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Kunstmarkthype ade, es lebe der künstlerische Blick auf die Welt: Die Biennale Venedig definiert sich neu. Ihr diesjähriger Direktor, der Schwede Daniel Birnbaum, gab jetzt in Berlin erste Einblicke in seine Pläne für die 53. Ausgabe der Internationalen Kunstausstellung, die am 7. Juni eröffnet wird

Kunst als Werkzeug für das Verständnis unserer Zeit



Rom, Berlin, Paris, London und New York. Daniel Birnbaum und sein kleines Team haben in diesen Tagen ein volles Programm. Der Direktor der Biennale Venedig und seine Entourage klappern zur Zeit eine Kunstmetropole nach der anderen ab, um die Werbetrommel für ein Großkunstereignis zu rühren, das eigentlich gar keine Werbung mehr braucht. Jetzt waren sie in Berlin zu Gast.


Die Biennale Venedig gibt es seit 1895, und sie dürfte auch in Zeiten von Kunstmarkt- und sonstigen Krisen nicht an Anziehungskraft verlieren. Vielleicht geht sie aus der derzeit angespannten Situation sogar gestärkt hervor. Denn mit dem Schweden Daniel Birnbaum, Jahrgang 1963, hat die diesjährige Ausgabe einen Direktor gefunden, der sich dezidiert zur Kunst und zu den Künstlern bekennt: „Künstler erschaffen neue Welten und nicht nur Objekte“, sagt Birnbaum, dessen intime Nähe zu den Produzenten von Kunstwerken sicherlich auch aus seiner Tätigkeit als Rektor der Frankfurter Städelschule resultiert. Außerdem leitet Birnbaum auch das Frankfurter Ausstellungshaus Portikus. Er schreibt für zahlreiche internationale Kunstmagazine wie Artforum, Parkett oder Frieze und er war bereits in der Vergangenheit für etliche Großausstellungen in London, Paris, Turin oder Moskau verantwortlich.

Nun also Venedig. Die diesjährige Biennale kann mit einer neuen Rekordzahl von 77 Teilnehmerstaaten aufwarten. Allein der Vatikan, der Ende 2008 mit groß angekündigten Plänen für seine erstmalige Teilnahme an die Öffentlichkeit trat, sagte jetzt kurzfristig ab. Man brauche noch zwei Jahre Vorbereitungszeit, hieß es aus dem Kirchenstaat. Birnbaum ist Herr über 50.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in den Giardini – dort sind die zentralen Länderpavillons unter der Eigenregie von Staaten wie Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Österreich oder der Schweiz untergebracht. Dazu kommen 38.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in den alten Zeughäusern der Seemacht Venedig, dem sogenannten Arsenale. Erstmals in diesem Jahr wird es auch einen romantisch verwilderten Skulpturengarten mit weiteren 6.000 Quadratmetern geben. Der „Giardino delle Vergine“, zu deutsch Jungfrauengarten, biete Platz für wildpoetische Inszenierungen, so Birnbaum. Hinzu kommen, über die ganze Stadt und ihre Inseln verteilt, die in alten Palazzi, Fabriken oder Lagerhäusern untergebrachten Pavillons der später hinzugekommenen Teilnehmerstaaten.

Jede Biennale von Venedig hat einen programmatischen Titel, ein Motto, das die inhaltliche Marschrichtung ihres Direktors bestimmt: „Making Worlds“ lautet er in diesem Jahr. Die offizielle deutsche Übersetzung „Weltenmachen“ deutet an, worum es dem Visionär Birnbaum geht, der in der von ihm selbst kuratierten Schau mehr als 90 Künstler aus aller Welt zeigen wird. Der sympathische Schwede ist nämlich viel weniger Materialfetischist als Ideenfanatiker. Gute Künstler, so Birnbaum, seien diejenigen, die es fertigbringen „unseren Blick auf die Welt ein kleines bisschen zu verschieben“. Das könne manchmal bloß ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „Betrachte den Himmel“ sein, wie Yoko Ono sie unters Publikum bringe.

„Ein Kunstwerk“, so Birnbaum, „ist mehr als ein Gegenstand oder ein Handelsgut. Es ist Ausdruck einer Weltanschauung und muss eigentlich, wenn man es ernst nimmt, als Akt des Formens einer Welt verstanden werden.“ Experimentell, nicht museal solle die Ausstellung werden, mehr als je zuvor sollen neue Arbeiten präsentiert und direkt vor Ort geschaffen werden. Birnbaum betont zudem das „Malerische“ als eine Grundqualität guter Kunst. Allerdings erweitert er diesen Begriff, indem er auch den abstrakten Großfotografien eines Wolfgang Tillmans, den bühnenhaften textilen Installationen der deutschen Newcomerin Ulla von Brandenburg oder den zertrümmerten Spiegeln des 76jährigen Arte Povera-Klassikers Michelangelo Pistoletto die Qualität des Malerischen attestiert. „Ich sehe Malerei nicht als etwas, das hinter uns liegt. Malerei ist auch ein Werkzeug für die Zukunft.“

Neben jüngeren Positionen plant Daniel Birnbaum, auch etliche bereits verstorbene Künstler auszustellen, für die sich jüngere Künstler heute wieder interessieren: darunter den sinnlichen Minimalisten Blinky Palermo, den subversiv-poetischen Schweden Öyvind Fahlström, die Vertreterin des brasilianischen Neo-Concretismo Lygia Pape oder den Rumänen André Cadere, der dafür berühmt war, seine minimalistisch gestreiften Holzobjekte auch in Ausstellungen hineinzuschmuggeln, zu denen er offiziell gar nicht eingeladen war.

Den Anspruch der diesjährigen Biennale, anders zu sein, Kunst als intellektuelles Abenteuer anzusehen und sich nicht bloß, wie es viele Großausstellungen tun, dem Markt anzudienen, betont auch der mit angereiste Paolo Baratta, der als Präsident der Biennale Venedig nicht nur für Bildende Kunst sondern auch für Kino, Tanz, Architektur, Musik und Theater zuständig ist: „Daniel Birnbaum agiert auf der Seite der Künstler. Uns geht es nicht darum, Sammlern irgendwelche Vorschläge zu machen, was sich zu kaufen lohnt.“

„La Biennale di Venezia – 53. Internationale Kunstausstellung“ ist von 7. Juni bis 22. November 2009 in den Giardini und Arsenale sowie etlichen über den gesamten Stadtraum verteilten weiteren Ausstellungsorten zu sehen.

www.labiennale.org



25.03.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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