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Bonner Bundeskunsthalle zeigt Markus Lüpertz in Hülle und Fülle

Bockbeinige Motivmalerei



„Retrospektive oder Bilanz, das sind eher museale, kuratorische Begriffe. Ich schaue nicht zurück“. Als Abschiedsvorstellung will Markus Lüpertz seine bislang umfangreichste Einzelausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland keinesfalls verstanden wissen. Zum Ende seines über zwanzig Jahre währenden Rektorats an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf in diesem Sommer, das partiell einer pompösen Selbstinszenierung glich, scheint der Zeitpunkt für die 180 Exponate umfassenden Schau gerade recht. Dem Rheinland kehrt er den Rücken. In Potsdam wird er ab nächstes Jahr eine private Malerakademie betreiben.


„Hauptwege und Nebenwege“, so lautet der Assoziationen an Paul Klee weckende, allerdings im Plural gehaltene Ausstellungstitel. Lüpertz beschäftigt sich mit vielen Themen, variiert, kombiniert und verwandelt sie. Einzelbilder bekommt der Besucher dann auch kaum zu Gesicht. Wiederhollungen charakterisieren sein Œuvre. Rückenakte, Helme, Schnecken, Schildkröten tauchen immer wieder auf, entfalten einen facettenreichen, nahezu filmischen Trieb. Seit fast 50 Jahren ist Markus Lüpertz auf der Suche nach dem bestmöglichen Bild. Nicht das perfekte Einzelbild, sondern die Fassung eines Themas verfolgt ihn. „Die Idealform habe ich sicherlich noch lange nicht erreicht“, so seine Einschätzung.

Der 1941 in Reichenberg in Böhmen, dem heutigen tschechischen Liberec, geborene Lüpertz muss 1948 mit seiner Familie ins rheinische Rheydt fliehen. Nach dem Studium an der Krefelder Werkkunstschule schlägt er sich als Bergmann und Straßenbauer durch. Seit 1961 arbeitet er dann als freier Künstler. Ein Jahr später zieht es ihn nach Berlin. Hier erregt er 1964 Aufsehen, als er in der Galerie Großgörschen 35, einem in Künstlerregie verantworteten Ausstellungsraum, „Dithyrambische Malerei“ darbietet. Der Minimal Art ähnlich werden Motive einzeln nebeneinander auf die Fläche fixiert. Segel, rote Kreuze oder Zelte, in ihrer Banalität befremdliche Sujets, erscheinen in großen Formaten voller Leuchtkraft. Ineinander verschachtelte Farbflächen der Zeltplanen oszillieren zwischen energievollen Abstraktionen und emblematischer Realistik.

Der von Markus Lüpertz gewählte Begriff „Dithyrambische Malerei“ besagt, dass die Bilder wie ein altgriechischer Chor einen Gesang anstimmen sollen. Dabei spielt er mit dem Christlichen und altgriechischen Chiffren ebenso wie mit abstrakten, geometrischen Ordnungen. Im Jahr 1966 führt Lüpertz mit dem etwas über zehn Meter langen „Spargelfeld“ das frontale Querformat ein. Unter Anwendung der Zentralperspektive wird die Illustration dramatisiert. Signifikante Plastizität suggeriert das Werk. Die extremen Breitformate fliehen vor den Augen und brechen unmittelbar über dem Horizont ab.

Seine frühesten Bilder in der Bonner Ausstellung sind sechs bis zu zweieinhalb Meter hohe Arbeiten aus der Donald Duck-Serie des Jahres 1963. Variationsvoll lotet Lüpertz das Verhältnis zur Realität aus, bemüht Motive aus der Wirtschaftswunderzeit und exerziert an ihnen Optionen der Malerei. Dabei nimmt er eine eigene Position im Rahmen der Pop Art der 1960er Jahre ein, die er selbst als „Anti-Pop“ klassifiziert. Die Frische der Bilder resultiert aus der fehlenden Anwendung zwischengeschalteter Fotografie. Lüpertz’ zeitgenössisch-figurativ inspirierte Malerei setzt sich von der kühlen bis ironischen Distanziertheit der Pop Art souverän ab. In kraftvollen malerischen Gesten, in energetisch aufgeladenen Großformaten bricht er aus gegenständlichen Korsetts aus. Nie einer Stilrichtung verpflichtet, glaubt er ebenso wenig an den reinen Abstraktionscharakter der Kunst. Immer bleibt er bestrebt, sukzessive neue Motive und Motivbereiche für sich zu erschließen.

Anfang der 1970er Jahre halten „deutsche Motive“ Einzug. Lüpertz lotet mit ihnen die traditionelle Bedeutung teils historisch belasteter Embleme aus, ohne erzählerisch tätig zu sein. Der Versuch, die Geschichte in den Griff zu bekommen, fußt auf der Auseinandersetzung mit Heimat, Historie, Krieg und Mythen. Sein Anliegen, mittels seiner Malerei die offene Debatte über Gegenwartskünste lebendig zu halten, rückt in den Fokus. Neben Verweisen der selbstironischen Bedeutung westdeutscher Kunst gegenüber der triumphal auftretenden aus den USA scheint Lüpertz’ collagenartiger, unverkrampfter Umgang mit historischen Versatzstücken auch einiges von dem vorweg zu nehmen, was sich als „Postmoderne“ Ende der 1970er Jahre ausbildet. Seit diesen Jahren spätestens gilt Markus Lüpertz als international beachteter Künstler.

Danach beginnt die sogenannte „Stil-Malerei“. Hier bezieht sich Lüpertz auf abstrakte, informelle Tendenzen und Wegbereiter der klassischen Moderne oder arbeitet mit Zitaten aus der Kunstgeschichte. In „Bildern über Poussin“ beispielsweise bemächtigt er sich zitierend, interpretierend oder dilettierend deren Sujets. Gleichzeitig inspirieren ihn mykenische und antike Diktionen. Bis heute hält die Auseinandersetzung mit der altgriechischen Epoche an, die nach Schönheit und Vollkommenheit in der Kunst strebt. Die 1985 geschaffene Serie zum „Mykenischen Lächeln“ etwa empfängt den Besucher im Bonner Foyer.

Seit den frühen 1980er Jahren bestimmt Lüpertz’ Schaffen eine Intensivierung des Dialoges von Skulptur und Malerei. Betont wird er in Bonn durch phasenübergreifende Vergleiche in der großen Ausstellungshalle. Unter völligem Ausschluss des grafischen Œuvres stehen die malerischen Leistungen neben Arbeiten des Bildhauers Markus Lüpertz. Schon in den 1960er Jahren testet er mit ephemeren Gebilden aus Plastikabfällen die Überführung der Malerei ins Dreidimensionale. Rau, unbeschlagen, kerbenreich, wild, archaisch, teils fragmentarisch, teils in voller Körperlichkeit, exerziert Lüpertz den freien Umgang mit Zeichen und Motiven noch prononcierter bei teils monumentalen Ausprägungen.

Metamorphosen der menschlichen Figuren lassen seine vehemente künstlerische Kraft durchscheinen – in Skulpturen ebenso wie vor unmittelbaren, figurativ-abstrakt gefassten Gesten vor monochromen Malgründen. Ende der 1990er Jahre kommen flüchtig komponierte, bestechende Landschaftsbilder auf. Sie unterscheiden sich deutlich vom bisherigen malerischen Schaffen. Die Durchdringung aller Ebenen wird transparenter; sein bisheriges Verständnis von Vorder- und Hintergründen wird aufgehoben.

Den ungeordneten Zwiegesprächen wechselnder zeitlicher Abschnitte und Genres wurde im Hallenumgang ergänzend eine chronologische Abfolge beiseite gestellt. Zwei Zonen gestaltete Lüpertz persönlich. Von einem Lichtkegel wird direkt am Eingang ein Oktogon bekrönt, das gewagten Experimenten aus jüngster Zeit gewidmet ist. Im Umgang gestaltete er ein Kabinett mit neun unlängst entstandenen kleinformatigen Gemälden als Hommage an den großen Italiener Giorgio Morandi, der hier zuletzt ausgestellt war.

Unverkennbar ist Lüpertz’ Einfluss auf viele deutsche und internationale Epigonen, seine kraftvolle Ausstrahlung und emotionale Gesetztheit, die weit über das hier Präsentierte hinausgeht. Sie finden ihren Niederschlag in Musik, Bühnenbildnern, Lyrik und Prosa, mit denen sich Lüpertz beschäftigt. Ein Star, der sich exzellent zu präsentieren und vermarkten weiß, aber auch ein anerkannter wie umstrittener Künstler, der auf seine Weise Motive für die Kunst zu erobern vermochte. „Interpretationen und Wertungen“, so meinte der Künstlerfürst, „wird immer eine Aufgabe der Zeit bleiben.“ Angesprochen auf die Eingliederung seiner Ausstellung in den Zyklus deutscher Künstler von internationaler Bedeutung, in dem zuvor bereits Gerhard Richter (1994), Sigmar Polke (1997) und Georg Baselitz (2004) in der Bundeskunsthalle gewürdigt wurden, gab sich Lüpertz betont gelassen und selbstbewusst: „Meine Werke halten jeden Vergleich aus.“ Die Zeit wird es ja zeigen.

Die Ausstellung „Markus Lüpertz. Hauptwege und Nebenwege. Eine Retrospektive. Bilder und Skulpturen von 1963 bis 2009“ ist bis zum 17. Januar 2010 zu sehen. Die Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umgangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 34,90 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



19.11.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


09.10.2009, Markus Lüpertz. Hauptwege und Nebenwege. Eine Retrospektive. Bilder und Skulpturen von 1963 bis 2009

Bei:


Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Künstler:


Markus Lüpertz










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