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Das Portrait von Robert Mapplethorpe bis Nan Goldin in der Kunsthalle Wien

Fotografie als Bühne für den Menschen



Das Portrait als eine der wichtigen Bildgattungen der Kunst ist das Thema einer umfangreichen Ausstellung in der Kunsthalle Wien, die mit einem ambitionierten Überblick über die Portraitfotografie seit 1980 ihren Themenschwerpunkt „Sommer der Fotografie“ fortsetzt. Über 150 Jahre nach Erfindung der Fotografie und zwei Jahrzehnte nach der Entwicklung der Digitalkamera untersucht die Ausstellung die heterogenen Möglichkeiten der Darstellung des menschliches Antlitzes und Körpers und beleuchtet das Verhältnis von Fotograf und Fotografiertem in seinen vielfältigen Erscheinungsformen.


Im Bewusstsein der Manipulierbarkeit von Bildern und der Gegenwärtigkeit von fiktiven Realitäten ist die Frage der Neuverortung des Genres für Kurator Peter Weiermair ein zentraler Ansatzpunkt. Für die Wiener Ausstellung inszenierte er einen Parcours von mehreren offenen Kabinetten, in denen Exponate von 32 Künstlerinnen und Künstlern in abwechslungsreichen Gegenüberstellungen präsentiert werden. Schon der erste Raum ist Programm: Hier trifft ein monumentalisiertes, passbildähnliches Bildnis von Thomas Ruff, das kühle Portrait einer Kommilitonin Pia Stadtbäumer aus dem Jahr 1988, auf mehrere kleinformatige schwarzweiße Zeitzeugnisse der Fotojournalistin Barbara Klemm. Von 1970 bis 2004 als feste Redaktionsfotografin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ tätig, hat sie zahlreiche Ereignisse und Personen der deutschen und internationalen Politik und Kultur bildlich festgehalten.

Während Ruffs Blick durch die Kamera ein nüchterner ist und dazu anregt, Fotografie als konzentrierte Beobachtung von Wahrnehmungsprozessen zu verstehen, sind Klemms Fotografien meist spontane Momentaufnahmen. Indem sie dem vermeintlich Objektiven des Dokumentarischen die eigene Perspektive hinzufügt, verbindet die Fotografin Dokumentation und eigene Anschauung. Mit sicherem Gespür für Wesen und Wesentliches, erfasst Klemm Augenblicke, die weit mehr erzählen als das, was sie unmittelbar darstellen, wie beispielsweise die bekannte Aufnahme verschiedener Gemütszustände, ablesbar auf den Gesichtern von Angela Merkel, Edmund Stoiber und seiner Frau in der Wahlnacht bei der CDU in Berlin im Jahr 2002.

Auch die in der ehemaligen Tschechoslowakei aufgewachsene Künstlerin Jitka Hanzlová sucht nicht das Sensationelle, sondern typische Situationen von Menschen und Augenblicken. Für ihre Folge „bewohner“ aus den Jahren 1994 bis 1996 kehrte die heute in Essen lebende Künstlerin an die Orte ihrer Kindheit zurück. Dort entstanden einfühlsame Portraits von Menschen in ihrer ursprünglichen Lebenswelt. Hanzlovás fotografischer Blick bleibt sachlich, trotzdem stellt sich beim Betrachten eine bemerkenswerte Vertrautheit gegenüber den dargestellten Personen und Landschafträumen ein. Dieses Nahverhältnis konstruiert die Künstlerin durch zarte Farbtöne, ein häufig um die Mittelachse angelegtes Motiv und den direkten Blick der meist weiblichen Protagonistinnen in die Kamera.

Auf intime, jedoch sehr gegensätzliche Weise haben Robert Mapplethorpe und Nan Goldin die Personen, die ihnen am nächsten standen portraitiert. Weiermair entschied sich nicht für Mapplethorpes bekannte sadomasochistische Fotos tätowierter Homosexueller. Sein Hauptaugenmerk gilt den Portraits der 1980er Jahre, in denen Mapplethorpe nach der perfekten Schönheit suchte und nach einer Vollkommenheit in der Form. Der Fotograf inszenierte seine Modelle nach den Regeln der klassischen Studiofotografie und perfektionierte die kalte, distanzierte Ästhetik der Schwarzweißfotografien durch die Modellierung des Motivs mit Licht und Schatten. Die Malerin Alice Neel lichtete Mapplethorpe 1984 mit geschlossenen Augen und geöffnetem Mund ab. Das Bild wurde zur Vorahnung. Wenige Monate nach der Aufnahme starb die Künstlerin.

Nan Goldin schuf mit den Portraits aus ihrem Freundeskreis ein visuelles Bildtagebuch, das das Intimleben ihrer Freunde mit einer zuvor unbekannten Eindringlichkeit beschrieb. Durch die genaue Betitelung der Fotografien mit Namen, Ort und Datum erhält der Betrachter Kenntnis über die jeweiligen Umstände. In Wien sind Aufnahmen zu sehen, die in den Jahren 1991 und 1992 in New York und während ihres Aufenthaltes in Berlin als Gast des DAAD entstanden. Auch Peter Hujars Bilder spiegeln das Umfeld, in dem er lebte, unverfälscht wieder: Aufnahmen seiner Freunde, unter ihnen viele Vertreter der homosexuellen Subkultur. Seine Portraits demonstrieren maskuline Sexualität, wobei sich Hujar vor allem für den emotionalen Ausdrucksgehalt der zum Teil abstrusen Posen der Portraitierten interessiert.

Einen wie selbstverständlich wirkenden Dialog mit den Portraitierten führen zahlreiche in der Ausstellung vertretene Kunstschaffende. Viele Exponate zeugen von einem generellen Augenmerk am Menschen, und es ist sicher kein Zufall, dass die Fotografierenden oft Freunde und Familie zu ihren Protagonisten machen. Der aus Oberösterreich stammende Bernhard Fuchs portraitierte Bewohner seiner heimatlichen Umgebung. Auch seine Bildnisse bewahren eine gewisse Intimität, bei der die Landschaft im Einklang mit den Personen steht und nicht nur als Kulisse dient. Obwohl die meisten Dorfbewohner im Posieren vor der Kamera eher ungeübt gewesen sein dürften, wirken die Aufnahmen, als hätte ein vertrauensvoller Dialog zwischen Fotograf und Modellen stattgefunden.

„Ich möchte Dinge zeigen, die man im alltäglichen Leben nicht sieht“ erklärt die niederländische Künstlerin Rineke Dijkstra und lässt in ihren Arbeiten normale Dinge besonders erscheinen. Häufig fotografiert sie Menschen in einer Phase der Veränderung. Meist sind es Personen, die einer bestimmten Gruppe zuzuordnen sind und dennoch als Einzelperson wahrgenommen werden. In ihren Aufnahmen von jungen Müttern unmittelbar nach der Entbindung, die ihr Neugeborenes auf dem Arm halten, kreist Dijkstra um das paradoxe Verhältnis zwischen Identität und Uniformität, um die Kraft und Verletzlichkeit der Dargestellten.

Die Spannung zwischen einstudierter Pose und Selbstdarstellung des Unbewussten fasziniert viele Fotografinnen und Fotografen. Die 1979 in Kalifornien geborene Künstlerin Amy Elkins ließ für ihre Portraitserie „Wallflower“ männliche Modelle mit entblößtem Oberkörper vor einer Blumentapete posieren. Die 1951 in Lexington geborenen Fotografin Sally Mann portraitierte ihr drei Kinder vor dem Hintergrund der ländlichen Kulisse ihrer Heimat in verschiedenen Phasen des Aufwachsens und Erwachsenwerdens. Andreas Mader fotografierte für seine 1988 begonnene Serie „Die Tage. Das Leben“ über mehrere Jahre seinen Freundeskreis. Die Bilder erzählen von zwischenmenschliche Beziehungen, familiären Rollenverhältnissen und Augenblicken inniger Verbundenheit.

Möglichst frei von Inszenierungen versuchte der Italiener Luigi Gariglio seine Modelle für die Serie „Lap Dancer“ festzuhalten. Er fotografierte Frauen unmittelbar nach dem Aufwachen, ohne Make-up, in einer statischen Pose und in einem klaren, direkten Licht. Im Kontrast zu dieser Art von Portrait, die den Charakter einer Person darzustellen versucht, bleibt die französische Fotografin Valerie Belin an der Oberfläche. Für ihre Serie „Models II“/ 2006 verfremdete die Künstlerin fotografische Aufnahmen durch digitale Überarbeitung zu idealisierten Stereotypen zwischen Puppe und Mensch. In seinem vielfältigen Kompendium der Portraitfotografie spart Peter Weiermair nicht mit homoerotischen Ein- und Ausblicken. Alberto García-Alix portraitiert „Mister X“, lässig am Geländer stehend, mit herabgelassener Hose und beachtlichem Gemächt, und Anthony Gayton bannt Bildnisse spärlich bekleideter junger Männer als Erinnerungstrophäen auf Zelluloid.

Verwunderlich ist, welch großer Ernst sich mit so viel Lust paart. Humor sucht man im breiten Spektrum der mannigfachen Posen nahezu vergebens. Eine Exzeption erlaubt sich Peter Weiermair mit den Portraits des italienischen Fotografen Andrea Cometta, der bekannte Persönlichkeit wie das Künstlerduo Gilbert & George, den Kunsthändler Ernst Beyeler oder seinen Künstlerkollegen Luigi Ontani in durchaus polemischen oder satirischen Bildern inszeniert. Erheitert durch die „andere Seite“ des öffentlichen Bildes, sollte man auf jeden Fall noch einmal den schönen, zur Ausstellung erschienenen Katalog zur Hand nehmen, in dem auf Seite 158 ein Bildnis abdruckt ist, das in der Ausstellung leider fehlt: abgelichtet von Gerhard Klocker findet sich dort ein Portrait des Hausherrn der Kunsthalle Gerald Matt, gekleidet als Dandy mit Stock, Zigarre und Siegelring. Das Spiel mit formalen Affinitäten in der Erscheinung des Portraitierten bezeugt ein Auge für das Eigentümliche und Komische und die ungewollt subtile Komik der Situation.

Die Ausstellung „Das Porträt. Fotografie als Bühne – Von Robert Mapplethorpe bis Nan Goldin“ ist bis zum 18. Oktober zu sehen. Die Kunsthalle Wien hat täglich von 10 bis 19 Uhr, zusätzlich donnerstags bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4,50 Euro, samstags und sonntags 7 Euro bzw. 5,50 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 521 891 201

Telefax:+43 (01) 521 891 217

E-Mail: office@kunsthallewien.at



08.08.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


03.07.2009, Das Porträt. Fotografie als Bühne

Bei:


Kunsthalle Wien










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