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Moderne und zeitgenössische Kunst bei Van Ham

Neues aus der Sammlung Hess



Ernst Ludwig Kirchner, Drei Akte im Wald, 1912

Ernst Ludwig Kirchner, Drei Akte im Wald, 1912

Trotz Krise und zurückhaltender Einlieferungspolitik hat das Kölner Auktionshaus Van Ham für den 27. Mai wieder einige erstklassige Kunstwerke der Moderne und Gegenwart aufgetrieben. Im Mittelpunkt steht ein Gemälde Ernst Ludwig Kirchners, das sich seit rund siebzig Jahren in rheinischem Privatbesitz befand. Wie bei so vielen Gemälden des Expressionismus ist auch hier die Provenienzgeschichte belastet. Einst gehörte es dem jüdischen Schuhfabrikanten Alfred Hess, der nach Meinung von Experten die vielleicht bedeutendste Sammlung deutscher Expressionisten besaß, die es je gegeben hat, und zu der auch die 2006 vom Land Berlin restituierte und in New York für 34 Millionen Dollar versteigerte „Berliner Straßenszene“ von 1913/14 gehörte. Doch die Parteien – Einlieferer und Erbengemeinschaft – haben sich nach Auskunft des Hauses geeinigt, und so kann sich der zukünftige Besitzer wohl ungestört der drei Akte im Gehölz erfreuen. Kirchner malte die mittelgroße Leinwand 1912 während seines unbeschwerten und durch die Geliebte Erna Schilling versüßten Fehmarn-Sommers, als er nach eigenen Worten künstlerisch zu „absoluter Reife“ gelangt war. Mit 400.000 bis 600.000 Euro ist es das teuerste Los der Auktion und lässt preislich noch Luft nach oben.


Moderne

Zahlreiche expressionistische Künstler der ersten Reihe sind bei Van Ham vertreten. Ins selbe Jahr wie Kirchners Akte datiert Hermann Max Pechsteins aquarelliertes Tuschestillleben mit afrikanischer Figur und Pfeife (Taxe 19.000 bis 22.000 EUR). 1917 während eines Lazarettaufenthalts lernte Otto Mueller eine gewisse Sibylla Goerger kennen und bat um die Erlaubnis, ihre beiden reizenden Töchter Helga und Eva zu portraitieren. Zwei Fassungen in Aquarell und Gouache sind erhalten, von denen die erste für 20.000 bis 25.000 Euro zur Disposition steht. Eine merkwürdige Ausnahmeerscheinung im Werk Otto Dix’ ist sein Aquarell „Steinkohlezeit“ von 1922, auf dem sich verschiedenste saurierartige Untiere zu Wasser, Land und Luft ein Stelldichein geben. 40.000 bis 50.000 Euro müssen vor allem Freunde des Kuriosen mitbringen. Durch wenige Striche mit dem Tuschpinsel warf Paul Klee 1929 einen Reiter mit Lanze aufs Papier, der einem Don Quichotte alle Ehre machen würde (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Alexej von Jawlensky, einst ein Hauptprotagonist des Münchner Expressionismus, war im Alter auf kleine und kleinste Formate beschränkt. Neben zahlreichen Meditationen gibt es gelegentlich auch noch ein Stillleben, so 1936 ein flächiges Ölbild mit zwei blauen Vasen, Blumen und Enzianschale (Taxe 85.000 bis 95.000 EUR). Weniger bekannte, aber kaum weniger bemerkenswerte Künstler dieser Zeit sind etwa Josef Eberz, dessen romantische „Mondnacht in Mojano“ um 1920 durch düster leuchtende Farbigkeit beeindruckt (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR), oder der Kölner Otto Nückel, dessen „Schutzmann“ 1928 groß und beherrschend auf der Kreuzung den von Autos und Fußgängern gebildeten Verkehr einer geschäftigen Vorstadtsiedlung regelt (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Adolf Erbslöhs Lieblingsfarbe Grün dominiert auch seine Pappeln am Fluss von 1917 oder früher (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Den Berliner Secessionisten gehörte Dora Hitz. Ihre fortschrittliche, vom Impressionismus geprägte Malweise wird auch in den „Zwei Frauen am Brunnen“ deutlich, die zum zweiten Mal mit reduzierter Schätzung von 5.500 bis 7.000 Euro auftreten.

Beachtlich ist die Reihe von Frühwerken diverser Künstler. Paul Baum malte 1884 in Verwandtschaft zu Liebermann eine holländische Landschaft mit Windmühle noch ohne jede pointillistische Farbzerlegung (Taxe 11.000 bis 13.000 EUR). Wilhelm Thönys Schaffen ging durch einen tragischen Brand 1948 weitgehend verloren, umso wertvoller ist die „Dame im Kimono“ aus dem Jahr 1913, eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse aus seiner Zeit in München, wohin sich der Österreicher 1907 begab (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Der etwa 18jährige Max Ernst schuf gegen 1909 zu Beginn seines Kunststudiums in Bonn eine kleine Ansicht der „Rabenburg“. Durch das Dräuende der abendlich beleuchteten Burgruine mit den umherschwirrenden schwarzen Vögeln scheint fast noch ein wenig der Böcklinsche Symbolismus durch (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Als gegenständlicher Maler hatte auch Emil Schumacher begonnen. 1948 gehörte er zu den Mitbegründern der Künstlergruppe „junger westen“, eine neue Schaffensphase begann, die später zum Informel führte. Aus diesem Schwellenjahr stammt sein „Hühnerhaus“, in dem sich die Dinge allmählich in Farbflächen auflösen (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Der Niederländer Bart van der Leck ist bei Van Ham unter anderem mit dem 1917 datierten Aquarell „Bauer mit Pflug“, das zwischen expressionistischer und abstrakter Formensprache pendelt (Taxe 20.000 bis 22.000 EUR), sowie zwei Entwurfszeichnungen für moderne Interieurs aus den 1930er Jahre zugegen (Taxen je 2.000 bis 2.500 EUR), die dann wie vier Kacheln schon auf seine Mitgliedschaft in der Gruppe „De Stijl“ verweisen (Taxe je 3.000 bis 5.000 EUR). Sein Landsmann Harmen Hermanus Meurs offenbart sich in seinem weiblichen Halbakt, vermutlich 1932 entstanden, als einer der wenigen bedeutenden Neusachlichen seiner Heimat (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Charakteristisch für Willi Baumeister ist das „Relief-Bild farbig“, 1953 zwei Jahre vor dem Tod des Künstlers in Stuttgart entstanden (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Ebenso eine „Landschaft bei Stuttgart“, die Ida Kerkovius in hohem Alter 1962 mit breitem Pinselstrich von ihrer Wahlheimat aufnahm (Taxe 17.000 bis 22.000 EUR). Serge Poliakoff schickt eine „Composition rouge et grise“ von etwa 1960, in Maßen, Maltechnik und Schätzpreis von 35.000 bis 40.000 Euro eher zu seinen Gelegenheitsarbeiten zu rechnen.

Die menschliche Figur steht im Mittelpunkt der Skulpturen. Alexander Archipenko hat die dicht beieinander stehenden und knienden Frauenakte in seiner Fayencefassung von „Feminine Solitude“ von 1921 als innige geistige Zweisamkeit geschaffen (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). In sich versunken ist auch Joseph Enselings Bronzefigur „Trauernde Frau“ aus dem Jahr 1929, ursprünglich als Teil eines Kriegerdenkmals in Essen gedacht (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Diego Giacometti stand lange im Schatten seines Bruders Alberto, trat jedoch seit 1939 auch mit eigenen bildhauerischen Arbeiten hervor. Außerdem überlebte er den ein Jahr Älteren um fast zwanzig Jahre, und Berühmtheit erlangten vor allem seine späten Werke wie eine zwischen Kunst und Design vagierende Eulenleuchte um 1980 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Zeitgenossen

Rund zweihundert weitere Werke sind der zeitgenössischen Kunst zuzuordnen. Ein paar alte Bekannte sind darunter, vor allem Van Hams Dauergast Sigmar Polke, wenn auch diesmal nur mit einer eher zweitrangigen Mischtechnik ohne Titel von 2000, auf der sich zwei hart konturierte Cowboys im Dickicht verschiedener Farbschlieren verirrt haben (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Zum Standard gehören auch eine von den 150 „Vermalungen (grau)“, die Gerhard Richter 1971 schuf (Taxe 26.000 bis 32.000 EUR), ein rotschwarzer und an der Nase gestreifter „Kopffüßler“ Horst Antes’ an dem Jahr 1968 (Taxe 26.000 bis 28.000 EUR), Hans Hartungs Strichzeichnung Nummer „P1967-115“ (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR) oder auch Sam Francis’ nur am Rand bemaltes und in der Mitte ein paar Mal bekleckstes Acrylbild auf Papier von 1965 (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR). Christo stellte sich den Kölner Dom 1980/84 komplett verpackt vor, wovon noch eine gekonnte Zeichnung in Öl und Kreide zeugt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Doch es sind auch aufregendere Angebote dabei. So eines der heute eher seltenen Vorkriegsbilder Ernst Wilhelm Nays, betitelt „Der Diamant“, auf pechschwarzem Grund mit allerlei kryptischen Zeichen belegt und 1933 in einer Zeit entstanden, als man derlei obskure Dinge besonders liebte (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR). Informelle Farbspiele gibt es dann von Raimund Girke in Blau aus dem Jahr 1956 für 8.000 bis 10.000 Euro und von Fred Thieler in Rotschwarz aus dem Jahr 1965 mit „R.S.-Dunkel (Dark) N.Z.“ für 22.000 bis 25.000 Euro. Als eher finstere Gestalt ist Bernard Buffet in die Kunstgeschichte eingegangen. So wird auch seine Ansicht eines alten Turms am Wasser unter dem Titel „Les Ramparts“ von 1976 von viel Schwarz beherrscht (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Aus Pop Art, Surrealismus und Ornamentalem speist sich das Werk William Nelson Copleys. So verbergen sich auf einer weder betitelten noch datierten Leinwand hinter einem fast dekorativen Stoffmuster die Umrisse eines unbekleideten Mädchens (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR).

Womit man bei den Höhepunkten der Auktion angelangt wäre: den späten Arbeiten von Andy Warhol und Tom Wesselmann. Letzterer blieb seinen plakativen, kräftigen Farben auch in seinem Acryl-Stillleben „Study for Mauve Roses“ 1992 treu (Taxe 72.000 bis 80.000 EUR). Und Warhol gestaltete 1982 eine homoerotisch konnotierte Fotografie für ein Plakat zu Rainer Werner Fassbinders Film „Querelle“. Die daraus hervorgegangene Farbserigrafie gehört zu den wichtigsten grafischen Arbeiten im Spätwerk des Künstlers. Sie soll 80.000 bis 100.000 Euro kosten. Martin Eders Kitschwerk greift die Pop Art wieder auf, so in einer 1996 entstandenen Serie, zu der auch die Ölbilder „In an Atavistic Ladyland, Part II, Respice finem“ und „In an Atavistic Ladyland. Too old to live, too young to die“ mit Versatzstücken aus der Medienwelt gehören (Taxen je 12.000 bis 15.000 EUR). Auch Bernd Koberling arbeitet mit wiedererkennbaren Motiven, die er um 1970 in einem Diptychon zu Wärme und Kälte um kommunistische Parolen ergänzt (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Die fernöstliche Kunst ist nur durch den Südkoreaner Kim Tschang-Yeul repräsentiert. „Waterdrop“ von 1977 ist ein Beispiel für seine obsessive Beschäftigung mit Wassertropfen ebenso wie für seine täuschend echte Nachahmung der sichtbaren Wirklichkeit (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Die Skulptur verlegt sich bei den Zeitgenossen zum Teil etwas aufs Komische, so bei Adolf Bierbrauer, dessen Bronze in einem „Elefantösen Tobsuchtsanfall“ geradezu auseinanderberstet (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR). Ins kinetische hat Gerhard von Graevenitz die Plastik überführt, so 1967/68 eine runde schwarze Hartfaserplatte mit 37 sich drehenden Edelstahlscheiben (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Jörg Immendorff stellte sich den „Deutschen Adler“ in einem Entwurf 1986 schmal, abgemagert und mit O-Beinen vor, ließ ihm aber immerhin noch eine galvanische Vergoldung zukommen (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Aus Gregor Schneiders „Haus u r“ ist ein „Liebhaber“ von 1998 entwischt, der aus einem geweißten Stück Mauerwerk mit einem einsamen Loch in der oberen Ecke besteht (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Im Katalog folgen dann noch einmal rund 350 Werke des 20sten Jahrhunderts mit günstigen Schätzpreisen bis zu 1.500 Euro, unter denen manche Pretiosen versteckt sind. Dazu gehören etwa drei Aquarelle mit den überzogenen Menschengestalten Armand Boutens zwischen 600 und 800 Euro, Richard Gessners Pastell „Nächtlicher Aufruhr“ von 1919 (Taxe 1.100 EUR), Thea Schleusners heiterer „Weg auf Kirchhof“ aus dem selben Jahr (Taxe 400 EUR), oder bei den Zeitgenossen Hans Peter Adamskis ironischer Objektkasten „2 Objekte zum Schutz und zur Verteidigung gegen die Besuche der unliebsamen Verwandten + Bekannten“ von 1974 für 800 Euro sowie Curt Stenverts ebenso hintergründiges Multiple „Mensch sein müssen & als erster das bewusste Ei gelegt haben wollen“ von 1968 für 700 Euro.

Die Auktion beginnt am 27. Mai ab 10 Uhr mit der Abteilung „Schätzpreise bis zu 1.500 Euro“, um 14:30 Uhr mit der Modernen und Zeitgenössischen Kunst. Die Besichtigung der Kunstwerke ist vom 21. bis 25. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr und an Christi Himmelfahrt sowie am Sonntag von 11 bis 16 Uhr möglich. Der Katalog unter www.van-ham.com bildet alle Objekte ab.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



20.05.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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27.05.2009, Moderne und Zeitgenössische Kunst

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Otto Mueller, Helga und Eva Goerger, 1917
Otto Mueller, Helga und Eva Goerger, 1917







Otto Mueller, Helga und Eva Goerger, 1917

Otto Mueller, Helga und Eva Goerger, 1917

Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 21.000,- EURO

Losnummer: 118




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