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Das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt inszeniert in einer ersten monografischen Schau wirkungsvoll und opulent die Möbel André-Charles Boulles

Prachtentfaltung am Hof des Sonnenkönigs



André-Charles Boulle und Söhne, Münzschrank von Jules-Robert de Cotte, um 1723

André-Charles Boulle und Söhne, Münzschrank von Jules-Robert de Cotte, um 1723

Er hat ihn sogar um einige Jahre überlebt: André-Charles Boulle starb hoch betagt im Alter von 89 Jahren 1732 in Paris. Da war der nur vier Jahre ältere Ludwig XIV. schon 17 Jahre tot. Geprägt haben sie beide ihre Epoche. Der französische König als einer der mächtigsten Herrscher das absolutistische Staatswesen in seinem Land und in Europa, Boulle die Möbelkunst. Wie kein zweiter Künstler bestimmte er um 1700 die Raumausstattungen am Hof des Sonnenkönigs und in den Schlössern vieler europäischer Fürsten. Mit seinen Entwürfen kam er dem barocken Repräsentationsbedürfnis seiner Auftraggeber nach. Die prunkvollen Möbel Boulles trafen exakt den damals herrschenden Geschmack für verschwenderische Prachtentfaltung. Sein Name wurde gar zum Synonym für eine handwerkliche Technik. Obwohl er nicht der Erfinder von Einlegearbeiten aus Messing und Schildpatt ist, hat sich dafür der Begriff „Boulle-Marketerie“ durchgesetzt.


Dem Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main kommt nun das Verdienst zu, die erste monografische Ausstellung über André-Charles Boulle und seine Kunst initiiert zu haben. Mit rund 150 Möbeln, Bronzen, kunsthandwerklichen Objekten und Instrumenten, Tapisserien, Uhren sowie Gemälden und Entwurfszeichnungen aus den großen europäischen und amerikanischen Museen und Schlössern sowie von privaten Leihgebern macht die Schau die außergewöhnliche Begabung des „Ebéniste, Marqueteur, Ciseleur et Doreur“ Königs Ludwig XIV. deutlich, der schon zu Lebzeiten als genialer Erfinder einer außergewöhnlichen Formensprache gefeiert wurde und mit ihr einen neuen Stil in Europa entwickelte.

Boulle gilt als der erste große französische Ebenist. Vor ihm waren vor allem Möbeltischler aus Holland und Italien für den Hof in Paris tätig, die etwa Maria de’ Medici ins Land gerufen hatte. Auch Boulles Vater Johann Bolt stammte aus dem deutschen Herzogtum Geldern, war um 1610 in die französische Metropole gekommen und arbeitete hier als Kunsttischlergeselle. Schon mit etwas über 20 Jahren war der junge André-Charles Boulle fest im Geschäft, zunächst als Maler und schnell auch als Mosaikleger und Bronzebildhauer. Dann wurde Frankreichs allmächtiger Finanzminister Jean-Baptiste Colbert, der stets auf der Suche nach jungen Talenten war, auf ihn aufmerksam und empfahl ihn Ludwig XIV. als den „fähigsten Möbelkünstler von Paris“. Mit der Ernennung zum „ébéniste du Roi“ arbeitete Boulle ab 1672 für die königlichen Paläste, vor allem für Versailles, wo er zwischen 1681 und 1683 für den Dauphin das inzwischen zerstörte „grand cabinet“ ausstattete.

1672 konnte André-Charles Boulle auf Betreiben Colberts auch in die Galeries du Louvre einziehen. In dieser einmaligen Einrichtung lebten und arbeiteten die bedeutendsten Wissenschaftler, Literaten und Künstler zusammen, sollten sich in ihrem Tun gegenseitig befruchten und waren von den Regeln der Pariser Zünfte befreit. Nur unter diesen autonomen Bedingungen konnte sich Boulle zum einflussreichsten Kunsttischler seiner Zeit entfalten und etwa fünf Berufe – Ebenist, Bronzegießer, Vergolder, Ziseleur und Graveur – ausüben, was ihm unter städtischen Zunftbeschränkungen verwährt gewesen wäre. Auch der König sonnte sich im Glanz seiner Werkstätten. In der Ausstellung steht dafür die Tapisserie „Der Besuch des Königs in der Gobelin-Manufaktur“ nach Charles Le Brun, die als Teil eines 14 Teppiche umfassenden Zyklus nicht nur die kriegerischen Taten Ludwig XIV. huldigt.

Noch vor 1680 war die Boull’sche Werkstatt in den Galeries du Louvre in bis dahin ungewöhnlicher Weise auf über 1.000 Quadratmetern angewachsen, beherbergte 15 spezialisierte Gesellen und dazu noch Helfer und Lehrlinge, die alle an einer einheitlichen Formgebung arbeiteten. So war Boulle der erste, der Holzmöbel mit vergoldeten Bronzebeschlägen kombinierte, was den Prunk der Stücke steigerte und bis weit ins 19te Jahrhundert stilprägend blieb. Manchmal drängte er andere Materialen soweit zurück, dass die Werke in erster Linie fast als reine Bronzearbeiten erschienen, so bei der „Pendule au Temps couché“, die Boulle um 1712/15 für den Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz schuf.

Seine Berühmtheit hatte André-Charles Boulle schon vorher mit Einlegearbeiten aus Blumenmotiven erreicht. Der Münzschrank für Max Emanuel von Bayern von etwa 1694/95 und der mit Blumenbouquets geschmückte Schrank aus der Eremitage in St. Petersburg zeigen seine unübertroffene Virtuosität in der Handhabung der Marketerie, die den so beliebten Blumenstillleben jener Zeit gleichkommt. Die oft überschwänglich arrangierten Blumen, das Sprießen der Blätter und Blüten oder die flatternden Vögel, Libellen und Schmetterlinge sind bis in kleinste Detail natürlich gestaltet, scheinen beinahe haptisch und samtweich aus der Fläche zu treten und wollen gar ihren Duft verströmen.

Auch wenn die Einlegearbeit aus Messing, Zinn und Schildpatt als Erfindung italienischer Handwerker gilt, so hat André-Charles Boulle dieses Verfahren doch vervollkommnet und zur Blüte geführt. Eindrucksvoll präsentiert die Ausstellung dazu Kommoden, Halbschränke, Uhrengehäuse, Tische oder Postamente. Seltene Höhepunkte sind ein Schreibtisch für den Prinzen von Condé und sein Pendant für Mademoiselle de Choiseul von 1720. Denn die beiden Stücke hat Boulle in „première partie“ und „contre partie“ ausgeführt. Da der Dekor aus übereinander gelegten Messing- und Schildpattplatten ausgesägt wurde, ergaben sich für die Schmückfüllungen wie hier zwei Versionen: die positive, in der das helle Messing in das dunklere Schildpatt eingefügt wurde, und die umgekehrt Negative.

Andere Ebenisten wie Bernard van Risenburgh I., Nicolas Sageot oder Alexandre-Jean Oppendordt übernahmen nicht nur die damals geschätzte, ornament- und figurreiche Boulle-Marketerie für ihre eigenen Werke, sondern folgten auch den Formfindungen Meisters. So versammelt die Schau zwei sechsbeinige Tische mit Satyrköpfen um 1705/15 von Boulle, die Etienne Doirat und Adrien Dubois in den 1720er und 1740er Jahren in abgewandelter Form neu interpretierten. Auch an der Entwicklung der Kommode, die am Ende des 17ten Jahrhunderts erstmals auftrat und für 150 Jahre der bestimmende Möbeltyp blieb, hatte André-Charles Boulle einigen Anteil.

Da Frankreich unter Ludwig dem XIV. stilbildend war, wurden Boulles Möbel bis nach St. Peterburg verschifft. Sie waren Statussymbole für europäische Königshäuser, die Kurfürsten von Sachsen und Bayern oder auch für wohlhabende Bankiers. Und so hat der chilenische Innenarchitekt Juan Pablo Molyneux das sonst helle Museum für Angewandte Kunst mit seinen strahlend weißen Räumen durch wandhohe Einbauten, dunkelgrau gemusterte Tapeten und geschickte Lichtführung in ein Schlossinterieur verwandelt, vor denen sich die glänzenden Kunstwerke Boulles und seiner Zeitgenossen bestens darstellen und etwas vom schwelgerischen Luxus des Sonnenkönigs in unsere Gegenwart holen.

Die Ausstellung „André Charles Boulle (1642-1732): Ein neuer Stil für Europa“ ist noch bis zum 31. Januar zu sehen. Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, und an jedem letzten Samstag des Monats ist er frei. Der Katalog kostet 49 Euro.

Kontakt:

Museum Angewandte Kunst

Schaumainkai 17

DE-60594 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 212 340 37

Telefax:+49 (069) 212 307 03



04.01.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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30.10.2009, André Charles Boulle (1642-1732): Ein neuer Stil für Europa

Bei:


Museum Angewandte Kunst

Bericht:


Die Prachtexemplare des Kurfürsten Max Emanuel

Variabilder:

André-Charles Boulle, Schrank mit Blumenmarketerie, um 1690/1700
André-Charles Boulle, Schrank mit Blumenmarketerie, um 1690/1700

Variabilder:

André-Charles Boulle, Schreibtisch für Mademoiselle de
 Choiseul, 1720
André-Charles Boulle, Schreibtisch für Mademoiselle de Choiseul, 1720

Variabilder:

nach Charles Le Brun, Der Besuch des Königs in der
 Gobelin-Manufaktur, 15. Oktober 1667
nach Charles Le Brun, Der Besuch des Königs in der Gobelin-Manufaktur, 15. Oktober 1667

Variabilder:

André-Charles Boulle, Tafel 3 der Nouveaux Deisseins, um 1720/30
André-Charles Boulle, Tafel 3 der Nouveaux Deisseins, um 1720/30

Variabilder:

André-Charles Boulle, Münzschrank für Max Emanuel von Bayern,
 um 1694/95
André-Charles Boulle, Münzschrank für Max Emanuel von Bayern, um 1694/95

Variabilder:

André-Charles Boulle, Münzschrank für Max Emanuel von Bayern,
 um 1694/95
André-Charles Boulle, Münzschrank für Max Emanuel von Bayern, um 1694/95







André-Charles Boulle, Schrank mit Blumenmarketerie, um 1690/1700

André-Charles Boulle, Schrank mit Blumenmarketerie, um 1690/1700

André-Charles Boulle, Schreibtisch für Mademoiselle de Choiseul, 1720

André-Charles Boulle, Schreibtisch für Mademoiselle de Choiseul, 1720

nach Charles Le Brun, Der Besuch des Königs in der Gobelin-Manufaktur, 15. Oktober 1667

nach Charles Le Brun, Der Besuch des Königs in der Gobelin-Manufaktur, 15. Oktober 1667

André-Charles Boulle, Tafel 3 der Nouveaux Deisseins, um 1720/30

André-Charles Boulle, Tafel 3 der Nouveaux Deisseins, um 1720/30

André-Charles Boulle, Münzschrank für Max Emanuel von Bayern, um 1694/95

André-Charles Boulle, Münzschrank für Max Emanuel von Bayern, um 1694/95

André-Charles Boulle, Münzschrank für Max Emanuel von Bayern, um 1694/95

André-Charles Boulle, Münzschrank für Max Emanuel von Bayern, um 1694/95

André-Charles Boulle und Söhne, Münzschrank von Jules-Robert de Cotte, um 1723

André-Charles Boulle und Söhne, Münzschrank von Jules-Robert de Cotte, um 1723

André-Charles Boulle, Lüster mit Bacchushermen und weiblichen Masken, Modell um 1710/20

André-Charles Boulle, Lüster mit Bacchushermen und weiblichen Masken, Modell um 1710/20

André-Charles Boulle, Entwürfe für ein Leuchtertischchen, um 1685

André-Charles Boulle, Entwürfe für ein Leuchtertischchen, um 1685

André-Charles Boulle, Kastenförmiges Ecritoire en tombeau, um 1690/1700

André-Charles Boulle, Kastenförmiges Ecritoire en tombeau, um 1690/1700

André-Charles Boulle, Kastenförmiges Ecritoire en tombeau, um 1690/1700

André-Charles Boulle, Kastenförmiges Ecritoire en tombeau, um 1690/1700

André-Charles Boulle, Schrank mit Blumenmarketerie, um 1690/1700

André-Charles Boulle, Schrank mit Blumenmarketerie, um 1690/1700

Henri Testelin zugeschrieben, Ludwig XIV., nach 1670

Henri Testelin zugeschrieben, Ludwig XIV., nach 1670




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