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Das Architekturzentrum Wien widmet sich Bogdan Bogdanovic

Der verdammte Baumeister



Bogdan Bogdanovic, Gedenkstätte für die KZ-Opfer in Jasenovac, Kroatien, 1966

Bogdan Bogdanovic, Gedenkstätte für die KZ-Opfer in Jasenovac, Kroatien, 1966

Was hat er nicht alles gemacht und erlebt in seinem Leben: Bogdan Bogdanovic, 1922 in Belgrad geboren, war nicht nur der führende Denkmalarchitekt des ehemaligen Vielvölkerstaates Jugoslawien, sondern auch jugendlicher Partisan, später Universitätsprofessor, unkonventioneller Urbanologe, Essayist, Schriftsteller und Philosoph und zwischen 1982 und 1996 Bürgermeister der jugoslawischen Metropole. Seine Hauptwerke schuf der vielseitige Künstler mit 19 Gedenkstätten als Zeichen gegen Krieg und Vernichtung: Mahnmale für die Opfer des Faschismus, beziehungsweise in Gedanken an Partisanen. Nachdem Bogdanovic dem Milosevic-Regime in einem antinationalistischen und antimilitaristischen Brief die Stirn geboten hatte, geriet er unter Druck, wurde verfemt und bedroht. Seinen wiederholt antinationalistischen Äußerungen während des Krieges in Kroatien und Bosnien-Herzegowina in den Jahren 1991 und 1992 folgte eine Hetzkampagne in den staatlichen Medien und gewalttätige Übergriffe. 1993 übersiedelte er auf Initiative seines Jugendfreundes, des Schriftstellers Milo Dor, mit seiner Frau Ksenija nach Wien.


Vor vier Jahren übergab Bogdan Bogdanovic sein gesamtes zeichnerisches Archiv dem Architekturzentrum Wien. Zum ersten Mal überhaupt werden dort die 19 Denkmäler, die Bogdanovic im gesamten Gebiet Ex-Jugoslawiens zwischen 1951 und 1981 realisiert hat, zusammen mit einen Teil der rund 12.500 vermachten Werke, darunter architektonische Entwürfe, Skizzen und Zeichnungen, in einer sorgfältig kuratierten Ausstellung nun präsentiert.

Die monografisch aufbereitete Schau gliedert sich in vier Abschnitte. Der größte Teil ist der Erinnerungsarchitektur gewidmet. In großen horizontalen, an Seilen hängenden Präsentationsflächen sind die zu jedem Projekt dazugehörigen Fotografien, Texte und Zeichnungen zu sehen. Meist sind es Skizzen, die Bogdanovic überraschender Weise erst nach der Realisierung der Denkmäler aufnahm und die den Gedenkstätten die Rolle einer Zwischenstation innerhalb des Gesamtwerkes zuweisen.

Gerade 30jährig realisierte Bogdan Bogdanovic 1951/52 sein erstes Bauwerk – das Denkmal für die jüdischen Opfer des Faschismus in Belgrad: Zwei 10,5 Meter hohe, mit Granitplatten verkleidete Flügel aus Beton markieren das Ende einer leicht abfallenden Allee am jüdischen Friedhof. In das Pflaster des Korridors und in die niedrigen Mauern, die ihn umgeben, wurden Reste des Fassadenschmucks der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Bauten der Belgrader Altstadt eingefügt. Erst sieben Jahre später, eine Zeit, die Bogdanovic als Hungerjahre beschreibt, beginnt er 1959 mit der Planung von drei weiteren Gedenkstätten: dem Gedenkfriedhofs für die Opfer des Faschismus im serbischen Sremska Mitrovica (1959-1960) und der terrassierten, sich über eine Fläche von 5.200 Quadratmetern erstreckenden Partisanennekropole in Mostar in Bosnien-Herzegowina (1959-1965). Sein poetischer und dennoch pathosloser Umgang mit Stätten der Zerstörung fand in der berühmten Blume von Jasenovac in Kroatien (1959-1966), die an der Stelle eines ehemaligen Konzentrationslagers steht, eine eindringliche Umsetzung.

„Die Arbeiten von Bogdan Bogdanovic sind mit dem Vokabular der Architekturtheorie des 20. Jahrhunderts nicht beschreibbar“, diagnostizierte Friedrich Achleitner in seiner kürzlich erschienenen Hommage in der Wochenzeitung „Die Zeit“: „den Konservativen gilt er als ein ambivalenter, damit verdächtiger, manchmal ausgeflippter und surrealer Querdenker; den Modernisten hingegen als Formalist, Gnostiker, Metaphysiker, Symbolist ohne festgeschriebene Semantik. Dem technizistischen Fortschritt tritt er als fundamentaler Skeptiker gegenüber. Als Architekt vertraut er mehr dem Handwerk und der Sprache des Steins als neuen Technologien und Materialien.“

Im Wissen um die Schwierigkeit, Orte der Memorialarchitektur zu schaffen, an denen man der Ereignisse eines Vernichtungskrieges gedachte, an denen Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Ethnien sowohl ermordet wurden als auch gemordet hatten, verbannte Bogdanovic aus seinen Gedenkstätten jedes ideologische Vokabular. Auf abstrakte Weise erinnern die archaisch anmutenden Ensembles an Krieg und Gewalt, betonen aber nie die damit verbundenen Gräueltaten und laden, auch wenn sie wie der Gedenkpark Dudik in Vukovar beinahe zerstört sind, zum kontemplativen Verweilen ein. Die skulpturalen Elemente der Anlagen sind stets in die Landschaften eingebunden, nicht in pathetische Inszenierungen oder monumentale Plätze. Die in der Ausstellung präsentierten Fotografien dokumentieren, auf welch unnachahmliche Art Bogdanovic es vermochte, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verbindenden und mit einer dem Leben zugewandten Haltung zu überzeugen: in den Nekropolen spielen Kinder und Familien treffen sich zum gemeinsamen Picknick.

So wie es zwingend ist, das zeichnerische Werk von Bogdan Bogdanovic zusammen mit seinen Bauten zu sehen, so sind auch sein schriftstellerisches Werk und seine Tätigkeit als Lehrer nicht isoliert zu betrachten. Bogdanovic wuchs in einem liberalen, intellektuellen Elternhaus auf. Schon während seiner Schulzeit bekam er durch seinen Vater die Gelegenheit, einige Angehörige des von André Breton beeinflussten Belgrader Surrealistenkreises persönlich kennen zu lernen. Als Gymnasiast schloss er sich der Kommunistischen Jugend Jugoslawiens an. Die Ideen, die Bogdanovic durch diese Kontakte entwickelte, teilte er mit Mitschülern, mit denen er eine literarische Gruppe gründete.

Während der Zeit nach seinem ersten Auftrag, widmete er sich intensiv dem Lesen und Schreiben. 1956 bekam er den Auftrag für eine wöchentliche Rubrik über Städte und Städtebau in der Zeitung Borba. Die Rubrik nannte er „Der kleine Urbanismus“ als Gegenbegriff zum „großen Urbanismus“, wie er die abschreckende städtebauliche Praxis im sozialistischen Jugoslawien in jener Zeit bezeichnete. Er plädierte für einen persönlichen Zugang zur Gestaltung einer Stadt und für die Wiedereinführung des menschlichen Maßes bei deren Planung. Forderungen, die prägend für sein gesamtes Werk werden sollten. In einem Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren veröffentlichet er eine große Anzahl an Publikationen: bis heute umfasst sein literarisches Œuvre achtzehn Bücher und mehr als fünfhundert sonstige bibliographische Titel.

35 Jahre lang unterrichtete Bogdanovic an der architektonischen Fakultät der Universität Belgrad und rief schon früh das Unterrichtsfach Urbanologie ins Leben. In den 1970er Jahren gründete er die halbprivate „Dorfschule für die Philosophie der Architektur“ in der Nähe von Belgrad, wo er alternative Workshops und Kurse leitete, um den Studentinnen einen neuen, elementaren Zugang zur Architektur zu eröffnen.

In einem lauten, nach Aufmerksamkeit gierenden Ausstellungsbetrieb, vermittelt das Architekturzentrum Wien mit seiner aktuellen Präsentation, einen sachlichen und fundierten Einblick in das reiche Spektrum eines unangepassten Künstlers, der sich mit einem sprachlich-philosophischen und künstlerischen Anspruch in Architektur und Kunst hineingearbeitet hat und dem es gelungen ist, dem ideologisch festgefahrenen Denkmaldiskurs über die Gräuel des Zweiten Weltkriegs einen sinnlich erlebbaren und intellektuell redlichen Ausweg zu bieten. Die unprätentiöse Ausstellung im Wiener Museum entspricht diesem Anspruch aufs Schönste.

Die Ausstellung „Bogdan Bogdanovic – Der verdammte Baumeister“ ist bis zum 2. Juni zu sehen. Das Architekturzentrum Wien hat täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Zur Ausstellung erscheint der Katalog „Bogdan Bogdanovic. Memoria und Utopie in Tito-Jugolslawien“ sowie die Ausgabe 42 der Eigenpublikation „Hintergrund“.

Kontakt:

Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 522 31 15

Telefax:+43 (01) 522 31 17

E-Mail: office@azw.at



31.03.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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05.03.2009, Bogdan Bogdanovic - Der verdammte Baumeister

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Architekturzentrum Wien

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Bogdan Bogdanovic, Gespaltene Amphora am
 Gedenkfriedhof für die Opfer des Faschismus, 1960
Bogdan Bogdanovic, Gespaltene Amphora am Gedenkfriedhof für die Opfer des Faschismus, 1960

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Bogdan Bogdanovic, Slobodiste, symbolische
 Nekropole mit Freilichtbühne, 1965
Bogdan Bogdanovic, Slobodiste, symbolische Nekropole mit Freilichtbühne, 1965

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Bogdan
 Bogdanovic, um 1972
Bogdan Bogdanovic, um 1972

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Bogdan Bogdanovic, Partisanennekropole, kosmologischer
 Kreis, 1965
Bogdan Bogdanovic, Partisanennekropole, kosmologischer Kreis, 1965

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Bogdan Bogdanovic, Kenotaphe für die Opfer des Faschismus, 1975
Bogdan Bogdanovic, Kenotaphe für die Opfer des Faschismus, 1975

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Bogdan Bogdanovic, aus dem „Bestiarium“ für das
 Kriegermausoleum in Cacak, um 1980
Bogdan Bogdanovic, aus dem „Bestiarium“ für das Kriegermausoleum in Cacak, um 1980

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Bogdan Bogdanovic, Gedenkstätte für die KZ-Opfer in
 Jasenovac, Kroatien, 1966
Bogdan Bogdanovic, Gedenkstätte für die KZ-Opfer in Jasenovac, Kroatien, 1966







Bogdan Bogdanovic, Gespaltene Amphora am Gedenkfriedhof für die Opfer des Faschismus, 1960

Bogdan Bogdanovic, Gespaltene Amphora am Gedenkfriedhof für die Opfer des Faschismus, 1960

Bogdan Bogdanovic, Slobodiste, symbolische Nekropole mit Freilichtbühne, 1965

Bogdan Bogdanovic, Slobodiste, symbolische Nekropole mit Freilichtbühne, 1965

Bogdan Bogdanovic, um 1972

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Bogdan Bogdanovic, Partisanennekropole, kosmologischer Kreis, 1965

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Bogdan Bogdanovic, Kenotaphe für die Opfer des Faschismus, 1975

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Bogdan Bogdanovic, aus dem „Bestiarium“ für das Kriegermausoleum in Cacak, um 1980

Bogdan Bogdanovic, aus dem „Bestiarium“ für das Kriegermausoleum in Cacak, um 1980

Bogdan Bogdanovic, Probeillustration für Zaludna mistrija (Die müßige Maurerkelle), ca. 1963

Bogdan Bogdanovic, Probeillustration für Zaludna mistrija (Die müßige Maurerkelle), ca. 1963




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