Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 25.10.2019 Auktion 128: Moderne und Zeitgenössische Kunst - Moderne Photographie

© Jeschke, van Vliet Kunstauktionen

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und Zeitgenössische Kunst sowie Design bei Neumeister in München

Die dicke Dame dreht sich



Die besten Stücke seiner Auktion Moderner Kunst am 12. November hat das Team von Neumeister in München wieder als „Ausgewählte Werke“ zusammengestellt. Rund achtzig Losnummern sind es geworden, mit Preisen von der Dreistelligkeit bis in die unteren Regionen sechsstelliger Beträge. Anführer der Liste ist das Werk einer der berühmtesten und bedeutendsten Expressionistinnen. Gabriele Münters „Fuchsie vor Mondlandschaft“, ebenso effektvoll wie lyrisch bei heller Nacht am Fenster des heimischen Berghofes aufgenommen, markiert nicht nur einen künstlerischen Wendepunkt; denn um das mit 1928 angenommene Entstehungsjahr herum schloss sie mit ihrem expressionistischen Werk weitgehend ab und gelangte zum ruhigeren Stil ihrer späteren Jahre. Auch privat blühte die Künstlerin in jener Zeit ähnlich auf wie ihre Blumen am Fenster: In der Silvesternacht 1927/28 hatte sie mit dem Kunsthistoriker und Philosophen Johannes Eichner einen neuen Gefährten gefunden, der sie dreißig Jahre ihres Lebens hindurch begleiten sollte. 120.000 bis 150.000 Euro möchte Neumeister dem Einlieferer nach der Auktion überweisen können. Von Münter stehen außerdem ein charakteristisches Blumenstillleben der Spätzeit 1958 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) und das Plakat zu ihrer Ausstellung 1918 in Kopenhagen zur Verfügung (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).


Der deutsche Expressionismus bildet in dem verschiedenste Stränge der Kunst des 20sten Jahrhunderts zusammenfassenden Angebot bei Neumeister einen gewissen Schwerpunkt. Von Lyonel Feininger etwa gibt es den charakteristischen Holzschnitt „Der Reeder I“ aus dem Jahr 1918 (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR), daneben die 1938 nach dem Exil aus Deutschland wieder in Amerika entstandene Kohle- und Tuschfederzeichnung „Paris V“ für 15.000 bis 18.000 Euro. Erich Heckel erinnert sich 1923 „Am Ufer“ an die unbeschwerten „Brücke“-Jahre, als man noch nackt an den Moritzburger Teichen ausspannen und nebenbei malen konnte (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Ungewöhnlich mutet Ernst Ludwig Kirchners farbige Kreidezeichnung „Selbstkontrolle“ von 1928 an: Ein Paar steht dort Hand in Hand nebeneinander, doch die Farbigkeit in Rot und Blau deutet die diffizile Gefühlswelt der beiden Menschen an, ebenso wie eine Winkelkonstruktion zwar den Blickkontakt herstellt, doch zugleich einen Keil zwischen sie treibt. Nichts also für Paare, die lieber an der Utopie einer Idylle festhalten wollen (Taxe 20.000 bis 22.000 EUR). Expressionistischer Außenseiter ist der Tscheche Václav Špála, der ein Blumenstillleben vor blauer Landschaft von 1936 in die Auktion entsendet (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Mit Fritz Erlers „Dame mit Panther“ für 45.500 Euro konnte Neumeister im vergangen Mai einen fast sensationellen Erfolg erzielen. Nun ist der Münchner „Scholle“-Künstler mit „Pan und Nymphe“ wieder ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Das Gemälde entbehrt jener erotisch-eleusinischen Aura, die seine geheimnisumwitterte femme fatale so anziehend machte, und liegt lediglich bei 6.000 bis 8.000 Euro. Den noch deutlich traditionelleren Kollegen von der Malerkolonie am Chiemsee gehörte Constantin Gerhardinger an. Seinem großen Ölbild „Der Maler und sein Modell im Atelier“ von 1926 merkt man ein bisschen das Mühevolle an, sowohl thematisch als auch stilistisch die Verbindungen zum späten 19ten Jahrhundert nicht zu verlieren (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Für das von Richard Riemerschmid entworfene Weinrestaurant Trarbach in Berlin-Charlottenburg malte Bruno Goldschmitt um 1912 das naiv-derbe Triptychon „Gott des Weines und seine Gefährten“ (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Der Namensvetter Rudolf Riemerschmid war ein versierter Maler des Münchner Jugendstils, wie sein bezauberndes Bildnis eines Knaben in einer geschlossenen Gartenlandschaft beweist (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Einige Mädchen unter Bäumen in Laren hielt 1895 Max Liebermann auf einem raschen, verwischten Pastell fest (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), ein einziges Mädchen um 1926 der Münchner Malerfürst Franz von Stuck, der zu dem hübschen aber etwa biederen Bildnis auch den Rahmen entwarf (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Zu soviel Symbolismus passt auch Max Klingers Bronzebüste der Kassandra von 1903 (Taxe 4.800 bis 5.000 EUR). Die Neue Sachlichkeit findet einen Repräsentanten eher der zweiten Reihe: Otto Nückels Ansicht eines kleines Städtchens „Am Fluss“ besticht dennoch durch die spätromantische Stille des Geschehens, die sich zugleich mit der Unsicherheit des Existentiellen paart, und überdies durch eine ausgewogene bildliche Komposition (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Einzige wirklich kubistische Arbeit ist Jean Metzingers Bleistiftzeichnung „Nature morte à la coupe et à la pipe“ aus dem Jahr 1918 (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR).

Im Schatten Ernst Wilhelm Nays, des großen Reanimateurs der deutschen Abstraktion nach der Nazi-Katastrophe, der mit einem hellen farbenfreundlichen Aquarell ohne Titel von 1954 bei 7.000 bis 9.000 Euro zum Aufruf kommt, konnten auch manch semiabstrakte Pflanzen gedeihen. Werner Gilles hat sich bis heute wenigstens einen Platz in der zweiten Reihe gesichert, dank schöner, leichter und im Format handlicher Ölbilder wie „Die Klage um das Haupt des Orpheus“ von 1949 oder „Der Krieger“ für jeweils 2.000 bis 3.000 Euro. Auch sein 1900 geborener Generationsgenosse Adolf Hartmann gehörte nach dem Krieg nicht zu den Revoluzzern einer neuen Ära, sondern zu denen, die ihre Wurzeln der 1920er Jahre wiederaufzugreifen versuchten. Was waren nicht schon für Umwälzungen im Jahr 1963 zugange, als er seine sonnige Ansicht des italienischen Laigueglia malte! Dennoch kann man der rokokohaften, dabei aber keineswegs kitschigen Leichtigkeit seines Ölbildes etwas Anmutiges abgewinnen (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Karl Hofer blieb seiner Malweise ebenfalls treu, wie sein Mädchen mit Triangel von circa 1948 zeigt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Erst Georg Karl Pfahler gehört dann schon der folgenden Generation an. Unverwechselbar sind seine Werke durch die harte Gegeneinandersetzung monochromer Farbflächen – allerdings auch etwas einseitig. Eine dieser Arbeiten ist „Zweiraum“ aus dem Jahr 1964 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Die amerikanische Pop Art ist jeweils zweimal durch Andy Warhol und Tom Wesselmann anwesend. Ersterer schickt unter anderem die Farbseriegrafie „Jackie II“, die angesichts ihres kleinen Formats und ihrer Häufigkeit von zweihundert Exemplaren mit 15.000 bis 18.000 Euro nicht allzu teuer ist. Wesselmann stellt ebenfalls die multiplen Farbserigrafien „Monica with Tulips“ von 1989 und „Monica Nude with Cézanne“ von 1993 zur Verfügung (Taxen zwischen 11.000 und 16.000 EUR).

Für die italienische Variante dieser Kunstform steht Valerio Adami mit seiner grün gekleideten Frau, die sich gerade nicht nur einer Pause während der Gartenarbeit, sondern auch der „Nostalgie“ hinzugeben scheint (Taxe 13.000 bis 15.000 EUR). Ein schönes, meditatives Werk aus der Spätzeit des italienischen Künstlers Antonio Corpora ist das Aquarell „Maramella“ aus dem Jahr 1991, in den der Betrachter wie in Claude Monets Seerosenbildern in einer Teichlandschaft zu versinken scheint (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR). Zu den skulpturalen Konstruktionen gehört eine Gemeinschaftsarbeit Niki de Saint Phalles und Jean Tinguelys: Sie schuf die trotz ihrer Korpulenz leichtbeschwingt tanzende „Nana“, er lieferte den Elektromotor, damit sie sich dabei auch drehen kann (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Preislich wird dieses Geschöpf übertroffen durch einen „Dragon“ der Künstlerin allein, auch dies eine farbig bemalte Polyesterskulptur allerdings von größeren Ausmaßen (Taxe 76.000 bis 80.000 EUR).

Zu den jüngsten Künstlern der Auktion zählt der gebürtige Spanier Miquel Barceló. In einen Laden mit Buddhadevotionalien verirrte er sich laut Datierung am 10. Mai 1995, jedenfalls wimmelt es auf seiner mit Sand und Wachsstift bereicherten Gouache von Büsten des fernöstlichen Religionsstifters (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Auf deutscher Seite steht Jörg Immendorff mit dem Acrylbild „Das dogmatische Schwein“ von 1990, auf dessen Armtätowierung auch das Alter Ego des Künstlers, der Affe, auftaucht (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). An die Kunst seiner Vorläufer knüpfte Immendorff in einem unbetitelten und undatierten Ölbild an, das in schwarzweißer Malerei eine entkleidete Mutter mit ihrem Kind in den Armen zeigt. Die Drastik des Motivs erinnert an Käthe Kollwitz, und in der Tat entnahm Immendorff das Motiv ihrem Holzschnitt „Das Opfer“ von 1922 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Gräulich kommt dagegen „Nick Shadow“, eine bemalte Bronzeskulptur von 1996 daher – sie könnte dem Grafen Orlock aus Murnaus „Nosferatu“ entsprungen sein (Taxe 32.000 bis 35.000 EUR). Eine fotorealistisch gekonnte, dabei auch abstrakte Schneelandschaft auf „Grönland“ präsentiert Susanne Knaack aus dem Jahr 2005 – wer weiß, wie lange wir diese Schönheiten noch bestaunen können (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Aus dem reichhaltigen Angebot von Design und Kunsthandwerk verdient besonders eine gut achtzig Zentimeter hohe Bronzeskulptur des schwedischen Bildhauers Carl Milles eine Erwähnung. Unverkennbar ist seinem sich umarmenden Paar die Beeinflussung durch das Werk Auguste Rodins anzusehen, dem der junge Ausländer 1901 während seines Studiums an der École des Beaux Artes in Paris begegnete. Ob hierzulande jemand 48.000 bis 50.000 Euro zu zahlen bereit ist oder aber sich ein ausländischer Interessant finden lässt, wird sich zeigen müssen. Auf dem deutschen Markt ist Milles jedenfalls so gut wie unbekannt. An zweiter Stelle rangiert die sogenannte „Lily-Lampe“ mit achtzehn blütenförmigen Glasschirmen der New Yorker Tiffany Studios von 1910 für 22.000 bis 25.000 Euro. Die freundliche Arbeit des Laternenhaltens als Tischleuchter schließlich verrichten zwei lakeienartigen Mohrenknaben der königlichen Porzellanmanufaktur Nymphenburg, hergestellt ab 1911 nach einem Entwurf Joseph Wackerles(Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Als Mikado hat sich der Schauspieler Max Pallenberg verkleidet. Daraus hat Fritz Behn um 1912 eine Keramikfigur geformt, die die Majolika Manufaktur in Karlsruhe formte (Taxe 2.200 bis 2.500 EUR).

Die Auktion beginnt am 12. November um 9:30 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft vom 5. bis 10. November täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



04.11.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


12.11.2009, Moderne

Bei:


Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Kunstwerk:

Ernst Ludwig Kirchner, Selbstkontrolle, 1928
Ernst Ludwig Kirchner, Selbstkontrolle, 1928

Kunstwerk:

Max Klinger, Kassandra-Büste, 1903
Max Klinger, Kassandra-Büste, 1903

Kunstwerk:

Max Liebermann, Mädchen unter Bäumen in Laren, 1895
Max Liebermann, Mädchen unter Bäumen in Laren, 1895

Kunstwerk:

Franz von Stuck, Mädchenbildnis, um 1926
Franz von Stuck, Mädchenbildnis, um 1926

Kunstwerk:

Lilly-Lampe, Tiffany Studios, New York 1910
Lilly-Lampe, Tiffany Studios, New York 1910







Max Liebermann, Mädchen unter Bäumen in Laren, 1895

Max Liebermann, Mädchen unter Bäumen in Laren, 1895

Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Losnummer: 395

Max Klinger, Kassandra-Büste, 1903

Max Klinger, Kassandra-Büste, 1903

Taxe: 4.800 - 5.000 EURO

Losnummer: 391

Franz von Stuck, Mädchenbildnis, um 1926

Franz von Stuck, Mädchenbildnis, um 1926

Taxe: 8.000 - 10.000 EURO

Losnummer: 420

Lilly-Lampe, Tiffany Studios, New York 1910

Lilly-Lampe, Tiffany Studios, New York 1910

Taxe: 22.000 - 25.000 EURO

Losnummer: 33

Ernst Ludwig Kirchner, Selbstkontrolle, 1928

Ernst Ludwig Kirchner, Selbstkontrolle, 1928

Taxe: 20.000 - 22.000 EURO

Losnummer: 387




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce