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Vanitasbilder aus der Hexenküche des 21. Jahrhunderts: Die Hamburger Deichtorhallen zeigen die britische Malerin Cecily Brown und ihren österreichischen Kollegen Herbert Brandl in zwei ganz unterschiedlichen Einzelausstellungen

Kalte Berge, heiße Posen



Beide verhandeln in ihrer Malerei die oft schwierige Abgrenzung zwischen Abstraktion und Figuration. Beide schwelgen gern in Farben. Beide ringen der Leinwand Formen ab, um diese gleich wieder zu verschleiern. Beide malen gerne großformatig. Und beide sind jetzt mit großen monografischen Ausstellungen in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Die Rede ist von der in New York lebenden Britin Cecily Brown, Jahrgang 1969, und ihrem zehn Jahre älteren österreichischen Malerkollegen Herbert Brandl.


Das war es aber eigentlich auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Cecily Brown, aufgrund ihrer häufig pornografisch aufgeladenen Bilder eine der umstrittensten Malerinnen der Gegenwart, genießt seit Jahren die ungeteilte Aufmerksamkeit der Medien: vom Fachmagazin bis zur Glamourpresse. Die Anzahl der wichtigen Vorschauen, die zu ihrer ersten großen europäischen Werkschau in den Hamburger Deichtorhallen erschienen ist, unterstreicht das. Der „Spiegel“ titulierte sie erst kürzlich als „Königin der Lüste“. Und der „Stern“ widmete der werdenden Mutter unter dem Titel „Das Ex-It-Girl“ gleich sechs Seiten. Das übergroße mediale Interesse an Cecily Brown wird dabei nicht allein durch ihre Bilder ausgelöst – die sind in letzter Zeit viel harmloser geworden. Es gilt auch ihrer Person.

Cecily Brown hat es seit den frühen 1990er Jahre verstanden, sich als unartiges „Bad Girl“ des Kunstbetriebs einen Namen zu machen. Für die amerikanische „Vanity Fair“ posierte sie einst mit einem knappen, farbverschmierten T-Shirt im Atelier: darauf ein riesiges Dollarzeichen. Ihre Familiengeschichte liest sich wie das „Who’s Who“ der britischen Boheme. Browns Mutter ist die erfolgreiche Schriftstellerin Shena Mackay, ihr Vater war der nicht weniger bekannte Kunstkritiker David Sylvester. Sylvester gilt als der Vordenker der modernen Kunst in Großbritannien. Künstlern wie Francis Bacon und Lucian Freud hat er zum Durchbruch verholfen.

Beeinflusst von den expressiv-existenziellen Körperbildern dieser Maler und mit dem Abschluss der renommierten Londoner „Slade School of Fine Art“ in der Tasche, begann Cecily Brown 1993, Bilder von kopulierenden Hasen zu malen. Noch waren es „Stellvertreter“, wie sie sagte. Doch kurz danach – Brown war mittlerweile nach New York gezogen – erregte sie mit sexuell expliziten Gemälden die Aufmerksamkeit des Publikums. Auch in der Hamburger Schau, die mit 48 Gemälden aus den letzten zehn Jahren aufwartet, sind jetzt Bilder kopulierender Paare zu sehen. Zum Beispiel Browns bekanntes Großformat „Performance“ (1999-2000). Es zeigt eine breitbeinig auf einem liegenden Mann hockende Frau in eindeutiger Pose. Doch neben aller zur Schau gestellten sexuellen Freizügigkeit geht es Cecily Brown immer auch um die Malerei selbst. Ihre Bilder kommen keineswegs fotorealistisch daher. Sie verhüllen und verunklären eigentlich viel mehr als sie zeigen. Und in letzter Zeit werden sie zunehmend abstrakter und vielleicht auch nachdenklicher: Eine ganze Serie vexierbildartiger Kleinformate zeigt jeweils zwei junge Frauen, an einem kleinen Tisch sitzend. Schaut man etwas länger hin, so springt das scheinbar banale Motiv in eine ganz andere Qualität um, und man erkennt einen Totenschädel.

Sexuelle Ekstase und Jugend, Vanitas und Tod liegen bei Cecily Brown plötzlich ganz eng beieinander. Zu ihren Bildern sagt sie: „Der schlimmste Fall wäre, wenn die Betrachter nur noch nach den aufreizenden Effekten Ausschau hielten, anstatt die Arbeiten auf suggestive Weise wirken zu lassen.“ Brown balanciert souverän auf dem schmalen Grat zwischen Abstraktion und figurativer Darstellung. Und sie bedient sich zudem mit großer Selbstverständlichkeit aus dem gesamten Fundus der europäischen Malereigeschichte: Von Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“ über Liebesdarstellungen des Rokoko bis in die Gegenwart. In gewisser Weise denkt sie Edouard Manets berühmtes „Frühstück im Grünen“ von 1863 einfach weiter, indem sie auf provokante Art und Weise zeigt, was danach passiert.

Wem das zu viel wird, dem sei der Besuch der parallel stattfindenden Ausstellung mit 30 großen Gemälden Herbert Brandls empfohlen. Brandl, der Österreich bei der letzten Biennale in Venedig vertrat, dürfte es leicht haben, in den nächsten Monaten zum ruhenden Pol der Deichtorhallen zu werden. Auch seine teils realistisch kalten, teils meditativ warmen Gemälde changieren zwischen Eindeutigkeit und Abstraktion. Doch sie zeigen etwas ganz anderes: Den wolkenverhangenen Mount Everest hat Brandl gleich 15 mal gemalt. Das Ewige der unbelebten Natur wird bei ihm zur kraftvollen Metapher für die Vergänglichkeit des Einzelnen.

Die Ausstellungen „Cecily Brown“ und „Herbert Brandl. Malerei“ sind bis zum 30. August zu sehen. Die Deichtorhallen Hamburg haben täglich außer montags zwischen 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Die englische Monografie zu Cecily Brown kostet 45 Euro, der Katalog „Herbert Brandl“ 29,80 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg

Deichtorstraße 1-2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 10 30

Telefax:+49 (040) 32 10 32 30

E-Mail: info@deichtorhallen.de



27.04.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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