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Giorgio Morandi und Alberto Giacometti – ein Dialog in der Städtischen Galerie Paderborn

Einzeln und doch nicht allein



Giorgio Morandi und Alberto Giacometti haben einiges gemeinsam. Beide entstammen einem weitgehend italienisch geprägten Teil der Erde, beide wurden sie in künstlerische Generationen hineingeboren, deren Schicksal es war, auf den Schwellen zahlreicher Umbrüche zu stehen und großteils durch sie in Vergessenheit zu geraten. Beide starben sie in den 1960er Jahren, als ihre individualistische Kunst von den Strömungen der Zeit vorderhand bereits überholt war. Beiden ist umso mehr das Attribut und die Gnade der Zeitlosigkeit zuteilgeworden. Beider Anfänge liegen in bescheidenen Verhältnissen: Morandi, geboren 1890 in Bologna, verdingte sich seit 1914 als Zeichenlehrer, bevor er erst 1930 mit der Ernennung zum Professor für Radiertechnik an der Bologneser Akademie seine materielle Situation auf sichere Fundamente stellen konnte. Giacometti, 1901 im Graubündner Bergbauerndorf Borgonovo zur Welt gekommen, leistete sich im Frühsommer 1927 lediglich ein winziges Atelier ohne Elektrizität und Heizung in Paris, und erst 1948 feierte er durch seine erste große Einzelausstellung in der Galerie Pierre Matisse in New York den internationalen Durchbruch.


Was neben dieser Parallelität der Lebenswege jedoch das verbindende Element dieser beiden Künstler ist, lässt sich derzeit am schönsten in der Ausstellung „Giorgio MorandiAlberto Giacometti. Ein Dialog“ in der Städtischen Galerie in der Reithalle zu Paderborn-Schloß Neuhaus ermessen. Versammelt sind hier über hundert Werke der beiden Künstler, darunter einige hochkarätige Gemälde vor allem von Morandi sowie mehrere exemplarische Bronzeskulpturen Giacomettis. Und es wird sofort deutlich, was berechtigt, eine solche Gegenüberstellung zweier Künstler, die sich persönlich offenbar nie begegnet sind, zu unternehmen: Die dünnlippige, aber präzise Formensprache dieser Künstler, ihr Hang zum kleinen Format und die Beschränkung auf wenige Bildthemen, die Stille ihrer Erzählungen oder vielmehr Nichterzählungen – all dies zeigt, dass hier zwei Künstler mit ganz ähnlichen künstlerischen Grundüberlegungen am Werk sind. Und dass es sich um Außenseiter in ihrer Zeit handelt.

„Ich hatte das große Glück, ein ganz ereignisloses Leben zu führen“, sagte Giorgio Morandi einmal. Ereignislos sind auch seine Gemälde. Fast ausschließlich Stillleben und wenige Landschaften zeigt die Ausstellungshalle, die charakteristischen Gruppierungen unscheinbarer Tonvasen, Glasflaschen und Metalldosen, die sich sofort in jedes Gedächtnis einbrennen, eben weil sie so unscheinbar sind. Eine fast obsessive Meditation scheint das Malen dieses Künstlers gewesen zu sein, der in seinem beruflichen Leben das Zeichnerische zur Profession machen musste. Zeichnerisch angelegt sind auch seine Stillleben, mit einer Überlegung und Akribie komponiert, die nichts dem Zufall überlässt. Die Perspektive, in den Ölgemälden sauber berechnet, ist nur in den experimentellen Aquarellen und Bleistiftzeichnungen gelegentlich aufgegeben. Deutlich wird hier das Anliegen des Künstlers: Aus der Wirklichkeit etwas Abstraktes abzuleiten, den Vorwand des Gegenständlichen zu nutzen, um gegenstandslose Flächenkompositionen zu schaffen. Morandi freilich ist nicht Revoluzzer genug, um diesen Gedanken konsequent zu Ende zu führen. Die Kunstgeschichte um eine längst bekannte Idee noch einmal zu bereichern, liegt gar nicht in seinem Interesse.

Dagegen Alberto Giacometti: Ein flinker, souveräner, fast altmeisterlicher Zeichner, der mit wenigen Federstrichen das Wesentliche an Geist und Seele seiner Figuren anzugeben vermag. Giacometti, der im Gegensatz zu Morandi ein bewegtes Künstlerleben führte, mag sich in diesen Zeichnungen als der raschere, beweglichere Geist bemerkbar machen. Hinzu kommt ohnehin die skulpturale Seite seines Schaffens, für die in der Ausstellung unter anderem die wunderbare kleine Büste des Bruders Diego aus der Zeit um 1950 steht. Die Mittel freilich bleiben auch hier die gleichen: Präzise Charakterisierung des geistigen Gehalts durch die Setzung einzelner, aber sicherer Striche. Was das Stillleben für Morandi, ist für Giacometti die menschliche Figur.

Man wird diesen „Dialog“ zwischen Giorgio Morandi und Alberto Giacometti, der ohnehin ein stummer ist, nicht überbewerten dürfen. Das liegt in der Natur des kunstgeschichtlichen Vergleichs, der immer eine beschränkte Aussagekraft hat. Nichtsdestominder kommt die Ausstellung ihrem Anspruch, einen „erhellenden wie spannenden Dialog zweier herausragender Einzelgänger“ zu gestalten, zweifelsohne nach. Und wenn es nur dazu dient, eben festzustellen, dass diese beiden Künstler Einzelgänger, aber keineswegs alleine waren.

Die Ausstellung „Giorgio Morandi – Alberto Giacometti. Ein Dialog“ ist bis zum 7. Juni in der Städtischen Galerie in der Reithalle Paderborn-Schloß Neuhaus täglich außer montags zwischen 10 und 18 Uhr kostenfrei zu sehen. Der Katalog samt Ergänzungsband kostet 22 Euro.

Kontakt:

Städtische Galerie in der Reithalle

Im Schlosspark 12

DE-33104 Paderborn

Telefon:+49 (05251) 88 10 76

Telefax:+49 (05251) 88 10 61

E-Mail: staedtische-galerien@paderborn.de



13.05.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


14.03.2009, Giorgio Morandi und Alberto Giacometti - Ein Dialog

Bei:


Städtische Galerien Paderborn

Bericht:


Eine Faszination des Unaufgeregten

Künstler:


Giorgio Morandi

Künstler:


Alberto Giacometti










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