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Stabwechsel im Hamburger Kunstverein. Florian Waldvogel, seit Januar neuer Direktor im Hamburger Kunstverein, setzt auf Entschleunigung, Prozesshaftigkeit und die Verminderung von Schwellenängsten

Und weise lächelt Buddha



Wer den Hamburger Kunstverein nach einer fast dreimonatigen Umbauphase jetzt zum ersten Mal wieder betritt, reibt sich verwundert die Augen. Dort, wo bis vor kurzem noch die asketisch-strenge Foyergestaltung des documentaerprobten Berliner Architektenduos Kühn Malvezzi den konzeptuellen Takt vorgab, liegt jetzt ein 15 Meter langer, schlafender Buddha aus Holz und Pappe. Überzogen ist der Erleuchtete mit hauchdünner Goldfolie. Aufgestellt hat das monumentale Sinnbild von Ruhe und Weisheit, Sanftmut und Gelassenheit der 1969 geborene Frankfurter Künstler Daniel Milohnic. Florian Waldvogel, seit Januar 2009 neuer Direktor des Kunstvereins in Hamburg, setzt gleich im Entree neue Akzente. Vorhandene Schwellenängste sollen abgebaut und „kunstferne Öffentlichkeiten“ angesprochen werden. Deshalb beginnen die Ausstellungen jetzt auch gleich im ersten Raum. In bester Budenzauber-Tradition wird dem Publikum schon vor dem Kauf der Eintrittskarte ein kleiner Vorgeschmack auf das erlaubt, was drinnen geboten wird. Ob die eher an einen Wellnesstempel erinnernde fernöstlich inspirierte Inszenierung aber wirklich Schwellenängste nimmt und neue Besucherkreise ins Haus lockt, muss sich erst noch erweisen. Doch Zeit genug bleibt dafür: Buddha ist in Hamburg zwar noch nicht ganz im Nirwana angekommen. Aber immerhin bis Silvester 2009 hat der güldene Eye-Catcher noch Zeit, es sich im Eingangsbereich des Kunstvereins gemütlich machen.


Überhaupt die Zeit: Mit Florian Waldvogel, Jahrgang 1969, kehrt im Hamburger Kunstverein eine ganz andere Zeitrechnung ein. Durch die Einführung der jetzt auf allen Drucksachen prangenden Wortmarke „DER KUNSTVEREIN, SEIT 1817“ will Waldvogel die fast 200 Jahre alte Tradition des ältesten deutschen Kunstvereins stärker betonen. Außerdem gibt es jetzt ein kleines Kabinett mit historischen Plakaten, Briefen und Editionen aus dem Archiv des Kunstvereins. Die Öffnungszeiten aber wurden reduziert, die Anzahl der Abendveranstaltungen zurückgefahren. Und auch die zentrale Ausstellung des Bildhauers Kostis Velonis wird bis zum Jahresende dauern – auch wenn sie im Laufe des Jahres noch dialogisch ergänzt wird durch Arbeiten weiterer Künstler.

Für die raumgreifenden Installationen des 1968 in Athen geborenen Griechen hat Waldvogel alle Zwischenwände im Obergeschoss entfernen lassen. Entstanden ist ein großer, Licht durchströmter Raum, der einzig von ein Paar Säulen gegliedert wird. Velonis, der unter anderem mit Zitaten und Versatzstücken des russischen Konstruktivismus arbeitet, gelingt es mühelos, die gesamte Fläche mit seinen bühnenartig ausladenden Skulpturen zu füllen. Fast alle Arbeiten sind hier in den vier Wochen vor Ausstellungsbeginn aus Holz gebaut worden. Eine Art Aussichtsplattform erlaubt Blicke in den Ausstellungsraum, aber auch in den urbanen Außenraum mit seinen historischen Schichtungen – vom Chilehaus bis zu den Kränen der im Bau befindlichen Hafencity.

Inspiriert sind Kostis Velonis’ Installationen von Propagandaarchitekturen der russischen Avantgarde. Gestisch aufgebrachte Malerei und etliche Ergänzungen, etwa in Form von Topfpflanzen, einem gelben Vorhang, Haushaltsgegenständen oder Fundstücken von der Straße, ironisieren die klare Formensprache der einst ideologisch aufgeladenen Revolutionsarchitektur. So vereinnahmen Velonis’ Zutaten die großen Gebärden des Klassenkampfs für einen eher subjektiv geprägten Kosmos privater Erinnerungen, dem allzu lautstark vorgetragene politische Pathosgesten suspekt sind.

Eine weitere Ausstellung im Erdgeschoss des Kunstvereins ist der Pariser Künstlerin Tatiana Trouvé, Jahrgang 1968, gewidmet. Trouvé zeigt architektonische Miniaturmodelle, Zeichnungen und im Maßstab 1:1 realisierte Prototypen von modulartigen Möbeln und Ausstellungsdisplays. Sie entwirft eine ambivalente Objektwelt voller architektonischer Utopien, deren technoide Kühle und rätselhafte Funktionalität aber durchaus auch über ein beklemmendes Potential verfügen.

Florian Waldvogels Hamburger Debüt kann sich ganz sicher sehen lassen. Den Hauptausstellungsraum aber bis Ende 2009 in erster Linie mit den Arbeiten nur eines Künstlers zu bespielen, könnte sich als kapitaler Fehler erweisen. Gerade Kunstvereine stehen für den beständigen Szenenwechsel, für Experimente und frische Positionen. Wird Entschleunigung zum lähmenden Dauerzustand, dann sehnt man sich schnell nach hektischeren Zeiten zurück.

Florian Waldvogel

Florian Waldvogel wurde 1969 in Offenburg geboren. Seit Januar 2009 ist er als Nachfolger von Yilmaz Dziewior der neue Leiter des Hamburger Kunstvereins.

Waldvogel hat an der Frankfurter Städelschule Kunstvermittlung studiert. Er war dort Meisterschüler bei Professor Kasper König. Anschließend hat er fünf Jahre lang als Assistent von Kasper König gearbeitet.

Von 1998 bis 2000 war er als Projektleiter des Kunstprojekts „InBetween“ der EXPO 2000 in Hannover tätig, von 2001 bis 2003 Künstlerischer Leiter der Kokerei Zollverein in Essen. 2004 kuratierte er „Nizza Transfer“, ein Projekt zur politischen Kultur von Skateboarding im öffentlichen Raum Frankfurts. Außerdem war er Co-Kurator von Ausstellungen wie „Just Do It!“ in Linz (2005), der europäischen Biennale Manifesta 6 auf Zypern (2006) und der Kunstausstellung zur Fußball-WM „Das Grosse Rasenstück“ in Nürnberg (2006). Zuletzt kuratierte Waldvogel am Rotterdamer Zentrum für Gegenwartskunst Witte de With.

Die Ausstellungen „Kostis Velonis – How one can think Freely in the Shadow of a Temple“ und „Daniel Milohnic – Sleeping Buddha“ sind bis zum 31. Dezember zu sehen, „Tatiana Trouvé – Bureau of Implicit Activities: archives and projects“ bis zum 21. Juni. Der Kunstverein in Hamburg hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog „Kostis Velonis“ in griechischer und englischer Sprache kostet 10 Euro, „Tatiana Trouvé“ in englischer Sprache 49,80 Euro.

Kontakt:

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

DE-20095 Hamburg

Telefax:+49 (040) 32 21 59

Telefon:+49 (040) 33 83 44

E-Mail: hamburg@kunstverein.de



16.06.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


28.03.2009, Kostis Velonis – How one can think Freely in the Shadow of a Temple

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28.03.2009, Tatiana Trouvé – Bureau of Implicit Activities: archives and projects

Veranstaltung vom:


28.03.2009, Daniel Milohnic – Sleeping Buddha

Bei:


Kunstverein in Hamburg

Bericht:


Lassoschwünge und Puderwüsten

Variabilder:

Kostis Velonis, Installationsansicht Kunstverein in Hamburg, 2009
Kostis Velonis, Installationsansicht Kunstverein in Hamburg, 2009

Künstler:

Tatiana Trouvé

Künstler:

Daniel Milohnic

Künstler:

Kostis Velonis







Kostis Velonis, Installationsansicht Kunstverein in Hamburg, 2009

Kostis Velonis, Installationsansicht Kunstverein in Hamburg, 2009




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