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Fortschritt hieß seine Devise – gewachsene Städte waren ihm ein Graus: Im Berliner Martin-Gropius-Bau wird der Jahrhundertarchitekt Le Corbusier als Universalgenie voller Widersprüche präsentiert

Umstrittener Visionär der Moderne



Seine kubusförmigen schwarzen Ledersessel, seine elegant gekurvte Chaise Longue mit Nackenrolle und seine lichtdurchfluteten weißen Villen mit Sonnendeck und Schiffsreling auf dem Dach gelten bis heute als Prototypen der Moderne. Zeitlos schön und über jeden Zweifel erhaben. Das ist der eine Le Corbusier. Ein Mann mit Geschmack und Sendungsbewusstsein, der für die technisch-künstlerische Elite seiner Zeit aus elementaren Formen Möbel und Häuser erschaffen hat, die ein „neues Zeitalter“ einleiten sollten.


Derselbe Mann jedoch verstieg sich in seinen Äußerungen und Schriften, Projektzeichnungen und Architekturmodellen auch zu Vorstellungen und Forderungen, die zumindest aus heutiger Sicht zum Glück nur punktuell verwirklicht wurden. Die historisch gewachsene Stadt – namentlich Paris – mit all ihrer ablesbaren Geschichte, den jahrhundertealten architektonischen Schichtungen, ihren engen Gassen und dicht an dicht lebenden Menschen empfand er als anachronistisch und verfault, unhygienisch und moralisch fragwürdig. Das Pittoreske hatte für ihn endgültig ausgedient.

Bis auf wenige Monumente hätte er das alte Paris am liebsten abgerissen, historische Viertel wie das Marais dem Erdboden gleichgemacht. Die dunklen Gassen sollten durch ein quadratisches Netz bis zu 120 Meter breiter Straßen ersetzt werden. Die kleinteiligen Miets- und Geschäftshäuser durch gigantische, kreuzförmige Wolkenkratzer und Wohnmaschinen mit kristallinen Glasfassaden und monotonen Einkaufspassagen. Zugegeben, die großzügige Begrünung der Freiflächen hat Le Corbusier mitgedacht. Doch hätte er seine radikalen Pläne jemals realisieren können, wäre Paris wohl zum Paradebeispiel für die Unwirtlichkeit der Städte geworden.

Doch Le Corbusier war nicht nur ein architektonischer Visionär sondern auch ein guter Rhetoriker und Selbstvermarkter. Man darf sich daher zu Recht fragen, wieviel bewusste Provokation in seinen utopischen Plänen steckte. Pathos und Emphase lagen dem Mann mit der Fliege und der zu seinem Markenzeichen gewordenen schwarzen runden Brille einfach näher als abwägende intellektuelle Diskurse.

Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt jetzt in einer mit 380 Exponaten extrem materialreichen Ausstellung die vielen Facetten des 1887 im schweizerischen Jura geborenen und 1965 bei einem Badeunfall an der Côte d’Azur ums Leben gekommenen Jahrhundertarchitekten. Der eklektizistische Neorenaissancebau wird mit dieser Ausstellung zum Tempel der Moderne: Zeichnungen und Baupläne, Originalmöbel, Skulpturen und Gemälde, Reisemitbringsel aus aller Welt und Erstausgaben seiner rund 50 Buchpublikationen zeigen, dass Le Corbusier weit mehr war als ein bloßer Konstrukteur von Gebäuden. Gemälde von Freunden und Weggefährten wie Fernand Léger und Pablo Picasso, Möbel von Jean Prouvé und Charlotte Perriand verorten ihn als eine künstlerische Persönlichkeit, die immer auf der Suche nach kultureller Zeitgenossenschaft war – weit über die engen Zirkel der Architektenkollegen hinaus.

Bereits als junger Mann unternimmt Charles-Édouard Jeanneret – den Künstlernamen Le Corbusier legt er sich erst 1923 in Paris zu – ausgedehnte Reisen. In Wien fasziniert ihn die avantgardistische Musik Gustav Mahlers. Er besucht Josef Hoffmann und Gustav Klimt. In Berlin arbeitet er für sechs Monate als Chefzeichner im Großbüro des Architekten Peter Behrens. Enttäuscht über die dort praktizierte „Kapitulation der reinen und edlen Kunst“ zugunsten der effizienten Abarbeitung von Großaufträgen für Industrie und Regierung, verlässt er Berlin wieder. Le Corbusier blieb Zeit seines Lebens ein Reisender. Getrieben von seiner unstillbaren Sehnsucht nach Neuem, nach Anregungen, aber auch nach Anerkennung und Aufträgen, bereist er Afrika und Brasilien, Indien und die USA. Zu seinen wichtigsten realisierten Bauten gehören die Regierungsgebäude der nordindischen Bundeshauptstadt Chandigarh und die 1955 fertig gestellte Wallfahrtskirche im französischen Ronchamp – bis heute Pilgerorte für Architekturfans aus aller Welt.

Die Berliner Ausstellung zeichnet Le Corbusiers Weg durch das 20. Jahrhundert in drei Kapiteln nach: „Contexts“ thematisiert Wohnorte und Reisen. „Privacy and Publicity“ zeigt seine stilprägenden Beiträge zum modernen Design und zur Wohnkultur. Und „Built Art“ verortet ihn als plastischen Künstler, dessen Bauwerke letztlich benutzbare Skulpturen sind. Prophet oder Scharlatan? Poetischer Modernist oder gnadenlos unterkühlter Rationalist und Verfechter menschenfeindlicher Wohnmaschinen? Die absolut sehenswerte Berliner Ausstellung liefert für jede dieser Lesarten genügend Futter.

Die Ausstellung „Le Corbusier – Kunst und Architektur“ läuft vom 9. Juli bis zum 5. Oktober. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der umfangreiche Katalog mit 500 Abbildungen kostet 79,90 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07



10.07.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


09.07.2009, Le Corbusier: Kunst und Architektur

Bei:


Martin-Gropius-Bau

Bericht:


Le Corbusier als Zeichner in Münster

Bericht:


Balkrishna Doshi im Vitra Design Museum

Künstler:


(eigentlich Charles Édouard Jeanneret) Le Corbusier










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