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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenössische Kunst im Wiener Dorotheum

Rasierklingen im Krebs



Der zeitgenössischen Kunst kann das Wiener Dorotheum in diesem Herbst weitaus größere Aufmerksamkeit widmen als den Meistern der Moderne – nicht nur dass sie bereits einen Tag vorher, am 25. November, versteigert werden, sondern vor allem dass ihr Umfang mit rund 235 Losen fast dreimal so groß ist. Auch preislich steht man hier nicht nach. Rund ein Dutzend sechsstellige Beträge erwartet das Dorotheum. Den Anfang machen wie schon bei den Modernen einige Italiener, unter anderem Alighiero Boetti mit seiner blauen Kugelschreiberzeichnung „Il Mondo Possibile“ von 1980 (Taxe 55.000 bis 70.000 EUR) und Mimmo Rotellas Decollage „The Flesh“, die zwar schon in den 1960er Jahren konzipiert, aber erst 2001 realisiert wurde (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).


Später folgen eine schöne, aus senkrechten Linien wie Luftschlangen gebildete Komposition namens „Novacolor II“ Piero Dorazios von 1983 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und Mario Schifanos lyrische Mischtechnik mit Emailfarbe und Spray „Palma“ von 1970 mit einigen Sternchen à la Hollywood darum (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR). Die gegenstandslose, sich durch monochrome Farbflächen mit physischen Eingriffen auszeichnende Kunst Lucio Fontanas, der selbst mit mehreren kleineren Arbeiten für bis zu 40.000 Euro zum Aufruf kommt, hat würdige Mitstreiter in Giulio Turcatos tiefblauem Ölbild auf Schaumgummi „Superfice lunare“ vom Ende der 1960er Jahre (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), Paolo Scheggis aus drei schwarzen Leinwänden geschichteter „Zone Riflesse – Nero“ von 1964 (Taxe 26.000 bis 36.000 EUR) und Emilio Scanavinos ebenfalls suggestivem Ölbild „Dentro e fuori“ aus dem Jahr 1961 (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR).

1984, ein Jahr vor seinem Tod, schuf Jean Dubuffet in rascher Folge eine Serie von Bildern, zu denen auch „Mouvance Non-lieux H 101“ gehört. Von gegenständlichen Formen hat sich der Art Brut-Künstler hier schon gänzlich verabschiedet: Ein Gewirr von kräftigen weißen Pinselstreifen überdeckt ein Gewaber, das dunkel aus der Bildtiefe hervortritt (Taxe 80.000 bis 140.000 EUR). Teuerster Spanier ist Antoni Tàpies, dessen materialstarkes Arbeiten anschaulich anhand des in Öl und Mischtechnik auf festen Karton aufgebrachten „Spanish Square“ von 1959 zu studieren ist (Taxe 100.000 bis 180.000 EUR). Ihm steht als Landsmann Antoni Clavé mit einem „Nature morte à la pastèque noire“ zur Seite, 1958 in recht klassischen Formen gebildet (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Vier Werke kommen von Victor Vasarely. Exemplarisch lässt sich an ihnen der Werdegang seiner ungegenständlichen Werke von den unregelmäßigen Farbflächenkompositionen mit eiförmigen Gebilden der mittleren Jahre wie in „Kerisle-C“ von 1955 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR) zu den symmetrischen, tiefenräumlichen Strukturen der späten Jahre verfolgen, die in ihrem technoiden Habitus wie Vorläufer von Computergrafiken wirken und zu den Hauptwerken der Op-Art zählen. Hierzu gehört die großformatige Arbeit „Boglar II“ von 1966 (Taxe 150.000 bis 170.000 EUR).

Deutsche Maler schaffen es kaum über die 100.000er-Grenze. Dafür sind Markus Lüpertz’ „Der Dandy“ von 1984 (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR), ein frühes mittelgroßes ungegenständliches „Stillleben“ Neo Rauchs von 1988 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), eine zwischen realistischem Häuerkomplex und Abstraktion changierende unbetitelte Arbeit Thomas Scheibitz’ von 2003 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR) oder Jonathan Meeses „Du bist süßer als Kupfer“ von 2007 einfach nicht großartig genug (Taxe 32.000 bis 36.000 EUR). Georg Meistermann verharrt preislich generell in der Fünfstelligkeit, obwohl Werke wie „Die Äxte des Odysseus“ von 1950 einem Ernst Wilhelm Nay durchaus ebenbürtig sind (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR).

Auch Peter Brüning wurde ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Zwei gleich gestaltete Abstraktionen in rhythmisiertem Schwarz und Braun auf weißem Grund liegen bei jeweils 28.000 bis 38.000 Euro. Hans Hartung wirft an gestischer Kunst drei Schraffurbilder von 1975 in den Auktionsring, die gestaffelt zwischen 15.000 und 30.000 Euro bewertet sind. Gotthard Graubner entsendet einen kleineren Farbraumkörper in tristem Grau von 1974 (Taxe 24.000 bis 26.000 EUR), und Peter Klasen die technisierte und unterkühlte Mischtechnik „Camet du Jour“ von 1967 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Einzig Anselm Kiefer hat Chancen auf knapp über 100.000 Euro, doch bei der Mischtechnik „Des Meeres und der Liebe Wellen“, über die sich seit 2004 unter anderem Pferdehaare schlängeln, handelt es sich um eine kleine Papierarbeit.

Mit an der Spitze rangieren dagegen Werke österreichischer Künstler. Da sind echte Klassiker wie Hermann Nitschs „Reliktmontage“ von 1963/64 (Taxe 170.000 bis 220.000 EUR), ein zweiteiliges „Christusbild“ mit Übermalungen Arnulf Rainers von 1985 (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR) oder Maria Lassnigs figurales Ölgemälde „Die Sense kann warten“ von 1985 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Marktgerecht zwischen 40.000 und 70.000 Euro liegen vier weitgehend abstrakte Werke Otto Muehls, von denen nur eines, eine unbetitelte Arbeit von 1983, im Dunst der knalligen Farben ein Paar beim Liebesspiel erkennen lässt. Auch Valie Export scheut nicht die Konfrontation. In ihrer „Aktionshose-Genitalpanik“ tritt sie bewaffnet, mit Lederlacke angetan, offenem Hosenschritt, der ihre Scham freigibt, und wirrer afrikanischer Haarpracht auf und inszeniert sich somit 1969 als österreichischer Bürgerschreck. Das fotografische Relikt auf Leinwand gibt es jetzt für 35.000 bis 45.000 Euro.

Unter den jüngeren Arbeiten verdient vor allem Franz Wests Installation mit Video „Cet été (Robert Fleck)“ mit collagiertem Batman- und Technikverschnitt von 1995/96 eine Hervorhebung (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Zudem treten einige abstrakte Arbeiten Herbert Brandls für bis zu 45.000 Euro, Xenia Hausners intimes Doppelbildnis zweier junger Frauen „Sweet & Low“ von 2007 (Taxe 20.000 bis 28.000 EUR), Hubert Schmalixs riesenhafter, nackter „Weltenwanderer“ über Städten, Burgen, Kirchtürmen und kleinen Riesenrädern vom Anfang der 1980er Jahre (Taxe 16.000 bis 22.000 EUR) und Christian Ludwig Attersees „Hengstzeit“ in Bäumen von 1995 für 35.000 bis 50.000 Euro in Erscheinung.

In der amerikanischen Kunst spannt sich ein Bogen von Alexander Calders Gouache bunter „Bubbles“ von 1970 über Tom Wesselmanns nackter „Claire from Beach Pose (Blue Sheet)“ von 1976 und Andy Warhols Grafitportrait „Ron Duguay“ 1982 bis hin zu jüngeren Arbeiten wie das ornamentale „Fear“ mit Hasenköpfen von Philip Taaffe aus dem Jahr 1988. Trotz vieler Unterschiede sind doch alle Bilder ziemlich direkt und in ihrem malerischen Duktus einfach zu verstehen. Die Schätzpreise liegen alle zwischen 30.000 bis 50.000 Euro. Jonathan Laskers abstrakte Malerei „To caress the naked eye“ von 1987 ist vom Züricher Auktionshaus Koller nun ins Dorotheum gewandert und hat seine Taxe von 70.000 bis 90.000 Franken in 35.000 bis 40.000 Euro gewandelt.

Ein exzeptionelles Werk Julian Schnabels ist eine zweiteilige Assemblage aus bemalten Keramiktellern, aus deren unzähligen Scherben sich die Bildnisse einer Frau im Vorder- und zweier Männer im Hintergrund herausschälen. Allein die technische Raffinesse dieser reliefierten Beziehungskiste und seine Größe von 275 mal 245 Zentimetern beeindrucken (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Doch sind zerschlagene Keramikteller immer noch besser als die Rasier- und Skalpellklingen, die Damien Hirst in die Siebdrucke von Krebsgeschwüren seiner beiden „Biopsy Paintings“ M 122/376 und M 122/377 integrierte (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Die Kunst aus Fernost spielt nur eine Nebenrolle im Dorotheum und kommt über 45.000 Euro für eine Farbexplosion des 81jährigen Japaners Shozo Shimamoto aus dem vergangenen Jahr nicht hinaus.

Bei den klassisch geformten Bronzen teilen sich zwei Künstler die Vorherrschaft. Lynn Chadwicks stilisiertes Menschenpaar „Maquette III, Jubilee III“, 1984 als eines von neun Exemplaren gegossen, liegt wertmäßig etwa gleichauf mit Jörg Immendorffs überlebensgroßem Standbild „Der Wächter“ und der auf Krücken stakelnden „Fortuna – Läuferin auf der Weltkugel“, beide von 1989. Zwischen 80.000 und 150.000 Euro liegen die Preise. Erwin Wurms „Fat Car“ von 2001 verliert seine Form und mutiert für 35.000 bis 50.000 Euro eben zu einem gedrückten Marshmallow. Da kann Gustav Trogers virtuose, aber auch etwas gefällige „Spiegelfigur“ eines weiblichen Aktes in Lebensgröße noch nicht ganz mithalten. Lediglich 9.000 bis 15.000 Euro stehen auf ihrem Etikett. Teuerste Fotografie ist Thomas Ruffs unscharfe Aufnahme „nudes lac 15“ aus dem Jahr 2000 für geschätzte 28.000 bis 38.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 25. November um 17 Uhr. Die Vorbesichtigung der Objekte ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog ist in Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



19.11.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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