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Er hat den Farbfilm nie vergessen: Das Münchner Haus der Kunst ehrt William Eggleston, den Pionier der künstlerischen Farbfotografie mit einer großartigen Retrospektive

Die Welt in Farbe



„Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael“, so lautete der Refrain des ersten großen Hits, der die damals 19jährige Nina Hagen 1974 schlagartig berühmt machte. Hagen beschreibt darin die Freuden eines Ostseeurlaubs auf der Insel Hiddensee, die mangels Farbfilm aber leider nur in schnödem Schwarzweiß festgehalten werden konnten. Wäre sie zur gleichen Zeit mit dem amerikanischen Fotografen William Eggleston in, sagen wir einmal, Memphis, Tennessee, unterwegs gewesen, wären ihr derlei Enttäuschungen ganz sicher erspart geblieben. William Eggleston, Jahrgang 1939, gilt als der unumstrittene Pionier der künstlerischen Farbfotografie. Seine farbigen Aufnahmen von Fundstücken rechts und links der Landstraße, von Freunden aus der Subkultur und ganz gewöhnlichen Nachbarn gehören bei Museen und Sammlern mittlerweile zur unverzichtbaren Grundausstattung. Das Münchner Haus der Kunst widmet der lebenden Legende jetzt eine in Form und Umfang eigentlich schon lange überfällige, gewiss aber großartige Retrospektive. Rund 160 Exponate umfasst die gemeinsam mit dem New Yorker Whitney Museum entwickelte Schau „William Eggleston. Democratic Camera – Fotografie und Video. 1961-2008“.


Zu einer Zeit, als es in Amerika gerade zum Volkssport geworden war, seine hastig belichteten Schnappschüsse in den nächstbesten Drugstore zu bringen und wenige Tage später einen prall gefüllten Umschlag mit billigen Farbabzügen abzuholen, war es für einen Fotokünstler nicht gerade opportun, sich derselben Ästhetik zu bedienen, wie es die breite Masse tat. Schwarzweiß, das galt bis Anfang der 1970er Jahre noch als das unumstößliche Non-Plus-Ultra der künstlerischen Fotografie. Bilder, die der schnöden Alltagswirklichkeit schon allein dadurch entrückt waren, dass sie die Welt in einer Fülle von Grauabstufungen verfremdeten, wurden von Kritik und Publikum als künstlerisch wertvoll geschätzt. Bunte Schnappschüsse konnte schließlich jeder selbst machen.

Als William Eggleston 1976 mit seinen schockierend farbigen Aufnahmen von Straßenkreuzungen, Fastfood-Mahlzeiten oder achtlos weggeworfenen Stofftieren im New Yorker Museum of Modern Art – damals wie heute der Tempel der Moderne – debütierte, ging die Kritik nicht gerade zimperlich mit ihm um: „Total banal“, „absolut langweilig“ oder „schäbig“ lautete das vernichtende Urteil. Die vornehme New York Times verpasste der Schau sogar das wenig schmeichelhafte Etikett „meistgehasste Ausstellung des Jahres“. Eggleston bediente sich scheinbar einer Bildästhetik, wie die Menschen sie aus der Werbung und aus bunten Magazinen gewohnt waren. Das konnte unmöglich Kunst sein.

Heute hat sich diese Bewertung grundlegend geändert: William Eggleston gilt als brillanter Fotograf und lebende Legende. Sein unverkrampfter Blick auf die prosaischen Motive der Warenwelt, die gepflegte Langweile des Vorstadtamerikas mit seinen Shopping Malls, Barbeques, Motelzimmern und einsamen Landstraßen hat ganze Generationen von jüngeren Fotografen geprägt. Die Aufnahmen von Wolfgang Tillmans, Juergen Teller, Martin Parr und Andreas Gursky wären ohne Egglestons frühe Pioniertaten kaum denkbar.

Sein Erfolgsgeheimnis? Vielleicht ist es die Fähigkeit, die Banalität des Alltags eben doch ganz anders zu inszenieren, als es ein wild um sich herum knipsender Hobbyfotograf tun würde. Das Gewöhnliche ungewöhnlich daherkommen zu lassen, macht die Qualität dieser farbgesättigten Aufnahmen aus. Eggleston, der sich bis heute des Dye-Transfer-Verfahrens, der aufwändigsten und teuersten Abzugstechnik in der Farbfotografie, bedient, emotionalisiert seine Aufnahmen, indem er einzelne Farben stärker betont und aussteuert als andere. Wie ein Maler, der seine Farben sorgsam wählt, verleiht er so dem Einfachen Würde und lässt das Profane plötzlich überwirklich aufscheinen.

Egglestons scheinbar beiläufiger Blick auf seine Umwelt macht ihn, der ganz überwiegend in den amerikanischen Südstaaten Tennessee, Mississippi und Louisiana fotografiert hat, zu einem unverwechselbaren Chronisten der Gegenwart. Für theoretische Spitzfindigkeiten und konzeptuelle Strategien aber hat der Macher Eggleston nicht viel übrig. Fragt man ihn nach den Beweggründen für seine Farbbegeisterung, so antwortet er gerne ganz lakonisch: „Die Welt ist nun einmal farbig – und es gibt nichts, was wir dagegen tun könnten.“

Die Ausstellung „William Eggleston. Democratic Camera – Fotografie und Video 1961-2008“ läuft vom 20. Februar bis zum 17. Mai. Das Haus der Kunst ist montags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr, donnerstags von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein 304seitiger Katalog in der Yale University Press mit Beiträgen von Thomas Weski, Elisabeth Sussman, Donna De Salvo, Tina Kukielski, Stanley Booth und Adam Welch zum Preis von 49,80 Euro.

Kontakt:

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 21 12 70

Telefax:+49 (089) 21 12 71 57

www.egglestontrust.com



04.03.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


20.02.2009, William Eggleston. Democratic Camera – Fotografie und Video

Bei:


Haus der Kunst

Künstler:

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