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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Andreas Sturies

Quietschende Sandalen für die Dame



Nachdenklich blickt die betagte Dame ins Weite. Auf dem sandgelben Katalogcover umgibt sie ein dominierender Rahmen. Farblich wie ornamental bewegt, scheinen dessen kantige Formen doch einige Turbulenzen anzudeuten. Erstaunt innehaltend, tritt das Gesicht auf ockerfarbenem Grund vor ihnen zurück. Bei deutlich abnehmender Farbintensität, durchscheinender Leinwand sowie auf der linken Hand gestützt, geht es in die kräftigen Binnenformen des dunkelroten Gewandes über. Fast mag der Betrachter meinen, der berühmte rheinische Akademieprofessor Bruno Goller hätte in dem Ölgemälde des Jahres 1954 heutige Krisen reflektiert. Das beredte Werk in strengem, kubistisch inspiriertem, klar ausgewiesenem Schliff gehört wohl zu den herausragenden Arbeiten seiner mittleren Schaffenszeit, für die der Düsseldorfer Auktionator Andreas Sturies die Summe von 18.000 Euro angesetzt hat.


Unermesslich groß scheint das Angebot an renditeträchtigen Papieren auch zu wirtschaftlich ungeordneten Zeiten. Zu den wertbeständigen gehören allerdings weniger die der Finanz- als jene der Kunstmärkte, selbst wenn sie in Krisenzeiten ebenfalls nicht ganz ungeschoren davonkommen. Zumindest versprechen sie eine Rendite des Schönen und Wahren. Dies gilt sowohl für regional bedeutsame als auch eher das internationale Klientel ansprechende Künstler. Für die rheinischen hält Andreas Sturies stets Vorzügliches bereit, auch wieder im diesjährigen Herbst. Sorgfältig hat er abermals sein Programm zu annehmbaren Summen für den 14. November zusammengestellt. Unumstößlich bleibt die feste Verankerung im rheinischen Raum. Die Hälfte der sechs fünfstellig bewerteten Highlights der insgesamt 185 Positionen stammt von Künstlern der Region, denen aber weit überregionale Strahlkraft zueigen ist.

So gelangt kurz nach Bruno Goller ein Kunstwerk Gotthard Graubners zum Aufruf, das auch zur Reihe der Topstücke gehört. Es handelt sich um ein frühes bemaltes Schaumstoffkissen von 1968/69 des ebenfalls an der Düsseldorfer Akademie lehrenden Professors. Auf Leinwand aufgezogen, zeigt es sich mit leicht grau getönten Perlonstoff überspannt. Bei längerer Betrachtung ergibt sich durch den in einem etwas kühleren Grau eingefärbten Schwamm eine ebenso entkörperlichte wie farblich komplexe Wirkung. Um in dessen kontinuierlichen Genuss zu kommen, muss man allerdings 20.000 Euro einkalkulieren. Neben dieser höchstbewerteten Arbeit sind von dem fast 80jährigen Graubner noch zwei Aquarelle aus den Jahren 1963 und 1983 zu erstehen, die mit 1.000 bzw. 5.000 Euro anschließend zum Aufruf gelangen. Auch diese werden von körperlich verdichteten Zonen geprägt, die diesmal von geschichteten linearen Bewegungen der Farbvarianten entfacht werden.

Der heimatlichen Gegend künstlerisch stark verbunden blieb zeitlebens der Niederrheiner Max Clarenbach. Aus dem Jahr 1910 stammt ein Gemälde mit einem seiner Lieblingsmotive, der Silhouette seines Heimatortes Wittlaer bei Düsseldorf. In charakteristisch winterlicher Stimmung blickt man von den weiten Rheinuferwiesen samt Rheinkahn auf die Häuser. Der ungewöhnlich tief liegende Himmel sowie die blau gefrorenen Fußspuren in den ausgedehnten Schneefeldern unterstreichen die jahreszeitlich typische knackige Kälte der Gegend, die man sich für 10.000 Euro ins Haus holen kann.

Plastische und kunstgewerbliche Stücke sind traditionell in Sturies’ Angebot rar. Diesmal aber wartet auf diesem Sektor ein besonderer Leckerbissen. Der aus dem benachbarten niederländischen Utrecht stammende Gerrit Rietveld entwarf 1918 seinen berühmten blauroten Stuhl, der zugleich als freie Plastik, raumbezogene Malerei und zukunftsorientiertes Möbel angesehen werden kann. Produziert in der für den Künstler tätigen Werkstatt Gerard van de Groenekan in den 1950er Jahren, ist dieses Exemplar mit 12.000 Euro gelistet. Der selbe Wert wird einem Männerbildnis des expressionistischen Spitzenmeisters Erich Heckel zugebilligt. Der süddeutsche Brückemaler und -grafiker schuf mit dem Holzschnitt von 1913 vielleicht ein Selbstporträt, jedenfalls ein besonders ausdrucksfähiges Gesicht, dessen Besonderheit in der partiellen halbtonreichen Gestaltung liegt.

Um 3.000 Höher angesetzt ist eine Folge von 80 Radierungen des spanischen Spätrokokomalers Francisco de Goya. Großen Einfluss auf seine Kunst werden den kriegerischen Auseinandersetzungen der damaligen Zeit zugeschrieben. In durchlässigen lockeren Duktus hält er in unerbittlicher Wahrheitsliebe die Schrecken von Not und Auseinandersetzung in pessimistischer Anschauung fest. Zwischen 1810 und 1813 erarbeitet er die Folge „Los Desastres de la Guerra“, in der die Auswirkungen des spanisch-französischen Krieges in unheimlichen wie dämonischen Ausprägungen festgehalten sind. Stattliche 15.000 Euro soll die 1903 neu aufgelegte Ausgabe der Folge kosten.

Am größten gestaltet sich für den Bieter die Auswahl unter den Blättern des Hamburger Dauerzeichners Horst Janssen. Er ist mit 27 Nummern mit von der Partie. Zwischen 3.000 Euro und 300 Euro bewegen sich seine Radierungen, die in einer Sprache des phantastischen Realismus den Menschen zum Hauptthema haben. Vierzehn mal werden Arbeiten des vielgestalterisch tätigen, sehr eigenwilligen Schweizers Dieter Roth aufgerufen. Darunter reiht sich eine 1969 geschaffene Spielzeuggruppe in Schokoladenguss für 5.000 Euro ebenso ein wie der um 1990 produzierte Farbsiebdruck „Ein gerissener Hase“, ein mit 2.000 Euro angesetztes Blatt aus dem Hauptwerk seines späten druckgrafischen Œuvres.

Sammler von Werken des deutschen Künstlerstars Gerhard Richter können unter sieben Angeboten auswählen. Dazu gehört ein auf der Fotografie seiner Familie basierender hellgrüner, früher Farbsiebdruck aus dem Jahr 1966 für 8.000 Euro, ein sehr seltenes bemaltes, siebenteiliges Porzellangeschirr für 600 Euro oder ein Künstlerbuch mit 128 Fotografien des Gemäldes des Halifax aus dem Jahr 1978. Dieses gute Exempel für seine künstlerische Vielfalt enthält eine mittels Ölfarbe überarbeitete Fotografie von 1998 und soll 4.000 Euro einbringen. Auch der rheinische Altmeister Joseph Beuys darf bei Sturies natürlich nicht fehlen. Von ihm stehen fünf Multiples zum Verkauf. Darunter stellt die Kollektion von 25 Postkarten aus den Jahren 1968 bis 1980 – mit avisierten 100 Euro das billigste Los der Auktion dar. Dass Kunst wertsteigernd sein kann, machte eine 10 DM-Banknote deutlich. Beuys hat sie 1979 signiert und darauf „Kunst = Kapital“ geschrieben. Und schwups soll sie 1.000 Euro kosten.

Nicht nur Hamburger dürften sich für Werke des dort beheimateten Malers Eduard Bargheer interessieren, in denen auf originelle Weise Naturlandschaften in abstrakte Kompositionen überführt werden. Zwei seiner Aquarelle mit Motiven aus südlichen Gegenden sind mit 4.000 Euro gelistet. Wer es dagegen eher konkret-meditativ mag, dem sei Max Bill ans Herz gelegt. Der große Schweizer unter den Konstruktiv-Konkreten ist präsent mit einem von rotblauen Feldern bestimmten Siebdruck aus dem Jahr 1965 (Taxe 800 EUR) und einer achtteiligen Siebdruckmappe von 1986, deren Motive sich aus vier Farbzonen inklusive eines gedrehten, den Rahmen sprengenden Rechtecks zusammensetzen. Dieses Hauptwerk aus den späten Jahren schätzt Sturies auf 5.000 Euro.

Eine starke Präsenz im Kunstmarkt ist immer noch Alighiero Boetti zueigen. Der 1994 verstorbene führende Vertreter der Arte Povera verfolgt unter anderem in seinen auf Leinwänden angelegten Stickbildern mit stark gefärbten Fäden die Rückführung von Schriftzeichen auf ihre simplen formalen Strukturen. Auch in der farblich strahlenden wie besonders ausgeglichenen Komposition aus 16 Feldern lenkt er auf poetische Weise den Blick auf die Eigenschaften der Schriftzeichen und den Text „Per nuovi desideri“. Die Stickerei wird mit 8.000 Euro gehandelt.

Liebhaber des berühmten Expressionisten Lyonel Feininger können sich über einen schneidigen Holzschnitt mit Hafenmotiven im Wert von 2.000 Euro aus dem Jahre 1919 freuen. Kurz darauf gelangt eine schöne abstrakte Komposition von Adolf Fleischmann für 3.500 Euro zum Aufruf. Um 1942/43 entstanden und zeitadäquat dunkel gehalten, steigern blitzartig einfallenden helle Linien vor schwarzbraunen Grund unterstützt von Kreisen die nach oben führende Bewegung – alles scheint sich auch in der Not immer weiter zu entwickeln, Lichtblicke inklusive. Selbst für Schuhfetischisten liegt etwas Originelles breit. „His Mistress’ Toy“ betitelt die 1961 in Genf geborene und dort lebende Schweizerin Sylvie Fleury ein Paar Damensandaletten aus Vollgummi mit blauen Schnallen und eingebautem Quietschton. Das in einer Auflage von 99 Exemplaren im Jahre 2000 editierte Multiple soll 1.000 Euro einbringen.

Leuchtende Farben und eine kräftige Symbolsprache mit surrealistischen Elementen sind charakteristisch für den 1894 im rheinischen Rheydt geborenen und 1961 in Essen verstorbenen Feininger-Schüler Werner Gilles. Exemplarisch zeigt dies auch sein 1948 in Öl und Tempera auf Karton fixiertes „Stillleben mit Melone“. Das locker gemalte, noch vorsichtig geometrisierend gehaltene Werk aus der unmittelbaren Nachkriegszeit scheint mit hervorgehobenen bunten Farbtönen das hintergründige Dunkle hinter sich zu lassen (Taxe 2.000 EUR).

Eingestreut in die Gesamtauswahl sind Papierarbeiten von nicht minder bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten wie den gerade in einem Ausstellungsreigen gefeierten Gerhard Hoehme, von dem eine um 1959/60 gefertigte Radierung mit 300 Euro angesetzt ist, eine in den Verrenkungen des Striches höchst charakteristische, vom Thema „Ente und Schildkröte“ eher ungewohnte Zeichnung des Jahres 1965 von Oskar Kokoschka zu einer Taxe von 3.000 Euro, eine fantasievoll gehaltene Darstellung eines „Automobils mit roten Regentropfen“ aus dem Jahr 1964 von Friedensreich Hundertwasser für 3.500 Euro bis hin zur rasterartigen Rauchzeichnung von Otto Piene aus dem Jahr 1959 für 1.500 Euro. Alle Liebhaber Yves Kleins können sich ebenfalls freuen. Sie besitzen erneut die Chance, den 1961 erschienenen Katalog seiner epochalen Krefelder Ausstellung „Monochrome und Feuer“ samt dreier monochromer Farbsiebdrucke zu ergattern, müssen allerdings mit 3.000 Euro rechnen.

Nicht unerwähnt bleiben soll ein in neusachlichem Duktus aquarellliertes Alpenveilchen von Alexander Kanoldt aus den frühen 1930er Jahren zu 3.000 Euro oder eine 1952 nach dem gleichnamigen Gemälde „Mauve de la Lune“ von Joan Miró 1952 konzipierte Farblithografie für 2.000 Euro. Andreas Sturies setzt sich auch immer für die Außenseiter des Kunstgeschehens ein. Dazu listet der Katalog etwa Gianfranco Baruchellos Collagezeichnung „Ponticellate Veneres“ mit allerlei elektrischen und mikrobiologischen Anmutungen von 1967 (Taxe 1.200 EUR), die traumartigen Phantasien „Der Baum mit der M.“ des Berliner Malers Martin Dittberner von 1984 (Taxe 1.500 EUR), Oswald Petersens dichte Graslandschaft von 1935 (Taxe 1.200 EUR) oder Joe Tilsons collagierten Siebdruck mit dem Gesicht von „Jan Palach“. Der tschechoslowakische Student verbrannte sich aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings 1969 selbst (Taxe 400 EUR).

Die Auktion beginnt am 14. November um 14 Uhr im Parkhotel Steigenberger, Königsallee 1a, in Düsseldorf. Die Vorbesichtigung läuft vom 7. bis 12. November außer sonntags in den Räumen des Auktionshauses. Der Katalog ist im Internet durchgehend farbig abgebildet und unter www.sturies.de abrufbar.

Kontakt:

Dr. Andreas Sturies - Moderne Kunst & Auktionen

Goltsteinstraße 23

DE-40211 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 514 13 54

Telefax:+49 (0211) 514 07 69

E-Mail: auktionen@sturies.de



05.11.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Gerrit Thomas Rietveld, Blauw-rode Stoel, wohl späte 1950er Jahre

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Werner  Gilles, Stillleben mit Melone

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Martin Dittberner, Der Baum mit der M.. Kordulaskanische Walpurgisnacht

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