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Zwischen Maiparade, Plattenbau und kleinem Glück: Die Ausstellung „Ostzeit“ im Berliner Haus der Kulturen der Welt zeigt rund 150 Fotografien aus der vor 20 Jahren untergegangenen DDR

Die Exotik des Naheliegenden



Die Kongresshalle im Berliner Tiergarten unweit von Reichstag und Kanzleramt: Das 1957 eröffnete Gebäude war ein Geschenk der Vereinigten Staaten an West-Berlin. Im Kalten Krieg galt der markante Neubau als „Leuchtturm der Freiheit“. Errichtet auf einem künstlichen Hügel, sollte er bis weit nach Ost-Berlin ausstrahlen und von einer anderen, freien und demokratischen Welt künden. Es ist schon fast eine Ironie der Geschichte, dass jetzt ausgerechnet in diesem Gebäude eine bildgewaltige Ausstellung gezeigt wird, die noch einmal den Alltag in der längst untergegangenen DDR Revue passieren lässt. Das heute hier ansässige Haus der Kulturen der Welt hat es sich eigentlich auf die Fahnen geschrieben, die Kunst nichteuropäischer Kulturen zu zeigen. Doch was in dieser Schau zu sehen ist, mutet heute womöglich bereits exotischer an als etwa junge Kunst aus China oder Brasilien.


„Ostzeit – Geschichten aus einem vergangenen Land“, so lautet der Titel einer Fotografieausstellung, die rund 150 Arbeiten von den namhaften ostdeutschen Fotografen Sibylle Bergemann, Ute Mahler, Werner Mahler und Harald Hauswald versammelt. Der in Berlin lebende Franzose Maurice Weiss ergänzt die Schau mit dem Blick eines Außenstehenden. Alle fünf sind Mitglieder der 1990 gegründeten und mittlerweile international renommierten Bildagentur Ostkreuz.

Was es in dieser Ausstellung nicht zu sehen gibt, das ist die Staatsfotografie der DDR, wie sie in Medien wie „Neues Deutschland“ oder „Neue Berliner Illustrierte“ gepflegt wurde. Stattdessen herrschen die ruhigeren Bilder vor, kleine Beobachtungen am Rande, Zwischentöne aus einem Land, das den Westdeutschen geografisch so nahe und gedanklich doch so fern war. Ute Mahler zeigt zwar die Ost-Berliner Maiparade, doch sie tut dies mit der Distanz einer neutralen Beobachterin. Die Choreografie der Macht in Form marschierender Betriebskampfgruppen und von der Tribüne winkender DDR-Granden wie Egon Krenz und Margot Honecker konterkariert sie mit Bildern aus dem Publikum: Naiver Stolz und gesunde Skepsis mischen sich auf den Gesichtern.

Sibylle Bergemann versucht erst gar nicht, das offizielle Antlitz des Staates zu analysieren. Sie begibt sich dorthin, wo die Menschen wohnen oder ihre Freizeit verbringen. Ihre Bildreportage aus „Clärchens Ballhaus“ zeigt das kleine Glück der einfachen Menschen: DDR-Gemütlichkeit bei Bockwurst, Bier und Damenwahl. In einer anderen Serie begab sich Bergemann 1974 in einen Plattenbau des Typs „P2“ und fotografierte Etage für Etage die Wohnzimmer der Bewohner. Das ewig gleiche Ensemble aus Sitzgruppe, Schrankwand und halbtransparenten, weißen Gardinen bestätigt das Klischee von der Arbeiter-Massenhaltung à la DDR.

Ein serieller Ansatz charakterisiert viele Arbeiten dieser Schau. So lichtet Werner Mahler in seiner noch längst nicht abgeschlossenen Serie „Die Abiturienten“ seit 1978 alle fünf Jahre die Schüler einer Abschlussklasse ab. Sozialismus, Wendezeit, Gegenwart: An den hier versammelten Porträts lassen sich Zeitgeschichte und gesellschaftlicher Wandel wesentlich besser ablesen als in den Sonntagsreden von Politikern.

Doch die Ausstellung zeigt auch, dass es jenseits von sozialistischer Tristesse eine spannende Nischenkultur in der DDR gab. Harald Hauswald entführt auf seinen Aufnahmen in die versteckte Welt der von der Stasi als illegal gebrandmarkten Hinterzimmergalerien. Er zeigt Ost-Berliner Punks und heimliche Dichterlesungen mit Heiner Müller und dem später als Stasi-IM enttarnten Sascha Anderson. Den sicherlich kreativsten Versuch aber, innerhalb des bestehenden Systems etwas anderes auszuprobieren, unternahm die Redaktion der „Sibylle“, Zeitschrift für Mode und Kultur. Das sechsmal im Jahr erschienene Magazin war jedes Mal sofort ausverkauft. Auf den eleganten Modeaufnahmen von Ute Mahler posieren keine Profimodelle sondern selbstbewusste Frauen, die ungewöhnliche Kleidung jenseits des monotonen Einheitslooks der VEB Textilkombinate vorführten.

Maurice Weiss, der Franzose, schließlich fängt auf seinen zur Zeit des Mauerfalls entstandenen Aufnahmen die Momente des Umbruchs ein. Zu seinen markantesten Motiven gehört eine Aufnahme, die im Dezember 1989 auf dem Bahnhof Friedrichstraße entstand: Ein einsamer DDR-Grenzer mit Lautsprecher steht regungslos auf einem kleinen Podest. Die vorbeieilenden Menschen um ihn herum gerinnen durch die lange Belichtungszeit zu diffusen Schatten. Den Uniformierten beachten sie nicht. Die gesellschaftliche Transformation ist nicht mehr aufzuhalten.

Die Ausstellung „Ostzeit – Geschichten aus einem vergangenen Land“ ist bis zum 13. September zu sehen. Das Haus der Kulturen der Welt hat täglich außer dienstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog mit 288 Seiten und 188 Abbildungen in Duplex ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 39,80 Euro. Zur Finissage am 13. September findet um 19 Uhr das Podiumsgespräch „Das was war, war so nicht – Die Veränderung in der Wahrnehmung von DDR-Alltag im kollektiven Gedächtnis von heute“ statt. Teilnehmen werden Sibylle Bergemann, Harald Hauswald, Ingo Schulze und Thomas Hoepker.

Kontakt:

Haus der Kulturen der Welt

John-Foster-Dulles-Allee 10

DE-10557 Berlin

Telefon:+49 (030) 397 870

Telefax:+49 (030) 394 86 79

E-Mail: info@hkw.de



23.08.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


14.08.2009, Ostzeit – Geschichten aus einem vergangenen Land

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Haus der Kulturen der Welt

Bericht:


Konrad-Wolf-Preis für Agentur Ostkreuz

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