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Jenseits von Döner und Kopftuchzwang – eine Ringausstellung in Pinneberg, Wedel, Elmshorn und Hamburg zeigt, dass Gegenwartskunst aus der Türkei sich international nicht zu verstecken braucht

Made in Turkey



Zeitgenössische Kunst kann offenbar noch immer kleine Skandale hervorrufen. In diesem Fall geht es um die Empfindlichkeit norddeutscher Politikerinnen gegenüber angeblich blondinenverunglimpfenden Videofilmen, erdacht ausgerechnet von einem jungen Türken. So geschehen in Pinneberg. Die stellvertretende Landrätin des Kreises Pinneberg, Anna-Ilse Wehner (SPD), erhob jetzt in einem Brief an den Landrat Einspruch gegen das Video „Pompa“ des 1970 geborenen Istanbuler Künstlers Extramücadele. Es zeigt eine leicht bekleidete junge Frau, die auf laszive Weise mit einer Benzinpumpe tanzt. Der Künstler verpackt so seine Kritik am Krieg im Irak. Schließlich geht es da bekannterweise auch um Öl. Frau Wehner störten allerdings weniger die „pornografischen Tendenzen“. Diese müsse man in der modernen Kunst ja mittlerweile hinnehmen. Vielmehr störte sie sich an der Tatsache, dass der Künstler seine „Botschaft durch eine junge blonde, westeuropäisch oder nordamerikanisch aussehende Frau“ vermittelt. Ist es Frau Wehner vielleicht entgangen, dass es gerade im Vielvölkerstaat Türkei auch sehr viele blonde Frauen und Männer gibt, und dass die trendige Mega-City Istanbul den westlichen Metropolen London und New York in ihrer Liberalität vielleicht näher ist als dem Landkreis Pinneberg? Und überhaupt: War nicht sogar Kemal Atatürk, der Gründer der modernen Türkei, blond und blauäugig?


Dennoch, Ausstellungsmacherin Heike Stockhaus kann dieser kleine Skandal nicht unlieb sein, lenkt er doch die Aufmerksamkeit auf eine sorgsam erarbeitete Gruppenausstellung, die in diesen Tagen in gleich vier Häusern in Schleswig-Holstein und Hamburg eröffnete. „Made in Turkey“ ist eine gut recherchierte Übersichtsschau über die zeitgenössische Kunstproduktion in der Türkei der letzten 30 Jahre. Ursprünglich erarbeitet wurde die Ausstellung als Rahmenprogramm der Frankfurter Buchmesse 2008 mit der Türkei als Gastland. Sie fand in Kooperation mit dem Goetheinstitut statt und stand unter der Schirmherrschaft unter anderem von Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Im Norden sind die Arbeiten der 50 Künstler aus vier Generationen jetzt auf vier Häuser aufgeteilt: die Drostei in Pinneberg, die Hauptkirche St. Trinitatis in Hamburg-Altona, das Ernst Barlach Museum in Wedel und den Kunstverein Elmshorn-Torhaus.

Tradition und Experiment, starre Rollenmuster und die Befreiung daraus, westliche Dominanz und politisches Selbstbewusstsein, religiöse Einkehr und die kritische Auseinandersetzung mit dem Islam – das sind einige der Pole, innerhalb derer sich die jüngere türkische Kunst bewegt. Das Ornament in verschiedenen Spielarten taucht auf den Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen ebenso auf wie hyperrealistische Bilder von großer Inhaltlichkeit. Menschliche Beziehungen, Wanderungsbewegungen, ungebremstes Wachstum und das Leben in urbanen Großsiedlungen werden von etlichen Künstlern thematisiert. Gerade die jüngste Generation türkischer Künstler hat den Anschluss an den internationalen Kunstbetrieb gefunden und erzielt auch auf dem Kunstmarkt beachtliche Erfolge. Die 1974 geborene Leyla Gediz aus Istanbul beispielsweise wurde am renommierten Londoner Goldsmith College ausgebildet. Ihre Bilder verblüffen durch einfache, leicht wiedererkennbare Muster und irritierende Handlungen, die den Betrachter gleichzeitig fesseln und im Unklaren lassen.

Konkreter geht es da in dem ebenso poetischen wie politisch aufgeladenen Video „Despair“ von Sükran Moral, 46, zu. Eine Gruppe von Flüchtlingen steht dicht gedrängt auf einem Boot. Ihre Reise in die Ungewissheit ertragen sie stumm, ihre Blicke schwanken zwischen Schmerz und Hoffnung. Warum sie ihre Heimat verlassen, bleibt unklar. Es können Menschen auf der Suche nach Arbeit oder auch politische Flüchtlinge sein. Traurig erklingt dazu ein bekanntes türkisches Lied über die Nachtigall. Die Ausstellung versammelt Kunst aller Medien, darunter auffallend viel Malerei, aber auch skulpturale Arbeiten etwa der „Grande Dame“ der türkischen Bildhauerei, Seyhun Topuz, 66, die mit einer minimalistisch-geometrischen Arbeit vertreten ist. Als Kontrapunkt dazu findet man das emotional aufgeladene Rosenbett von Aysen Urfalioglu, 41, eine Skulptur aus vielen Filzlagen, bestreut mit roten Rosenblättern. Die Künstlerin verarbeitet hier den Tod ihres Kindes.

Zum Auftakt von „Made in Turkey“ gab es an zwei Orten eine Musik- und Videoperformance der Gruppe MORS-Code mit metropolitanem Jazz-Crossover und clipartig geschnittenen Bildern von Frankfurt und Istanbul. Orient meets Okzident – nicht ohne Hintergedanken wurde als Logo für die Ausstellung das Bild einer Brücke gewählt.

Der Katalog zur Ausstellung „Made in Turkey. Positionen türkischer Kunst 1978-2008“ mit 392 Seiten kostet 28 Euro.

Orte und Zeiten:
Die Drostei - Haus des Barock und der Moderne – Pinneberg, bis 19. April
Hauptkirche St. Trinitatis, Hamburg Altona, bis 10. Mai
Ernst Barlach Museum Wedel, bis 10. Mai
Kunstverein Elmshorn, Torstraße, bis 19. April

Kontakt:

Ernst Barlach Museum Wedel

Mühlenstraße 1

DE-22880 Wedel

Telefon:+49 (04103) 91 82 91

Telefax:+49 (04103) 97 135

E-Mail: kontakt@ernst-barlach.de

www.madeinturkey-project.org



30.03.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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