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Lichtreize im Vorstadium ihrer mentalen Verarbeitung: Der Berliner Maler Eberhard Havekost begibt sich mit seinen neuesten Bildern ins Innere unserer Wahrnehmung

Futter für die Netzhaut



Wenn wir sehen, dann greifen Auge, Nervenbahnen und Gehirn eng ineinander. Lichtreize werden auf der Netzhaut wahrgenommen. Über Nervenleitungen gelangen sie ins Gehirn, wo sie mit bereits vorhandenen und gespeicherten Informationen abgeglichen und interpretiert werden. Unser Bild von der Wirklichkeit speist sich also aus physikalischen Reizen, bereits abgespeicherten Seherfahrungen und mentalen Verarbeitungsprozessen. Wie aber könnten Lichtreize aussehen, bevor sie vom Gehirn weiterverarbeitet werden? Wie könnte man sich Bilder vorstellen, die auf der Innenseite des Auges eingefroren sind? Diese Frage stellt der 1967 in Dresden geborene und heute in Berlin lebende Maler Eberhard Havekost in seiner aktuellen Ausstellung „Retina“ in der Frankfurter Schirn Kunsthalle.


Für Kenner seines bisherigen Werkes stellt die Schau eine überraschende Wende im Werk des Künstlers dar: Der bisher für seine stark verfremdeten, aber immer noch der Realwelt verhafteten Bilder bekannte Maler ist plötzlich im diffusen Nebelreich der Abstraktion angekommen. Meditative Pigmentwolken da, wo bis vor kurzem noch klar konturierte Linien dominierten. An Mark Rothkos Farbfeldmalerei erinnernde, pulsierende Flächen da, wo zuvor noch gut aussehende junge Menschen, Hochhausfassaden in extremer Untersicht oder schnittige Fahrzeuge zum Einsatz kamen. Der Post-Pop-Maler Havekost scheint sich mit großer Konsequenz neuen Bildthemen zuzuwenden. Wie um diese offensichtliche Zäsur wieder zu relativieren, sind aber auch einige ebenso aktuelle wie gegenständliche Bilder in Frankfurt zu sehen. Gerade im Vergleich der unterschiedlichen Konzepte ein und desselben Malers schärft sich aber der Blick auf sein Grundanliegen: Die Frage nach der visuellen Wahrnehmung der materiellen Welt und ihrer Umsetzung in Malerei.

Havekost gilt neben Neo Rauch, Matthias Weischer oder Thomas Scheibitz seit den späten 1990er Jahren als einer der Hauptvertreter des Booms neuer deutscher Malerei. Seine Motive suchte er zunächst auf den Hochglanzseiten von Zeitschriften und Magazinen, auf Werbetafeln und Anzeigen. Später begann er zunehmend auf eigene, oft auf Reisen entstandene Aufnahmen zurückzugreifen, die er mit der Digitalkamera macht und in einem umfassenden Bildarchiv verwaltet und nach diversen Kriterien sortiert. Dieses Rohmaterial bearbeitet er am Computer. So entstehen digitale Skizzen, die dem eigentlichen Akt des Malens vorausgehen. „Malerei“, so Havekost, „ist heute ein Mittel, der Wirklichkeit näher zu kommen. Der vom Augenschein gelösten Wirklichkeit, der Gegenwelt, der Denkwelt.“

Was sein Werk seit langem konsequent durchzieht, das ist die Frage nach der Wirklichkeit von Bildern und der malerischen Annäherung an die Realität. Seine neunteilige Serie „Retina“ aus dem Jahr 2009, die der Frankfurter Schau auch ihren Titel gibt, beruht auf Bildmaterial des kommerziellen TV-Kanals Comedy, das Havekost von einem Flachbildschirm abfotografiert hat. Also müsste doch eigentlich etwas Gegenständliches zu dechiffrieren sein? Havekost schickt den Betrachter auf Motivsuche in den Untiefen der eigenen Wahrnehmung. Erst bei längerem Hinschauen stellen sich mögliche Lesarten ein.

Vielleicht ist auf dem Gemälde „Flatscreen 4“ ja doch ein Auge zu erkennen – wer weiß? Und „Retina 3“ zeigt womöglich einen ganzen Kopf. Doch egal, was Eberhard Havekost uns zeigen will, das sind die Bilder vor den eigentlichen Bildern. So oder so ähnlich wie auf Havekosts neuen Bildern muss man sie sich vielleicht vorstellen: Die Lichtreize, die auf unsere Retina treffen, bevor Vernunft, Gedächtnis und Einbildungskraft das Chaos ordnen und den Widerschein der realen Welt in lesbare Bilder verwandeln.

Die Ausstellung „Eberhard Havekost – Retina“ läuft vom 15. Januar bis 14. März. Die Schirn Kunsthalle ist dienstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Der 64seitige Katalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet in der Kunsthalle 14,90 Euro, im Buchhandel 16,80 Euro.

Kontakt:

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Am Römerberg

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 2998820

Telefax:+49 (069) 29988240

E-Mail: schirn@schirn.de



14.01.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Variabilder:

in der Ausstellung „Eberhard Havekost – Retina“
in der Ausstellung „Eberhard Havekost – Retina“

Künstler:

Eberhard Havekost







in der Ausstellung „Eberhard Havekost – Retina“

in der Ausstellung „Eberhard Havekost – Retina“




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