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Die Berliner Konzeptkünstlerin Karin Sander zeigt in der Temporären Kunsthalle Berlin wie man einen leeren Ausstellungsraum mit Imagination – und Besuchern – füllen kann

Räume des Sichtbaren



Wer in diesen Tagen der Hektik und der penetranten Punsch- und Bratwurstdüfte der omnipräsenten Berliner Weihnachtsmärkte entfliehen will, landet vielleicht in der Temporären Kunsthalle Berlin. Der Eintritt ist hier frei, und gut geheizt ist die kompakte Kunstkiste auch. Noch bis Ende August 2010 steht sie auf der zukünftigen Baustelle des Berliner Stadtschlosses. Dort bietet sie all den Ausstellungen ein Forum, für die es sonst in Berlin keinen geeigneten Ort gibt. Zur Zeit präsentiert hier die Berliner Konzeptkünstlerin Karin Sander, Jahrgang 1957, ihr neues Ausstellungsprojekt „Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander“. Karin Sander arbeitet stets mit vorgefundenen Situationen und Örtlichkeiten, deren Wahrnehmung sie durch minimale Eingriffe verändert. So markierte sie bei den Skulptur.Projekten 1997 in Münster den zuvor kompliziert berechneten Schwerpunkt der Stadt mit einem Kreis aus rot lackiertem Beton – er befand sich an einem unscheinbaren Ort jenseits aller touristischen Attraktionen.


In einem Interview mit dem Kulturwissenschaftler Harald Welzer beschrieb Karin Sander ihre Methode 2002 so: „Ich muss Dinge ablesen können aus dem Ort und aus der Situation eines Museums oder einer Galerie. Die Arbeit muss etwas zeigen und zugleich geheimnisvoll bleiben. Sie muss über sich selbst hinausgehen und etwas zeigen, was so vorher noch nicht sichtbar war. Das heißt, sie macht etwas sichtbar, was schon da ist, sich aber in einem Zustand befindet, der nicht wahrgenommen wird, in einem Zustand der Latenz.“

Wer den 600 Quadratmeter großen, weiß getünchten Berliner Ausstellungsraum betritt, dürfte sich erst einmal verwundert die Augen reiben: Der Raum ist vollkommen leer. Bis auf ein paar andere Besucher vielleicht, ausgerüstet mit Kopfhörern und Audioguides. Die stehen vor den weißen Wänden, bewegen sich mit zielstrebigen Schritten durch den Raum oder ziehen versonnen ihre Bahnen durch die taghell ausgeleuchtete Leere. Hat man sich, gegen Hinterlegung eines Pfandes, erst einmal selbst technisch hochgerüstet, so wird einem der Sinn dieser ungewöhnlichen Kunstpräsentation klar. An den Wänden befinden sich die Namen von Hunderten Berliner Künstlern, jeweils mit einer Nummer versehen und in alphabetischer Reihenfolge. Wie ein Wandfries windet sich das schmale Schriftband in 149 Zentimeter Höhe durch den Raum.

Von Saâdane Afif bis Christof Zwiener hat Karin Sander rund 800 Berliner Künstler eingeladen, ihre Arbeit in einem jeweils zweiminütigen Hörstück akustisch erfahrbar zu machen. 566, das sind rund zehn Prozent der rund 6.000 Berliner Künstler, haben schließlich einen Audiobeitrag eingesandt. Durch Anwählen der entsprechenden Nummer auf dem Audioguide aktiviert der Besucher die Hörstücke und erhält so auch den Titel der jeweiligen Arbeit. So kann sich, wer Zeit hat und mehrmals wiederkehrt, durch 18 Stunden akustisches Material manövrieren.

Dass keineswegs nur langweilige Bildbeschreibungen abgegeben worden sind, spricht für die Vitalität und den Einfallsreichtum der international zusammengewürfelten Berliner Szene. Es gibt musikalische Einlagen, Werkstattgeräusche, konzeptuelle Statements, Körperlaute, literarische Miniaturen, Tonaufnahmen aus fernen Ländern oder der unmittelbaren Umgebung der Künstler. Der Maler Eberhard Havekost führt den Soundtrack vor, dem er beim Malen lauscht: absolute Stille. Die britisch-palästinensische Künstlerin Mona Hatoum unterlegt ein Gesangsstück der „ägyptischen Callas“, Oum Kalthoum, mit den Hupgeräuschen einer orientalischen Stadt. Medienkünstler und Soundtüftler wie der Schweizer Daniel Pflumm und der Österreicher Gerwald Rockenschaub setzen auf Technobeats, ebenso die Fotokünstlerin Katharina Sieverding.

Das dänisch-norwegische Künstlerduo Michael Elmgreen & Ingar Dragset führt einen befremdlichen Dialog, der nur aus Hustgeräuschen besteht. Gregor Schneider versucht, die Aktivität seines Künstlerhirns zu erfassen, indem er ein Mikrofon an seinen Kopf hält und das Rauschen des Blutes aufnimmt. Bei Andreas Slominski hört man nur das kurze Zuschnappen einer seiner Tierfallenskulpturen. Tjorg Douglas Beer stellt 41 grundsätzliche Fragen an die Kunst. Jonathan Meese ergeht sich im plärrenden Fast-Forward-Modus über die Freiheit der Kunst und die Unfreiheit des Künstlers. Josephine Meckseper lässt ihre Protagonistin eine postapokalyptische Manhattan-Tour beschreiben – irgendwann nach dem 11. September 2001, die Staubwolken haben sich bereits verzogen. Und auch der 2006 verstorbene Fluxus-Pionier Tomas Schmit ist nochmals mit von der Partie – mit konkreter Poesie über den Schimmel.

Auf so vielfältige Art und Weise hat sich die Berliner Kunstszene selten präsentiert – und so viel Freiheit, sich in die Bildwelten ihrer Hauptakteure und Nebendarsteller hinein zu imaginieren, hat sie dem Betrachter noch nie offeriert. Wer die Ausstellung „Zeigen“ besucht, wird die Leere am Ende als wohltuend empfinden. Bilder und Objekte wird er nicht vermissen: Die entstehen, angeregt durch die akustischen Miniwerke der 566 Teilnehmer, ohnehin im Kopf des Besuchers. Karin Sander dazu: „Denn wenn man jemandem etwas zeigt, versetzt man sich in seine Perspektive und lässt ihn umgekehrt an der eigenen teilhaben. So betrachtet, ist die Fähigkeit zu zeigen nicht nur eine zentrale Bedingung der Kommunikation, sondern auch eine Definition künstlerischer Arbeit, nämlich Räume des Sichtbaren zu erschließen.“ Das Gewusel der Besucher, ihre individuell ganz unterschiedlichen Methode, sich der schier unbewältigbaren Fülle des künstlerischen Materials anzunähern, aber lässt „Zeigen“ zu einem Ort der performativen Selbsterfahrung und der aufschlussreichen Beobachtung der Anderen werden.

Die Ausstellung „Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander“ ist bis zum 10. Januar zu hören. Die Temporäre Kunsthalle Berlin hat täglich von 11 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt am 12., 24. und 31. Dezember. Der Eintritt ist frei. Der 600seitige Katalog erscheint am 14. Dezember ohne Abbildungen im Verlag der Buchhandlung Walther König zum Preis von 25 Euro.

Kontakt:

Temporäre Kunsthalle Berlin

Schlossfreiheit 1

DE-10178 Berlin

Telefon:+49 (030) 20 45 36 50

Telefax:+49 (030) 25 76 204 19

E-Mail: office@kunsthalle-berlin.com

www.karinsander.de



09.12.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Künstler:

Karin Sander







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