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Bundesrepublikanische Zustände im Spiegel ironischer Malerei: Im dritten Teil der Hamburger Polke-Schau geht es um das Thema Politik – oder auch nicht

Anmerkungen eines Distanzierten



Der Blick zurück in die deutsche Geschichte ist in diesen Tagen überaus en vogue. Doch während landauf, landab mit Feiern und Ausstellungen, Buchneuerscheinungen und Fernsehbeiträgen auf allen Kanälen die Ereignisse rund um den Mauerfall gewürdigt werden, widmet sich die Hamburger Kunsthalle in der nunmehr dritten Folge ihrer groß angelegten Sigmar Polke-Schau einem ganz anderen Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Den programmatischen Auftakt liefern zwei Kollegen der Kölner Künstlerlegende: Klaus vom Bruch entführt in seiner aus Nachrichtenbildern zusammen geschnittenen Videoarbeit „Das Schleyer-Band“ zurück in die Zeit der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF. Und Klaus Staeck zeigt auf seinem Künstlerplakat „Die Kunst der 70er Jahre findet nicht im Saale statt“, wie der kritische Journalist Günter Wallraff im Mai 1974 in Athen von griechischen Geheimpolizisten zusammengeschlagen wird.


Auch wenn der letzte Teil der mittlerweile von der Kritikervereinigung AICA zur „Ausstellung des Jahres 2009“ gekürten Polke-Trilogie den Titel „Politik“ trägt, wird bei Sigmar Polke Politik nie so eindeutig und plakativ in Kunst umgesetzt wie bei vom Bruch oder Staeck. Gravitätisch, staatstragend und geradezu sakralisierend wie in Gerhard Richters RAF-Zyklus ist Polkes künstlerische Aneignung von deutscher Geschichte schon überhaupt nicht. Wie auch in den beiden Vorgängerausstellungen zu den Themenkomplexen „Clique“ und „Pop“ gehen die Kuratoren der Schau, Petra Lange-Berndt und Dietmar Rübel, auch im dritten und letzten Teil von Polkes zwischen 1972 und 1976 entstandener Kleinbürger-Werkgruppe aus. Die zuvor nahezu unbekannte und in Hamburg erstmals wieder öffentlich präsentierte Folge von zehn großformatigen Papierarbeiten liefert auch dieses Mal genügend Stoff, um drumherum eine ganz neue Ausstellung zu gruppieren.

Die rund zwei mal drei Meter große Gouache „Giornico“ (1976) mit gesprühten Elementen zeigt eine Demonstrationsszene. „Gegen die zwei Supermächte. Für eine rote Schweiz“ steht spiegelverkehrt auf dem Banner der Demonstranten. Auf dem anderen Blatt „Kandindingsda“ (1976) platziert Polke das Motiv eines verschlagen dreinblickenden Bombenlegers 18 Mal zwischen sektschlürfenden Damen mit Hut und Zigarettenspitze. Die Schweiz als Aufmarschgebiet der Roten Garden und ein geradezu lächerlich zwergenhafter Bombenleger als Gefahr für die bürgerliche Gesellschaft? Man sieht schon hier: Polke geht die Themenkomplexe Politik, APO und Terrorismus mit der ihm eigenen ironischen Distanz an.

An Demonstrationen, so berichtet Kurator Dietmar Rübel, nahm Polke zwar teil, doch immer in kritischer Distanz am Rande: beobachtend, fotografierend und Notizen machend. Ein Mann der ersten Reihe war er bestimmt nicht. Und so taucht das Politische als einer von vielen „Verdichtungsmomenten“, so Rübel, auf seinen Bildern zwar immer wieder auf, jedoch nie in propagandistischer Art und Weise wie etwa bei seinem Zeitgenossen Jörg Immendorff. Auf kleinkarierten Wollstoff malte Polke dieses Bild: Ein gewisser „Dr. Bonn“, Prototyp eines gesichtslosen bundesrepublikanischen Ministerialbeamten, sitzt an seinem Schreibtisch und zielt mit der Zwille auf die an der Wand hängenden Porträts von Andreas Baader und Jan-Carl Raspe. Das Gemälde stammt von 1978. Ein Jahr zuvor waren die beiden RAF-Mitglieder tot in ihren Stammheimer Gefängniszellen gefunden worden.

Sigmar Polke interessiert sich mehr fürs Individuum als fürs Kollektiv, die verlorenen Utopien der 1960er Jahre, die fragwürdigen Versprechungen des Drogenkonsums, das psychedelische Wegträumen in andere Bewusstseinssphären und das Kleinbürgerliche in uns allen. Die noch weitgehend ungeklärten Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Revolte und sexueller Revolution nehmen in seinem frühen Werk eine weitaus größere Rolle ein als das vordergründig Politische. Eine Materialwand zeigt vom Boden bis zur Decke Plattencover, Comics, Magazine und Undergroundgazetten mit teils expliziten Darstellungen von Sexualität. Polke konnte sich dem Overkill nackter Körper nicht entziehen. Er verarbeitete die in den 1970er Jahren verstärkt einsetzende Pornographisierung der Medien zu Kunst. In Hamburg ist seine 1973 entstandene Editionsmappe voller grotesker Sexszenen für den westfälischen Kunstverein in Münster zu sehen.

Auch der dritte Teil der Polke-Schau zeigt, dass Polke in den 1970er Jahren keinen großen Wert auf alleinige Autorschaft an seinen Werken legte: Gemälde entstanden zusammen mit Künstlerkollegen wie Achim Duchow (1948-1993), dessen umfangreiche Diaschau „Les dignitaires“ mit Hunderten von Adelsbildern aus der Regenbogenpresse der 1970er jetzt Bestandteil der überaus sehenswerten Hamburger Ausstellung ist.

Die Ausstellung „Sigmar Polke. Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen. Teil 3: Politik“, die durch die Michael und Susanne Liebelt-Stiftung ermöglicht wurde, ist in der Galerie der Gegenwart bis zum 17. Januar 2010 zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der 472seitige Katalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 48 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



20.10.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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