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Ein Maler auf Abwegen: Der portugiesische Künstler Pedro Cabrita Reis erhält in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle eine große Überblicksausstellung

Der Letzte der Karawane



„Ich sehe mich als Maler, im klassischen Sinne des Wortes. Ich war immer Maler, und als Maler setze ich mich in Bezug zur Welt, zu dem, was ich tue, und zu mir selbst.“ Der portugiesische Künstler Pedro Cabrita Reis, Jahrgang 1956, verblüfft seine Zuhörer gerne mit Aussagen dieser Art. Bekannt geworden aber ist er mit Skulpturen und raumgreifenden Installationen, mit Fundstücken von der Straße und Baumaterialien, die er im Raum zu bedeutungsschweren Ensembles und Gehäusen arrangiert und verdichtet. Auf Jan Hoets Documenta IX, 1992, waren seine Arbeiten ebenso zu sehen wie auf der Biennale Venedig 2003. Auch seine erste große Einzelausstellung in einem deutschen Museum seit 13 Jahren in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle ist ganz bestimmt nicht in erster Linie eine Malereiausstellung.


Auch wenn der Titel der Schau, „One after another, a few silent steps“ – Einer nach dem anderen, ein Paar stille Schritte – sehr bescheiden daherkommt, der Künstler selbst ist nicht nur von seinem äußeren Erscheinungsbild her ein wahrer Kraftmeier. Pedro Cabrita Reis’ Habitus – kahlrasierter Schädel, massiger Körper, elegante Kleidung – erinnert an den deutscher Malerfürsten wie Markus Lüpertz und Georg Baselitz. Den könnte man sich gut mit dicker Zigarre und muskulösem Wachhund vorstellen, und siehe da, im Katalog der Ausstellung gibt es genau das Motiv als Foto. Cabrita Reis’ verbale Koketterie unterstreicht sein Selbstbewusstsein. Fragt man ihn nämlich nach dem scheinbaren Widerspruch, dass er Dreidimensionales ausstellt, sich jedoch gerne als Maler bezeichnet, kontert er mit Pablo Picasso. Der habe schließlich einmal gesagt, dass die besten Skulpturen sowieso von Malern stammten.

Die umfangreiche Schau im komplett ausgeräumten Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart umfasst rund 60 Arbeiten aus den letzten 25 Jahren. Wandmalereien, Zeichnungen und Fotografien sind zu sehen, daneben immer wieder Neonröhren, Stahlträger und Türzargen, Autoreifen, Aluminiumprofile, schwere Glasplatten, alte Eisenfenster, Heizkörper, Tische und Stühle. Pedro Cabrita Reis findet den Großteil seiner Materialien auf der Straße. Den Rest bringen ihm Freunde vorbei. In Lissabon unterhält er ein großes Lager.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Cabrita Reis’ Neonskulpturen haben nichts mit Dan Flavin zu tun und seine Aluminiumprofile nichts mit Donald Judd. Auch wenn er hie und da ähnliche Materialien wie die Vertreter der Minimal Art verwendet, seine Arbeiten sind alles andere als cool und konzeptuell, seine Fundstücke sind weder fabrikneu noch neutral. Pedro Cabrita Reis’ Kunst ist metaphorisch aufgeladen, voller Anspielungen und Rätsel. Farben, Formen, Materialien: Alles steht für irgendetwas. „Es sind die Erinnerungen, die Zeit, die vielen unerzählten Geschichten, die ich mir mit den Objekten ins Haus hole“, erzählt er, „das sind Fragmente aus dem Leben irgendwelcher Unbekannter. Deshalb interessieren sie mich.“

Die vielen Neonröhren, die er in seiner Arbeit „I Dreamt Your House Was a Line“ von 2003 mit lose herabhängenden Kabeln an einer orange gestrichenen Wand präsentiert, versteht der Künstler selbst als Zeichnung im Raum. Formal erinnert die Anordnung der Lichtquellen an einen Grundriss. Licht symbolisiert für Cabrita Reis genau wie das Wasser die Quelle allen Lebens. Dazu passt die Farbe Orange als Referenz an die Sonne. Die als abstrakte Zeichnung verstandene Linienführung der Neonröhren steht im Dialog mit den locker und organisch angebrachten Elektrokabeln.

Die Kuratorin Sabrina van der Ley hat für ihre erste Ausstellung in der Galerie der Gegenwart Pedro Cabrita Reis, dessen Werk sie seit 1992 verfolgt, ganz bewusst ausgewählt, „weil er ein Künstler ist, der mit den nicht unkomplizierten Räumen hier arbeiten kann, indem er sie sich aneignet.“ Der wichtigste Eingriff des Portugiesen ist eine grobe, angeschlagene Mauer, die an eine südamerikanische Favela erinnert und den direkten Zugang zu dem blutrot angestrichenen Oktagonraum erschwert. Betritt man diesen, befindet man sich in der Arbeit „The White Room (About T.S. Eliot)“, einer Inszenierung mit fünf unterschiedlich strukturierten, aufgespannten Baumwollstoffen, die Pedro Cabrita Reis dem von ihm verehrten Dichter T.S. Eliot widmet. Hinter dem Prekären lauert das Bürgerliche.

Bei aller kraftvollen Präsenz: In der Kunst von Pedro Cabrita Reis schwingt immer auch eine leise Melancholie mit, eine gehörige Portion „Saudade“, die spezifisch portugiesische Variante des Weltschmerzes. 2001 bekannte Pedro Cabrita Reis in einem Interview: „Ich bin als Künstler der letzte der Karawane, ich sammle die Reste auf, von denen, die schon vorübergezogen sind. Und mit den Resten baue ich ein Bild, so etwas wie einen Schatten, ein flüchtiges Bild, aber es ist ein Bild von höchster Achtsamkeit.“

Die Ausstellung „Pedro Cabrita Reis. One after another, a few silent steps“ läuft vom 31. Oktober bis zum 28. Februar 2010 in der Galerie der Gegenwart. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der 368seitige Katalog in englischer Sprache mit deutschem Textheft ist im Hatje Cantz Verlag für 48 Euro erschienen.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



30.10.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


31.10.2009, Pedro Cabrita Reis - One after another, a few silent steps

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Variabilder:

Pedro Cabrita Reis
Pedro Cabrita Reis

Künstler:

Pedro Cabrita Reis







Pedro Cabrita Reis

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