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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Eine umfangreiche Schau im Berliner Martin-Gropius-Bau erinnert an die Gründung des Bauhauses vor 90 Jahren

Der Ausgangspunkt der Avantgarde: Bunt, lustig, esoterisch



Kein zweiter kunsthistorischer Stilbegriff scheint so variabel einsetzbar wie der des Bauhauses. Alle nur denkbaren modernen Produkte auf dem Feld des Designs und der Architektur bis hin zur Bezeichnung einer Heimwerkerkette nehmen Bezug auf den griffigen Namen einer Lehranstalt, die eigentlich für die ganzheitliche Pädagogik und keineswegs für einen Stil steht. Bei der Gründung am 1. April 1919 im Weimar war nicht ansatzweise absehbar war, dass die Bezeichnung einen solchen Mythos rund um die Welt entfalten sollte. Man tut gut daran, die grundlegenden Phänomene des in der Tat ungeheuer vielschichtigen und facettenreichen Gebildes präzis zu benennen.


Auf den Punkt gebracht verfolgte die neue Kunstschule eine interdisziplinär sowie experimentell angelegte Lehre, ein akkurates Werkstättenkonzept, die Einbeziehung sozialer Fragestellungen, eine funktionale Ästhetik samt Erprobung neuer Verfahren und Materialien in Architektur und Design. Ein einheitlicher Bauhausstil war zu keinem Zeitpunkt intendiert. Allein der Status als Schmelztiegel aller relevanten künstlerischen Positionen zwischen 1910 bis 1933, insbesondere Expressionismus, Futurismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Konstruktivismus, Surrealismus verbot dies.

Der vollkommen heterogene Lehrkörper aus so ungleichen „Meistern“ wie Gerhard Marcks, Georg Muche, Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy, Josef Albers, Herbert Bayer, Marcel Breuer, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Paul Klee, Hannes Meyer, Ludwig Hilberseimer und Ludwig Mies van der Rohe unterstreicht dies. Sie sollten ebenso die Kunstgeschichte prägen wie viele der insgesamt rund 1250 Schüler, die während der vierzehnjährigen Existenz am Bauhaus studierten, darunter etwa Wilhelm Wagenfeld, Max Bill, Richard Paulick, Marianne Brandt, Theodore Lux Feininger und viele weitere.

Werke all jener berühmter oder anerkannter Künstler vereint eine Geburtstagsschau im Berliner Martin-Gropius-Bau, den ein Großonkel des Bauhausgründers Walter Gropius entworfen hat. Reiche 960 Exponate blättern chronologisch geordnet die einzelnen Phasen der Lehranstalt mit all ihren Brüchen, Kontinuitäten, Methoden, Produkten in einem geschlossenen Rund der 18 Galeriesäle des Hochparterres auf, deren farbliche Gestaltung Johannes Ittens Farbkreis zugrunde liegt. Im Hellgelben liegt der Beginn. Das Ende versinkt im Schwarz. Das erste Exponat ist ein mittelalterlicher Aufriss des Ulmer Münsterturmes, der stets hinter dem Schreibtisch des ersten Direktors Walter Gropius hing. Er symbolisiert die Gründung der Bauhausidee auf dem mittelalterlichen Bauhüttenwesen, dem vorgegebenen Ideal für das soziale Leben der Bauhausgemeinschaft in einer Verschmelzung aller künstlerischen Sparten mit dem Sein. Damals noch Utopie, ist heute Interdisziplinäres selbstverständlich.

Der erste Saal zeigt ferner Lyonel Feiningers expressionistische Kathedralansicht auf dem Cover des Bauhausprogramms, Johannes Ittens regenbogenfarbigen Turm des Feuers, Mies van der Rohes Entwürfe für das Glashochhaus am Bahnhof Friedrichstraße sowie Modelle von Gropius’ Fagus-Werken. Schon zu Beginn wird klar: Für bodenständige Erforschungen von Ideen und Praxis gab es keine Stilvorgaben. Ausgangspunkt waren die Ursprünge. Grundformen und -farben, Grundmaterialien und Formerfahrungen standen im obligatorischen Vorkurs im Fokus. Erst danach wurde es konkret. Auch wenn man nach der Revolution den stilistischen Ballast loswerden wollte: Die Askese war kein Ziel. Architektur und Gebrauchsgegenstände erschöpften sich nicht nur in Zweckerfüllung. Das Künstlerische sollte in den Alltag vordringen, Hoch- und Gebrauchskunst auf einem Level zu stehen kommen.

Jeder besaß den gleichen Zugang zum Bauhaus. Daraus resultiert die Internationalität der multikulturellen, multireligiösen, multiethnischen, ideologisch sehr differenzierten Lehrer- und Studentenschaft. Feste, Umzüge, Bälle, abnorm empfundene Kleidung, keckes Aussehen verstärkten die Furcht der Bewohner Weimars vor dem umstürzlerisch erscheinenden Auflauf vieler Intellektueller in der kleinen Provinzstadt. Der thronartige „Afrikanische Stuhl“ von Gunta Stölzl und Marcel Breuer aus dem Jahr 1921 dokumentiert ansehnlich die ausufernden Richtungen.

Erst mit dem erzwungenen Umzug nach Dessau im Jahr 1925 aufgrund der Vertreibung durch eine neue konservative Landesregierung in Thüringen zog ein strenger, rationalistischer Geist ein. Der große Wurf des identitätsstiftenden, 1926 bezogenen und von Walter Gropius geplanten neuen Schulhauses im Anhaltischen war nun Pogramm und beförderte die Einführung der Architektur als Lehrfach 1927. Die Industriestadt Dessau bot sich ideal für Synergien mit der ansässigen Industrie an. Minimalistische Design- und Architekturentwürfe, kreiert für hohe Auflagen blieben jedoch so teuer, dass nur Fanatiker die rasch als elitär verschrienen Dinge erwarben. Die Intention, über Standardisierung und serielle Produktion neuen Normen zur Dominanz in einer modernen Gesellschaft zu verhelfen, scheiterte am stärkeren Wunsch nach Individualität.

Der Ausstellungsparcours fächert die gesamte Breite maßgeblicher Aspekte des Bauhauses auf: von den charismatischen Meistern samt den drei Direktoren Walter Gropius (1919-1928), Hannes Meyer (1928-1930) und Ludwig Mies van der Rohe (1928-1933), den radikal neuen Lehrmethoden in der Abgeschiedenheit der Provinz über stilistische Wechselwirkungen und Techniken, den Laborcharakter der Werkstätten und ihre Experimente in allen Metiers vom Töpfern bis zum Film. Dabei offenbart sich die viel zu stark auf die Architektur konzentrierte öffentliche Wahrnehmung. Diesen unvollständigen Blick zu korrigieren leistet diese bislang größte Bauhausausstellung eindrucksvoll. Jene drei deutschen Institute, die das Erbe des Bauhauses erforschen und bewahren, das Bauhaus-Archiv – Museum für Gestaltung Berlin, die Stiftung Bauhaus Dessau und die Klassik Stiftung Weimar, sind dafür eine fruchtbare Kooperation mit dem Museum of Modern Art in New York eingegangen, der zweiten Ausstellungsstation.

Der legendäre Ruf des Bauhauses resultiert nicht unwesentlich auf dem nachbauhäuslichen Wirken von rund 30 in die USA emigrierten Bauhauslehrern. Nach der erzwungenen zweiten Schließung in Dessau 1932, der Übersiedlung nach Berlin und der hier erfolgten endgültigen Schließung im Juli 1933, zudem in eine Opferrolle gedrängt, konnten die „Ehemaligen“ im Land der unbegrenzten Möglichkeiten am Mythos der Schule weiter arbeiten, die außerhalb Deutschlands eine größere Reputation genoss als im Ursprungsland. Hier versuchte der Bauhäusler Max Bill 1953 mit der Etablierung der Ulmer Hochschule für Gestaltung eine Nachfolge zu schaffen. Im Jahr 1968, just zeitgleich mit der Eröffnung der letzten großen Bauhausausstellung im Württenbergischen Kunstverein Stuttgart, verfügte der konservative Baden-Württembergische Ministerpräsident abermals die Schließung aus politischen Gründen!

Die Ausstellung „Modell Bauhaus“ ist noch bis zum 4. Oktober zu besichtigen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich von 10 bis 20 Uhr, ab dem 28. September bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zahlen nichts. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 29,80 in der Ausstellung, 39,80 Euro im Buchhandel.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07

www.modell-bauhaus.de



26.09.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Bauhausmeister auf dem Dach des Bauhauses in Dessau, 1926

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