Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 28.09.2018 Auktion A186: Gemälde Alter Meister

© Koller Auktionen AG

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Nature morte au crane / Pablo Picasso

Nature morte au crane / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Sigmar Polke, wie ihn keiner kennt: Eine ebenso materialreiche wie faszinierende Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle beleuchtet jetzt Polkes stürmischen 70er Jahre und lüftet so manches Geheimnis

Die wilden Jahre des Sigmar Polke



Er gilt heute als mit Preisen und Auszeichnungen überhäufter Staatskünstler. Eine graue Eminenz des Kunstbetriebs, die sich in der Öffentlichkeit extrem rar macht, mit Lob und Anerkennung von allen Seiten aber geradezu überschüttet wird. Die Rede ist von Sigmar Polke. Dem großen Ironiker, Experimentator und Stilparodisten widmet die Hamburger Kunsthalle jetzt eine dreiteilige Ausstellungsreihe. Unter dem Titel „Sigmar Polke. Wir Kleinbürger!“ wird nach und nach der ganze Polke aufgerollt und präsentiert. Angesichts der vorhandenen Materialfülle ein Unternehmen, das entweder ein ganzes Museum hätte füllen können oder aber – so haben es die Macher der Ausstellung beschlossen – jetzt häppchenweise präsentiert wird. Was der bessere Weg gewesen wäre, darüber könnte man natürlich trefflich streiten. Fest steht aber, dass bereits der Auftakt der insgesamt bis Ende Januar 2010 währenden Ausstellungsreihe extrem gut gelungen ist. Teil 1 ist dem Leitthema „Clique“ gewidmet, die beiden folgenden Kapitel werden sich dann mit den Komplexen „Pop“ und „Politik“ beschäftigen.


Sigmar Polke, Jahrgang 1941, ist ein genauer Beobachter der bundesrepublikanischen Verhältnisse. Was ihn interessiert und woran sich seine Fantasie entzündet, das sind die trivialen Bildwelten des Alltags, die glänzenden Oberflächen des Konsums, die marktschreierischen Überschriften der Boulevardzeitungen und die ebenso schillernden wie schmuddeligen Parallelwelten des Trash, der Comics, der Schundromane und Pornoheftchen. Aus diesem Abfall der Gesellschaft destilliert er in der ihm eigenen alchemistischen Art und Weise seine eigenwilligen und unverwechselbaren Bildwelten.

Im Zentrum der Ausstellungsreihe steht das zehnteilige Ensemble „Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen“. Der Titel wurde von einem richtungweisenden Essay Hans Magnus Enzensbergers inspiriert. Diese großformatigen Arbeiten auf Papier entstanden zwischen 1974 und 1976. Die Werkgruppe wurde erst vor kurzem wieder komplett zusammengeführt. Ähnlich wie Schullandkarten hängen diese 2 auf 3 Meter großen Papierarbeiten im Hauptraum der Ausstellung. Mit den unterschiedlichsten Techniken und Materialien lässt Polke einen verwirrenden Bilderkosmos entstehen, der aus Comics ebenso gespeist ist wie aus altägyptischen Darstellungen, Textfragmenten oder Werbezitaten. Entstanden in einer Zeit heftiger politischer Auseinandersetzungen, thematisiert dieses Ensemble die tiefe Spaltung der damaligen Bundesrepublik. Während linke Studenten sich demonstrierend die Straße eroberten, befriedigte der deutsche Spießer und Kleinbürger seine konsumtiven Bedürfnisse in den immer größer werdenden Konsumtempeln und Supermärkten oder er träumte von exotischen Urlaubsparadiesen.

Das große Verdienst dieser Ausstellung ist es, Sigmar Polke nicht in Musealität erstarren zu lassen. Neben den Großformaten ist eine überwältigende Fülle an Quellenmaterial und Referenzobjekten zu sehen: Fotografien, Drucksachen, Plattencover, Plakate, Postkarten, Comichefte sowie zahlreiche Bücher zeitgenössischer Diskursliteratur werden in Vitrinen präsentiert.

Der Titel dieses ersten Ausstellungskomplexes „Clique“ deutet es schon an: Viele der hier gezeigten Arbeiten sind nicht allein das Werk eines genialischen Einzelgängers. Sie entstanden in enger Kollaboration mit zahlreichen Künstlerfreunden, Weggefährten und Kunstgroupies. Neben heute noch bekannten Namen wie Katharina Sieverding und Candida Höfer gehörten zahlreiche weitere Mitstreiter zu Polkes erweitertem Umfeld, etwa der im vergangenen Jahr verstorbene Memphis Schulze. Man traf sich in Hamburg, wo Polke eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste hatte, in Zürich, Bern, Köln und Düsseldorf. Den Mittelpunkt dieser lockeren Clique bildete von 1972 bis 1978 der Gaspelshof, ein Bauernhof im niederrheinischen Ort Willich. Hier wurde in einer Art Hippiekommune gelebt, gearbeitet und gefeiert – Alkoholexzesse und LSD-Experimente inklusive.

Auch wenn die Blätter am Ende von Sigmar Polke signiert wurden, entstanden sie doch oft in einem kollektiven Prozess des additiven Zusammenfügens, Collagierens, Übermalens und Überzeichnens. Prägnantestes Beispiel für diese nicht immer nur harmonische multiple Autorenschaft ist das Konvolut der zwischen 1973 und 1975 auf dem Gaspelshof entstandenen Telefonzeichnungen. 70 auf 100 Zentimeter große Papierbögen direkt neben dem Telefon luden jeden Mitbewohner oder Gast dazu ein, sich mit Zeichnungen, Kritzeleien, Collageelementen, Stempeln oder Notizen zu verewigen.

In Hamburg sind die Produkte und Dokumente dieser Zeit nun erstmals in großer Fülle zu besichtigen. Die mit kenntnisreicher Expertise zusammengetragene Schau über Sigmar Polkes wilde Jahre erlaubt es, das Werk dieses für die deutsche Nachkriegskunst so ungemein wichtigen Malers aus einer neuen, bisher weitgehend unbeachteten Perspektive zu betrachten.

Die Ausstellung „Sigmar Polke. Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen. Teil 1: Clique“ läuft in der Galerie der Gegenwart vom 13. März bis zum 28. Juni. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der 472seitige Katalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 48 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



15.03.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


13.03.2009, Sigmar Polke. Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen. Teil 1: Clique

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


Roswitha Haftmann-Preis an Sigmar Polke

Bericht:


Anmerkungen eines Distanzierten

Bericht:


AICA kürt Museum und Ausstellung des Jahres

Bericht:


Künstler in die Manege

Bericht:


Ankunft in der Heimatstadt

Künstler:


Sigmar Polke










Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce