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Markus Schinwald bei Georg Kargl Fine Arts in Wien

Eingeschnürt in eigene Zwänge



Mit überzeugender Konsequenz hat sich der österreichische Künstler Markus Schinwald seit Jahren der Beobachtung des Mangelwesens Mensch verschrieben. Er spürt ihm nach an der Schwelle zu Brüchigkeit und Zwang, im Zustand von Ereignislosigkeit und während eines sinnentleerten Tuns. Dem Dunklen, Geheimnisvollen, Nichterklärbaren, den Sehnsüchten und menschlichen Abgründen, Pathos und Geste, vagen Leidenschaften und diffusen Ängsten, dem Zwischenmenschlichen und nicht zuletzt der rätselhaften Symbiose von Körper und Raum gelten seine multimedialen Eingriffe. Nach ersten musealen Präsentationen in Zürich und Wien im Jahr 2008 und einer Einzelausstellung im Kunsthaus Bregenz in diesem Frühjahr, zeigt Schinwald derzeit eine kleine Auswahl neuerer Werke bei Georg Kargl Fine Arts in Wien.


Dunkle Töne, Stille, Leere, ernste Gesichter, Isolation, Melancholie, Slapstick und Pose, Ruhe und Spannung, Bewegungslosigkeit und spastisches Zucken, Obsession und Zwang, Schmuck und Prothese, Verzauberung durch Schaudern – es sind vielfältige und divergierende Assoziationen, die sich beim Betrachten der Werke von Markus Schinwald einstellen. Die Phänomenologie eingeengter Körperlichkeit und die Beobachtung der kulturellen Zwänge, die den menschlichen Körper formen und verformen, bieten dem österreichischen Künstler ein weites Feld für seine betörenden wie verunsichernden Interventionen.

Als Sohn einer Lehrerin und eines Schulinspektors wurde Markus Schinwald 1973 in Salzburg geboren. Der heute in Wien und Los Angeles lebende Künstler, arbeitete bereits mit fünf Jahren als Statist an der Oper und kam über Mode und Theorie zur bildenden Kunst. Nach Ausstellungsbeteiligungen und monografischen Schauen auf nationaler wie auch internationaler Ebene gilt er als einer der wichtigsten österreichischen Künstler seiner Generation.

Für seine aktuelle Präsentation bei Georg Kargl hat sich Markus Schinwald erneut für eine Choreographie unterschiedlicher Medien entschieden: Im Eingangsbereich trifft der Besucher auf eine aus Holz, Leder und zwei über Kreuz montierten Stuhlbeinen gefertigte Installation. Schinwald hat Tische im Stil des englischen Chippendale zerlegt, die Beine neu zusammengesetzt und elegant arrangiert. In unmittelbarer Nachbarschaft hängen kleinformatige Wolkenlandschaften aus der Serie „Skies“ von 2009, schwarz gerahmt und in Petersburger Hängung. Auf manipulierte Möbelstücke trifft man auch im Untergeschoß der Galerie: hier hat Schinwald die glänzend polierten Tischbeine von „Untitled/sacks No 1-3“ in weiße Säcke gesteckt und diese an die Wand gehängt. Die schlanken, nur teilweise sichtbaren Versatzteile stimulieren Vorstellungen von sezierten Tierbeinen ebenso wie sexuelle Assoziationen.

Dann folgt eine Installation mit fünf weißen Figuren, deren quaderförmige Körper unverkennbar an die Comic-Figur „Sponge Bob“ erinnern. Deren Bäuche nutzt Schinwald als monumentale Staffeleien für fünf kleinformatige Gemälde. Allesamt Portraits, die der Künstler durch subtile Manipulationen, die er von einem Restaurator ausführen ließ, veränderte. Ein Bildnis zeigt beispielsweise eine Frau in schwarze Robe, deren Augen durch ein schwarzes Tuch oder ein Lederkappe verhüllt sind. Auch auf den anderen Bildnissen ertragen die Dargestellten scheinbar teilnahmslos die hinderlichen Requisiten: Schnüre und Bänder, die wie auf Maß gefertigt wurden und Köpfe und Hälse fixieren. Ein Gemälde zeigt eine Hand, deren Fingerkuppen so unmerklich übermalt wurden, dass sie wie amputiert wirken.

Wie schon in früheren Ausstellungen bindet Markus Schinwald den Betrachter als Requisit in seine Inszenierung mit ein. Im Erkunden der ungewohnten Ausstellungspräsentation wird dieser selbst zum beobachteten Voyeur. Bei der Eröffnung der Ausstellung an einem schwülen Juniabend schlüpften bedauernswerte Helfer in die kastenförmigen Figuren und schwankten als gehende Stellwände, wie Marionetten auf zwei Beinen durch den Raum.

Auch wenn das optische Erscheinungsbild konträr zu Schinwalds bisherigem Werk auftritt und die Bevorzugung von Elementen aus der Populärkultur wie ein radikaler Bruch wirkt, folgt es doch den Bezugspunkten seiner bisherigen Arbeiten. Die architektonische Intervention, die bei Schinwald zugleich zur Prothese wird, bildet Sichtbarrieren und fordert den Betrachter zu eigenen Wegen und Haltungen bei der Betrachtung der Figuren und Gemälde auf. Schinwald forciert „eine Art Pseudo-Narration, in der bestimmte Handlungen zwar angedeutet, aber nicht zu Ende gebracht werden; eine Art künstliche Ruine, so als würde man in einem Drehbuch die Szenen, die die Handlung vorantreiben, einfach weglassen und nur den Rest übriglassen“.

In Anlehnung an Freuds Erkenntnis, dass das Ich vor allem ein Körperliches sei, nicht nur ein Oberflächenwesen, sondern selbst die Projektion einer Oberfläche, stehen im Zentrum von Schinwalds Werken die körpereigenen Zeichen der Kommunikation, die er an Menschen, Puppen und Zwitterwesen erprobt. Seelische Zustände überträgt er in ein physisches Äquivalent. In Gestalt der Puppe und der Marionette, die sich als Leitmotive durch Schinwalds Œuvre ziehen und in der aktuellen Ausstellung in einer populären Variante vorgeführt werden, verbindet der Künstler Themen wie Spiel, Labilität und verhinderte Fortbewegung ebenso wie die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper und seiner Befindlichkeit.

Die Ausstellung „Markus Schinwald“ bis zum 14. August zu sehen. Die Galerie Georg Kargl Fine Arts hat dienstags bis freitags von 11 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und samstags bis 15 Uhr geöffnet.

Kontakt:

Georg Kargl

Schleifmühlgasse 5

AT-1040 Wien

Telefon:+43 (01) 585 41 99

Telefax:+43 (01) 585 41 999



07.07.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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