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Erstmals würdigt eine Ausstellung im Duisburger Lehmbruckmuseum kompakt wie vielseitig das bedeutsame Werk von Georges Vantongerloo

Vorstöße ins Universelle



Zu den Eigentümlichkeiten des Zeitflusses gehört punktuelles Erinnern an bezeichnende Ausprägungen. Oft verliert sich dabei der Blick auf die Gesamtheit. Infolgedessen geraten Beiträge einst markanter Persönlichkeiten rasch in den Hintergrund, weil sie zahlenmäßig klein, breit aufgefächert oder allzu visionär erscheinen. Georges Vantongerloo gehört zu jenem Kreis von Männern, denen ein solches Schicksal in der Kunstgeschichte beschieden ist. Was verbirgt sich hinter dem 1886 in Antwerpen geborenen und 1965 in Paris verstorbenen Flamen? In der Tat lässt sein gerade einmal 284 Katalognummern umfassendes Œuvre zunächst auf ein sehr beschränktes Schaffen schließen. Keine einzige Werkgruppe wird in einem der führenden Museen bewahrt. Nur singuläre, wenn auch erstrangige Arbeiten können präsentiert werden. Weit über einhundert Stücke befinden sich allein im Eigentum der Erben seines Freundes Max Bill.


Die letzte große Ausstellung von Christoph Brockhaus als Direktor des Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museums unternimmt es nun, Persönlichkeit und Werk von Georges Vantongerloo erstmals umfassend und im Kontext der geometrischen Abstraktion des 20sten Jahrhunderts vorzustellen. Zu 141 Exponaten aus dem Schaffen Vantongerloos fügen sich sechzig weitere Werke von knapp dreißig anderen Künstlern in engen dialogischen Wechseln. Sie decken das gesamte künstlerische Umfeld der ersten Generation nach Piet Mondrian ab. Dazu gehören unter anderem Hans Arp, Alexander Calder, Constant, Wassily Kandinsky, Paul Klee, František Kupka, Kasimir Malewitsch, László Moholy-Nagy, François Morellet, Alexander Rodtschenko und Kurt Schwitters.

Der Ausstellungsparcours beginnt im ersten Segment mit einer Perspektivstudie aus dem Jahr 1902, der ältesten für Vantongerloo nachweisbaren Arbeit. Sein figuratives Frühwerk verdrängt er, wie viele seiner Zeitgenossen, nach den schrecklichen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges sowie durch Begegnungen mit Vertretern des De Stijl schnell. Im Jahr 1915 beginnt er mit der Malerei, die Motive der Gegenständlichkeit in Abstraktionen überführt. Farbstudien und erste abstrakte Skulpturen wie die „Komposition aus dem Ovoid“ von 1918 zeigen bereits mondriansche Farbgefüge und die Hinwendung zum Minimalismus. 1917 gehört Vantongerloo zu den Unterzeichnern des ersten Manifestes der Künstlerbewegung De Stijl. Inspiriert von deren theoretischen und philosophischen Diskursen stößt er unter Einsatz neuer Materialien und Ausdrucksformen in den Raum vor, wobei neben den ästhetischen Aspekten auch funktionale Eigenschaften einfließen. Seine Skulpturen beruhen auf genauen mathematischen Berechnungen.

Ab 1919 folgen architektur- und städtebaubezogene Entwürfe, deren Zeichnungen und Modelle den Schwerpunkt des zweiten Ausstellungsabschnitts bilden. Erstmals entwickelt Georges Vantongerloo um 1920 Ideen für eine „Stadt nach der Neuen Gestaltung“, die einhergehend mit Vorstellungen zu einer Neustrukturierung der Gesellschaft in einer „universellen, interkommunistischen Stadt“ noch weit über Gestaltungsansätze der De Stijl-Künstler hinausreichen. Diese Gedanken münden in so unterschiedliche Entwürfe wie Interieurs, Brücken oder Flughafentypen. Noch heute imponierend kündigen die im Jahr 1928 entwickelten Flughafenvarianten selbstbewusst ein modernes Zeitalter an. Vantongerloos Arbeiten bilden zwar konkret ausgearbeitete Entwürfe, stellen aber ebenso künstlerisch autonome, konstruktivistische Plastiken dar. In Paris gründet er 1931 zusammen mit Naum Gabo, Auguste Herbin, Antoine Pevsner und dem kurz darauf verstorbenen Theo van Doesburg die Künstlerbewegung „Abstraction-Création“. Beständig dem Fortschritt auf der Spur lautet ihre große Version: „Pour le nouveau monde“.

In der dritten Ausstellungseinheit folgen zunächst noch Bilder, die Vantongerloos Orientierung an van Doesburg und Mondrian illustrieren. Doch seit jenem Wendejahr 1931 entfernen sich ihre künstlerischen Standpunkte deutlich voneinander. Vantongerloos Gemälde geben sich in Komposition wie Farbwahl erheblich freier. Langgestreckte Farbbalken und Blätter in clusterartigen Grauwertgestaltungen nehmen den Reduktionismus der 1960er und 1970er Jahre vorweg. Statt klarer Raster mit Grundfarben zeigen um 1937 kreierte Studien subtil abgedunkelte warme Töne in fessellosen Flächen- und Balkenkonstruktionen. Die Serie kleiner Monochromien aus feinsten, auf ein Minimum reduzierten Mitteln offenbart in engem Austausch mit Werken anderer Zeitgenossen augenfällig andersartige Wesensmerkmale. 1938 entstehen die ersten Blätter mit an- und abschwellenden Linien, die frei auf dem hellen Grund schweben.

Auch die letzten zweieinhalb Jahrzehnte seines Lebens nimmt Vantongerloos künstlerische Entwicklung einen ungewöhnlichen Weg. Im vierten Ausstellungskapitel, der diese Werkphase beleuchtet, ist nichts mehr von der radikalen rechtwinkligen Definition von Volumina wie in den früheren Jahren zu entdecken. Sie ist einer freien Plastizität gewichen, die sich in Drahtskulpturen und schwebenden Strukturen und schließlich, nach dem Zweiten Weltkrieg, in gebogenen Plexiglasstäben und -prismen äußert, die wie immaterialisierte Lichtkreationen wirken. Sie sind verblüffender Ausdruck seiner Begeisterung für Licht und Farbe und letztlich Auseinandersetzungen mit dem Problem des unendlichen Raumes.

Lebenslanger Künstlerfreund und Förderer Vantongerloos ist der Schweizer Max Bill, mit dem er bereits 1933 zusammen in Paris ausstellt. Dank dieser Freundschaft konnte Vantongerloos künstlerischer Nachlass samt den Dokumenten und Schriften seines Archivs erhalten bleiben. Die überwiegende Anzahl der Leihgaben rekrutiert sich daher aus der Kollektion von Max Bills zweiter Ehefrau Angela Thomas und der seiner beiden Kinder Chantal und Jakob Bill. Zusammen mit zahlreichen Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen vermittelt die Schau ein reichhaltigeres Bild Vantongerloos, als es bisher jemals möglich war. Der begleitende Katalog gilt als erste wichtige Biografie dieses bedeutenden Künstlers.

Den großen Pionieren der Moderne zugehörig, bleibt Georges Vantongerloo lebenslang Avantgardist. Die Verbindung von Kunst und Leben ist für ihn nicht nur Theorie. Konkret, pragmatisch, zielorientiert verfolgt er die Umsetzung künstlerischer Maximen in die architektonische und urbane Umwelt der 1920er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg steht der grenzenlose universelle Raum im Fokus. Atome, Strahlungen, Lichtbrechungen, Ambivalenzen von Materialität und Vorstellung, Sichtbarkeit und Wahrnehmung durchdringen sein zukunftorientiertes Kunstschaffen. All dies macht ihn zu einer bedeutenden Leitfigur in der Kunst des 20sten Jahrhunderts. So wurde es überfällig, den großen Einzelkämpfer ins Rampenlicht zu rücken und angemessen zu würdigen. Die Duisburger Ausstellung mit ihren reichen Einblicken und Querbezügen in Schaffenszusammenhänge, mit niemals zuvor präsentierten und publizierten Materialien tut dies auf wunderbare Weise.

Die Ausstellung „Georges Vantongerloo (1886-1965) und seine Kreise von Mondrian bis Bill“ ist noch bis zum 10. Januar 2010 im Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog kostet 34,80 Euro.

Kontakt:

Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg

Friedrich-Wilhelm Straße 40

DE-47051 Duisburg

Telefon:+49 (0203) 283 26 30

Telefax:+49 (0203) 283 38 92

Telefon:+49 (0203) 283 32 94



20.11.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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