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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Der Bildhauer Daniel Mauch wird in einer Ausstellung des Ulmer Museum gewürdigt

Schöne Madonnen und hässliche Alte



Daniel Mauch, Maria auf der Mondsichel, sog. Berselius-Madonna, 1529-1535

Daniel Mauch, Maria auf der Mondsichel, sog. Berselius-Madonna, 1529-1535

„Die berühmten Bildwerke des Altertums mögen Lebewohl sagen: Sie alle sind nichts gegenüber dem Werke Daniels.“ Einen hohen Anspruch verkünden die lateinischen Lettern am Sockel der Mondsichelmadonna, die der aus Ulm stammende Bildhauer Daniel Mauch zwischen 1529 und 1535 für den niederländischen Humanisten Pascal de Bierset schnitzte. Das Ulmer Museum, das die rund 64 Zentimeter hohe Lindenholzskulptur nicht nur als glanzvollen Schlusspunkt einer monografischen Ausstellung herausstellt, sondern auch auf Katalogtitel und alle Werbeplakate erhoben hat, bestätigt diesen Anspruch mit hoffentlich augenzwinkernder Provinzialität als den Beitrag zu einem künstlerischen „Wettstreit, aus dem Mauch als glänzender Sieger hervorgeht“. Dem Künstler, den schon die Zeitgenossen – die Verse dürften auf Bierset oder latinisiert Berselius selbst zurückgehen – als David gegen eine Reihe von Goliaths in den Ring steigen lassen, nimmt die Vermessenheit nichts von seinem Rang.


Nach den Ausstellungen über Hans Multscher 1997 sowie Michel Erhart und Jörg Syrlin d.Ä. im Jahr 2002 beleuchtet das Ulmer Museum mit „Daniel Mauch – Bildhauer im Zeitalter der Reformation“ guten Rechts einen vierten Meister aus einer langen Tradition hervorragender Bildschnitzer des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, die die stolze alte Reichsstadt über lange Zeit hinweg zu einem der großen Kunstzentren nördlich der Alpen machten. Rund siebzig Werke werden auf zwei Stockwerken des ehemaligen Patrizierhofes an der Neuen Straße präsentiert, darunter mit dem um 1505/10 entstandenen Maggmannshofer Altar und dem 1510 datierten Bieselbacher Flügelaltar zwei Hauptwerke aus dem frühen Œuvre des 1477 geborenen Künstlers.

Der Ausstellungstitel ist mit Bedacht gewählt. Seine Ausbildung erhielt Daniel Mauch wahrscheinlich in Ulm selbst. Wie viele seiner Kollegen legte er den Grundstein seines Aufstiegs mit der Heirat einer Malerstochter im Jahr 1503. Sie erst verschaffte dem bisherigen Gesellen die Meisterwürde, eine eigene Werkstatt und die Aufnahme in die Kramerzunft. Und es gab eine Menge zu tun in der prächtigen Bürgerstadt. Allein sechzig Altäre teils gewaltigen Ausmaßes hatten sich im Laufe der Jahrzehnte im Ulmer Münster angesammelt, hinzu kamen zahlreiche Aufträge aus umliegenden Orten. Der Bieselbacher Altar, laut Inschrift von „maich bildhaer zv vlm 150X“ geschaffen, zeigt Mauch auch stilistisch verwurzelt in den spätgotischen Formen des ausgehenden Mittelalters, doch manche Details lassen bereits die frühe Renaissance durchklingen.

Doch parallel zu den Vorzeichen einer Stilwende zogen auch schon die ersten Vorboten einer Zeitenwende herauf. Mauch und seine Kollegen waren abhängig vom Markt, sie lebten von den Aufträgen einer sich im Glanz ihres Reichtums, ihrer Gottesverehrung und ihres Kunstmäzenatentums sonnenden Bürgerschaft. Dieser Markt aber brach weg, als der reformatorische und bilderfeindliche Geist von gewandeltem Gottesbezug und Religiosität recht früh in der Großstadt Einzug hielt. In den 1520er Jahren ging die Produktion der bisher vielbeschäftigten Mauch-Werkstatt merklich zurück. Hinzu kam, dass das nahegelegene Augsburg allmählich die führende Rolle als Handels- und Kunstzentrum an sich riss und Ulm ins Hintertreffen geriet. Mauch zog die Konsequenzen: Spätestens 1529 verließ er Ulm in Richtung der Bischofsstadt Lüttich, zunächst für fünf Jahre, dann auf immer bis zu seinem Tod 1540. Seine Entscheidung glich dem Ziehen einer Notbremse: Nur zwei Jahre später plünderte ein Bildersturm das Ulmer Münster fast restlos. Bis auf unsere Tage gähnt das Innere des Riesenbaus den Besucher in trostloser Leere an.

Schon in Ulm hatte Daniel Mauch auf die veränderte Marktlage reagiert. Zeichen ist eine Sammlung von Kleinplastiken, die sich des Religiösen allenfalls als eines Vorwandes bedienten, zunehmend jedoch auch antike Themen wählten oder ganz auf historische Hintergründe verzichteten. Künstlerischer Impetus ist die Darstellung des nackten menschlichen Körpers, nicht zuletzt aber auch die Tatsache, dass diese Miniaturen als Sammlerstücke außerordentlich begehrt waren. Mauch selbst leistete hier mitunter sein Bestes, etwa mit seinem Paar Adam und Eva, das um 1535 bereits in Lüttich entstanden sein dürfte. Auch vor außerordentlich Hässlichem schreckte er nicht zurück: Um 1515/20 fertigte er eine nackte Alte mit hängenden Brüsten und ausgefallenen Zähnen, konnte dabei allerdings thematisch auf die Figur der garstigen Alten eines unbekannten Ulmer Bildschnitzers um 1480 zurückgreifen. Letztlich gehört auch die „Berselius-Madonna“ in diese Reihe: Auf einen religiösen Bezug wird in der Inschrift nicht verwiesen, entscheidend ist allein die künstlerische Fähigkeit ihres Schöpfers.

Daniel Mauchs Werk fügt sich in die Reihe von Bildhauern und Bildschnitzern ein, die in den Jahrzehnten um 1500 die deutsche Skulptur des Mittelalters zu ihrem Höhepunkt und Abschluss führte. Der atemberaubenden Virtuosität eines Henrik Douverman entbehrt er, auch fehlen ihm die Fähigkeiten, vielleicht auch wohl die Möglichkeiten, wie Tilman Riemenschneider Werke inniger Tiefe und monumentaler Kraft zugleich zu schaffen. Der Ausdruck seiner Figuren, insbesondere der weiblichen Heiligen, ist lieblich-freundlich, ohne charakterliche Schärfe. In der Tradition mittelalterlicher Repräsentationsfiguren nehmen sie weder aufeinander noch auf den Betrachter direkten Bezug. Die Renaissanceelemente etwa in Form von Architekturen oder – besonders im Spätwerk – antikisch flatterhaftem Faltenwurf bleiben Attitüde. Doch täuschen solche Schwächen und Befangenheiten nicht darüber hinweg, auf welch hohem Niveau sich die Skulptur jener Jahre bewegte und welche gewaltigen Spannungen unter der glänzenden Oberfläche brodelten.

Die Ausstellung „Daniel Mauch – Bildhauer im Zeitalter der Reformation“ ist bis zum 29. November 2009 zu sehen. Das Ulmer Museum hat dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, donnerstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der 340seitige Katalog zur Ausstellung ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 29 Euro.

Kontakt:

Museum Ulm

Marktplatz 9

DE-89073 Ulm

Telefax:+49 (0731) 16 11 626

Telefon:+49 (0731) 16 14 300



27.10.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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13.09.2009, Daniel Mauch – Bildhauer im Zeitalter der Reformation

Bei:


Museum Ulm

Bericht:


Charakterköpfe eines gotischen Meisters

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Daniel Mauch, Maria auf der Mondsichel, sog.
 Berselius-Madonna, 1529-1535
Daniel Mauch, Maria auf der Mondsichel, sog. Berselius-Madonna, 1529-1535

Variabilder:

Daniel Mauch, Thronende Maria mit Kind, 1530er Jahre
Daniel Mauch, Thronende Maria mit Kind, 1530er Jahre

Variabilder:

Daniel Mauch, Altarretabel mit Darstellung der Heiligen Sippe, 1510
Daniel Mauch, Altarretabel mit Darstellung der Heiligen Sippe, 1510

Variabilder:

Daniel Mauch, Marienkrönung aus dem Maggmannshofer Altar, um
 1505/10
Daniel Mauch, Marienkrönung aus dem Maggmannshofer Altar, um 1505/10

Variabilder:

Daniel Mauch, Maggmannshofer Altar, um 1505/10
Daniel Mauch, Maggmannshofer Altar, um 1505/10

Variabilder:

Daniel Mauch, Adam und Eva, 1530er Jahre
Daniel Mauch, Adam und Eva, 1530er Jahre







Daniel Mauch, Thronende Maria mit Kind, 1530er Jahre

Daniel Mauch, Thronende Maria mit Kind, 1530er Jahre

Daniel Mauch, Altarretabel mit Darstellung der Heiligen Sippe, 1510

Daniel Mauch, Altarretabel mit Darstellung der Heiligen Sippe, 1510

Daniel Mauch, Marienkrönung aus dem Maggmannshofer Altar, um 1505/10

Daniel Mauch, Marienkrönung aus dem Maggmannshofer Altar, um 1505/10

Daniel Mauch, Maggmannshofer Altar, um 1505/10

Daniel Mauch, Maggmannshofer Altar, um 1505/10

Daniel Mauch, Adam und Eva, 1530er Jahre

Daniel Mauch, Adam und Eva, 1530er Jahre

Daniel Mauch, Nackte Alte, um 1520 (?)

Daniel Mauch, Nackte Alte, um 1520 (?)

Daniel Mauch, Adam und Eva, 1530er Jahre

Daniel Mauch, Adam und Eva, 1530er Jahre

Daniel Mauch zugeschrieben, Anna Selbdritt, um 1510/15

Daniel Mauch zugeschrieben, Anna Selbdritt, um 1510/15




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