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Labile Individuen auf der Suche nach sich selbst: In der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt zeigen die Video-Preisträger 2008, Eske Schlüters und Stefan Panhans, in einer lohnenswerten Ausstellung Videoarbeiten und Fotografien

Ich ist etwas anderes



Die globalisierte Welt im Jahre 2009: Alles ist unter Kontrolle. Die Suchmaschine Google beherrscht das Internet. Die global operierende Unternehmensberatung McKinsey bringt die Wirtschaft und die funktionierenden Human Resources auf Linie. Und das System PISA sorgt dafür, dass die globalen Bildungsstandards in eine schubladenartige Struktur gepresst werden – egal ob in Südgrönland oder auf den Malediven. Regelmäßig stattfindende Wirtschafts-, Finanz- und Klimagipfel schaffen für das alles die erforderlichen Rahmenbedingungen. Da bleibt wenig Platz für individuelles Denken, das Hinterfragen von Strukturen und eine kritische Auseinandersetzung mit den sich immer heftiger beschleunigenden Entwicklungen in Gesellschaft, Politik und Ökonomie. Eine Frage jedoch drängt sich gerade jetzt immer stärker in den Vordergrund: Wo bleibt der Einzelne mit seinen Ängsten, Gefühlen und Zweifeln, während sich ihm die Welt als undurchdringliches Machtsystem entgegenwirft?


In der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt bei Itzehoe sind zur Zeit aktuelle Arbeiten der beiden Förderpreisträger Video 2008, Eske Schlüters und Stefan Panhans, zu sehen. Beide Preisträger begeben sich in ihren Arbeiten auf die Suche nach brüchigen Identitäten, die ihren jeweiligen Protagonistinnen zu entgleiten drohen. Der in Hamburg und Berlin lebende Stefan Panhans, 42, untersucht in seinem aktuellen Video „If a Storeclerk Gave Me Too Much Change“ von 2009 die verschiedenen Rollen des Individuums im kapitalistischen Karrieresystem. Seine weibliche Protagonistin liegt in einem kokonartigen, knallroten Schlafsack auf einem riesigen Strohballen. Sie befindet sich in einer Art Trancezustand zwischen Schlafen, Träumen und Erwachen. Stakkatohaft und mit wechselnden Stimmlagen hält sie einen unablässigen Monolog. Dabei dreht sie dem Betrachter immer wieder ihr Gesicht zu, das die Maske des Bassisten der 1970er Jahre Hardrock-Band „Kiss“, Gene Simmons alias „The Demon“, trägt.

Mit einer wild assoziativen Textcollage aus Steuertipps und Raubsaurierbeschreibungen, Persönlichkeitstests, Psychoratgebern und dem Insider-Talk von fragwürdigen Netzwelt-Communities wie Facebook gelingt es Stefan Panhans, dem von Zweifeln geplagten Individuum eine zerbrechliche Stimme zu verleihen. Zurückgeworfen auf sich selbst in einem bescheidenen Zimmer mit wenigen Requisiten, verschwindet die Außenwelt im fiebrigen Assoziationsfluss der Protagonistin. Zurück bleibt der mitunter wild zuckende Kern eines prekären Selbst. Nach 15 Minuten Monolog erlebt der geduldige Betrachter eine überraschende Wiederholung: Die identische Szene wird von einer zweiten Darstellerin, nur in winzigen Nuancen verändert, noch einmal gespielt.

„After the Rehearsal“ lautet der Titel der rund 7minütigen Videoarbeit der Hamburger Künstlerin Eske Schlüters, 38, die zur Zeit als Villa Romana-Stipendiatin in Florenz lebt. Zu sehen ist die blonde Schauspielerin Delphine Seyrig, eine der rätselhaftesten und zerbrechlichsten weiblichen Darstellerinnen des französischen Autorenkinos, während der Dreharbeiten zu dem Spielfilm „Jeanne Dielman“, den die belgische Regisseurin Chantal Akerman 1975 realisiert hat. Die schwarzweißen „Making of“-Aufnahmen bilden das Grundmaterial für Eske Schlüters Videoarbeit, die mit weiterem gefundenen Filmmaterial sowie einigen Störelementen angereichert ist. Über den Szenen liegt ein emotionslos vorgetragener englischer Text, der sich in assoziativen Beobachtungen und Fragestellungen mit der Doppelidentität eines Schauspielers beschäftigt. Wann wird die Rolle abgelegt? Wie lassen sich die Gedanken beim Spielen aus dem Kopf verscheuchen? Die Protagonistin denkt, handelt, agiert, fragt und spielt zugleich: Kann der permanente Wechsel zwischen Rolle und Person durchgehalten werden, während sie mechanisch zwei Stück Würfelzucker im Kaffee verrührt?

Ergänzend zu den beiden Videoarbeiten präsentiert die Kuratorin der Arthur Boskamp-Stiftung, die Berlinerin Petra Reichensperger, Foto- und Plakatarbeiten der beiden Preisträger. Von Stefan Panhans werden vier großformatige Fotografien aus seiner neuesten Serie gezeigt. Zu sehen sind präzis herausgelöste Momente aus der global vernetzten Alltags- und Konsumwelt. Eske Schlüters hingegen stellt eine Installation aus zwanzig auf Aludibond aufgezogenen Plakaten vor, die der Besucher vorsichtig durchblättern darf. Auch hier setzt sie sich mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft und mit Fragen der Inszenierung des Individuums auseinander.

Die Ausstellung „Stefan Panhans und Eske Schlüters: again here. because we aren’t what we are“ ist bis zum 24. Mai zu sehen. Die Arthur Boskamp-Stiftung hat samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Am 15. Mai gibt es eine gute Gelegenheit, weitere Künstlerfilme in Hohenlockstedt zu sehen. Unter dem Titel „Stage of desire“ hat Petra Reichensperger gemeinsam mit den Künstlern ein spannendes Filmprogramm mit Arbeiten von Guy Ben-Ner, Keren Cytter, Jeanne Faust/Jörn Zehe, Judith Hopf/Deborah Schamoni, Deborah Ligorio, Ho Tzu Nyen, Ming Wong zusammengestellt.

Kontakt:

Arthur Boskamp-Stiftung - M.1 Hohenlockstedt

Breite Straße 18

DE-25551 Hohenlockstedt

Telefon:+49 (04826) 850 110

Telefax:+49 (04826) 850 111

E-Mail: info@arthurboskamp-stiftung.de



14.04.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


30.03.2009, again here. because we aren‘t what we are. Stefan Panhans und Eske Schlüters - Förderpreise Video 2008

Bei:


Arthur Boskamp-Stiftung

Bericht:


Fotografie und Stefan Panhans in Esslingen

Bericht:


Stipendiaten des Edith-Ruß-Hauses 2017

Variabilder:

Zum Durchblättern: Plakate auf Aludibond von Eske Schlüters
Zum Durchblättern: Plakate auf Aludibond von Eske Schlüters

Künstler:

Eske Schlüters

Künstler:

Stefan Panhans







Zum Durchblättern: Plakate auf Aludibond von Eske Schlüters

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