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Edvard Munch und das Unheimliche im Wiener Leopold Museum

Bilder für die Schattenseiten des Lebens



François-Nicolas Chifflart, Das Gewissen, 1877

François-Nicolas Chifflart, Das Gewissen, 1877

1885 trifft der junge Edvard Munch in Paris ein. Die Erwartungen des 21jährigen Malers an die dortige Kunstszene sind groß. Doch die Werke seiner französischen Zeitgenossen enttäuschen ihn. Munchs drastischer Kommentar: „Ergriffen würde ich werden, glaubte ich, aber mich ergriff nur der Wunsch zu kotzen.“ Fast gar nichts scheint Munchs hohen Ansprüchen zu genügen, nichts als Anregung für seine eigenen Arbeiten zu taugen. So ist er ganz auf sich gestellt. Munch zumindest hat keinen Zweifel, dass seine Gemälde und Grafiken Erfahrungen und Nöte seiner eigenen Existenz beschreiben. „Meine Bilder sind mein Tagebuch“, formuliert er lakonisch.


Noch in diesem Jahr beginnt er die Arbeit an seinen Hauptwerken „Das kranke Kind“, den ersten, später durch Feuer vernichteten Fassungen von „Der Tag danach“ und „Pubertät“. In diesen Werken thematisiert Munch grundlegende menschliche Erfahrungen wie Einsamkeit, Trauer und Tod und legt den Schwerpunkt auf die gefühlsmäßige Erfassung der Motive. Seine künstlerischen Auseinandersetzungen sind so einzigartig wie erschütternd. Eindringlich zeichnet er die existentiellen Bedrohungen des Menschen und die damit einhergehenden psychischen Vorgänge nach. 1896 stellt er „Das kranke Kind“ erstmals in Oslo aus und provoziert einen Sturm der Entrüstung. Bezeichnender Weise entfacht sich die Kritik weniger am Motiv, sondern vor allem an der malerischen Ausführung.

Bis heute stellt sich die Frage, wie es Munch gelang, derart heftige Emotionen zwischen Abneigung und Faszination auszulösen. Als eine Erklärung wird die symbolgeladene Atmosphäre angeführt, die vielen seiner Werke eine unheimliche Komponente verleiht. An der Schnittstelle zwischen physischer Wahrnehmung und ästhetischer Formsprache, als Anderes im Eigenen, als Fremdes im Vertrauten zeigt sich dieses Unheimliche bei Munch in den unterschiedlichsten Erscheinungen. Als ein Produkt der Fantasie angesehen, bietet es Aufschluss über etwas, das der Betrachter erahnen kann, das ihn gleichzeitig jedoch fast immer verborgen bleibt.

Dem Düsteren, Geheimnisvollen, Mysteriösen auf der Spur ist eine große Ausstellung, die unter dem Titel „Edvard Munch und das Unheimliche“ derzeit im Wiener Leopold Museum zu sehen ist. Die Schau präsentiert mehr als 200 Exponate, darunter zahlreiche bedeutende Gemälde des norwegischen Malers aus dem Munch-Museum in Oslo und von Zeitgenossen Munchs, aber auch von Vorgängern wie Francisco de Goya, Johann Heinrich Füssli oder Giovanni Battista Piranesi. Der Ausstellungsparcours gliedert sich in acht Kapitel, die sich den „Symbolen des Unterbewussten“, „Träumen und Alpträumen“, „Geistern und Visionen“ oder dem „Unheimlichen Heim“ widmen.

Beeindruckend der Munch-Raum mit den Selbstbildnissen als „Nachtwanderer“, und „In der Hölle“, aber auch mit den Gemälden „Angst“, „Das Weib“, „Pubertät“ und die spätere Fassung von „Das kranke Kind“. Neben den großen Formaten laden zahlreiche grafische Varianten zum Vergleich mit den Gemälden ein. Nachdrücklich in Erinnerung bleiben neben berühmten Lithografien wie „Geschrei“ weniger bekannte grafische Arbeiten wie die Kaltnadelradierung „Mondschein, Nacht in St. Cloud“ von 1895 oder die drei Jahre später entstandene Lithografie „Begierde“.

Gelungen ist auch die Abteilung „Symbole des Unterbewussten“, die etwa mit einem Reigen imposanter Karnevalsszenen des Belgiers James Ensor, den „Menschlichen Parodien zur Aufheiterung anständiger Leute“ von Félicien Rops, vielen grafischen Arbeiten von Alfred Kubin und den düsteren Kupferstichen von Giovanni Battista Piranesi aus dem Zyklus „Carceri d’Invenzione“ aufwartet. Neben vielfach Bekannten gibt es immer wieder Gelegenheit für Entdeckungen, wie das skurrile Wasserwesen „Nöck“ von Theodor Kittelsen aus dem Jahr 1887 oder die 1877 entstandene, surreal anmutende Kohlezeichnung „Das Gewissen“ von François-Nicolas Chifflart. Zahlreiche Blätter aus den Goya-Zyklen „Los Disparates“ und „Los Caprichos“, eine grafische Version von Max Klingers „Toteninsel“ und Gustave Moreaus eindringliches „Opfer“ werden im Komplex „Träume und Alpträume“ präsentiert.

Die folgenden Ausstellungsbereiche sind jedoch weniger stringent und leiden unter der Fülle des Präsentierten. Neben drastischen Arbeiten wie Aroldo Bonzagnis „Der Baum der Erhängten“ aus dem Jahr 1911, der tote Türken am Christbaum baumeln lässt, und Pietro Pajetta, der als Bildmotiv für sein 1896 entstandenes Gemälde einen vor Liebe und Hass Unglücklichen die schon im Sarg liegende tote Angebetete schänden lässt, sind es aber vor allem die –zumindest auf den ersten Blick – wenig spektakulären Werke, die in Erinnerung bleiben: hervorzuheben sind Gustav Klimts dämonisches „Brustbild einer Frau von vorne (Erinnye)“ und Franz von Stucks Gemälde „Das Diner“. Die schwarzen schattenhaften Gestalten wirken zwar angsteinflößend, doch was dem Betrachter vor dem Bild verharren lässt, ist das Wesen des Unheimlichen. Er fühlt, was er nicht sehen kann, eine isolierte Wirklichkeit, die über das Abbildhafte hinausgeht.

Sigmund Freud, dessen 1919 publizierter Aufsatz „Das Unheimliche“ namensgebend für die Ausstellung war, definiert das Unheimliche als etwas wiederkehrendes Verdrängtes und konstatiert einen virulenten Zusammenhang mit unserem Selbst. Das Fremde, das vermeintlich Angst auszulösen vermag, zeigt sich in Wirklichkeit als integraler Bestandteil des Vertrauten. Doch die teils obsessiv anmutenden Beschäftigungen mit Krankheit und Angst, Träumen und Alpträumen, gescheiterter Liebe und frühem Tod, dem Streben nach einer Kunst, die hinter den Schein der Dinge dringt, weisen über die Bewältigung lebensgeschichtlicher Traumata hinaus. Vielfach artikuliert sich ein Krisenbewusstsein für die Schattenseiten der Modernisierung im Europa des 19ten Jahrhunderts, das sich bei Munch, aber auch bei anderen Malern, Denkern und Dichtern feststellen lässt.

Die Ausstellung „Edvard Munch und das Unheimliche“ läuft bis zum 18. Januar 2010. Das Leopold Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7,50 Euro oder 6,50 Euro.

Kontakt:

Leopold Museum

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 700

Telefax:+43 (01) 525 701 500

E-Mail: leopoldmuseum@leopoldmuseum.org



09.12.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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