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Kunst zwischen Exotik, Fantasie und Weltversöhnung: Das Hamburger Ernst Barlach Haus erweckt das viele Grenzen überschreitende Schaffen des früh verstorbenen vierfachen Documenta-Teilnehmers Michael Buthe zu neuem Leben

Rückkehr eines Vergessenen



Die großen Weltreligionen, exotische Orte, archaische Kulte, uralte Märchen, schamanistische Rituale und immer wieder die eigene, überbordende Fantasie: In der sinnlichen, bunten und surreal-verspielten Kunst des vierfachen Documenta-Teilnehmers Michael Buthe (1944-1994) verschmilzt all das zu einem versöhnlichen, interkulturellen Amalgam. Die Ausstellung „Michael Buthe – Der Engel und sein Schatten“ im Hamburger Ernst Barlach Haus vereint jetzt 85 Werke des früh verstorbenen Hohepriesters einer lebensbejahenden Schöpferkraft und materialintensiven Opulenz. Die Arbeiten stammen überwiegend aus deutschen Privatsammlungen. Fragile Zeichnungen, Collagen, Malerei und raumgreifende Objekte entführen in eine dem Alltag entrückte Welt, in der Orient und Okzident, westliche Kunst und außereuropäischer Kult eine friedvolle und produktive Verbindung eingehen.


Buthes anrührend in einer Ecke präsentierte Skulptur „Madonna“ von 1972/79 zum Beispiel besteht aus einem silbern angestrichenen Holzklotz, auf dem eine in rosafarbenes Tuch behutsam eingewickelte Gipsmadonna steht. Drumherum gruppieren sich rostige Gartengeräte, ein exotischer Federschmuck, Bastbündel, wie sie afrikanische Medizinmänner verwenden, ein Büffelhorn und bunt durchwirkte Stoffe. Anspielungen auf das katholische Umfeld, in dem Buthe aufgewachsen ist, mischen sich mit ganz profanen Gegenständen und außereuropäischen Kultobjekten, die er von Reisen, beispielsweise nach Schwarzafrika, mitgebracht hat. Ein herkömmlicher Brotschieber aus angekokeltem Holz verwandelt sich durch dezente Bemalung und das Drapieren roter Stofffetzen in einen scheinbar mythisch aufgeladenen Kultgegenstand.

Michael Buthe gehört zu den exemplarischen Einzelgängern der jüngeren Kunstgeschichte. Ihn irgendeiner Schule oder Kunstrichtung eindeutig zuzuordnen, ist geradezu unmöglich. Der Schweizer Ausstellungsmacher Harald Szeemann, bekannt für seine Entdeckerqualitäten, zeigte den jungen Michael Buthe in gleich zwei richtungweisenden Ausstellungen: sowohl in der Epoche machenden Schau „When Attitudes become Form“ 1969 in Bern als auch drei Jahre später auf der Documenta 5 in Kassel. Von „individuellen Mythologien“ ist gerne die Rede, wenn Künstler wie Buthe sich einer materialintensiven Kombinatorik bedienen, die an ganz persönlichen Ordnungssytemen ausgerichtet ist.

Heutigen Zeitgenossen mag vielleicht manches an Buthes völkerverbindender und an Interpretationsangeboten reicher Kunst naiv, blauäugig oder schlichtweg kitschig erscheinen. Der „Clash of Civilizations“, das heute so oft bemühte Bild vom unversöhnlichen Aufeinanderprallen sich feindselig gegenüberstehender kultureller Systeme, aber existierte offenbar noch nicht in einer Zeit, in der vom Fernweh getriebene Wohlstandskinder mit bunt bemalten VW-Bullis nach Indien, Afghanistan oder – wie Buthe – nach Marokko aufbrachen und dort auf ebenso gastfreundliche wie neugierige Einheimische und deren Kultur trafen.

Mit seiner alles friedvoll miteinander verbindenden Kunst, seinen überbordenden Environments und den märchenprinzhaften Selbstinszenierungen in extravaganten Kostümen gehörte Michael Buthe in den 1970er und 1980er Jahren zu den schillerndsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten. Die Hamburger Ausstellung holt den lange Zeit in Vergessenheit geratenen „Michel de la Sainte Beauté“, wie er sich gern selbst titulierte, zurück ins Rampenlicht der jüngeren Kunstgeschichte, und plötzlich ist vieles klar: John Bock, Jonathan Meese, Christoph Schlingensief und all die anderen exaltierten Kunstchaoten unserer Tage mit ihren Kunst und Leben kraftvoll vereinenden Gesten, ausgeflippten Performances und teils maskulinen Selbstinszenierungen wären womöglich gar nicht denkbar, wenn ihnen der sanftmütige Weltenversöhner Michael Buthe nicht schon frühzeitig den Weg geebnet hätte.

Die Ausstellung „Michael Buthe – Der Engel und sein Schatten“ ist bis zum 1. Juni zu sehen. Das Museum hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, die Familienkarte kostet 7 Euro. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein 136seitiger Katalog im Kerber Verlag zum Preis von 27 Euro.

Kontakt:

Ernst Barlach Haus

Baron-Voght-Straße 50a

DE-22609 Hamburg

Telefon:+49 (040) 82 60 85

Telefax:+49 (040) 82 64 15



15.04.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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