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Die Staatlichen Museen zu Berlin stellen im Kulturforum am Potsdamer Platz das Œuvre des Baumeisters Alfred Messel vor

Alles beruht auf Weiterentwicklung



Alfred Messel, Warenhaus Wertheim, 1903-1905

Alfred Messel, Warenhaus Wertheim, 1903-1905

Heute noch gefragt und hoch geschätzt, sind sie morgen oft vergessen. So ergeht es vielen Baumeistern. Alfred Messel gehörte lange dazu. In Verbindung gebracht wurde er stets nur mit seinen größten Bauwerken, dem Warenhaus Wertheim und dem Pergamonmuseum in Berlin. Alles Weitere verblasste in ihrem Schatten. Ausnehmend dezent behandelte ihn über Jahrzehnte die Architekturgeschichtsschreibung. Seine Beuten waren wohl nicht modern genug. Vor einhundert Jahren, am 24. März 1909, verstarb er in Berlin, knapp 56 Jahre alt. Dies ist für die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin und das Architekturmuseum der dortigen Technischen Universität Anlass, dem umfänglichen Werkschaffen des für die Hauptstadt bedeutenden Architekten ein Forum zu bieten.


Alfred Messel wird am 22. Juli 1853 in Darmstadt geboren. Seine Vorfahren entstammen dem nahebei gelegenen Ort Messel, wo sie als Händler und Vorsteher der jüdischen Gemeinde wirken. Nach dem Abitur führt ihn die Ausbildung zunächst nach Kassel zum Praktikum bei einem Hofbauart und Studium an der Kunstakademie. Zwischen 1874 bis 1878 studiert er, ebenfalls zusammen mit seinem Jugendfreund und späteren Berliner Stadtbaudirektor Ludwig Hoffmann, an der Bauakademie zu Berlin. Nach der Prüfung zum Regierungsbaumeister 1883 arbeitet er noch bis 1888 im Staatsdienst, danach als Privatarchitekt. Seine Erfahrungen gibt er ab 1894 als Professor an der Königlichen Kunstgewerbeschule weiter. Im Jahr 1906 erfolgt die Ernennung zum Architekten der Königlichen Museen, in dessen Funktion er die Museumsinsel vollenden soll. Nach seinem Tod übernimmt Ludwig Hoffmann den Weiterbau.

Sechs Haupttätigkeitsfelder demonstrieren exemplarisch in der Ausstellung, auf wie vielen Gebieten der visierte Großstadtarchitekt seine Profession entfaltet. Das eindrucksvollste Segment der rund 350 Originalzeichnungen, Baupläne, Fotografien, Modelle und künstlerischen Ausstattungsgegenstände widmet sich den Kaufpalästen. Für die Warenhausdynastie Wertheim plant Alfred Messel gleich mehrere Bauten, darunter die Filiale an der Leipziger Straße. Schon der erste, 1897 eröffnete Bauabschnitt sorgt für großes Aufsehen. Die Eisenskelettkonstruktion erlaubt großzügige Lichthöfe. Außen herrscht eine vertikal gegliederte Glaspfeilerfront vor. Mit Werkstein verkleidete Pfeiler und breite, zurückversetzte Glasfensterachsen bilden vom Boden bis zum mächtigen Mansarddach durchgehende Bahnen.

In die Zeit um 1903/04 datiert die Erweiterung zum Leipziger Platz. Aufgrund der exponierten städtebaulichen Situation plant Alfred Messel hier eine traditionellere Gestaltung. Über einem hohen Arkadengang erheben sich bis zum Mansarddach – ähnlich dem Wandaufriss gotischer Kathedralen – mächtige vertikale Steinstreben der Teppichsaalfenster. Messel entwickelt ein massiges, schweres Tor zum Platz, dessen Muschelkalkverkleidung skulptural ausgestaltet ist. Im Arkadengang steht August Gauls Bärenbrunnen, dessen Plastiken in der Ausstellung ebenso zu sehen sind wie das „Königin Mode“ glorifizierende Buntglasfenster von Melchior Lechter. Vor einhundert Jahren ist dieser Kaufpalast als größtes europäisches Warenhaus eine Sensation. Obwohl nach dem Krieg wieder eröffnet, wird der architekturgeschichtlich bedeutende Bau mit wohl einer der schönsten Fassaden Berlins 1955/56 wegen der Grenzlage abgerissen.

Alfred Messel ist sich auch beim Warenhaus Wertheim ein Vertreter der Reform nicht der Revolution. Seine Bauten zeichnen eine schlichte Noblesse aus. Bewusst arbeitet er an der Form, entwickelt die Bauvorhaben aus dem Ganzen heraus und setzte sie nie aus Motiven zusammen. Den Jugendstil lehnt er ab, wilhelminischem Pomp steht er fern. Subtil reduziert er mit den Jahren die Fassadengliederung. Das Ziel war eine Architektur jenseits der Stile. Aber die Gestaltungen entwickelt er stets aus der Geschichte, nicht gegen sie. Dies zeigen auch seine anderen Arbeitsgebiete. So erweist er sich auf dem Sektor des sozialen Wohnungsbaus als Vorreiter von Wohnanlagen mit schlichter Fassadengestalt.

Zu seinen städtebaulichen Projekten gehören Verkehrsplanungen, darunter ein Wettbewerbsentwurf für den Kölner Hauptbahnhof, oder Sozialbauten wie der des Lette-Vereins oder das ebenfalls in Berlin noch erhaltene Kaiserin-Auguste-Viktoria-Haus. Das Spannungsfeld von Repräsentation, Funktion und Machtausdruck überführt Alfred Messel dabei routiniert in einen Gleichklang. Neben kunstgewerblichen Projekten, wie der Ausgestaltung des Kaiserlichen Thronsaales im Palazzo Caffarelli, der Deutschen Botschaft in Rom, zeichnen sich insbesondere Geschäftsbauten durch die souveräne Beherrschung dieser teils widersprüchlichen Intentionen aus. Bei der Landesversicherungsanstalt für die Provinz Brandenburg, der Hauptverwaltung der AEG, der Zentrale der Nationalbank bevorzugt Messel Formen der Renaissance und findet zugleich für den jeweiligen inneren Zweck einen adäquaten Ausdruck nach Außen.

Ein weiteres großes Kapitel stellen Villen und Landhäuser dar. Hier sieht sich Alfred Messel einer variantenreichen Repräsentationsarchitektur für ein vermögendes Klientel aus Unternehmern gegenüber, darunter auch viele Mäzene und Kunstsammler. Das Spektrum erstreckt sich vom Landhaus englisch-amerikanischen Typs bis hin zur italienischen Renaissance. Dieses durch seine Uneinheitlichkeit bezeichnende Kapitel bezeugt Messels Fähigkeit, sich Wünschen, Ansprüchen und Charakteren von Bauherrn gestalterisch in anspruchsvoller Weise anzunähern.

Nukleus der Ausstellung sind die Bauten für die Kultur. Im Rahmen des Schinkel-Wettbewerbs von 1881 entwickelt Alfred Messel Entwürfe für einen Weltausstellungspalast in Berlin-Tempelhof. Sie erinnern an den Londoner Kristallpalast. Im Jahr 1906 eröffnet das Großherzogliche Museum Darmstadt, ein malerischer Gruppenbau. Eine exzellent durchdachte Gesamtlösung ist auch Messels letztes Projekt. Mit der Dreiflügelanlage des klassizistischen Pergamonmuseums soll das Ensemble der Museumsinsel zu einer Einheit zusammengeführt werden. Im Geist der Brüder Humboldt als Freistätte für Kunst und Wissenschaft gedacht, ist das erst 1930 eröffnete Haus mit dem berühmten Pergamonaltar und dem Ishtar-Tor seit 1999 Teil des Weltkulturerbes. Umfangreiche Pläne, Fotografien und Bauplastiken dokumentieren das derzeit in Restaurierung befindliche Haus, das entlang des Kupfergrabens durch einen vierten Flügel von Oswald Mathias Ungers Ergänzung finden wird.

„In der Architektur“, so Messels Credo, „beruht alles auf Weiterentwicklung“. Zwischen Historismus und Moderne pendelnd, entfalten seine Bauten ihre Strahlkraft durch eigenständige Verfeinerung tradierter Formen. Dogmen und Pioniergehabe sind Messel dabei fremd. Der moderne Großstadtarchitekt ist auf nahezu allen Feldern des Bauschaffens im ausgehenden kaiserzeitlichen Berlin beeindruckend präsent. Mit Feinsinn agiert er jenseits einer Moderne, die den völligen Bruch mit der Tradition zum verbindlichen Kanon erhebt. Nie Anhänger eines bestimmten Stils versteht sich Messel eher als Pionier des ehrlichen Bauens, der das Bestmöglichste wie Angemessenste in den Fassaden erklingen lässt, die er auch als Ausdruck des zweckdienlichen Inneren verstanden wissen möchte. In einer vornehmen Ruhe sucht Messel das Selbstverständliche und kultiviert das Ankommen, nicht den Aufbruch.

Die Ausstellung „Alfred Messel (1853-1909). Visionär der Großstadt“ ist bis zum 7. Februar zu besichtigen. Das Kulturforum am Potsdamer Platz hat außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. geöffnet. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 35 Euro kostet.

Kontakt:

Staatliche Museen zu Berlin - Sonderausstellungshalle

Matthäikirchplatz 4

DE-10785 Berlin

Telefon:+49 (030) 397 871 50

Telefax:+49 (030) 266 26 29



13.01.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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04.11.2009, Alfred Messel: Visionär der Großstadt

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Staatliche Museen zu Berlin

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Alfred Messel, Warenhaus Wertheim – Leipziger Straße, Berlin
 1903-1905
Alfred Messel, Warenhaus Wertheim – Leipziger Straße, Berlin 1903-1905

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Alfred Messel, Wohnhaus mit Volkskaffeehaus, 1891-1892
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Alfred Messel, Pergamonmuseum in Berlin, 1907-1930
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Alfred Messel, Geschäftshaus der Nationalbank, Berlin
 1906-1907
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Alfred Messel, Wettbewerb Museumsinsel, Berlin 1884
Alfred Messel, Wettbewerb Museumsinsel, Berlin 1884

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Alfred Messel, Entwurf für das Landhaus
 Wolf Wertheim, Berlin-Kladow 1905-1906
Alfred Messel, Entwurf für das Landhaus Wolf Wertheim, Berlin-Kladow 1905-1906

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Alfred Messel, Warenhaus Wertheim, Berlin, Leipziger Platz
Alfred Messel, Warenhaus Wertheim, Berlin, Leipziger Platz







Alfred Messel, Warenhaus Wertheim – Leipziger Straße, Berlin 1903-1905

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Alfred Messel, Wohnhaus mit Volkskaffeehaus, 1891-1892

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Alfred Messel, Pergamonmuseum in Berlin, 1907-1930

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Alfred Messel, Geschäftshaus der Nationalbank, Berlin 1906-1907

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Alfred Messel, Wettbewerb Museumsinsel, Berlin 1884

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Alfred Messel, Entwurf für das Landhaus Wolf Wertheim, Berlin-Kladow 1905-1906

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Alfred Messel, Warenhaus Wertheim, Berlin, Leipziger Platz

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Alfred Messel, Ausstellungspalast für Berlin – Schinkelwettbewerb, 1881

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Alfred Messel, Wohnhaus in Berlin-Moabit

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