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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Resultate: Möbel und Einrichtungsgegenstände erleben bei Koller einen Einbruch

Kommodencrash



Johann Joachim Kändler, Der indiskrete Harlekin, um 1740

Johann Joachim Kändler, Der indiskrete Harlekin, um 1740

Der Zürcher Luxuseinrichter Koller scheint die weltweite Finanzkrise erst mit einiger Verspätung voll zu spüren. Hatten schon die vergangenen Auktionen gegenüber denen in 2007 und 2008 etwas nachgegeben, so erlitt das Unternehmen mit seiner Versteigerung von Möbeln und Einrichtungsgegenständen am 14. September einen regelrechten Einbruch. Die Qualität war nicht das Problem. Besonders das Kommodensortiment hatte eine große Anzahl wertvoller Preziosen von Jacques Dubois, Jean-Pierre Latz, André Louis Gilbert, Godefroy Dester, Hubert Hansen und Nicolas Petit für Preise zwischen 130.000 und 620.000 Franken zu bieten. Doch keine davon wurde übernommen. Auch die sonstigen Hauptstücke mussten fast ausschließlich die Heimreise antreten: eine Folge von sechs Fauteuils aus einer unbekannten Pariser Meisterwerkstatt um 1740/45 für geschätzte 300.000 bis 500.000 Franken und – zum wiederholten Mal – ein prunkvoller Mitteltisch von Alexandre-Louis Bellangé aus der frühen Neorenaissance um 1835/40 (Taxe 350.000 bis 550.000 SFR). Nicht einmal der 1888 datierte martialische Silbertisch aus der russischen Goldschmiedewerkstatt von Michail und Semen Gratschew mit Malachitplatte wurde ersteigert (Taxe 500.000 bis 900.000 SFR).


Entsprechend mager fiel auch die Zuschlagsquote aus. Abgerechnet die Vorbehaltszuschläge hat sie nach Anzahl der 370 Losnummern bei kaum einem Drittel gelegen. Die Zeit der großen Preise ist auf dem hochqualitativen Segment der Luxusausstattung vorerst vorbei, auch wenn es sich um Spitzenwerke handelt, wie Koller sie anzubieten hat. Nur vier Stücke drangen überhaupt in die Sechsstelligkeit vor. Dabei ist bezeichnend für das wählerisch und keineswegs immer historisch argumentierende Publikum, dass es sich für einen historistischen Mitteltisch des 1849 geborenen Joseph Emmanuel Zwiener entschied und ihn bei 300.000 Franken oben aufs Podest hob. Lediglich die reiche Pietra Dura-Platte ist ein originales Werk der Florentiner Botteghe Granducali des 17ten oder 18ten Jahrhunderts. Immerhin die untere Schätzung wurde mit dem Zuschlag erreicht. Eine originale Scagliolaplatte wohl von dem im 17ten Jahrhundert in Rom tätigen Ludovico Leoni, geschmackvoll mit Vögeln, Blumen, Früchten und mittig einem Harlekin geschmückt, erreichte die untere Grenze von 60.000 bis 90.000 Franken.

Den zweiten Platz belegte bei 125.000 Franken ein Paar römischer Konsolen des Rokoko – dies freilich eine Überraschung: Erwartet waren für die reich verzierten und vergoldeten Holzmöbel, die vielleicht auch schon aus dem 19ten Jahrhundert stammen, nur 20.000 bis 30.000 Franken. Mit jeweils 100.000 Franken teilten sich ein Paar Pariser Prunkspiegel aus dem Besitz Herzog Maximilians von Hannover und Braunschweig-Lüneburg um 1720/30 (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR) und ein klassizistisches Zylinderbureau des in Paris niedergelassenen Adam Weisweiler um 1785/90 Rang drei der Ergebnisliste (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR).

Ansonsten blieben die Preise vergleichsweise zurückhaltend. Froh konnte man schon sein, dass wenigstens Jean-Charles Ellaumes würfelgemusterte Kommode um 1755/60 für 42.000 Franken (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR) und Matthäus Funks Rokoko-Exemplar um 1745/55 für 32.000 Franken neue Inhaber fanden (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Die mit 90.000 bis 140.000 Franken erheblich kostbarere und einige Jahre jüngere Schwester der letzteren ebenfalls aus der Berner Werkstatt blieb bereits an 78.000 Franken hängen. Gute 50.000 Franken erreichte eine lombardische Aufsatzschreibkommode der Barockzeit um 1720/30 (Taxe 35.000 bis 55.000 SFR).

Eine Überraschung bot eine Folge von drei englische Stühlen um 1720. Die unscheinbaren und mit etwas abgeschabten Veloursbezügen gepolsterten Möbel hatte Koller auf unbeachtete 2.000 bis 3.000 Franken angesetzt. Doch stritten sich mehrere Bieter schließlich auf nicht weniger als 90.000 Franken hinauf. England machte später noch einmal durch zwei Lacktischchen des späten 19ten Jahrhunderts auf sich aufmerksam. Die im chinesischen Stil gehaltenen Stücke verzehnfachten ihre obere Schätzung unerwartet auf 50.000 Franken. Den gleichen Preis schaffte ein großer runder Esstisch aus der Möbelmanufaktur „Gillows of Lancaster“ um 1830/40, die Robert Gillow rund 100 Jahre zuvor gegründet hatte (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR).

Einiger Beliebtheit erfreuten sich auch zwei Kinderbergeren Jean-Baptiste Boulards des frühen Klassizismus um 1780, die die lieben Kleinen nun für 45.000 Franken beglücken dürfen (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR), und zwei weitere Sitzgelegenheiten in Form eines Paars Armlehnstühle aus Russland kletterten von 6.000 bis 9.000 Franken auf 23.000 Franken. Nach mehreren Anläufen fand endlich auch Konsoltisch mit Wildschweinköpfen seinen Abnehmer. Sébastien und Jean-Baptiste Youf schufen ihn nach Zeichnungen Giovanni Battista Piranesis und nahmen dafür nun 36.000 Franken ein (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR).

Nicht allzu erfolgreich schlossen auch die Uhren ab. Als ausgesprochenes Sammlerobjekt zog eine astronomische Tischuhr des Ulmer Meisters Christof Pleig um 1625 nun endlich 46.000 Franken auf sich (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR). Als eine der wenigen französischen Uhren des 18ten Jahrhunderts schaffte in der zweiten Preisklasse ein Werk Pierre Gilles-Quentains II, der mit Gille l’Ainé signierte, bei 66.000 Franken den Absprung. Entwerfer und Fertiger der Bronzen sind unbekannt (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR). Nach Vorlagen Juste-Aurèle Meissonniers arbeitete vermutlich Jacques Caffiéri gegen 1750 ein Paar virtuoser Wandleuchter aus vergoldeter Bronze. Auch dieses rettete bei 94.000 Franken die Ehre seiner zahlreich zurückgegangenen Kollegen (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR), ebenso wie ein Paar Girandolen nach Vorlagen desselben Meisters für 70.000 Franken (Taxe 65.000 bis 95.000 SFR). Die Tapisserie mit Minerva als Schutzgöttin der Wissenschaft und Kunst um 1690 aus der Brüsseler Weberei Frans van den Heckes kam wie vorgesehen auf 17.000 Franken (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR). Schließlich ließen sich die Sammler noch von einem Vasenpaar auf Säulenstümpfen begeistern, die wohl in einer Berliner Eisenkunstgießerei um 1820/40 nach antiken Vorbildern gefertigt wurden. 40.000 Franken waren der Zuschlagspreis (Taxe 18.000 bis 28.000 SFR).

Bei Porzellan und Fayencen sah die Sache dann doch wesentlich besser aus. Verkauft wurden hier fast zwei Drittel der Positionen, so dass Cyrill Koller vom Erfolg der Abteilung sprechen konnte. Auf bis zu 64.000 Franken schwang sie sich auf: Ein großes Tafelservice der Fayencemanufaktur von Pasquale Antonibon in Nove di Bassano mit einem vermutlich von Jean-Baptiste Pillement entworfenen chinoisen Dekor rangierte damit im oberen Bereich seiner Schätzung. Erst um 24.000 Franken wechselte eine Mitte des 16ten Jahrhunderts im Keramikzentrum Casteldurante vielleicht in der Werkstatt von Ludovico und Angelo Picchi mit einer Reiterschlacht bemalte flache Majolikaschale den Besitzer (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR).

Meißen war etwas weniger erfolgreich. Johann Joachim Kändlers erotische Porzellangruppe „Der indiskrete Harlekin“ in einer Ausformung nach 1742 musste sich mit 50.000 Franken begnügen (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Ein großes Kaffee- und Teeservice mit Kauffahrteiszenen (Taxe 70.000 bis 90.000 SFR) und eine von der Werkstatt Abraham Seuters in Augsburg mit Goldchinesendekor bemalte Kaffeekanne blieben unveräußert (Taxe 50.000 bis 60.000 SFR). Die erwarteten 23.000 Franken kamen für eine bronzene Girandole mit Lackschirm und Kändler-Papagei von etwa 1740 zusammen, Kändlers Tanzgruppe mit Lautenspieler schwang sich zu 14.000 Franken auf (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR), sein seine Figur eines Trägers zu 11.000 Franken (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR), und Peter Reinickes Kurtisane aus den „Cris de Paris“ um 1753/54 entfaltete ihren Liebreiz erst bei 9.500 Franken (Taxe 3.500 bis 5.500 SFR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch



01.10.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Jean-Charles Ellaume, Kommode, Paris um 1755/60
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Jean-Baptiste Youf und Sébastien Youf , Konsole, Paris um 1830/35
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wohl Ludovico und Angelo Picchi, Istoriato-Schale, Casteldurante um
 1550/55
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Pasquale Antonibon,
 Tafelservice „a ponticello“, Nove di Bassano 2. Hälfte 18. Jahrhundert
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Jean-Baptiste Youf und Sébastien Youf , Konsole, Paris um 1830/35

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Taxe: 40.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 36.000,- SFR

Losnummer: 1220

Adam Weisweiler, Zylinderbureau, Paris um 1785/90

Adam Weisweiler, Zylinderbureau, Paris um 1785/90

Taxe: 100.000 - 150.000 SFR

Zuschlag: 100.000,- SFR

Losnummer: 1156

Jean-Baptiste Boulard, 1 Paar Kinderbergeren, Paris um 1780

Jean-Baptiste Boulard, 1 Paar Kinderbergeren, Paris um 1780

Taxe: 30.000 - 50.000 SFR

Zuschlag: 45.000,- SFR

Losnummer: 1147

wohl Ludovico und Angelo Picchi, Istoriato-Schale, Casteldurante um 1550/55

wohl Ludovico und Angelo Picchi, Istoriato-Schale, Casteldurante um 1550/55

Taxe: 12.000 - 18.000 SFR

Zuschlag: 24.000,- SFR

Losnummer: 1651

Jean-Charles Ellaume, Kommode, Paris um 1755/60

Jean-Charles Ellaume, Kommode, Paris um 1755/60

Taxe: 40.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 42.000,- SFR

Losnummer: 1114

Christof Pleig, Astronomische Uhr, Ulm um 1625

Christof Pleig, Astronomische Uhr, Ulm um 1625

Taxe: 40.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 45.000,- SFR

Losnummer: 1014

Pasquale Antonibon, Tafelservice „a ponticello“, Nove di Bassano 2. Hälfte 18. Jahrhundert

Pasquale Antonibon, Tafelservice „a ponticello“, Nove di Bassano 2. Hälfte 18. Jahrhundert

Taxe: 50.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 64.000,- SFR

Losnummer: 1659




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