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Das Berliner Georg-Kolbe-Museum würdigt Hans Wimmer im Kontext der Münchener Bildhauerschule

Moderne menschliche Tiefe



Im 19ten und 20ten Jahrhundert bildet neben der dominierenden Metropole Berlin auch München ein Zentrum der deutschen Skulptur. Dessen Bildhauerei wird maßgeblich durch Adolf von Hildebrand (1847-1921) geprägt, der dem Neubarock das Ideal einer neuen Einfachheit gegenüberstellt. Inspiriert von Antike und Frührenaissance kreiert der Theoretiker neuklassizistische Arbeiten, vor allem Porträtbüsten, Standbilder, Reliefs. Dem Material verhilft der Vater der Münchener Bildhauerschule überdies zu ihrem Recht und hebt über seine akademische Lehrtätigkeit das Niveau der Plastik auf das der Malerei. Sein strenger statuarischer Stil wird von Hermann Hahn und Bernhard Bleeker, seinen Nachfolgern im Lehramt, wirksam weiter getrieben, wiederum weiter verfolgt von deren Schülern. Zu den Novizen des seinerzeit für seine sensiblen Bildnisse bekannten Bleeker gehört Hans Wimmer.


Wimmer ist Teil des konservativen Flügels der jungen Münchner Bildhauerschule. Als es nach 1945 generell zunehmend zu einer freieren, mit abstrakten Elementen durchmischten Arbeitsweise kommt, verharrt man im Süden noch stark im Vergangenen. Obwohl in Bayern Akademielehrstühle nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges neu besetzt werden, kommt es nicht zum Bruch. Denn die neuen Professoren, zu denen auch Wimmer gehört, waren noch von der Vorkriegsgeneration ausgebildet worden. In den Nachkriegsjahren, in denen andernorts die gegenstandslose Kunst ihren Siegeszug vollzieht, wandelt sich die Münchner Bildhauertradition nur äußerst behutsam, ohne das Menschenbild völlig aufzugeben.

Vereinfachung, Verfremdung, Torsierung werden Hauptgestaltungsmittel. Ja sogar noch die dritte Generation, wie beispielsweise der Wimmer-Schüler Wilhelm Uhlig, geht von der menschlichen Figur aus, wenn sie von Uhlig auch zu mehr stereometrischen Gefügen ausgebildet wird. So nimmt es nicht Wunder, dass sich viele mit einer Würdigung Wimmers und seiner Schule schwer tun, obwohl ihm eine maßgebliche Wirkung als Lehrer und Künstler zugesprochen wird. Somit erscheint den Kuratoren eine inhaltliche und weniger personelle Ausrichtung einer Schau angemessen, die – auch als Nachklang zum einhundertsten Geburtstag Wimmers gedacht – jetzt nach Passau und Güstrow im Berliner Georg-Kolbe-Museum die letzte Station erreicht hat.

Vierzig überwiegend kleinfigurige Plastiken visualisieren die vielfältigen Verästelungen seines bildhauerischen Œuvres im Kontext der Zeit mit Vorgängern, Zeitgenossen und Nachfolgern. Menschen und Tiere sind bevorzugte Themen neben lebensvollen Porträtbüsten, religiösen Plastiken sowie großplastischen Werken im öffentlichen Raum. Letztere zählen zu den bedeutendsten Arbeiten Wimmers, die sich allesamt durch überaus gelungene Einbindung in den unmittelbaren räumlichen Kontext auszeichnen.

Hans Wimmer, geboren 1907 in Pfarrkirchen, geht nach dem Abitur 1927 nach München, wo er an der Technischen Hochschule sein Studium zum Zeichenlehrer beginnt und 1932 mit dem Examen abschließt. Als Kunsterzieher arbeitet er nur kurze Zeit, denn parallel zur Ausbildung kann er an der Kunstakademie bei Franz von Stuck studieren. Von seiner Klasse wechselt Wimmer in die Hermann Groebers, bevor er schließlich zu Bernhard Bleeker umsattelt, einem hochbegabten, heute kaum mehr bekannten Porträtisten. Bleeker legt besonderen Wert auf die klare bildhauerische Form; sein Werkschaffen bleibt der klassischen Gesinnung, dem Ideal der Antike verpflichtet. 1936 verlässt Hans Wimmer die Münchener Akademie. Wegen seiner Weigerung, der NSDAP beizutreten, scheitern 1941 Wimmers Bemühungen um die Berufung auf eine Professur in Nürnberg, kurz darauf auch in München. Erst 1949 wird er Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. 1992 verstirbt der Künstler in München.

Wimmer gewinnt trotz der Verhaftung in der Tradition dem unerschöpflichen Thema des Menschenbildes neue Facetten ab. Die Vielgestaltigkeit seines künstlerisch zusammenhängenden Œuvres verschmilzt mit einer konsequenten plastischen Gestaltung. Seine Lehrphase in den 1920er und 1930er Jahren ist geprägt durch die Suche nach klaren plastischen Formen und kubischer Geschlossenheit. Form und Inhalt sollen erneuert werden, nicht aber um Aufgabe der Inhalte in rein abstrakten Prägungen wie in der Malerei. Wimmer bewegt sich wie alle konservativen Plastiker im Dualismus zwischen Form und Inhalt. Hildebrand als Vorbild, inspiriert von der Antike, der Tradition verpflichtet steht wie selbstverständlich die zentrale künstlerische Aufgabe des Menschenbildes im Fokus. Dabei bestimmen die zentralen gestalterischen Mittel des Genres sein Werkschaffen: Volumen, Kubus, Zwischenraum, Fläche, Gewicht, Kontrapost.

Schon früh sorgt Hans Wimmer mit Porträts für Furore. Sein Bildnis des Archäologen Ernst Buschor wird auf der ersten Documenta 1955 präsentiert. Daneben entstehen viele kleinplastische Werke, freie und auch lebensgroße Figuren wie die „Große Stehende“ von 1956, die in ihrer strengen, ganz auf das Motiv konzentrierten Formensprache nicht auf einem Sockel, sondern einer Stahlplatte platziert ist. Verschiedene, aufschlussreiche Korrespondenzen zu Lehrern und Schülern bietet die Ausstellung. In einer Konfrontation mit Arbeiten seines Schülers und Nürnberger Lehrstuhlnachfolgers Uhlig offenbart sich in Arbeiten beider die breite, lastende Stirn, der nach Innen gerichtete Blick, das Absenken schwerer Lider. Während bei Wimmer alles in einen harmonischen Formenverband eingebunden ist, erfährt bei Uhlig alles eine nochmalige Vertiefung; Wölbungen ziehen sich nach Innen. Überall dominiert die Form als absolute, dem Gegenstand innewohnende Ordnung und höchstes Ziel künstlerisches Gestaltens.

Besonders Wimmers Bildnisse zeichnen sich durch eine große Intuition sowie Treffsicherheit bei den typischen Kennzeichen des Porträtierten aus, mit denen der Künstler zielgenau das Wesen erfasst, wie beispielsweise die Büste des Malers Olaf Gulbransson aus dem Jahr 1932 exemplarisch erkennen lässt. In den 1950er und 1960er Jahren setzt sich bei Wimmer ein klarerer, kubisch kraftvoller Stil in der Behandlung plastischer Volumina durch, wie das Porträt von Theodor Heuss aus dem Jahr 1959 nahelegt. Alle Werke von Wimmer und auch von Hildebrand, Bleeker, Uhlig, Michael Croissant bis hin zu Fritz Koenig legen dar, dass in München Konstanz und Wandel gemächlich und gleichzeitig ablaufen, während in Berlin immer wieder Neuansätze aufkommen.

Die Ausstellung „Gestalt – Form – Figur. Hans Wimmer und die Münchener Bildhauerschule“ ist noch bis zum 13. April in Berlin zu besichtigen. Das Georg-Kolbe-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5, ermäßigt 3 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 24,80 Euro kostet.

Kontakt:

Georg-Kolbe-Museum

Sensburger Allee 25

DE-14055 Berlin

Telefon:+49 (030) 30 42 144

Telefax:+49 (030) 30 47 041

E-Mail: kolbe.museum@t-online.de



24.03.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


15.02.2009, Gestalt – Form – Figur. Hans Wimmer und die Münchener Bildhauerschule

Bei:


Georg Kolbe Museum

Künstler:

Fritz Koenig

Künstler:

Wilhelm Uhlig

Künstler:

Bernhard Bleeker

Künstler:

Hans Wimmer

Künstler:

Michael Croissant










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