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Performance und Ausstellung im Dialog und als eigenständige Medien: Die internationale Künstler- und Performergruppe Discoteca Flaming Star stellt in der Reihe „Ordnung“ im Kunstverein Harburger Bahnhof und in der Zürcher Galerie Freymond-Guth aus

Künstlerische Freiheit als emphatische Behauptung



Discoteca Flaming Star, Alfombra 7 (What is Always on my Mind), 2006

Discoteca Flaming Star, Alfombra 7 (What is Always on my Mind), 2006

Öffnet man die schwere Eingangstür zum Kunstverein Harburger Bahnhof, tritt man zunächst ins Dunkle. Der Zugang zum großen Ausstellungsraum, einem ehemaligen Wartesaal für Zugreisende Erster Klasse mit hoher, holzvertäfelter Kassettendecke, ist nur mit etwas Mühe zu erreichen. Unversehens scheint sich der Besucher in einem Backstagebereich zu befinden. Etwas verstohlen schlängelt er sich vorbei an Stoffbannern, auf denen Videoprojektionen flimmern, bevor er in den unverstellten Hauptraum tritt, dessen Fenster teils milchig-trüb, teils transparent belassen sind.


„Wir haben den Eingang erschwert, so dass man, um den großen Ausstellungsraum zu betreten, wie durch einen vollgestopften Dachboden gehen muss“, erläutert Wolfgang Mayer, Jahrgang 1967. Zusammen mit der spanischen Künstlerin Cristina Gómez Barrio, Jahrgang 1973, ist er Gründungsmitglied und Motor der seit 1998 bestehenden Künstlergruppe Discoteca Flaming Star. Beide leben zur Zeit in Berlin. Je nach Ausstellungs- oder Performancekontext gruppieren sich weitere, wechselnde Mitglieder um das Duo herum.

In der aus sieben Teilen bestehenden Ausstellungsreihe „Ordnung“ des Kunstvereins Harburger Bahnhof bildet die aktuelle Ausstellung der interdisziplinären Künstlergruppe den sechsten Teil mit dem Titel „Freiheit“. Frühere Ausstellungen der Reihe fanden zu den Begriffen Arbeit, Liebe, Geld, Macht und Sex statt. Die Reihe beschließen wird eine Schau unter der Überschrift „Zukunft“.

Auf dem Boden des Ausstellungsraums liegen locker verteilt rund ein Dutzend Teppiche in unterschiedlichen Formaten. Keine wertvollen Perserteppiche sondern eher billige Kaufhausware mit orientalischen Mustern, die einst auch einfachen Behausungen ein Flair von Behaglichkeit einhauchen sollte. Der Titel der Werkgruppe lautet „Alfombras“, das ist das spanische Wort für Teppiche. Die Künstler haben die gemusterten Bodenbeläge teils aus dem Atelier mitgebracht und teils in Harburg gesammelt und gefunden. Schreitet man sie ab, so entdeckt man, dass die orientalischen Muster zum größten Teil mit schwarzer Acrylfarbe übermalt sind.

Die wenigen unbemalten Stellen geben den Blick auf eine Art Schablonenschrift frei. Schaut der Betrachter nach unten, kann er hier Wörter, Sätze, Texte und Textfragmente entziffern. Es sind Texte, die die Künstlergruppe über Jahre gesammelt hat: Referenzen zu anderen Künstlern, Querverweise und Assoziationen. Ein Bogen wird beispielsweise zu dem amerikanischen Avantgardekomponisten Morton Feldman geschlagen, der mit John Cage, einer der Schlüsselfiguren der Fluxusbewegung und der Minimal Music, eng befreundet war. Es ist bekannt, dass sich Morton Feldman in seinen Kompositionen auch von asymmetrischen Teppichmustern inspirieren ließ. Außerdem war er mit wichtigen Vertretern der New York School wie Jackson Pollock, Mark Rothko und Franz Kline befreundet.

Auf einem anderen modifizierten Teppich kann man dann weniger abstrakte als konkrete Begriffe entziffern, die sich ganz wörtlich auf die physische Beschaffenheit des Gegenstandes und der darauf befindlichen menschlichen Absonderungen und Mikrospuren beziehen: „Fettpartikel“, „Kohlenwasserstoff“ oder „Hautsplitter“. Weitere Assoziationsfäden streifen den Renaissancemaler Piero della Francesca, Bertolt Brecht, Ezra Pound und Pier Paolo Pasolini.

Discoteca Flaming Star versteht sich als Kunst- und Performanceprojekt, das an wechselnden Orten und in wechselnden Besetzungen rund um die beiden Gründer auftritt. Ihre Organisationsweise erinnert auf den ersten Blick an eine Rockband. In ihren Aufführungen, Performances und Videos thematisieren sie bevorzugt gesellschaftliche und politische Fragestellungen. Dabei nehmen sie immer wieder Bezug auf Filme und Theaterstücke, auf andere Künstler, Musiker und Tänzer. Zu einem der Markenzeichen ihrer Kunst gehört zudem die Verwendung von Stoffbannern als Träger poetischer und politischer Textbotschaften, als Raumteiler und Projektionsfläche. Die „Flaming Stars“ bedienen sich damit eines Mediums, dessen Herkunft aus dem Repertoire der linken Protest- und Demonstrationskultur, der Agitation und Propaganda eindeutig politisch konnotiert ist. Discoteca Flaming Star bezeichnen ihre eigenen künstlerischen Auftritte gern selbstironisch als „Hardcore-Karaoke“.

Auch im Kunstverein Harburger Bahnhof sind Discoteca Flaming Star mit zwei Performances präsent. Dennoch ist es der Gruppe wichtig, dass der Ausstellungsraum auch ohne ihre Anwesenheit funktioniert. Wolfgang Mayer: „Wie kann man den Raum, den man kreiert, durch die Performance sehen? Wie erreicht man die Leute, die die Performance nicht gesehen haben und jetzt den Raum ohne Akteure sehen?“

Ein Bindeglied zwischen einem früheren Live-Auftritt von Discoteca Flaming Star in einem spanischen Dorf in der Extremadura und der Hamburger Ausstellung bildet eine Arbeit, die zunächst einmal den Eindruck vermittelt, als operiere sie nur mit Sound. Permanent erklingt der verzweifelte Ruf nach einem Mädchen namens Ana durch den Ausstellungsraum. Geht man, angelockt von der ängstlich klagenden Frauenstimme, in einen kleinen Nebenraum, so entdeckt man einen mit Tüchern verhängten TV-Monitor. Es lässt sich aus dem diffusen Flimmern hinter dem Tuch nur erahnen, dass hier ein rund 14minütiger Ausschnitt aus dem 1973 entstandenen Film „Der Geist des Bienenstocks“ des spanischen Regisseurs Victor Erice gezeigt wird. Erice setzt sich kritisch mit dem ländlich geprägten Spanien der 1940er Jahre auseinander. Das sechsjährige Mädchen Ana sieht sich auf einem Dorfplatz in Kastilien einen Horrorfilm an und verschwindet danach auf mysteriöse Art und Weise. Kultfilm trifft auf zeitgenössische Performance-Konzepte: Im Juni 2004 traten Discoteca Flaming Star zusammen mit einer einheimischen Folkloregruppe auf dem Dorfplatz eines spanischen 300-Einwohner-Dorfes auf.

Performance, Installation, Video, Musik, poetische Textbotschaften auf Bannern oder Teppichen: Indem die „Flammenden Sterne“ die unterschiedlichsten Medien benutzen und ausprobieren, stellen sie immer wieder aufs Neue die Frage nach den adäquaten Präsentationsformen von Kunst und der Interaktion mit dem Publikum. Wenn sie etwas ganz konsequent vermeiden, dann ist es Routine. Künstlerische Praxis ist für sie ein weites Feld der unterschiedlichsten Möglichkeiten – und Risiken.

Discoteca Flaming Star sind Geschichtenerzähler zwischen Glamour und Sperrmüll, poetischer Botschaft und politischer Geste. Und sie sind eine selbstbewusste und autonome Gruppe von Künstlern, die Kunst, ganz jenseits ihrer potentiellen Vermarktbarkeit, als einen Raum von Handlungsmöglichkeiten betrachten, in dem noch längst nicht alles ausprobiert worden ist. Wolfgang Mayer: „Künstlerische Freiheit ist eine große emphatische Behauptung, die ich per se als Künstler verkörpere, wenn ich arbeite.“

Die Ausstellung „Discoteca Flaming Star“ in der Reihe „Ordnung sagt Freiheit“ ist noch bis zum 20. März zu sehen. Der Kunstverein Harburger Bahnhof hat mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am 20. März findet um 20 Uhr die Finissage mit der Performance „Discoteca Flaming Star – for boris for ingrid“ statt. Die aktuelle Galerieausstellung von Discoteca Flaming Star läuft noch bis zum 25. April bei Freymond-Guth & Co. Fine Arts in Zürich.

Freymond-Guth & Co. Fine Arts
Brauerstrasse 51
CH-8004 Zürich

Telefon: +41 (0)44 - 240 04 81
Telefax: +41 (0)44 - 240 04 81

Kontakt:

Kunstverein Harburger Bahnhof e.V.

Hannoversche Straße 85

DE-21079 Hamburg

Telefon:+49 (040) 76 75 38 96

Telefax:+49 (040) 76 75 47 85

E-Mail: info@kunstvereinharburgerbahnhof.de

www.discotecaflamingstar.com



18.03.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


30.01.2009, Reihe: Ordnung sagt Freiheit

Bei:


Kunstverein Harburger Bahnhof e.V.

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Discoteca Flaming Star, Alfombra 7 (What is Always on my Mind), 2006
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Discoteca Flaming Star, Blue Banner, 2007-2008
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Discoteca Flaming Star, Alfombra 25 (vivequicontropotere), 2008
Discoteca Flaming Star, Alfombra 25 (vivequicontropotere), 2008

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Discoteca Flaming Star, White Banner III (Transparent), 2007
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Künstler:

Wolfgang Mayer

Künstler:

Cristina Gomez Barrio







Discoteca Flaming Star, Blue Banner, 2007-2008

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Discoteca Flaming Star, Alfombra 25 (vivequicontropotere), 2008

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Discoteca Flaming Star, White Banner III (Transparent), 2007

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