth

Künstler:

Amelia Tovey










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