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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Neumeisters Moderne mit einigen Höhen und vielen interessanten Details

Deutsch-Schweizer Mischung



August Babberger, Schweizer Berglandschaft, 1916

August Babberger, Schweizer Berglandschaft, 1916

Wie viele andere Auktionshäuser bleibt auch Neumeister von einer gewissen Flaute auf dem Markt nicht verschont. Bedeutende Privatsammlungen, aufsehenerregende Konvolute oder sensationelle Millionenstücke wie gelegentlich in den früheren Jahren sind diesmal nicht dabei, wenn es am 14. Mai in München wieder um „Neumeisters Moderne“ geht. Das gibt freilich Raum für manche schöne Entdeckung auf Nebenwegen abseits ausgetretener Pfade, und davon hat auch der Sonderkatalog mit knapp siebzig ausgewählten Werken einiges zu bieten. Gleich das erste Los, August Babbergers Aquarell einer Schweizer Berglandschaft aus dem Jahr 1916, ist ein schönes Beispiel für die vielen guten, aber eben im Lauf der Zeit unter die Räder des Vergessens geratenen Künstler, die sich der Bewegung der Moderne anschlossen und es zu ganz eigenen, bemerkenswerten Leistungen brachten. Babberger etwa, der nicht nur geografisch zeitlebens zwischen Deutschland und der Schweiz beheimatet war, fand zu einer Mischung aus deutschem Expressionismus und Schweizerischer Ferdinand Hodler-Nachfolge (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).


Nur zwei Bilder rechnen sich Chancen auf sechsstellige Zuschläge aus. Das erste ist Gabriele Münters brandneu aufgetauchte „Abstrakte Komposition“ aus dem Jahr 1914, sicher unter dem Einfluss ihres Lebensgefährten Wassily Kandinsky entstanden und ein durchaus rares Werk in ihrem weitgehend gegenständlichen Œuvre. Auf 90.000 bis 120.000 Euro ist sein Wert veranschlagt. Gleich darauf folgt Nummer zwei, eine der vielen schönen Aquarelle aus Emil Noldes mittlerer bis später Schaffenszeit. Diesmal ist es eine Marschlandschaft mit Bauernhof unter dunklen Gewitterwolken, um 1930 entstanden. 180.000 bis 200.000 Euro honorieren, dass es sich um eine suggestive und farblich harmonische Arbeit handelt. Erstrangig bleibt es aber auch darunter, etwa mit Raoul Dufys lockerem Aquarell eines Blumenstraußes von etwa 1942 (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR), Ernst Ludwig Kirchners Bleistiftzeichnung „Auf der Alm“ von 1928 (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR) oder zwei wohl zusammengehörigen Holztafeln, in denen Franz von Stuck um 1895 seine Freude an der antiken Mythologie auslebt. Fröhlich pfeifen hier zwei Pane auf ihren Flöten herum. Auch die Rahmen gehören zum Konzept (Taxen je 40.000 bis 50.000 EUR).

Zu den wichtigsten Künstlern der Münchner Gruppe „Scholle“ gehörte Fritz Erler. Seine „Dame mit Panther“ entstand schon nach 1915 und lässt erkennen, dass der Maler mit den neuen künstlerischen Bewegungen nicht mehr zurechtkam: Seine Flucht führt in einen neuen Jugendstil-Symbolismus, der eigentlich nur noch komisch wirkt. Der großformatige Schinken soll dennoch 18.000 bis 20.000 Euro einspielen, unter kunsthistorischen Gesichtspunkten sicher zu Recht. Der zwanzig Jahre jüngere Franz Heckendorf wuchs da eher in den Expressionismus hinein, sein Ölgemälde „Partnachklamm“ eines reißenden Bergbaches von 1921 ist ein gutes Beispiel für seine expressiven, besonders auf Perspektiven keine Rücksicht nehmenden Spielzeugwelten (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Schön auch Emil Orlik, dessen Farbholzschnitt „Schloss in Böhmen“ 1905 noch gerade rechtzeitig vor den großen Umbrüchen den Abzug schaffte. Eine starke Flächenbetonung fällt aber schon auf (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Julius Exter freut sich im seinem Garten in Überwies-Feldwies am Chiemsee an der Farbpracht der Blumen und löst die Formen fast völlig auf (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

In dieser Massivität neu auf dem Auktionsmarkt in den deutschsprachigen Ländern ist der Grieche Jorgo Busianis. Man kann nur mutmaßen, ob die zwei Portraitaquarelle und das Ölbild eines sitzenden weiblichen Akts aus der Pariser Zeit zwischen 1929 und 1932 aus derselben griechischen Sammlung stammen wie vier Einlieferungen im Wiener Dorotheum drei Tage zuvor. Die Bewertung ist hier wie dort ähnlich (Taxen zwischen 25.000 und 35.000 EUR). Der in St. Petersburg als Sohn eines Pfarrers geborene Walter von Ruckteschell kam viel herum in seinem Leben und arbeitete zudem in vielen Gattungen. Als Maler beweist er sich 1912 in „Der Morgen. Maloja“ – da war er also gerade in der Südschweiz (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR) –, seinen zahlreichen Aufträgen für Holzskulpturen kam er mit „Kauernder“ um 1920 und „Die Familie um 1925 nach (Taxen je 2.500 bis 3.000 EUR).

Recht heterogen geht es auch nach 1945 weiter, etwa mit Günter Fruhtrunks grünschwarzer Senkrechtstreifung „Beharrung“ aus dem Jahr 1975 als Anwalt der Konkreten Kunst (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), C.O. Paeffgens „Portrait of Gissi Kastholm“ von 1982 für die deutsche Fortsetzung der Pop Art (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) oder Emy Roeders Bronze „Sitzende verhüllte Frau in Tripolis“ von 1960/61 in der für sie charakteristischen meditativen Sprache (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Wer Giacomo Manzù wegen seiner Kardinäle liebt, wird ihn wegen seiner „Modella distesa“ vielleicht hassen. Die 1968/69 entstandene Bronze zeigt einen ganz anderen Manzù, in aufreizende Pose liegt eine junge Frau da auf dem Boden, der Maler ist lediglich durch das erotische Symbol eines Stabs mit Schlange sowie seinen Mantel auf einem Hocker vertreten (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Die Münchner Gruppe „SPUR“ kommt mit Heimrad Prems „Orgie in Rot“ von 1963 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), zwei Bronzeplastiken Lothar Fischers für bis zu 4.000 Euro, zwei kleinen, unbetitelten Acrylarbeiten von Helmut Sturm (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR) und einer abstrakten, wirbelnden Komposition von HP Zimmer aus den 1960er Jahren etwas deutlicher zum Zuge (Taxe 2.800 bis 3.200 EUR). Nicht weniger wild gestaltet Walter Stöhrers „Syntax ist ein Vermögen der Seele“ von 1976 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Überlegt geht es dagegen auf Georg Karl Pfahlers Signalbildern mit ihrem wohl kalkulierten Einsatz der Farbe zu. Ein recht buntes und großes Werk ist „SP.O.R/ZAD“ von 1964 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Die ganz junge Kunst hat bei Neumeister keine Führungsgestalt. Gerhard Richter als großer Altmeister zeigt sich mit seiner Monotypie „9. 6. 08“ auch in jüngster Zeit noch höchst aktiv (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR). Harald Pütz verfolgt seit einiger Zeit „Lichtspuren“. 2002 war er „Weiß-Grau-Gelb über Weiß“ auf den Fersen (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Einen der ersten Plätze in Österreich nimmt derzeit Herbert Brandl ein, dessen großformatige Ölgemälde sowohl Gegenständlichkeit als auch Abstraktion mit Meisterschaft beherrschen. Ihr Kreuzungspunkt ist bei ihm eine Weiterentwicklung des „Colour Field Painting“. So versenken auf seinem „Kornfeld“ von 2006 ein strahlendes Gelb und ein himmelblauer Streifen den Betrachter in meditative Zustände (Taxe 20.000 bis 22.000 EUR). Auf drei Teilen breitet der Münchner Matthias Gangkofner 2005 sein „Höllental“ aus, in dem unter anderem umgeknickte Bäume drohend aus einem blauen Schluchtfluss herausragen. Ob damit der Klimawandel versinnbildlicht werden soll (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR)?

Zwei von großer Individualität gekennzeichnete Privatsammlungen bereichern das Hauptprogramm. Ausschließlich auf gegenstandslose Kunst hat sich ein süddeutscher Sammler spezialisiert und sich mit reichlich grafischen Werken eingedeckt. Erich Buchholz, Walter Dexel, Camille Graeser, Max Mahlmann, Pavel Mansouroff und Mauro Reggiani heißen hier die Künstler, deren Arbeiten kaum je über 1.000 Euro klettern sollen. Die zweite Abteilung bildet der Nachlass des kürzlich verstorbenen Münchner Galeristen Jürgen Hermeyer, der sich auf zeitgenössische Kunst spezialisierte. Ihre Bestände erweitern können Freunde des surrealen Malers Peter Chevalier, des Alfred Kubin-Nachfolgers Antonius Höckelmann, des Wiener Bildhauers und Zeichners Alfred Hrdlicka, des Grafikers und Fotografen Jürgen Klauke und des Expressionisten Josef Scharl. Zu den profiliertesten Gestalten der Sammlung dürfte Ralph Fleck gehören, der sich gern ungewöhnlichen Bildthemen mit einer fast gewalttätigen Wirklichkeitsverfremdung widmet. Das dreiteilige Ölbild „Lkw-Unterseite II“ von 1978 ist ein Beispiel. Auch hier liegen die Preise im drei- und niedrigen vierstelligen Bereich.

Design

Im Design bleibt Neumeister weiterhin Mitspieler in der zweiten Liga. Abgesehen von zwei schönen, auf Entwürfe von Sigrid und Günter Kupetz sowie Danilo Silvestrin zurückgehenden und bei WMF in Geislingen hergestellten Silberservicen aus neuerer Zeit (Taxen bis zu 3.800 EUR) oder einem Diana-Leuchter aus Karl Hagenauers Wiener Werkstatt (Taxe 2.800 bis 3.000 EUR) sind die Angebote eher unaufregend. Wo bei anderen ganze Vitrinen damit vollstehen, kann Neumeister eine überschaubare Anzahl an französischem Jugendstilglas präsentieren, darunter eine Schale von Daum Frères mit einer Eisenmontierung von Louis Majorelle (Taxe 3.500 bis 3.800 EUR). Einige Künstlerteppiche etwa nach Vorlagen von Herbert Bayer, Antoni Tàpies und natürlich Andy Warhol stehen für bis zu 12.000 Euro zur Verfügung. Drei Zimmerentwürfe Peter Kelers aus den späten 1920er Jahren machen sich im Bauhaus-Jahr recht gut (Taxen je 2.000 bis 2.500 EUR). Die Möbel selbst warten mit J. & J. Kohns „Fledermaus“-Sitzgarnitur nach Entwurf von Josef Hoffmann von 1906 oder Wilhelm Holzbauers Herrenfauteuil „Etosha“ auf (Taxen zwischen 3.000 und 3.800 EUR).

Die Auktion beginnt am 14. Mai um 9:30 Uhr. Die Vorbesichtigung ist bis zum 12. Mai täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr möglich.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



08.05.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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 Dexel, Figuration 1922 I, 1922
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Antonius Höckelmann, Pferde und Artisten, 1987-1991

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Taxe: 1.200 - 1.500 EURO

Zuschlag: 1.400,- EURO

Losnummer: 1174

Emil Orlik, Schloss in Böhmen, 1905

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Taxe: 2.000 - 3.000 EURO

Zuschlag: 4.800,- EURO

Losnummer: 739

Franz von Stuck, Pan mit Schalmei, um 1895

Franz von Stuck, Pan mit Schalmei, um 1895

Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Losnummer: 764

Peter Chevalier, Ohne Titel, 1985

Peter Chevalier, Ohne Titel, 1985

Taxe: 400 - 600 EURO

Zuschlag: 200,- EURO

Losnummer: 1145

Karl Hagenauer, Diana-Leuchter, Wien 1920/30

Karl Hagenauer, Diana-Leuchter, Wien 1920/30

Taxe: 2.800 - 3.000 EURO

Losnummer: 396

Sigrid und Günter Kupetz, Kaffee- und Teeservice, um 1960

Sigrid und Günter Kupetz, Kaffee- und Teeservice, um 1960

Taxe: 3.500 - 3.800 EURO

Losnummer: 377

Walter Dexel, Figuration 1922 I, 1922

Walter Dexel, Figuration 1922 I, 1922

Taxe: 800 - 1.200 EURO

Zuschlag: 1.400,- EURO

Losnummer: 927




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