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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ergebnisse: Gemälde des 19ten Jahrhunderts im Dorotheum Wien

In die Fußstapfen



Carlo Bossoli, Markttreiben auf der Piazza Navona in Rom, 1848

Carlo Bossoli, Markttreiben auf der Piazza Navona in Rom, 1848

Mit italienischen Meistern schafft das Wiener Dorotheum jederzeit einige seiner größten Gewinne. Nicht nur die Alten Meister haben es am 31. März bewiesen, auch das 19te Jahrhundert reihte sich einen Tag später in diese Erfolgsgeschichte ein. Einer der Stars dieses Tages hieß Carlo Bossoli, einer jener meisterhaften Stadtschilderer, von denen ganz Europa im 19ten Jahrhundert so reich war. Seine Gouache aus dem Jahr 1848 zeigt auf mittelgroßem Breitformat von einem Meter die Piazza Navona zu Rom, von jeher eine der beliebten Attraktionen für Römer und Rombesucher. Idyllisch war damals das rege Markttreiben. Kohlköpfe und Ochsengespanne sind inzwischen durch Handtaschenhändler und Caféhausstühle verdrängt, dennoch hat sich die Gesamterscheinung des langgestreckten Platzes mit der prächtigen Barockkirche Sant’Agnese in Agone nur wenig verändert. Vielleicht gerade darum war das Bild so heiß begehrt an jenem Mittwochabend: Die rasch hingepinselten Veduten heutiger Straßenmaler werden durch die feine Zeichenkunst des Carlo Bossoli und die überdies dramatische Beleuchtung in den Schatten gestellt. 130.000 Euro also lautete das Ergebnis des heißen Bietgefechts, das der Schätzpreis bei 40.000 bis 50.000 Euro enden lassen wollte.


Bossoli zog eine ganze Schar von Italienmalern hinter sich her – nicht nur aus den heimischen Gefilden. Der geborene Sachse Alexander Herrmann etwa gehörte zu der großen Schar von Deutschrömern, die Italien in der ersten Generation nach den Nazarenern geradezu überschwemmten. Der 1845 jung gestorbene Herrmann, der auch als Architekt arbeitete, schlug mit seiner exakten Wiedergabe von Santa Maria della Catena im Hafen vor Palermo 22.000 Euro los (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Spanien schickte Rafael Senet y Pérez, seine Venedig-Impression mit der Salutekirche schaffte die untere Grenze von 25.000 bis 30.000 Euro. Der Mailänder Maler Gerolamo Induno pflegte neben Historie und Bildnis auch das Genre, sein armer Cellist im Schnee aus dem Jahr 1869, ein anmutiges Menschenbild auf kleinem Format, wurde mit 50.000 Euro bedacht (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Bei Vittorio Matteo Corcos’ Jugendstiladaption „Die drei Schwestern“ reichte es zu 17.000 Euro (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Doch waren die Italiener nicht die Einzigen mit hohem Potential. Auf dem hauseigenen Terrain der österreichischen Kunst war man mindestens ebenso stark und konnte mit Ferdinand Georg Waldmüllers 1850 datiertem Genrebild „Die milde Gabe“ einen echten Knaller der Wiener Spätbiedermeierkunst präsentieren. Entsprechend rasch erfolgten die Gebote, bis ein Privatsammler mit 260.000 Euro schließlich den Zuschlag für dieses Gemälde erhielt, das zuvor noch niemals eine Auktion gesehen hatte, aber 1939 nach dem Zwangsverkauf durch die damaligen Eigentümer für das sogenannte „Führermuseum“ in Linz vorgesehen war (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Der Düsseldorfer Malerschule entstammte Carl Jutz, berühmt geworden und bis heute geblieben für seine Hühnerbilder. Trotz dieser etwas einseitigen Spezialisierung erzielte ein entsprechendes Gemälde aus dem Jahr 1894 stolze 36.000 Euro – stolz auch angesichts der bescheidenen Maße von rund 40 mal 50 Zentimetern (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Der Tradition der religiösen Malerei des 17ten Jahrhunderts zeigt sich der Niederländer Gustave Wappers in seiner Allegorie der christlichen Seele zwischen Tugend und Laster aus dem Jahr 1842 verpflichtet. Die technisch gute, thematisch etwas gesuchte Darstellung wurde mit 24.000 Euro honoriert (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Auf Seiten der retrospektiven Landschaftsmalerei beeindruckte Frederik Marinus Krusemans abendliche Sommerlandschaft aus dem Jahr 1874 zu 50.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Und zur Komplettierung der Sujets war Henri-Joseph Dillens angetreten, der seinen zahlreichen Geschichten rund um den französischen König Heinrich IV. 1844 die Geschichte „Heinrich IV. und der Müller“ hinzufügte. Die volkstümliche Darstellung entpuppte sich als höchst gefragt und verzehnfachte seinen Schätzpreis schließlich auf 50.000 Euro.

Biedermeier pur ist Carl Josef Alois Agricolas Portrait der Fürstin Gabriele Dietrichstein als Hebe aus dem Jahr 1821. Die Darstellung der am Himmel herumfliegenden Dame ist heute nur mehr kurios zu nennen, erbrachte aber dennoch 16.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Besonders erfreulich war dann der Verkauf von zwei Ölgemälden Anton Romakos, der diesem noch immer unterschätzten Modernisten in der österreichischen Kunstgeschichte des 19ten Jahrhunderts wenigstens einmal Gerechtigkeit widerfahren lässt. Die vermutlich zusammengehörigen Ansichten der Ruine Rauenstein und der Weilburg bei Baden wurden mit 40.000 Euro und sogar 85.000 Euro weit über die Erwartungen hinausgehoben (Taxen je 25.000 bis 35.000 EUR).

Die Gruppe der sogenannten Stimmungsimpressionisten hatte gegen Ende der Veranstaltung noch einen dritten Höhepunkt zu bieten: Olga Wisinger-Florians prächtige Naturstudie „Im Garten“ sicherte sich ein Kunde für den stolzen Preis von 145.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Flankiert wurde dieses Schmuckstück von Marie Egners „Hinterhof in Meersburg“ von etwa 1905 für 24.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR) und Robert Russ’ Impression mit „Blick auf die Ruine Hinterhaus bei Spitz“ für 50.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Alfred Zoff schaffte mit seinem felsigen Küstenausschnitt bei Nervi noch 13.000 Euro (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR), Emil Jakob Schindler musste sich dagegen mit 30.000 Euro für seine pittoreske Waldmühle begnügen (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).

Weniger Erfolg hatten dagegen die Meister aus Ost und Südost. Des Ungarn Paul Joanovits Bildnis einer eleganten Dame im Fauteuil aus dem Jahr 1903 blieb ebenso unveräußert (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) wie Antoni Piotrowskis nachträgliche Darstellung der Schlacht am Fluss Slivnica 1885 unter dem bulgarischen Fürsten Alexander von Battenberg aus dem Jahr 1889 (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Aus dem Besitz Battenberg-Hartenau stammten noch einige Arbeiten Carol Szathmáris mit viel lokalhistorischem Kolorit. Seine vierzehnteilige Aquarellserie bulgarischer Trachten spielte die vorgesehenen 3.000 Euro ein, die vier Aquarelle um Alexander I. von Bulgarien kamen auf 9.500 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Noch exotischer musste es sein, etwa Max Friedrich Rabes’ Blick auf Istanbul mit Dolmabahçe-Palast und Artaköy-Moschee zur unteren Taxe von 40.000 Euro oder zwei musizierenden Bettlern vor einem Palasteingang von Antonio Maria Fabrés y Costa von 1881 für freilich etwas magere 20.000 Euro (Taxe 24.000 bis 28.000 EUR). Mehr Erfolg war dem Kubaner Esteban Chartrand beschieden, dessen Sonnenuntergang in den Tropen aus den 1880er Jahren sich auf 14.000 Euro verbesserte (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Wilhelm Kuhnerts Wasserbüffel an einer Wasserstelle in der Savanne musste dagegen unverrichteter Dinge wieder abziehen (Taxe 50.000 bis 55.000 EUR), ebenso wie Pedro Weingartners blumenbekränzte Mädchen von Nuova Veneza aus dem Jahr 1893 (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Kunst aus entlegeneren Regionen läuft auf dem deutschsprachigen Kunstmarkt also derzeit nicht mehr so gut geölt wie noch vor ein oder zwei Jahren. Zu den Rückgängen zählte auch das lebensgroße Ganzfigurenportrait der Comtesse Rosalie Paulee Duchatel, 1841 in Paris von dem großen Biedermeierportraitisten Franz Xaver Winterhalter geschaffen (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). All dies sind verkraftbare Trübungen einer Bilanz, die mit einem Bruttoergebnis von rund 2,14 Millionen Euro und einer Zuschlagsquote von gut 51 Prozent nach Losen in die Fußstapfen ihrer Vorgängerinnen der vergangenen Jahre trat.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



07.04.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Zuschlag: 260.000,- EURO

Losnummer: 336

Frederik Marinus Kruseman, Sommerlandschaft mit rastenden Hirten und Herde, 1874

Frederik Marinus Kruseman, Sommerlandschaft mit rastenden Hirten und Herde, 1874

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

Losnummer: 355

Vittorio Matteo Corcos, Die drei Schwestern

Vittorio Matteo Corcos, Die drei Schwestern

Taxe: 9.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 17.000,- EURO

Losnummer: 319

Alexander Herrmann, Santa Maria della Catena im Hafen von Palermo

Alexander Herrmann, Santa Maria della Catena im Hafen von Palermo

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 22.000,- EURO

Losnummer: 301

Carl Josef Alois Agricola, Fürstin Gabriele Dietrichstein als Hebe, 1821

Carl Josef Alois Agricola, Fürstin Gabriele Dietrichstein als Hebe, 1821

Taxe: 5.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 16.000,- EURO

Losnummer: 332

Olga Wisinger-Florian, Im Garten

Olga Wisinger-Florian, Im Garten

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 145.000,- EURO

Losnummer: 482

Anton Romako, Die Weilburg bei Baden mit der Cholera-Kapelle

Anton Romako, Die Weilburg bei Baden mit der Cholera-Kapelle

Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 85.000,- EURO

Losnummer: 473

Gerolamo Induno, Das Cello, 1869

Gerolamo Induno, Das Cello, 1869

Taxe: 35.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

Losnummer: 318

Anton Romako, Blick auf die Ruine Rauenstein bei Baden

Anton Romako, Blick auf die Ruine Rauenstein bei Baden

Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 40.000,- EURO

Losnummer: 472

Robert Russ, Blick auf die Ruine Hinterhaus bei Spitz

Robert Russ, Blick auf die Ruine Hinterhaus bei Spitz

Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

Losnummer: 483




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