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Abschied vom Mythos: Die Ausstellung „Modell Bauhaus“ im Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt das Bauhaus in all seinen Widersprüchen und Brüchen. Rund 1000 Exponate sind in der größten Bauhaus-Ausstellung aller Zeiten versammelt

Das Bauhaus – Anspruch und Wirklichkeit



Bauhausmeister auf dem Dach des Bauhauses in Dessau, 1926

Bauhausmeister auf dem Dach des Bauhauses in Dessau, 1926

Kennen Sie das Bauhaus? Würde man in deutschen Fußgängerzonen eine Umfrage zum Thema Bauhaus durchführen, so dürfte das Ergebnis wahrscheinlich mehr als deprimierend ausfallen. Die Mehrheit der Befragten würde womöglich den kürzesten Weg zu einer der bundesweit mehr als 150 Filialen des gleichnamigen Heimwerkermarktes erklären. Der Dachlattenverhökerer und Laminat-Discounter hat sich den wohlklingenden Namen der bekanntesten und einflussreichsten Designerschmiede des 20. Jahrhunderts dreist geklaut. Vom Geist der Moderne ist in den auf die grüne Wiese gebauten Do-it-Yourself-Märkten aber leider gar nichts zu spüren. Und noch eine Schreckensmeldung: Anlässlich einer Umfrage unter studierwilligen Gymnasiasten vor einigen Jahren konnten gerade einmal 13 Prozent erklären, was das Bauhaus genau ist.


Vielleicht verbessert sich ja der hiesige Bekanntheitsgrad eines der wichtigsten deutschen Kulturexporte in den nächsten drei Monaten. Die umfangreiche Ausstellung „Modell: Bauhaus“ im Berliner Martin-Gropius-Bau jedenfalls ist angetreten, um 90 Jahre nach Gründung der Institution deren Geschichte in einer bildmächtigen Inszenierung sichtbar zu machen. Das gelegentlich als „Mutterschiff der Moderne“ apostrophierte Bauhaus wird in Berlin einer gründlichen Revision unterzogen. Rund 1000 Exponate, darunter 25 ganz besondere Stücke aus der Design-Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art, stellen die Geschichte des Bauhauses nicht als monolithischen Block sondern – historisch viel richtiger – als Abfolge zahlreicher Brüche und Richtungswechsel dar. Die opulente Schau bietet alles auf, was den Mythos Bauhaus bis heute in aller Welt ausmacht: Sitzmöbel von Marcel Breuer oder Ludwig Mies van der Rohe, Skulpturen von Oskar Schlemmer, Plastiken von László Moholy-Nagy, Gemälde und Papierarbeiten von Paul Klee oder Wassily Kandinsky, Textilarbeiten von Gunta Stölzl. Daneben unzählige Architekturzeichnungen, Modelle und Fotografien.

1919 wurde das Bauhaus von Walter Gropius in Weimar als Nachfolgeinstitution der zusammengelegten Kunstgewerbeschule und der Hochschule für bildende Künste gegründet. Es trat in der noch weitgehend vom postwilhelminischen Geist des soeben untergegangenen Kaiserreichs bestimmten Zeit als eine Art avantgardistisches Laboratorium der Moderne an. Dem ganzheitlichen Anspruch von Gropius nach ging es nicht nur darum, formschöne und funktionalistische Möbel, Stoffe, Bestecke oder Türgriffe zu entwerfen: Es ging um die Formung eines neuen Menschen. Gropius arbeitete eng mit der Industrie zusammen, um die neuen Ideen und Formen massenhaft unters Volk zu bringen.

Sein an der Idee des „Gesamtkunstwerks“ orientiertes Ideal eines aus seiner fortschrittlich gestalteten Umwelt heraus geformten, neuen Menschentyps stieß natürlich nicht nur auf positive Resonanz. Die Nationalsozialisten brandmarkten das Bauhaus bereits vor der Machtergreifung Hitlers als „Kirche des Marxismus“. Aber auch konservativ-bürgerliche Kreise konnten sich nur wenig für den neuen Geist erwärmen. Zwei Jahre nach dem Umzug der Schule in den identitätsstiftenden Neubau in Dessau übergab Gropius die Leitung 1928 an den Schweizer Urbanisten Hannes Meyer. „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ lautete von nun an die Devise. Meyer setzte in Zeiten knapper Kassen auf billige Materialien, Effizienz und eine Straffung der Ausbildung. Künstlerische Experimente à la Gropius und die Zeit der ausgelassenen Bauhaus-Feste waren vorbei. Auf Betreiben des Dessauer Bürgermeisters wurde Meyer nach nur zwei Jahren entlassen. 1932 musste das Bauhaus ins Berliner Exil ausweichen.

Unter Mies van der Rohe, der das Bauhaus von 1930 bis zu seiner Schließung 1933 leitete, wiederum stand die Ausbildung zum „vorbildlichen Architekten“ - natürlich orientiert am Meister selbst - im Vordergrund. Gesamtkunstwerk, Volksbedarf, Vorbildcharakter: Die Berliner Ausstellung untersucht diesen Methodenstreit in insgesamt 18 Galerieräumen, die durch ein durchgehendes farbiges Band zusammen gehalten werden. Orientiert am berühmten Farbkreis Johannes Ittens, führt der Rundgang von Gelb über Orange, Rot und Lila zu Blau und Grün.

Wo ist das Bauhaus heute? Der Trivialisierung des Bauhaus-Gedankens spürt die amerikanische Künstlerin Christine Hill im Lichthof des Gropius-Baus nach. Das Do-it-yourself-Credo der oben erwähnten Baumarktkette und des schwedischen Möbelhauses Ikea führt Hill lustvoll und ironisch ad absurdum: Hill hat ein typisches Ikea-Wohnzimmer nachgebaut und präsentiert banale Plastikeimer und Billigwerkzeuge mit „Bauhaus“-Logo. In einer Art Wohnberatung versorgen Hill-Assistenten die Ausstellungsbesucher mit praktischen Tipps zur Farbgestaltung der eigenen vier Wände und verraten ihre Geheimtipps fürs geschmackvolle Design-Shopping in Berlin.

Die Ausstellung „Modell Bauhaus“ läuft vom 22. Juli bis zum 4. Oktober. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zahlen nichts. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 29,80 in der Ausstellung, 39,80 Euro im Buchhandel. Als Begleitprogramm gibt es zahlreiche Architekturführungen in Berlin und Dessau. Infos unter www.ticket-b.de

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07

www.modell-bauhaus.de



22.07.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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