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Impressionisten der Berliner Secession im Kulturspeicher Würzburg

Aufbruch zur Moderne



Max Uth, Der Biergarten, um 1910

Max Uth, Der Biergarten, um 1910

1898 knallte es im Berliner Kunstleben. Walter Leistikows Gemälde „Grunewaldsee“ wurde von der Jury der „Großen Berliner Kunstausstellung“ abgelehnt, worauf sich die „Berliner Secession“ mit eigener Ausstellungstätigkeit gründete. So sah es jedenfalls Lovis Corinth in seinem Gedenkbuch für den früh verstorbenen Freund Leistikow. Trotz anderer historischer Forschungsergebnisse wird diese Gründungslegende der Berliner Secession heute noch tradiert. Ihr wahrer Kern liegt in der Aufbruchsstimmung der bildenden Kunst in der letzten Dekade des 19ten Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Die progressiven Kunstschaffenden rebellierten gegen die konservative traditionell orientierte Ausstellungspolitik. Als Reaktion auf die Ablehnung spalteten sich die unverstandenen Künstler in eigene Vereine ab, die sie als Secessionen bezeichneten. Überall schossen sie aus dem Boden: in München, Düsseldorf, Dresden, Wien oder auch Berlin.


Das Monopol auf dem Berliner Kunstmarkt besaßen um 1890 die Kunstakademie und der Verein „Berliner Künstler“, der Tongeber des guten Geschmacks war Kaiser Wilhelm II. Die realistische, nach alten Traditionen ausgeführte Malerei sollte das Vorbild auch für die moderne Kunst sein. Doch der Fortschritt ließ sich nicht aufhalten. Folgend dem Beispiel der 1892 in München gegründeten Vereinigung, organisierten sich circa 40 Künstler 1898 zur Berliner Secession. Die Mitglieder gehörten keiner einheitlichen Stilrichtung an, ihre Werke sollten laut dem Vorsitzenden Max Liebermann „eine aufrichtige Empfindung“ verkörpern. Mit wechselnder Zahl der Mitglieder feierte die Berliner Secession gute sechzehn Jahre Erfolg. Zu den führenden Figuren der Vereinigung gehörten neben Liebermann Walter Lestikow, Lovis Corinth, Oscar Frenzel, Ludwig Dettmann, Max Slevogt, Otto Heinrich Engel, Curt Herrmann und Fritz Klimsch. Die Vetter Paul und Bruno Cassirer, die auch als Galeristen und Verleger tätig waren, übernahmen die Geschäftsführung.

Die Secession-Ausstellungen zogen die progressiven Kunstschaffenden aus dem ganzen Land nach Berlin, was die Stadt in eine Kunstmetropole verwandelte. Ihre Blütezeit von 1898 bis 1914 steht nun im Mittelpunkt der Ausstellung „Berliner Impressionismus. Corinth – Liebermann – Slevogt und weitere Künstler der Berliner Secession“, die kenntnisreich und inspiriert von der Berliner Kuratorin Angelika Wesenberg zusammengestellt wurde und derzeit im Würzburger Kulturspeicher Quartier bezogen hat. Das föderale Programm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ermöglicht, dass die Arbeiten aus der Berliner Nationalgalerie auf Reisen in andere deutsche Städte gehen. 2006/07 durfte Neu-Ulm die Ausstellung beherbergen. Nach dem Aufenthalt in Würzburg werden die 63 Gemälde und zwei Plastiken noch im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen sein. Der kunsthistorisch wenig geprägte Begriff „Berliner Impressionismus“ entstand daraus, dass die Hauptvertreter des deutschen Impressionismus Liebermann, Corinth und Slevogt in Berlin arbeiteten. Und die meisten Mitglieder der Berliner Secession standen zudem unter dem Eindruck des französischen Impressionismus.

Dieses Vorbild wurde jedoch von den deutschen Künstlern frei ausgelegt. Sowohl die Malweise als auch die Auswahl der Motive bezeugen ihre Eigenständigkeit. Ein Beispiel pointillistischer Erfahrungen ist Paul Baums Landschaft „Weiden am Bach“ aus dem Jahr 1900. Grobe flüchtige Pinselstriche, die oft den Gebrauch von Spatel vermuten lassen, und farbliche Kontraste, die leuchtende Effekte hervorrufen, zeichnen Karl Hagemeisters „Letztes Laub“ um 1908 aus. Die näheren Untersuchungen von Dora Hitz’ „Bildnis eines kleinen Mädchens“, gefertigt vor 1897, ergaben, dass die Malerin traditionell mit Untermalungen und Zwischenfirnis gearbeitet hat. Die weichen Konturen des Mädchens verleihen dem Bild eine duftige, zärtliche Erscheinung. Die „Landschaft bei Noordwijk“ von Max Liebermann aus dem Jahr 1906 verrät dagegen, dass er hier nicht mal eine Grundierung des Holzes vorgenommen hat. So unterschiedlich und so innovativ für ihre Zeit waren die Maltechniken der Secessionisten.

Die deutschen „Impressionisten“ hingen immer noch stark an den traditionellen Gattungen. Ein so beliebtes Thema in Frankreich, wie das Theater, fand nur einen schwachen Anklang in ihren Werken. Eugen Spiros schnell skizzierte „Theaterloge in Paris“ von 1907 ist eins der wenigen Gemälden dazu. Auch die Café-Szenen sind karg vertreten. Lesser Ury steuert etwa sein Gemälde „Im Café. Frau in Rot“ von 1911 bei, in dem eine blauäugige junge Dame mit kurzem Haarschnitt in einem vollbesetzten Lokal sich keck auf den Tisch lümmelt. Apolitisch, privat und friedvoll waren die Bildmotive des Berliner Impressionismus. Der gesellige Zeitvertreib in Biergärten, auf den Pferderennbahnen oder an den Seen um die Metropole verdrängt die alltäglichen Schwierigkeiten der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. So erzählt Liebermanns „Gartenlokal an der Havel – Nikolskoe“ aus dem Jahr 1916 von der sorglosen Atmosphäre in der Vorstadt der Metropole. Die gleiche Stimmung rufen Slevogts „Segelboote auf der Alster am Abend“ von 1905 mit hellen blauen Farben und auflösenden Formen hervor.

Den Vorrang der konventionellen Gattungen deuten die zahlreichen Porträts und Landschaften an. Dennoch verändert sich die Darstellungsform. So malte Heinrich Eduard Linde-Walther den Dichter Caesar Flaischlen im Jahr 1912, im Profil am Schreibtisch sitzend, mit einem großen Fenster im Hintergrund, dessen Licht die Figur des Dichters zu einer dunklen Silhouette formt. Die Sujets der Landschaftsbilder verlagern sich aus den monumentalen Gebirgs- und Wildnisgegenden in die Nähe der Wohnorte. Walter Leistikows „Aus dem Grunewald“ um 1907 erlaubt den Blick auf eine am See liegende Villa. Auf Wilhelm Trübners Gemälde „Schloss Hemsbach“ um 1904 verschlingt das leuchtende Grün die Fassade des Gebäudes. Atmosphärisch und trotzdem mit unübersehbaren Anzeichen der Zeit erscheinen die Stadtmotive. Romantischer blauer Nebel liegt auf der dicht bebauten Stadt in Max Schlichtings „Blick auf Paris“ von 1897. Über die Faszination der Lichteffekte in einer regnerischen Nacht berichtet Lesser Urys „Nollendorfplatz bei Nacht“ von 1925.

Auch das Interieur mit oder ohne Menschen erscheint immer öfter auf der Bildfläche. Die Gestaltung des Innenraums gewinnt an Bedeutung, wie Heinrich Hübners „Interieur aus Schloss Paretz“ um 1908/09 mit reichlich dekorativ bemalten Wänden beweist. Eine weitere Sicht ins Private stellt Franz Skarbinas intime „Näherin am Fenster“ um 1895 mit gedämpftem Lichtspiel dar. Zeugnisse vom Rückzug aus dem Öffentlichen legen die Gemälde mit Frauen und Kindern ab. Kühle Extravaganz strahlt Hugo von Habermanns „Frauenbildnis (In grünen Dolman)“ von 1911 aus. Ein strichelnder Pinselduktus und ein gewagter Kompositionsaufbau zeichnen dieses ungewöhnliche Porträt aus. Valentine Petit inspirierte Fritz Klimsch zu einer Bronzefigur von 1897/98, in der sie sich beim Tanz entkleidet. Fritz Rhein gelang es, die innige Vertrautheit zwischen Mutter und Kind in seinem Gemälde „Dame mit Kind“ von 1910 mit eigentlich traditionellen braungrauen Tönen wiederzugeben. Einen interessanten Vergleich bilden die Kinderporträts von Lovis Corinth und Sabine Lepsius. Während Corinths kleine „Lotte Roll“ von 1902 in flotten ungenauen Pinselstrichen natürlich und lebhaft auf den Betrachter schaut, vermittelt das Bildnis von Lepsius’ Tochter Monica von 1900 den Eindruck eines träumenden Mädchens in gestellter Pose.

Die Berliner Secessionisten bauten eine Plattform für die progressive Kunst auf, womit sie die beengenden akademischen Anforderungen überwanden. Die meisten Künstler beschäftigten sich mit dem Erbe des französischen Impressionismus in einer Verzögerung von circa 20 Jahren. Der französische Einfluss ermöglichte neue Entwicklungen in der deutschen Malerei. Die völlige Lösung von den Traditionen war formal und inhaltlich dadurch jedoch noch nicht vollbracht. Das Hauptverdienst der Secessionisten war die Ermöglichung der Pluralität der Kunstrichtungen, was einen Schwung in den weiteren Verlauf der Kunstgeschehens brachte. Schon bald wurde der Impressionismus vom Expressionismus überholt und die Moderne hielt Einzug. Aber so kurz wie der Berliner Impressionismus dauerte, so kostbar sind Werke, die dadurch entstanden sind.

Die Ausstellung „Berliner Impressionismus. Corinth – Liebermann – Slevogt und weitere Künstler der Berliner Secession“ läuft bis zum 1. Juni. Das Museum im Kulturspeicher Würzburg ist dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3,50 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



23.04.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Olga Chekanina

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