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Die Hypo-Kunsthalle in München feiert „Frans Hals und Haarlems Meister der Goldenen Zeit“. Ein Reigen großer Namen und malerischer Meisterwerke des 17. Jahrhunderts

Aufbruchstimmung in Haarlem



Frans Hals, Regenten des Altmännerhospiz, 1664

Frans Hals, Regenten des Altmännerhospiz, 1664

Stilistisch haben Anselm Reyle, Damien Hirst oder Peter Fischli & David Weiss rein gar nichts mit den delikaten Stillleben eines Pieter Claesz zu tun, mit den strengen Kircheninterieurs eines Pieter Jansz Saenredam oder den stimmungsvollen, das Schauspiel der Natur einfangenden Landschaften eines Jacob van Ruisdael. Was sie eint, ist eher eine ähnliche sozio-ökonomische Situation. Viel frisches, wenn auch imaginäres Geld floss Anfang des 21ten Jahrhunderts auf den Kunstmarkt, und wie wir wissen, galt das Interesse der neuen Reichen der jungen unkonventionellen Kunst, so unverbraucht und selbstsicher wie sie selbst. Eine wirtschaftliche Hausse erlebte vor 400 Jahren auch die Stadt Haarlem. Nach jahrzehntelangen Kriegen gegen die spanische Vorherrschaft durch Bier- und Leinenexport um 1600 wieder zu Wohlstand gekommen, entwickelte sich die Stadt im Norden der Niederlande zu einer Hochburg der Künste mit florierendem Markt. Auch hier wollten die neuen Reichen nicht die Malerei von vorgestern.


Beste Voraussetzung für Neuerungen in der Malerei. Am deutlichsten zeigt sich diese Tendenz in den diversen Landschafts- und Genrebildern, die freilich schon die flämischen Maler pflegten, aber in Haarlem einen Zug von Naturbeobachtung und Lebenswirklichkeit, aber auch von grandiosen Stimmungsbildern bekamen. Während Hendrick Avercamps „Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern“ mit einem Typenkabinett von Biertransporteuren, Eisfischern, Spaziergängern und Erhängten ein Gesellschaftspanorama darstellt, bestimmt in Jan van Goyens „Winterlandschaft mit Huys te Merwede“ von 1638 der großflächig angelegte, wolkenreiche Himmel, durch den nur mit Mühe die Sonne durchbricht, die Atmosphäre. Das Licht ist fahl und kühl, links und rechts auf der Eisfläche gruppieren sich Pferdeschlitten, am Horizont, nur durch ein paar Sonnenstrahlen erhellt, erscheint die Burg te Merwede. Und Salomon van Ruysdaels „Landschaft mit Flussufer“ von 1632 hingegen beschwört die Stille einer ländlichen Szene, indem er Bäume und einen schmalen Kahn in dem scheinbar still stehenden Fluss spiegelt. So frei von Symbolen, so irdisch nah hatte man Landschaften bis dahin nicht wiedergegeben.

Die neue Betonung natürlicher Erscheinungen reflektiert auch das erst in Haarlem zur Blüte gelangte Genre der Marinebilder. Standen in den frühen Gemälden die detailgetreue Darstellung der Dreimaster und Fregatten im Mittelpunkt, spürt man etwa bei Allart van Everdingens „Blick auf Haarlem vom Noorder Spaarne“ von 1645/50 regelrecht körperlich die Unruhe der Wellen und den heftig blasenden Wind. Und mit einer mit grellem Lichtkegel ausgeleuchteten Gruppe von Schaulustigen im Kontrast zu düster sich auftürmenden Wolkenformationen dramatisiert der nach Hendrick Cornelisz Vroom zweitbedeutendste Haarlemer Marinemaler Jan Porcellis einen „Schiffbruch am Strand“, der dem Schauspiel der Natur mehr Beachtung schenkt als der Katastrophe.

Gewiss, den Grundstein zu dieser Art „befreiten“ Malerei legten schon die flämischen und Utrechter Künstler. Aber es ist bemerkenswert, dass zeitgleich zu dieser von bürgerlicher Selbstsicherheit begleiteten Malerei an den Höfen Frankreiches oder auch Preußens Alexander-Zyklen oder antike Allegorien auf Mars und Venus als Kosmos der Selbstdarstellung und Selbstverherrlichung entstanden. Der Blick der calvinistisch geprägten Niederländer war hingegen erdverbunden und dennoch sinnlich. Der Reigen an Meisterwerken, die Vielfalt der Genre und Gattungen, die in Haarlem gepflegt wurden und nun in der Münchner Hypo-Kunsthalle übersichtlich gezeigt werden, machen mit aller Deutlichkeit klar, dass der niederländischen Malerei des Goldenen Zeitalters das Etikett des Pittoresken wohl erst mit der wiederbelebten Genremalerei im 19ten Jahrhundert angeheftet wurde.

In diesen Gemälden schwingt – auch wenn es sich oft um kleinformatige Kabinettstücke handelt – die gerade eroberte Freiheit der Maler mit, sich eines poetischen, zum Teil überhöhten Realismus zu bedienen. Keine Spur mehr von mythologischen und biblischen Allegorien. Alltagsszenerie, das Leben auf seiner ganzen Skala von schöner Anmut bis drastischer Hässlichkeit spielte als malerisches Sujet die Hauptrolle. Mit klarem Blick und kompositorischer Könnerschaft wurden Szenen inszeniert, die wirklichkeitsnah, aber mit Anspielungen auf Moral und Sitte gespickt sind wie die „Gesellschaft von der Herberge ‚de Kroon’“ von Jan Miense Molenaer, wurden Szenen dargestellt, die Genre und bürgerliches Repräsentationsbedürfnis miteinander verbinden wie die „Fröhlichen Gesellschaften“ eines Willem Pietersz Buytewech oder Jan Havicksz Steen oder die in ihrer Derbheit und Direktheit durchaus ambivalenten Kneipen- und Bauernburlesken eines Adriaen van Ostades.

Mittel- und Glanzpunkt der Ausstellung aber sind die Gemälde von Frans Hals. Er war der Meister des Porträts, der sogenannten Schützenstücke und porträthaften Genregemälde. Ein Vergleich seiner großen Tafeln, auf denen er die Honoratioren der Schützengilden oder Wohltätigkeitsvereine darstellt, mit denen Jan de Brays oder Johannes Cornelisz Versproncks lassen keinen Zweifel daran, dass Hals der virtuoseste und ambitionierteste Maler unter ihnen war. Jeder Mensch auf den vielfigurigen Banketten der Bürgerwehren ist eine lebensnahe Charakterstudie. Hals stellte seine Personen mit nur skizzenhaften Pinselstrichen in legerer Pose dar. Es ist der Mut zum Unperfekten, zur angedeuteten Abstraktion, der ihn weit über seine Zeit hinaus zu einem Vorläufer einer ganz anderen, damals noch nicht denkbaren Malerei machte.

Als Frans Hals seine Gemälde „Regenten des Oudemannenhuis“, des Altmännerhospiz, und „Regentinnen des Oudemannenhuis“ 1664 malte, war er 81 Jahre alt. Feinheiten gestatte er sich nur in den Gesichtern der Dargestellten, der Rest ist mit flinkem Pinsel gemalt, die Manschetten, die Kragen, die Stoffe der Gewänder aber, die Handschuhe nur ein Anflug realistischer Darstellung. Eine skizzenhafte Andeutung nur. Für Maler wie James Ensor, Max Liebermann und Claude Monet wurden diese frühbarocken Kühnheiten eine Lektion über die Möglichkeiten moderner Malerei.

Die Ausstellung „Frans Hals und Haarlems Meister der Goldenen Zeit“, die insgesamt 132 Gemälde aus verschiedenen europäischen Museen versammelt, ist noch bis zum 7. Juni zu sehen. Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 8 Euro, ermäßigt 7 bzw. 4 Euro. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet in der Ausstellung 25 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Theatinerstraße 8

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 22 44 12

Telefax:+49 (089) 29 16 09 81



06.05.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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13.02.2009, Frans Hals und Haarlems Meister der Goldenen Zeit

Bei:


Kunsthalle der Hypokulturstiftung

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Frans Hals, Porträt von Pieter Jacobsz Olycan, 1629/30
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Frans Hals, Junger Mann mit Totenkopf, um 1628/29
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Hendrick Pot (?), Offiziere vor dem Haarlemer
 Cluveniers-Schützenhaus, 1630
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Hendrick Pot, Floras Narrenwagen, um 1637
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Pieter Saenredam, Innenansicht der Nieuwe Kerk in Haarlem, 1652
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Jacob van Ruisdael, Sandweg in den Dünen, um 1648/49
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Jan Cornelisz Verspronck, Die Regentinnen des St.
 Elisabeth Spitals in Haarlem, 1641
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Frans Hals, Porträt von Pieter Jacobsz Olycan, 1629/30

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Frans Hals, Junger Mann mit Totenkopf, um 1628/29

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Hendrick Pot (?), Offiziere vor dem Haarlemer Cluveniers-Schützenhaus, 1630

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Hendrick Pot, Floras Narrenwagen, um 1637

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Pieter Saenredam, Innenansicht der Nieuwe Kerk in Haarlem, 1652

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Jacob van Ruisdael, Sandweg in den Dünen, um 1648/49

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Jan Cornelisz Verspronck, Die Regentinnen des St. Elisabeth Spitals in Haarlem, 1641

Jan Cornelisz Verspronck, Die Regentinnen des St. Elisabeth Spitals in Haarlem, 1641

Hendrick Cornelisz Vroom, Ankunft von Friedrich V. von der Pfalz und Elisabeth Stuart in Vlissingen am 29. April 1613, 1623

Hendrick Cornelisz Vroom, Ankunft von Friedrich V. von der Pfalz und Elisabeth Stuart in Vlissingen am 29. April 1613, 1623

Cornelis Cornelisz van Haarlem, Susanne im Bade, um 1589

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Jan van Goyen, Winterlandschaft mit Huys te Merwede, 1638

Jan van Goyen, Winterlandschaft mit Huys te Merwede, 1638

Frans Hals, Regentinnen des Altmännerhospiz, 1664

Frans Hals, Regentinnen des Altmännerhospiz, 1664

Jan de Bray, Die Regenten des Armekinderhuis in Haarlem, 1663

Jan de Bray, Die Regenten des Armekinderhuis in Haarlem, 1663

Gerrit Adriaensz Berckheyde, Der Fischmarkt in Haarlem gegen das Rathaus, 1692

Gerrit Adriaensz Berckheyde, Der Fischmarkt in Haarlem gegen das Rathaus, 1692




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