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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kollers Luxusprogramm beeindruckt diesmal vor allem durch Möbel aus deutschen Gefilden

Hoppenhaupts Hofkunst



wohl Johann Christian Hoppenhaupt, Konsole, Potsdam um 1750

wohl Johann Christian Hoppenhaupt, Konsole, Potsdam um 1750

In seiner zweiten großen Versteigerung luxuriöser Möbel und Einrichtungsgegenstände in diesem Jahr legt Koller seinen Schwerpunkt nicht nur auf Paris. Im Gegenteil: Ein exzeptionelles Angebot stellt am 18. Juni in Zürich die höfische Möbelschreinerkunst des 18ten Jahrhunderts in der deutschen Hocharistokratie. An erster Stelle ist hier der preußische Hof in Potsdam und Berlin zu nennen. Johann August Nahl d.Ä., unter Friedrich dem Großen „Directeur des Ornements“, war einer der bedeutendsten Repräsentanten des sogenannten friderizianischen Rokoko. Nach seinen Angaben entstand um 1750/60 ein breiter, von reichem floralem Schnitzwerk gekennzeichneter Schrank, der allenfalls in seiner Frische etwas eingebüßt hat (Taxe 90.000 bis 120.000 SFR). Die Werkstatt Johann Georg Schleunig oder Johann Schnegg arbeitete etwa zur selben Zeit eine vergoldete und teils bunt bemalte Konsole, deren Entwürfe wohl der große Johann Christian Hoppenhaupt lieferte. Dieser trat 1746 die Nachfolge Nahls in seinem Posten an (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR).


Bevor die Ebenistenfamilie der Brüder Johann Friedrich Spindler und Heinrich Wilhelm Spindler ebenfalls 1765 nach Potsdam gezogen wurde, arbeitete sie in ihrer Heimatstadt Bayreuth nicht zuletzt für die berühmte Markgräfin Wilhelmine. Aus der Zeit um 1760 stammt ein hölzernes Paar Kommoden, dessen fast dürftige Bronzeapplikationen durch ein reich intarsiertes Blumenmuster mehr als ausgeglichen wird. Hier werden 200.000 bis 300.000 Franken erwartet. Leicht erkennt man Braunschweiger Produkte an den punktuellen Einlegearbeiten in Elfenbein und Zinn. Der Schöpfer eines stattlichen, überreichen Barockschranks der Zeit um 1720 ist aber leider unbekannt (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Die teuersten Stücke kommen aus Würzburg und Dresden. In letzterer Residenzstadt arbeitete unter anderem Johann Christoph Hesse, dem eine fein ausgewogene, gemaserte Aufsatzsatzschreibkommode mit ausgezeichneten Bronzegriffen zugeschrieben wird. Der Überlieferung nach schenkte Friedrich August II. von Sachsen das Möbel Zarin Katharina II. für die Eremitage in St. Petersburg (Taxe 200.000 bis 400.000 SFR). Die Würzburger Kunst, angeregt durch den dortigen Bau der Residenz, schlug sich unter anderem in einer Folge von sechs gefassten Fauteuils um 1740/50 nieder. Ihr Schöpfer ist allerdings ebenfalls nicht überliefert, dennoch werden 250.000 bis 450.000 Franken erwartet.

Ohne Frankreich geht freilich nichts. Einen ganzen Aufsatz widmet Koller dem Hauptlos der Auktion, das mit 700.000 bis 1,2 Millionen Franken seit langer Zeit einmal wieder die Millionengrenze überschreiten soll: André-Charles Boulles Möbel, das seine Zwitterfunktion schon im dafür verwendeten Fachbegriff „commode en bureau“ verrät. Vom Experten der Boulle-Möbel, Jean Nérée Ronfort, wird aber auch ein gehöriger Anteil der Söhne des Meisters in Anspruch genommen und das Prunkstück auch aus stilistischen Gründen in die Zeit nach 1723 datiert. In welchem Schloss es einst gestanden hat, ist nicht bekannt. Die bahnbrechende Leistung Boulles, das Einlegen von Messingfilets und zum Teil anderer Materialien wie etwa Schildpatt, hatte viele Nachahmungen zur Folge, so etwa zwei Postamente eines unbekannten Schöpfers um 1700/10 (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR).

Die Formen werden umso zierlicher und verspielter, je weiter das 18te Jahrhundert vorrückt. Wohl nach Vorlagen von Nicolas Pineau schuf der Ornamentbildhauer Jean Bernard Honoré Turreau um 1730 eine Wandkonsole mit quirligen Drachen- und Maskaronmotiven (Taxe 130.000 bis 180.000 SFR). Auf spindeldünnen Beinen erhebt sich Mathieu Criaerds Lackdamenbureau mit chinoisen Malereien um 1760, das im Dezember 2008 noch 120.000 bis 180.000 Franken kosten sollte und jetzt bei 90.000 bis 140.000 Franken liegt. Bernard van Risenburghs II. kleines Gueridon von etwa 1750 besticht ebenfalls eher durch die perfekte Verarbeitung der Materialien im Detail und durch seine Eleganz als durch offensichtlichen Prunk (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Mit zarten vergoldeten Bronzen und zahlreichen Blüten schmückte Pierre Roussel etwa zur gleichen Zeit eine Kommode (Taxe 135.000 bis 185.000 SFR).

Auch weniger teure Möbelstücke verdienen Aufmerksamkeit, so ein blumengeschmückter Sekretär, den der aus Köln stammende Jean-Pierre Latz um 1750 geschaffen haben soll (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR), eine dem Prunk seiner Zeit gegenüber fast provokativ schlichte Kommode Etienne Clavels um 1740/50 (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR) und eine weitere Kommode mit auffallendem Zentralmedaillon Hubert Hansens, der in seiner kurzen Schaffenszeit einige herausragende Stücke ersten Ranges, aber auch manche Massenware auf den Markt brachte (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR). Mit zarten Blattranken verzierte Brice Péridiez in jener Zeit einen kastenförmigen Sekretär (Taxe 72.000 bis 92.000 SFR).

Gegen Ende des Jahrhunderts beruhigen sich die Formen bekanntlich wieder – und die Möbel werden bei Koller auch wieder etwas günstiger. Eine vermutlich von Roger Vandercruse stammende Kommode mit kastenförmigen Rahmenleisten über diagonalem Furnier um 1775 soll 45.000 bis 75.000 Franken kosten. Ganz dem höfischen Stil des Louis XVI entspricht eine folge von vier gefassten Fauteuils mit der Signatur Jean-Baptiste Boulards um 1780. Ein ganz ähnliches Ensemble desselben Meisters beherbergt heute das Schlafzimmer des Dauphins im Schloss Versailles (Taxe 65.000 bis 95.000 SFR). Italien, das wie die deutschen Kunstschreiner nur am Rand an dieser Entwicklung teilhaben konnte, schickt an dieser Stelle eine stilistisch vergleichbare Folge von vier Armlehnstühlen wohl von Giuseppe Maria Bonzanigo, deren Schätzung gegenüber dem vergangenen Dezember von 160.000 bis 260.000 Franken auf 100.000 bis 150.000 Franken gesunken ist.

Ein wenige Jahre jüngerer Schreibsekretär Fidelis Scheys (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR) und eine Kommode des Meisters Guillaume Beneman um 1790/95 haben dagegen alles Ornamentale schon gänzlich abgestreift (Taxe 50.000 bis 90.000 SFR). Bereits dem Empire gehört ein runder Tisch aus einer unbekannten Pariser Werkstatt um 1815/20 an (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Im 19ten Jahrhundert treten aber wieder zunehmend die Stilformen früherer Epochen zutage. Halb noch auf der Schwelle zum Biedermeier steht ein delphingeschmückter Sekretär, den der Rostocker Meisters Friedrich August Klünder 1842 für die Orangerie des heute zerstörten Schlosses in Neustrelitz arbeitete (Taxe 14.000 bis 24.000 SFR). Mit einer Neurokokokommode, die François Linke im frühen 20sten Jahrhundert nach einem Modell Antoine-Robert Gaudreaux’ überschwänglich erstellte (Taxe 60.000 bis 100.000 SFR), einem Boulle-Tisch, um 1860 signiert mit „Gerard“ (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR), und zwei großen Armlehnsesseln vermutlich aus dem kolonialisierten Indien um 1870 ist der Historismus endgültig erreicht (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR).

Die Chronometer beginnen mit einigen Tischuhren, so wohl von dem Augsburger Jacob Widenmann 1662 mit fein gravierten Silberfeldern und Johann Simon Betzmayr aus Danzig in eleganten Rokokoformen um 1750 (Taxen je 40.000 bis 70.000 SFR). Der bedeutende Modelleur Jean-Joseph de Saint-Germain arbeitete mit verschiedenen Uhrmachern zusammen, unter anderem um 1750 mit Baltazar Martinot, dessen rundes Zifferblatt ein Dromedar fast zu Boden drückt (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Die Auswahl an Zeitmessern ist im Allgemeinen aber weniger reich als sonst, ein höher bewertetes Stück findet sich erst wieder in der Zeit um 1775/80 mit einer Gemeinschaftsarbeit Nicolas Petits als Entwerfer des Gehäuses, der Uhrmacherfamilie Lepaute und mit Bronze wohl von Etienne Martincourt (Taxe 120.000 bis 200.000 SFR). Jean-François Denière wird eine Pendule von etwa 1810/15 zugewiesen, die lediglich aus einer Büste der Urania mit einem Zifferblatt an ihrer Brust besteht (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR).

Komplett von Gold überzogen ist ein Paar Kaminböcke in Form eines Adlers und eines Salamanders, das Charles Cressent zugeschrieben wird (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Drei leicht bekleidete Musikantinnen mit Trompeten betätigen sich seit circa 1810 als Trägerinnen eines sogenannten Brûle-Parfum. Schöpfer des Rauchgefäßes war Claude Galle, der für viele ähnliche Objekte verantwortlich zeichnet (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Unter den Tapisserien ist vor allem ein spätgotisches Fragment der zweiten Hälfte des 15ten Jahrhunderts zu nennen, wenngleich das darauf abgebildete Martyrium des heiligen Bartholomäus ob seiner Grausamkeit vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Gefälliger dürfte eine Arbeit der Manufacture d’Aubusson sein, die um 1760 die Begegnung zwischen Telemach und Calypso nach den Erzählungen des französischen Erzbischofs François de Salignac de La Mothe-Fénelon illustriert (Taxe 60.000 bis 100.000 SFR).

Die Auktion beginnt am 18. Juni um 10 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.kollerauktionen.ch einsehbar.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch



15.06.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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