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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Zeitgenössische Kunst bei Lempertz

Kunstentgrenzungen



Drei Meter und zwölfeinhalb Zentimeter ist Kenneth Nolands „Ranging“ breit, aber nur zehn Zentimeter hoch. Der amerikanische Minimalist demonstrierte mit diesem Acrylbild 1969, dass der Glaube an die feststehende Grenze eines Kunstwerks eigentlich abstrus ist – und führt diese traditionelle Vorstellung sozusagen mit ihren eigenen Mitteln ad absurdum. Den Schritt zur wirklichen Erweiterung des Kunstbegriffes und damit der dafür notwendigen Mittel ist der klassische ausgebildete Maler freilich nicht gegangen. Da muss man bei Lempertz, wo das Gemälde am 28. Mai für 30.000 bis 40.000 Euro zum Aufruf kommen wird, auch ein bisschen warten müssen. Erst mit Fabrizio Plessi ist diese Entgrenzung wirklich vollzogen. Sein „Bombay-Bombay“ von 1995 besteht aus einer Reihe waagrecht liegender Eisenschränke, in die sechs Fernsehmonitore eingelassen sind und aus denen weiße indische Baumwollsäcke hängen. Zu sehen ist auf den Bildschirmen der Ganges als ein endloser Fluss von Raum und Zeit und damit natürlich als ein Symbol. Das zugehörige Plättschern des Wassers gehört ebenfalls schon zur Ausstattung. Immerhin 480 Zentimeter misst auch diese Skulptur in ihrer größten Ausdehnung und kosten soll sie 160.000 Euro.


Ansonsten dominieren die klassischen Bildgattungen auch diese Kölner Auktion, die sogar bis auf Ernst Wilhelm Nays gegenständlichen „Halbakt“ aus dem Jahr 1927 zurückreicht. Der Einfluss des Lehrers Adolf Hofer ist unverkennbar (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Aber einige weitere Durchbrechungen dieser Grenzhaftigkeit gibt es dann doch noch. Am ehesten Christian Boltanskis Installation „Le Lycée Chases“ von 1986/88 mit einer auf zehn Biskuitdosen montierten gerahmten Schwarzweißfotografie eines verschwommen Gesichts, die beständig von einer schummrigen Schreibtischlampe angeleuchtet wird (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Drei Gemälde und fünfzig Mindboxen breiten sich in Les Levines Installation „See Your Mind“ 1995 auf über fünf Metern aus. Der Weg von der Pop Art ist nicht weitgewesen (Taxe 20.000 EUR). Aus einer Schaufensterpuppe, Holzschuhleisten, einem Koffer, einer Lampe und anderen Gegenständen besteht Daniel Spoerris „Schuhleistenfetischist“ aus dem Jahr 1989 – in ästhetischer Hinsicht auf jeden Fall kein Genuss (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Gérard Deschamps stellte in jungen Jahren 1961 eine Assemblage verschiedener Stoffbahnen zusammen, die eine reizvolle Farbmischung ergeben (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR).

Jörg Immendorff blieb trotz aller Strömungen ein gegenständlicher Maler alter Schule. „Ölige Freunde“ von 1983 ist ein virtuoses Stück, in dem das mehrfach auftretende Motiv des Adlers auf eine politische Konnotation schließen lässt (Taxe 50.000 EUR). Später wurde ihm der Affe zum Alter Ego, er taucht im „Affendorf“ und in „Deutsch Dreck“ 2005 gleich mehrfach auf (Taxen je 20.000 bis 25.000 EUR). Von Markus Lüpertz kommen rund zwanzig Gemälde und Zeichnungen zum Aufruf, darunter das Ölbild „Himmelfahrt oder die Seele der Gemarterten entweicht“ von etwa 1987 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und fünf unbetitelte Gouachen aus den Jahren um 1970 zwischen 8.000 und 12.000 Euro. Dieser Weg wird von Albert Oehlen weitergegangen, wobei sein neoexpressionistisches „Krokodil“ um 1981 ohnehin etwa zur gleichen Zeit wie die reifen Werke Lüpertz’ und Immendorffs entstanden ist. Als ein bedeutendes Frühwerk des Künstlers trägt es die anspruchsvolle Schätzung von 60.000 bis 80.000 Euro.

Ganz unverkennbar Sigmar Polke ist ein unbetiteltes Rasterbild von 1986, durch das ein einfacher Blumenstrauß seine gedeckten Farben hinüberleuchtet (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Einer der Jüngsten im Bunde ist Kultstar Jonathan Meese, hier mit seiner collagierten und assemblagierten Malerei „Der Pseudomönch des netten Handwerks“ von 2006 vertreten (Taxe 40.000 EUR). Norbert Bisky wird dagegen seinen immer gleichen Malstil und seine einseitigen Themen noch ein wenig erweitern müssen, um wirklich in die erste Liga aufzusteigen. Mit purer Erweiterung seiner Formate – „Wirbel“ von 2005 misst über zwei mal vier Meter – schafft er keine Erhöhung seines Flächenpreises (Taxe 40.000 EUR). Bei Eberhard Havekost hat man sich an Ausschnitte aus dem alltäglichen Leben gewöhnt, der der 1967 geborene Dresdner in matten Farben festhält, so 1997 seine Häuserecke auf kleiner Leinwand (Taxe 20.000 EUR). Cornelia Schleime ist da oft auf kleine, vielleicht immer ein wenig ungehörige Mädchen abboniert. 2002 lässt sie die junge Alice fast im Ornament von Tapete, Kleid, Couchbezug und Kissen verschwinden (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Das reiche Angebot der Abstrakten wird von Damien Hirsts lackiertem Punktebild „Dicetyl Phosphate“ aus dem Jahr 2005 angeführt, mit 280.000 bis 320.000 Euro eine der beiden teuersten Einlieferungen der Auktion. Es folgen Sam Francis’ kleines blaues Ölbild „No. 70 Comment“ aus dem Jahr 1960 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und eine eher kleine, unspektakuläre Farbverschiebung Gerhard Richters von 1983 (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Ein Jahr darauf übermalte derselbe Künstler eine Schallplatte der Goldbergvariationen in der Interpretation des Pianisten Glenn Gould mit seinen wilden Farbspielereien (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Aus deutscher Sicht ist ferner Peter Brünings experimentell anmutende „Nr. 13/65“ zu erwähnen, die Assoziationen irgendwo zwischen Zellstrukturen und Straßenatlas evoziert. Man kennt den Künstler eher als Schöpfer gestischer Schmierbilder in meist gedeckten Farben wie die „Nr. 100“ von 1961. Vom Ansatz her ähnlich sind Karl Otto Götz’ bewegte Farbstrudel und -stränge „Ukosilma“ von 1959 und die umstürzenden Striche, die Hans Hartung in seinem partiell geschabten Ölbild „T 1963 – U 12“ auf dunklem Grund nebeneinander gestellt hat (Taxen alle zwischen 20.000 und 25.000 EUR).

Zu den schönsten Werken zählen zwei Farbflächenbilder Georg Meistermanns unter den Titeln „Schwinge auf farbigem Grund“ (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR) und „Lichtes Grau“ (Taxe 10.000 EUR), deren Verbindung zur Glasmalerei nicht zu übersehen ist. Fritz Winters Werk teils sich in eine mittlere und eine späte Arbeit auf. Erstere stammt aus dem Jahr 1949 und zeigt „Moränensteine“. Man hat den Eindruck, Naysche Augen blickten hier durch (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Das 1966 entstandene zweite Werk ist die große Leinwand „Räume vertikal – mit Rot“, das man getrost zu den besten Gemälden des Meisters zählen kann (Taxe 65.000 bis 75.000 EUR). Victor Vasarely hat mit „Basilan“ und „Locmaria“, beide aus den frühen 1950er Jahren, ebenfalls zwei Arbeiten der mittleren Schaffensperioden parat, die noch nicht aus der späten geometrischen Strenge, sondern aus ovaloiden Formen in hart gegeneinandergesetzten Farben bestehen (Taxen zwischen 60.000 und 80.000 EUR).

In den Traditionen der klassischen Skulptur steht der frühe Joseph Beuys mit einem der wenigen Exemplare seines berühmten „Sonnenkreuzes“ von 1947/48 (Taxe 150.000 bis 170.000 EUR). Da hat sich Bernhard Heiliger mit seiner hängenden Bronze „Gefiederter Mond“, die eher an einen Tierschädel mit Sensoren erinnert, 1964 weiter in die Abstraktion gewagt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Ein wahres Ungeheuer stellt dann Lynn Chadwicks „Beast XIII“ von 1958, das die überlieferte Tierskulptur durch die Formung aus geometrischen Figuren weiterentwickelt (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Und fürchten muss man sich auch vor der schieren Größe von Niki de Saint Phalles über drei Meter hoher Gartenplastik „Buddah“ von 2000/01 mit einer bunten Oberfläche aus Keramik, Glas und Kieselsteinen (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR).

Bei Stephan Balkenhol wird die Figürlichkeit wieder konterkariert: Im klassischen Kontrapost steht seine Frau auf einem überdimensionalen Holzsockel – und ist doch ein ganz normaler, namenloser Mensch ohne erkennbare Bedeutung (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), ebenso sein Mann auf der Ladefläche eines viel zu kleinen Transportwagens aus dem Jahr 1999 (Taxe 35.000 EUR). Heribert C. Ottersbach häufte 1995 einfach einen Klotz Bronze aufeinander, der nur in den Umrissen noch menschliche Formen erahnen lässt (Taxe 20.000 EUR). Andreas Slominskis putziges Holzautochen entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als funktionstüchtige Mausefalle (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Nicht Skulptur, nicht Relief, nicht Gemälde ist Antoni Tàpies’ „Matter on a Stretcher“ mit Sandbeimengung (Taxe 80.000 EUR), und auch nicht Günther Ueckers Nagelbild „Bewegtes Feld II“ aus dem Jahr 1963: Im feinen Schwung der unzähligen Nägel zerfließen alle Gattungsbegriffe zu nutzlosen Chimären (Taxe 80.000 EUR).

Hiroshi Sugimoto führt die Zeitgenössische Fotokunst an, die Lempertz seit einigen Jahren mit der Bildenden Kunst versteigert. Diesmal ist er vorwiegend mit seinen verschwommenen Ansichten wichtiger Bauten vertreten, etwa dem Café De Unie in Rotterdam des De Stijl-Architekten Jacobus Johannes Pieter Oud (Taxe 10.000 EUR) oder den kantigen Wolkenkratzern „Satellite City Towers“ (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Viel klarer und unprätentiöser gehen da Bernd und Hilla Becher ans Werk, wenn sie 1965 den Gasbehälter der Grube „Anna“ bei Aachen frontal, mittig und mit dokumentarischem Charakter ins Bild setzen (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Gregory Crewdson liebt dagegen wieder das theatralisch aufgeladene, fast bedrohliche Bild, was seine beiden inszenierten „Production Stills“ verdeutlichen (Taxen 2.500 und 3.000 EUR), ebenso wie Loretta Lux im Jahr 2000 ihr „Portrait of a Girl 2“ tiefgründig unterfüttert hat (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Da lässt Duane Michals 1972 in seiner vierteiligen Folge „The true identity of man“ besagten Mann in einer Zimmerecke lieber gleich ganz verschwinden (Taxe 3.500 EUR). Nicht ohne Humor kommt auch Laurie Simmons aus, wenn sie in ihren Fotoarbeiten tradierte Rollenmuster aufgreift und dafür handelsübliche Puppen auf menschliche Größe projiziert, wie in „Ready Kilowatt von 1988 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Gesellschaftskritik der eher drastischen Art übt Thomas Hirschhorn, wenn er zwei Werbeschönheiten für Gucci-Brillen mit dem Kadaver eines Menschenkopfs collagiert (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Ähnlich unappetitlich geht es auf den 60 Gelatinesilberabzügen zu, die Ludwig Hoffenreich und Franziska Cibulka von Rudolf Schwarzkoglers Aktionen der Jahre 1965 und 1966 aufnahmen. Das 1982 bei der Galerie Krinzinger erschienene Portfolio soll 14.000 bis 16.000 Euro einspielen.

Die Auktion beginnt am 28. Mai um 10:30 Uhr. Die Vorbesichtigung hat bis zum 26. Mai täglich von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17:30 Uhr, am 27. Mai von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



26.05.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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28.05.2009, Zeitgenössische Kunst + Photographie

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