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Lehmbruck Museum in Duisburg widmet sich Giacomettis Frauen

Hoch auf dem Wagen vereint mit dem Tod



Mit seinen expressiv überlängten Figuren, deren ausgezehrte Formgebungen entmaterialisiert und vergeistigt wirken, schrieb der Schweizer Alberto Giacometti Kunstgeschichte. Verlassenheit und Einsamkeit, triumphale Dominanz und existentialistische, morbide Empfindungen gelangen in seinem sehr persönlichen Stil zu beeindruckenden Ausprägungen. Doch erstaunlicherweise besitzen deutsche Museen keine Großplastiken. Einzige Ausnahme ist die um 1945 entstandene Arbeit „Die Frau auf dem Wagen“. Die Erstfassung dieser gut 150 Zentimeter hohen Figur, der die Wissenschaft die Rolle eines Schlüsselwerkes bei der figurativen Neuorientierung des Bildhauers zuweist, gelangte 1986 in den Fundus des Duisburger Lehmbruck Museums. Als Ergebnis langjähriger Forschungen präsentiert das Institut nun eine konzentrierte, aber dennoch facettenreiche Ausstellung, die sich auf die Entstehung und das Umfeld dieser singulären Arbeit konzentriert.


Erstmals werden in der Schau alle vier existierenden Fassungen der „Femme au Chariot“ vereint. Neben dem Duisburger Exemplar sind zwei weitere Gipsabformungen und ein Bronzeguss auf einem Podest mitten in der großen Wechselausstellungshalle platziert. Handschrift und Arbeitsweise des Duisburger Originals wird in der bewegten Oberflächenstruktur detailliert visualisiert. Nähe und Distanz zugleich offenbaren sich in der Bemalung des Gesichtes mit einem hoheitsvollen Gestus. Ein Schnitt im Sockel trennt die massive Plinthe vom unteren, hohl belassenen Kubus. Neu angefertigte Röntgenaufnahmen zeigen eine innere, aus mittelgroßen Metallteilen zusammengesetzte Armatur, über die schichtweise und schuppig der Gips modelliert wurde.

2007 konnte dieses Werk eindeutig als die englische Malerin und Künstlermuse Isabel Nicholas, besser bekannt durch Gemälde Francis Bacons als Isabel Rawsthorne, identifiziert werden. Im Jahr 1935 begegneten sich die beiden erstmals. Danach saß sie Alberto Giacometti Modell, wie eine benachbart aufgestellte Büste von 1936 verdeutlicht. Um die vier Fassungen der „Frau auf dem Wagen“ gruppieren sich weitere Werke in engen Dialog zum Kern der Ausstellung. Hinter der Gruppe ist das Fragment eines Gemäldes zum Motiv „Frau auf dem Wagen“ angeordnet, das Giacometti auf die hölzerne Wand seines Ateliers um 1944 auftrug. Das ursprüngliche Arrangement im Bildhaueratelier Giacomettis erfährt in der Präsentation eine Wiederbelebung, was Fotografien von Ernst Scheidegger aus dem Jahr 1959 unterstreichen.

1950 erfährt das Motiv der um einen fahrbaren Wagen ergänzten, grazilen Figur eine weitere Deutung. Giacometti erinnert sich an die Beobachtungen während eines Krankenhausaufenthaltes im Jahr 1938. Die hier benutzten Medizinwagen verwiesen ihn an antike Vorbilder. In „Le Chariot“ setzt er eine hohe, übermäßig schlanke und bemalte Bronzefigur auf einem voluminösen zweirädrigen Wagen. Diese Plastik ist eine Leihgabe aus dem Museum of Modern Art in New York und wurde noch nie außerhalb der Vereinigten Staaten gezeigt. Erstmals werden somit beide Wagenplastiken Giacomettis in einer Ausstellung vereint. Sie erinnern an antike Kampfwagen, kultische Sonnenwagen oder Zeremonialobjekte keltischer Provenienz.

Dieser mythische Aspekt, der seit den ägyptischen Totenritualen eine zentrale Rolle spielt, verleiht diesen Skulpturen im Zyklus von Triumph und Tod einen magischen Charakter. Es ist bekannt, dass sich Giacometti intensiv mit frühen ägyptischen oder antiken Hochkulturen beschäftigt hat. Vor dem Hintergrund möglicher Anregungen aus prähistorischer Zeit zeigt die Ausstellung zudem ein Modell des „Sonnenwagens von Trundholm“, den Giacometti 1965 im Original im Kopenhagener Nationalmuseum besichtigte, als Beispiel für bewegliche mehrrädrige Wagenmodelle aus Ton und Stein mit spielzeugartig verkleinerten Figuren und Tieren als Teile des Totenkults.

Als Gegenstücke stehen auf der gegenüberliegenden Seite kleine, wenige Zentimeter hohe Minifiguren. In „Toute petite figurine“ aus den Jahren 1937/39 oder „Femme Leoni“ aus dem Jahr 1947 erscheinen unbewegt und in überlängter, ausgedünnter Statur Gestalten, wie sie markant für Giacomettis Spätwerk stehen. Nach seiner surrealistischen Phase Ende der 1930er Jahre experimentiert er mit kleinstmöglichen Formaten. Diese entsprangen dem Wunsch, Figuren so wiederzugeben, wie sie aus weiter Entfernung erscheinen. Im Dialog mit Zeichnungen und historischen Fotografien soll die Suche Giacomettis nach der grundlegenden Proportionierung der Figur verdeutlicht werden, die er mit der annähernd lebensgroßen „Frau auf dem Wagen“ überwindet.

Besonders beachtenswert ist in der Ausstellung auch die dialogische Kombination des zweiten Wagens mit den Studien zu Pferden und Reitern, die im Œuvre des Künstlers bislang ein eher unbeachtetes Thema darstellen. Hierzu gehört das in Gips modellierte, nahezu lebensgroße Pferdepaar, das lange Zeit in seinem Atelier stand und nicht ausgeführt wurde. Am Rande der Ausstellung werden noch zwei weitere, im Besitz des Lehmbruck Museums befindliche Arbeiten Giacomettis präsentiert: „Das Bein“ aus den Jahren 1958/59 und „Der Wald“ aus dem Jahr 1950.

Der rund 120 Exponate umfassende Überblick mit über 30 Skulpturen, ebenso vielen Gemälden und Grafiken, über 40 Fotografien sowie Dokumenten und Archivalien findet eine ergänzende Aktualisierung durch zeitgenössische Arbeiten des Bildhauers Stephan Balkenhol im Foyer und Räumen der ständigen Sammlung. Der konsequent figürlich arbeitende Balkenhol ließ sich auf vielfältige Weise von Giacometti inspirieren, was der frappant übereinstimmende Kanon von Nähe und Distanz, Prozesshaftigkeit, Raumbezug sowie menschlichen Seinserfahrungen augenfällig unterstreicht. Rund 30 Arbeiten Balkenhols, darunter Reliefs, Büsten Ganzfiguren, Fotografien und Skizzen, führen in spannenden Bezügen zu Giacometti in die Welt des 21sten Jahrhunderts über.

Die Ausstellungen „Alberto Giacometti: Die Frau auf dem Wagen. Triumph und Tod“ und „Stephan Balkenhol – Alberto Giacometti“ sind bis zum 18. April zu besichtigen. Das Wilhelm Lehmbruck Museum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umgangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 25 Euro kostet.

Kontakt:

Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg

Friedrich-Wilhelm Straße 40

DE-47051 Duisburg

Telefon:+49 (0203) 283 26 30

Telefax:+49 (0203) 283 38 92

Telefon:+49 (0203) 283 32 94



03.02.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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