Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 30.06.2018 Auktion A185: PostWar & Contemporary

© Koller Auktionen AG

Anzeige

Nature morte au crane / Pablo Picasso

Nature morte au crane / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Anzeige

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Entrückte Bilder zwischen Düsternis und Lebensfreude: Der Hamburger Künstler Dirk Stewen wird in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft mit einer Einzelausstellung präsentiert

Prinzip Offenheit



Der Sinneseindruck von Schwarz, so lautet zumindest die physikalische Definition, entsteht dann, wenn dem Auge jeglicher Farbreiz verweigert wird. Die dunkelgrundigen Bilder des Hamburger Künstlers Dirk Stewen, die neben Aquarellen, Fotografien und installativen Elementen zur Zeit in der Ausstellung „Exercises“ in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft zu sehen sind, erscheinen jedoch bei genauerem Hinsehen alles andere als monochrom Schwarz. Dirk Stewen benutzt für seine oft großformatigen Papierarbeiten handelsübliche Fotopapiere, die er einer Vielzahl physikalischer und chemischer Prozesse unterzieht, um sie am Ende mit Baumwollgarn, Nähmaschine und bunten Konfettipunkten zu abstrakten Kompositionen zu verdichten.


Der 1972 in Dortmund geborene Künstler entreißt die lichtempfindlichen Fotopapiere ihrer Schutzhülle, setzt sie dem Licht aus und entzieht sie so ihrer eigentlichen Funktion, ein fotografisches Abbild der Wirklichkeit zu liefern. Durch das Auftragen von Tinte setzt er zudem chemische Prozesse in Gang, die das Papier – für den Künstler letztlich kaum kontrollierbar – weiter verändern. So entstehen düster irisierende Oberflächen, die an den Chitinpanzer von Insekten ebenso erinnern wie an Öllachen oder an zusammengeschüttete Laborchemikalien. Der schillernden Düsternis setzt Stewen helle, geometrisch klar abgegrenzte Elemente in Form farbiger, unterschiedlich großer Konfettipunkte entgegen. Dass er diese mit der Nähmaschine aufnäht, wird keineswegs kaschiert. Im Gegenteil: Stichmuster und überhängende Fäden verleihen seinen Bildern eine zusätzliche Dynamik.

Dirk Stewens Kunst erzeugt eine Atmosphäre der Ambivalenz. Das Melancholische und Todessehnsüchtige vermischen sich auf diesen Bildern mit dem Festiven und Karnevalesken. Der kurze Augenblick der Lebensfeier leuchtet aus der dunklen Tiefe des Bildfonds hervor. Aber: „Sobald Konfetti im Augenblick des Triumphes oder der Lebensfreude in die Luft geworfen wird und auf den Boden fällt, ist es schon Abfall“, sagt Stewen. Und fügt hinzu: „Bei mir jedenfalls wird ihm zusätzliches Leben gewährt.“

Dirk Stewen präsentiert in Lübeck zudem auch einige seiner vielteiligen Ensembles. Schwarz eingefärbte Holzstäbe, Luftschlangen, Krawatten oder verchromte Metallringe verdichtet er häufig zusammen mit eigenen Fotografien, Aquarellen oder Collagen zu ebenso reduzierten wie elegant wirkenden, mehrteiligen Arrangements. Auffällig sind auch hier die sorgfältige Auswahl des Materials, die präzise, nie willkürlich erscheinende Ausführung und die eher diffuse, den Betrachter auf Ab- und Nebenwege der Interpretation lockende Strategie des Künstlers. Die Fotografien, die Stewen benutzt, klebt er auf alte Papiere, die er in Kunstantiquariaten erwirbt. Oft sind darauf Alltagsgegenstände wie etwa ein Hocker oder eine Aluminiumleiter in zeitlos schwarzweißer Darstellung zu sehen. Es gibt aber auch Aufnahmen von Blumen oder jungen Männern. Erst nach und nach bemerkt der Betrachter, dass er sich in einem auf den ersten Blick offen gelassenen Zeichensystem befindet, das einen Teil seiner Inspiration aber aus einer sexuell unterfütterten Ästhetik bezieht. Die fragilen Holzstäbe muten dann wie Züchtigungsinstrumente aus der SM-Szene an, und die chromglänzenden Metallringe, ein Markenzeichen von Dirk Stewens unterkühlt gehaltenen Arrangements, entpuppen sich urplötzlich als sexuell konnotierte Hilfsmittel.

Doch vor voreiligen Aha-Effekten sollte sich der Betrachter hüten. Allzu eindeutig werden Stewens Arbeiten, die die Strenge der Minimal Art mit der In-sich-Gekehrtheit der deutschen Romantik verbinden, nie. Dirk Stewen ist ein Meister des Aussparens und Weglassens. „Ich füge gerne Pausen ein“, sagt er, „genau wie beim Denken. Wenn ich einen Gedankengang verfolge, verliere ich den Faden und finde ihn wieder. Ich möchte, dass eine Arbeit diesen Denkbewegungen entspricht. Und den Pausen.“

Die Ausstellung „Dirk Stewen – Exercises“ ist bis zu 25. Oktober zu sehen. Die Overbeck-Gesellschaft – Kunstverein Lübeck hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Katalog „Dirk Stewen – While you were out“ ist als Künstlerbuch im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 34 Euro.

Kontakt:

Overbeck-Gesellschaft - Verein von Kunstfreunden e.V.

Königstraße 11

DE-23552 Lübeck

Telefon:+49 (0451) 747 60

Telefax:+49 (0451) 747 60

E-Mail: info@overbeck-gesellschaft.de



04.10.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


13.09.2009, Dirk Stewen | »Neue Arbeiten«

Bei:


Overbeck-Gesellschaft - Verein von Kunstfreunden e.V.

Bericht:


Aufdecken und Verbergen

Bericht:


Lichtwark-Preis an Olaf Metzel

Bericht:


Boesner Art Award verliehen

Künstler:

Dirk Stewen










Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce