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Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

Hagen setzt weiteren Impuls mit der Eröffnung eines neuen Museumsquartiers

Erster Prolog der Kulturhauptstadt Ruhr



Alt und Neu in Hagen: Blick auf das Osthaus Museum mit dem neuen Foyer des Kunstquartiers Hagen

Alt und Neu in Hagen: Blick auf das Osthaus Museum mit dem neuen Foyer des Kunstquartiers Hagen

Glückliche Fügungen bilden oft die Grundlage probater Lösungen. So geschah es auch im westfälischen Hagen. Seit genau ein Dutzend Jahren war man bestrebt, dem Werkschaffen Emil Schumachers ein separates Museum zu widmen. Der 1912 ebendort geborene und 1999 auf Ibiza verstorbene Künstler gehört zu den maßgeblichen Vertretern abstrakter Malerei in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Sohn Ulrich Schumacher überführte seine große Kollektion väterlicher Werke in eine Stiftung. Dann endlich erklärte sich auch das Land Nordrhein-Westfalen bereit, den namhaften Betrag von 13,5 Millionen Euro aufzubringen, mehr als die Hälfte der gesamten Kosten von 26,2 Millionen Euro für einen Museumsneu- und umbau in Hagen. Am vergangenen Wochenende wurde er nun als erster neuer Leuchtturm der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 eröffnet.


Das Ensemble mit städtebaulichem Umfeld samt Vorplatz und Verwaltungsbau ist ein wichtiger Beitrag zur Stadtreparatur, weshalb man generös vom „Kunstquartier Hagen“ spricht. Sein Kern umfasst zwei Museen in drei Gebäudetrakten, die für sich genommen die Architekturgeschichte der Moderne spiegeln. Ältester Teil ist das im Jahr 1902 eröffnete, erste öffentliche Gebäude im „Neuen Stil“, das von Henry van de Velde für die Kunstsammlung des Hagener Kaufmanns und Mäzens Karl Ernst Osthaus eingerichtete Museum Folkwang. 1974 folgte eine wabenförmige Erweiterung in Sichtbeton.

Von hier aus leitet nun eine gläserne Eingangshalle zum dreigeschossigen Sichtbetonkubus des neuen Emil Schumacher Museums über, den das Mannheimer Architekturbüro Lindemann in eine Glashaut packte. Jugendstil, Brutalismus und die von Nachhaltigkeit wie Flexibilität bestimmte Architektur der Jetztzeit stehen nebeneinander. In den Fronten des eleganten dritten Baukörpers spiegelt sich der historische Altbau. Korrespondenzen und das großzügige Umfeld tun Optionen für umfangreiche gemeinsame Aktivitäten auf. Sie sollen die Absolutheit brechen, die monografische Künstlermuseen oft auszeichnen.

Nachts wird der kühle neue Schatzbunker im Glaskasten von innen heraus als Kristall erstrahlt. Bevor es auf der steilen, zwischen nacktem Betonkern und Glashülle eingefügten Treppe in die beiden Obergeschosse geht, lockt der Blick in Schumachers Atelier. Inmitten des hierher transferierten Ambientes aus Regalen, Farbbehältnissen, skurrilen Dingen wie einem Amboss steht die völlig farbverkrustete Staffelei Emil Schumachers, an der er über 50 Jahre arbeitete. Im ersten Obergeschoss entfalten sich exemplarische Arbeiten vom Frühwerk aus den 1930er Jahren bis hin zu späten aus den 1990er Jahren. Teils chronologisch, teils nach Themenkreisen und ästhetischen Gesichtspunkten geordnet und in die fließenden Raumkompartimente eingefügt, bestimmen Papierarbeiten den Überblick.

Großformatige Arbeiten auf Papier, Porzellane und Keramiken sowie die bis heute relativ unbekannten Reisebilder bespielen dabei einzelne Zonen. Sein ganzes Leben über lotete Schumacher die Chancen des Mediums Papier aus. Über Jahrzehnte verfolgte er bestimmte Motive wie Vögel oder Räder, ließ sich von Motiven in Tunesien oder Mesopotamien, insbesondere von der dortigen traditionellen Architektur anregen. In der Spätzeit reflektierte er Motive der Frühzeit, archaische, an Höhlenmalereien erinnernde Lebewesen.

Das zweite Geschoss besteht aus einem bis an die Umfassungswände ausgedehnten Oberlichtsaal. Großformatige Gemälde erzeugen mit ihren motivischen, pastos aufgetragenen Wallungen ein furioses Gewitter aus schwarzen Linien vor gelben, roten und dunkelblauen Tönen. Teer, Holzkohle oder Steine sind spannungsvoll in die auf Holz oder Leinwand fixierten Kompositionen eingefügt. Auch die im Jahr 1964 auf der dritten Documenta ausgestellten Gemälde sind hier integriert.

Der gesamte Fundus des Emil Schumacher Museums umfasst 88 Ölgemälde von 1936 bis 1999, rund 200 Gouachen, je ein Exemplar aller grafischen Werke, 25 Keramiken, 50 Bilder auf Porzellan, zehn Malereien auf Schiefer. Schumacher wird zwar stets als „Informeller“ tituliert, doch dies greift zu kurz, weshalb die künftige Ausstellungspolitik darauf ausgerichtet sein wird, das Œuvre im Kontext internationaler Zeitgenossen zu präsentieren. Zur Eröffnung wurde nun auf den rund eintausend zusätzlichen Quadratmetern Ausstellungsfläche eine kritische Textarbeit kuratiert, die Emil Schumacher sowohl würdig präsenteren als auch kunsthistorisch instruktiv diskutieren möchte.

Mit der Erstellung des neuen Museums ging die umfassende Sanierung und Restaurierung der Altbaubestände einher. Nach Osthaus’ Tod im Jahr 1921 verkauften die Erben seine Kunstsammlung von Weltruhm. Den Gemäldebestand erwarb die Stadt Essen. Er bildete die Grundlage für das bis heute bestehende Museum Folkwang. Der kunstgewerbliche Teil ging an das Krefelder Kaiser Wilhelm Museum. In das Hagener Museumsgebäude zog die Verwaltung eines Elektrizitätskonzerns ein. Erst im Jahr 1955 kam die neu aufgebaute städtische Kunstsammlung in das historische, 1974 durch einen Anbau vergrößerte Museumsgebäude zurück.

Im letztgenannten Trakt wird zur Wiedereröffnung eine rund dreihundert Exponate umfassende Schau des Expressionisten Christian Rohlfs unter dem Titel „Musik der Farben“ präsentiert. Rund 500 Arbeiten aus allen Werkphasen des Künstlers befinden sich im Museumsbesitz. Der 1849 im holsteinischen Niendorf geborene Einzelgänger unter den Klassikern der Moderne wurde 1901 von Osthaus nach Hagen berufen, wo er bis zu seinem Tod 1938 seinen Wohn- und Ateliersitz in einem heute nicht mehr vorhandenen Anbau des damaligen Museums Folkwang bezog. Gemälde, Holz- und Linolschnitte, Zeichnungen, Aquarell- und Temperablätter sowie seine außergewöhnlichen Strickbilder schlagen den Bogen über ein grandioses Lebenswerk, das sich vor dem Hintergrund revolutionärer künstlerischer Entwicklungen entfaltete.

Trotz des Verlusts des Osthausschen Fundus haben sich in den letzten Jahrzehnten die städtischen Bestände wieder soweit erholt, dass sie in den historischen Jugendstilräumen des Ursprungsbaus einen würdigen Überblick über Impressionismus, Brücke-Kunst, Expressionismus und Bauhaus bis hin zur Neuen Sachlichkeit bieten können. Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Pierre-Auguste Renoir, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Lyonel Feininger und weitere bedeutende Klassiker sind nun in den Gemäldesälen mit erlesenen Bildern präsent.

Eine große Werkgruppe für sich bildet im Osthaus Museum der Raum „Die Architektur der Erinnerung“ von Sigrid Sigurdsson, deren über zweitausend Arbeiten Erinnerungen und Geschichtsbewusstsein im nationalen und europäischen Kontext hinterfragen. Fußend auf historische und interkulturelle Entwicklungen intendiert die Museumsleitung unter Tayfun Belgin nun eine weitere Profilschärfung und Erweiterung der Bestände. Schwerpunkt im „Südpol der Kulturhauptstadt Ruhr“ sollen aber weiterhin die abstrakt-expressionistischen Künste bleiben.

Das Kunstquartier Hagen ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 2 Euro. Anlässlich der Eröffnung ist ein dreibändiger Katalog im Schuber erschienen, der an der Museumskasse 22 Euro kostet. Weiter ist zur Rohlfs-Ausstellung ist ein umfangreicher Sammlungskatalog erschienen.

Emil Schumacher Museum Hagen
Museumsplatz 1
D-58095 Hagen

Telefon: +49 (0)2331 – 3060 066
Telefax: +49 (0)2331 – 3060 240

Kontakt:

Osthaus Museum Hagen

Museumsplatz 3

DE-58095 Hagen

Telefon:+49 (02331) 207 31 29

Telefax:+49 (02331) 20 74 02

E-Mail: osthausmuseum@stadt-hagen.de



05.09.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Erstes Obergeschoss im Emil Schumacher Museum Hagen

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