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Bonner Bundeskunsthalle stellt die Sammlung des Kunstmuseums Winterthur vor

Schweizer Kunstgipfel



Vincent van Gogh, Le facteur Joseph Roulin, 1888

Vincent van Gogh, Le facteur Joseph Roulin, 1888

Seit ihrem Bestehen gewährt die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Reihe „Die Großen Sammlungen“ Einblicke in unvergleichliche Museumsbestände aus aller Welt. Besonders nach den Präsentationen von 70 Meisterwerken aus dem New Yorker Museum of Modern Art 1992 und 200 Exponaten aus der Guggenheim Foundation 2006 schien quantitativ wie qualitativ ein Halten des Levels geschweige denn eine Steigerung kaum noch erzielbar. Doch nun wurde das vermeintlich Unmögliche Realität. 252 erlesene Gemälde inklusive weniger Plastiken aus dem Bestand des Kunstmuseums Winterthur können wegen der Renovierung ihres angestammten Domizils nun in Bonn bewundert werden.


Dass ihr Rang ohne weiteres mit jenen New Yorker Instituten durchaus ebenbürtig bewertet werden muss, mag vielleicht viele überraschen, Insider indes jedoch kaum. Denn das im Vergleich dazu kleine Schweizer Museum mit beinahe sieben Planstellen in der gerade mal 100.000 Einwohner starken Industriestadt 25 Kilometer vor den Toren der vier mal größeren Metropole Zürich meidet Sensationen, schnelle Effekte, plakative Gesten in Verbindung mit ausufernden Eventmaschinerien. Individualität, Aussagekraft und Rang bestimmen als oberste Kriterien die überschaubare Auswahl. Die Kunst, ihre Entfaltungsmöglichkeiten und Korrespondenzen stehen im Fokus, nicht Quoten oder Massen.

Diese leider nur noch selten anzutreffende klassische Museumsform lebt im heimischen Winterthur auf: Original erhaltene, salonartige Ausstellungssäle mit Simsen, Wandbespannungen, Teppichen, Tageslichteinfall bieten im 1915 vollendeten Museumsbau häusliche Intimität, Nischen für alle Genres und pointierte Blicke auf wichtige Momente der Kunstgeschichte. Die Entstehung der privaten Kollektion fällt in das Jahr 1848, dem Gründungsjahr der Eidgenossenschaft. Bis heute amtiert der Kunstverein Winterthur als Träger des Kunstmuseums und Eigentümer der Sammlung. Im Jahr 1907 tritt ein neu gewählter Vorstand in Aktion, der den spendenfinanzierten Museumsneubau in Angriff nimmt und die Sammlung auf europäisches Niveau zu führen gedenkt. Tonangebend sind dabei die einflussreichen Winterthurer Honoratioren Richard Bühler, Arthur Hahnloser und Georg Reinhart, der Bruder des berühmten Sammlers Oskar Reinhart. Sie alles agieren als eine Art „Schattenkabinett“ zur Stadtregierung.

Das Interesse dieser eigentlichen Gründerväter gilt der französischen Kunst. Das Panorama der Kunstgeschichte setzt demnach auch in Bonn mit der französischen Malerei des 19ten Jahrhunderts ein. Die im Freien vor dem Motiv ausgeführte Landschaftskunst in veränderter Maltechnik und Komposition ohne akademische Inszenierungen in kleinen Formaten bestreitet den Anfang mit Eugène Boudin, Jean-Baptiste Camille Corot, Claude Monet, bei dessen Bildern besonders die Abkehr von Vorder- und Hintergrundaufteilung hervorsticht. Alfred Sisleys Sujets bestechen durch Vorlieben für architektonische Details, während Camille Pissarro am konsequentesten impressionistisch arbeitet. Paul Cézanne verleiht der Malerei eher dauerhafte Komponenten, und Vincent van Gogh setzt in extremer Farbigkeit und Pinselschrift ausgesprochen extravagante Noten.

Maurice de Vlaminck und Albert Marquet führen mit feintonigeren, flächenhafteren Landschaften zu den Fauves über. Der große Schweizer Symbolist Ferdinand Hodler stößt mit seinen Berglandschaften in eine Synthese von Wahrnehmung und Empfindung vor bei zugleich präziser Erfassung von Personen in seinen Bildnissen. Der Reigen berühmter Namen setzt sich fort mit Arbeiten von Eugène Delacroix, Odilon Redon, Maurice Denis, Pierre Bonnard und Edouard Vuillard, dessen intuitive Inszenierungen und die Ahnungen unterschwelliger psychologischer Spannungen zum Schweizer Félix Vallotton hinleiten. Figurenbilder, Stillleben und Landschaften des jungen Nabis-Malers bestechen durch raffinierte Kombination von braunen Tönen mit leuchtenden Farben, was sein großes koloristisches Talent offenbart.

In den Parcours sind auflockernd Plastiken von Auguste Rodin, Medardo Rosso, Aristide Maillol, Wilhelm Lehmbruck, Constantin Brancusi bis hin zu Alberto Giacometti eingefügt. Sie demonstrieren die zwischen 1890 und 1930 erfolgte Abkehr von bildhauerischen Repräsentationsformen. Die fundierte Auswahl an zentralen Werken visualisiert die Umwälzung in der Material- und Raumbehandlung sowie die Abwendung von anthropomorphen Ganzfiguren oder Bildnisbüsten.

In der Malerei leitet Henri Rousseau mit auffallendem Streben nach Flächigkeit, Einheitlichkeit, fehlenden Nah- und Fernsichten sowie einem Denken in Ganzheiten zu einer neuen Formkunst über. Robert Delaunays rasterartige Farbaufteilung wird zum wesentlichen Merkmal der Moderne, Wassily Kandinsky analysiert die malerischen Elemente in ihrem Wesen sowie in ihrer Konfiguration, und Paul Klee setzt eigenständige Impulse mit seinen abstrakten Arrangements ohne Zeichenelemente. Die formelle Revolution aller bildnerischen Bestandteile mündet ab 1917 in kubistische Erfindungen von Pablo Picasso und Georges Braque, deren Werke in Beziehung gesetzt sind mit solchen von Juan Gris und vor allem wundervollen Kompositionen Fernand Légers. Einer Klassifikation entziehen sich die nachfolgenden Bilder von Max Beckmann aus den 1920er Jahren, nähern sich aber der Neuen Sachlichkeit an.

Der Surrealismus ist in mehreren Ausprägungen präsent. Giorgio de Chirico schafft Verbindungen zur Renaissance, René Magritte bringt rätselhafte, unkompatible Dinge zusammen, und Max Ernst führt neuartige Techniken wie die Grattage ein. Die Folgen der Formzerlegung münden in ungegenständliche Konstruktionen, exemplarisch verdeutlicht durch Theo van Doesburg oder Piet Mondrian. Natürlich darf die Konkrete Kunst nicht fehlen. Winterthurs größter Künstlersohn ist ja Max Bill, der hier als Vertreter der Züricher Konkreten die tonangebende Rolle spielt. Als exzellenter sinnlich-meditativer Gegenpol lädt ein kleines Kabinett zu einer Serie von Vasenstillleben des Italieners Giorgio Morandi ein, ein Höhepunkt der Ausstellung.

In den vergangenen Jahrzehnten stellte sich die Frage nach der kohärenten Weiterentwicklung des durch viele Zustiftungen ideal abgerundeten Ausblicks auf die klassische Moderne. Da die italienische Kunst mit Rosso, de Chirico oder Morandi in Winterthur stets große Wertschätzung genoss, räumte man den neueren italienischen Tendenzen um die „Arte povera“, der materialgebundenen Kunst, viel Raum ein. Luciano Fabro, Giulio Paolini, Jannis Kounellis, Mario Merz, Giuseppe Penone betonen neben den Materialien raumorientierte Ausrichtungen. Lucio Fontana überführt die Malerei mit seinen Schlitzen in den Leinwänden auch in die Dreidimensionalität.

In jüngster Zeit konzentriert sich die Sammeltätigkeit auf neuere amerikanische Kunst, deren Formbewusstheit in vielerlei Hinsicht auf die französische Kunst antwortet. Die amerikanische abstrakte Malerei, die das Malerische als eigenen Wert aufgreift und nach dem Zweiten Weltkrieg zu interessanten Entwicklungen in den USA führt, ist vorbildlich vertreten durch Positionen von Josef Albers, Mark Tobey, Fritz Glarner, Ellsworth Kelly, Agnes Martin, John Chamberlain, Eva Hesse, Richard Tuttle, Robert Mangold. Wichtige Einzelpositionen bereichern den Bestand, allen voran von Gerhard Richter, Richard Hamilton und Richard Artschwager. Dank zahlreicher Spenden konnten die neueren Werke in einem minimalistischen Erweiterungsbau untergebracht werden, der seit 1995 die Ausstellungsfläche des Kunstmuseums Winterthur auf das Doppelte erweitert.

Die eher unauffällige Stadt im Norden der Schweiz verdankt einer kleinen Gruppe engagierter Bürger eine unvergleichliche Kunstsammlung, deren Gewicht wie bei kaum einer anderen in der ganzheitlichen Aussage liegt Sie gestattet instruktive Einblicke in historische, gesellschaftliche, subjektive Entwicklungen sowie Erscheinungen der Tagesmode, die das Schöne reflektieren und interpretieren. Bleibt zu hoffen, dass diese Kunsterfahrung vielen auch in Winterthur vergönnt sein wird, wenn die Bonner Auswahl in der Heimat wieder ihren stillen Glanz verstromen kann.

Die Ausstellung „Gipfeltreffen der Moderne. Das Kunstmuseum Winterthur“ ist noch bis zum 23. August zu besichtigen. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



15.07.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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24.04.2009, Gipfeltreffen der Moderne - Das Kunstmuseum Winterthur

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Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

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Die Sammlung im Neubau des Kunstmuseums Winterthur
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Die Sammlung im Altbau des Kunstmuseums Winterthur
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Kunstmuseum Winterthur, Neubau
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Kunstmuseum Winterthur, Altbau
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Vincent van Gogh, Le facteur Joseph Roulin, 1888
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Die Sammlung im Neubau des Kunstmuseums Winterthur

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Die Sammlung im Altbau des Kunstmuseums Winterthur

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Kunstmuseum Winterthur, Neubau

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Kunstmuseum Winterthur, Altbau

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