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Dialog der Gegensätze: Das Hamburger Ernst Barlach Haus konfrontiert das Frühwerk des lange Zeit vergessenen Expressionisten Ludwig Meidner mit den Werken Ernst Barlachs

Wiederentdeckung eines Ungestümen



Fahles Mondlicht, im Hintergrund die Überreste eines vom Feuer zerstörten Hauses. Alles ist in kaltes Blau getaucht. Im Bildzentrum kauert eine Gruppe verzweifelt wirkender Personen auf der Erde. Sie scheinen alles verloren zu haben: ihr Zuhause, ihre wirtschaftliche Existenz und vielleicht auch ihre Angehörigen. Auf dem 1912 entstandenen Gemälde „Die Abgebrannten (Heimatlose)“ von Ludwig Meidner dominiert Hoffnungslosigkeit. Das Individuum, eben noch geborgen in seiner schützenden Behausung, ist plötzlich ausgesetzt, bedroht von Hunger, Kälte und der Unberechenbarkeit seiner Mitmenschen.


Dieses apokalyptische Bild ist Teil einer Ausstellung im Hamburger Ernst Barlach Haus, die jetzt den expressionistischen Maler, Zeichner und Dichter Ludwig Meidner (1884-1966) wiederentdeckt. Die Schau „Unter unerforschlichen Meteoren. Ludwig Meidner – Ernst Barlach“ versammelt rund 100 Exponate. Karsten Müller, der Direktor des Barlach Hauses, konfrontiert Arbeiten Meidners mit dem Werk Ernst Barlachs (1870-1938). Ein durchaus brisantes Unternehmen. Die beiden Künstler lebten zwar eine Weile gleichzeitig in Berlin, beide sind Expressionisten, beide hinterließen wortgewaltige literarische Dichtungen. Und mit Paul Cassirer hatten sie sogar den denselben Galeristen. Dennoch sind sie sich offenbar nie persönlich begegnet. Bis heute gelten sie als Gegenspieler. Ernst Barlach, der 14 Jahre Ältere, hat sich dezidiert ablehnend gegenüber Meidners Kunst geäußert: „Er lädt immer viel Pulver in seine Kanone, es gibt immer eine gewaltige Explosion“, notierte er über Meidner und fügte hinzu: „Er weiß nicht, dass man auch sanft sein kann und dass das Sanfte sehr oft viel lauter ist als aller Kanonendonner.“

Dass Ludwig Meidner der Lautere und Ungestümere der beiden ist, steht außer Frage. Die Hamburger Ausstellung stellt sein expressives Werk eindrucksvoll zur Schau. Die Welt und damit auch das Individuum stehen bei Meidner unter ständiger Bedrohung. Meidner malt und zeichnet noch vor dem Ersten Weltkrieg dem Niedergang geweihte Städte und apokalyptische Landschaften, Schlachtfelder, Feuersbrünste und Kanonendonner, Lava speiende Vulkane, Ruß und Qualm spuckende Fabrikschornsteine. Alles einst Stabile löst sich in seiner „Wirrwarr-Welt“ (Meidner) auf, Menschen flüchten oder sehen dem zerstörerischen Treiben mit stoisch-resignativer Miene zu. In seinen Porträts und Selbstbildnissen zeigt Meidner angstvoll gen Himmel blickende Propheten, vergrämte Künstlerfreunde wie den Maler Conrad Felixmüller oder den Dichter Johannes R. Becher, und nicht zuletzt immer wieder sich selbst als „zerhauenen Erdenklotz“ oder gar als Selbstmörder.

„Ich denke mir die großartigsten Dinge aus, apokalyptische Gewimmel, hebräische Propheten und Massengrabhalluzinationen – denn der Geist ist alles, die Natur kann mir gestohlen bleiben“, beschrieb er seine Motivfindung. Dabei ist der 1884 im schlesischen Bernstadt als Sohn jüdischer Textilhändler geborene Meidner immer nah an der Gegenwart seiner Zeit. Das unmittelbare Erleben der Großstadt Berlin, der Aufenthalt in Kaffeehäusern und der Austausch mit Künstlerkollegen, aber ebenso auch der aufziehende Weltkrieg, die Verfemung und Verfolgung als Jude prägen seine Wahrnehmung – und seine fieberhaft-explosive Kunst der 1910er Jahre.

Der eremitische Einzelgänger Barlach hingegen entsagt den Verlockungen der Metropolen. Er zieht sich bereits 1910 in die mecklenburgische Provinz nach Güstrow zurück. Seine stark stilisierten und formalisierten Zeichnungen und Skulpturen wirken im Vergleich zu Meidner zeitlos, theatralisch und überwirklich. Unvereinbare Gegensätze also? Barlachs nüchterne Askese und Meidners überschäumende Fantasie, das zeigt diese sehr kontrastreiche und klug zusammengestellte Schau, speisen sich aus denselben Quellen und Besorgnissen. Was beide umtrieb, war die große Skepsis gegenüber den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen ihrer Zeit. Und was sie letztlich einte, war ihre Beschäftigung mit dem Kosmischen, der metaphysischen Bestimmung des Menschen und ihr gemeinsamer, wenn auch zutiefst erschütterter Glaube an die Präsenz einer überirdischen Instanz.

Die Ausstellung „Unter unerforschlichen Meteoren. Ludwig Meidner – Ernst Barlach“ ist bis zum 31. Januar zu sehen. Das Ernst Barlach Haus hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, die Familienkarte kostet 7 Euro. Der ist Katalog für 25 Euro im Kerber Verlag erschienen.

Kontakt:

Ernst Barlach Haus

Baron-Voght-Straße 50a

DE-22609 Hamburg

Telefon:+49 (040) 82 60 85

Telefax:+49 (040) 82 64 15



05.01.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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